Blogbeitrag 5

  1. Wann haben Sie sich beim schulischen Fremdsprachenlernen in ihrer Individualität gesehen und ernstgenommen gefühlt?

Im schulischen Fremdsprachenlernen, vor allem Englisch, aber auch Spanisch gab es meistens kaum ein Gefühl der Individualität. Häufig wurden wir als Klasse und Gruppe unterrichtet, mit deutlich fehlender Individualität. Es kam kaum zu Lernenden-Lehrenden Gesprächen, zum Beispiel über Fehler oder Stärken und Schwächen. Die Ausnahme war eher, wenn nach einer Klausur Schüler:innen unzufrieden mit ihrer Benotung waren und sich von der Lehrkraft beraten ließen, um ihre Leistung in späteren Klausuren zu verbessern. Jedoch ist in meiner Zeit mir aufgefallen, dass vor allem zur Zeit des Abiturs im Englisch Leistungskurs die Individualisierung stieg. Dies hatte wohl vor allem damit zu tun, dass die Klassen deutlich kleiner waren und somit die Individualität überhaupt erst möglich war. Es kam dazu, dass meine Lehrerin von ihr selbst ausgehend Schüler:innen zu Stärken und Schwächen beriet. Eine weitere Dynamik im Verlauf meiner Schulzeit war mit meinen steigenden und sich verbessernden Englischkenntnissen. Diese entstanden vor allem durch das Internet, zum Beispiel Serien, Youtube Videos und Social Media. Diese Entwicklung hatte zum Effekt, dass Lehrende sich oft anerkennender und aufmerksamer mir gegenüber verhielten und ich im Klassengefüge eher individualisiert wurde.

 

  1. Reflektieren Sie die Stärken und Schwächen eines hochgradig individualisierten Fremdsprachenunterrichts.

Die Stärke des hochgradig individualisierten Fremdsprachenunterrichts sind vor allem, dass Lernangebote passgenau auf individuelle Bedürfnisse der Schüler:innen zugeschnitten werden können (Lütje-Klose & Urban, 2014). Damit entsteht im Klassenverband die Förderung von Chancengleichheit und Inklusion. Es können gezielt Beeinträchtigungen, Sprachbarrieren, Lernschwierigkeiten unterstützt werden. Dies ist möglich da in diesem Sprachunterricht unterschiedliche Lernmethoden und Angebote eingeführt werden. Letztens als Effekt und eine der Stärken des hochgradig individualisierten Fremdsprachenunterrichts ist auch die erhöhte Motivation der Schüler, da die Schüler:innen selbst ihr Lernen regulieren können. (vgl. Helmke, 2017) Problematisch könnte jedoch sein, dass die Klassen durch diese Methode an ihrem sozialen Aspekt verlieren und somit der Klassenverband geschwächt wird. Eben dieser ist vor allem bei der Entwicklung der Kinder durchaus relevant. Außerdem sollten Sprachen stets im sprachlichen Austausch gelernt werden, ohne verliert es den allgemeinen Rahmen und könnte zum bloßen stumpfen Auswendiglernen degradieren (vgl. Riemer, 2010). Wie bereits bei der ersten Frage beschrieben ist es Lehrkräften oft nicht möglich in großen Klassenverbänden stark individualisiert zu unterrichten. Es entsteht bei dieser Unterrichtsform ein hoher organisatorischer und personeller Aufwand. Es besteht also das Risiko der Überlastung von Lehrkräften (vgl. Hattie, 2013) oder dass der Workload überhaupt nicht realistisch zu bewältigen ist. Somit wäre es als zukünftige Lehrkraft wohl sinnvoller einem gemischten Modell zu folgen.

 

 

  1. Welche Entwicklungen erwarten Sie bezüglich der Implementation von künstlicher Intelligenz im Fremdsprachenunterricht?

 

In Zukunft erwarte ich, dass generative KI Modelle wie Chat-GPT dazu benutzt werden heterogene Klassenräume zu fördern (Luckin et al., 2016). So kann KI Schüler:innen Lernprofile erstellen, um Lehrkräften zu unterstützen individualisierteren Unterricht effektiv und effizient zu gestalten (Luckin et al., 2016). Außerdem kann KI die Sprachpraxis der Lernenden in Kombination mit der Lehrkraft analysieren und korregieren (Luckin et al., 2016). In dieser Überprüfung bietet KI als Tandem Partner auch eine weniger stressbehaftete Atmosphäre (Luckin et al., 2016). Jedoch besteht die Gefahr der unregulierten Benutzung der KI durch Schüler:innen. KI sollte im Klassenraum nicht als Ersatz der Unterstützung einer Lehrkraft eingesetzt werden, denn neben inhaltliches Lernen ist der Fremdsprachenunterricht auch auf den sozialen Aspekt angewiesen (Kerres, 2018). Wie bereits zu beobachten, besteht bei KI somit durchaus die Gefahr einer starken Dependenz durch Schüler:innen und einer Nicht-Erlernung eigener Lern- und Arbeitsstrategien (Kerres, 2018).

 

 

 

Literatur

Helmke, A. (2017). Unterrichtsqualität und Lehrerprofessionalität. 4. Aufl. Seelze: Klett Kallmeyer.

Kerres, M. (2018). Mediendidaktik: Konzeption und Entwicklung digitaler Lernangebote. 5. Aufl. München: De Gruyter Oldenbourg.

Luckin, R., Holmes, W., Griffiths, M. und Forcier, L.B. (2016). Intelligence Unleashed: An Argument for AI in Education. London: Pearson.

Lütje-Klose, B. und Urban, M. (2014). Inklusion in der Schule: Grundlagen – Konzepte – Praxis. Weinheim: Beltz.

Riemer, C. (2010). Interaktion im Fremdsprachenunterricht. Tübingen: Narr.

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