{"id":22,"date":"2018-06-22T09:05:39","date_gmt":"2018-06-22T07:05:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sapereaude\/?p=22"},"modified":"2018-06-22T17:41:39","modified_gmt":"2018-06-22T15:41:39","slug":"rv11-prof-dr-till-sebastian-idel-individualisierung-von-unterricht-als-schulpaedagogische-antwort-auf-leistungsheterogenitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sapereaude\/2018\/06\/22\/rv11-prof-dr-till-sebastian-idel-individualisierung-von-unterricht-als-schulpaedagogische-antwort-auf-leistungsheterogenitaet\/","title":{"rendered":"RV11 \u2013 Prof. Dr. Till Sebastian Idel: Individualisierung von Unterricht als schulp\u00e4dagogische Antwort auf Leistungsheterogenit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 12pt;font-family: 'times new roman', times, serif\">I.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 10pt\">Die Schule in Form der heutigen Institution geht zur\u00fcck auf das b\u00fcrgerliche 18. Jahrhundert in dem auch Humboldt sein Bildungsideal \u00a0vertrat. Mit der durchb\u00fcrgerlichung der Gesellschaft, die zum Einsetzen der allgemeinen Schulpflicht mit der Weimarer Verfassung f\u00fchrte, wurde diese Schule dann auch ein Ort der Massenerziehung. Um Jahr f\u00fcr Jahr die eine Vielzahl von Sch\u00fclern weiterzubilden entwickelte sich der Modus des Frontalunterrichtes. Seine Logik spiegelt auch den egalit\u00e4ren Anspruch der damaligen Gesellschaftsform wieder: Die Sch\u00fcler sitzen strikt aufgereiht im Klassenraum immer dem Lehrer zugewandt. Ein hohes Ma\u00df an Disziplinierung wird von den Sch\u00fclern abverlangt um aus Ihnen die Subjekte zu bilden, die die Gesellschaft verlangt. zwischen den homogenisierten Sch\u00fclern und dem Lehrer besteht ein deutliches Machtgef\u00e4lle. Der Lehrer hat den zentralisierten Klassenvorsitz und initiiert von dort aus die Aufgaben, die er an die Sch\u00fcler stellt. Diese reagieren auf diese durch das schulspezifische Handzeichen &#8218;Melden&#8216; und der Lehrer delegiert dann die Verantwortung, die Aufgabe zu l\u00f6sen an einen bestimmten Sch\u00fcler. Auch hier zeigt sich wieder das egalit\u00e4re Prinzip, dass n\u00e4mlich eine Aufgabe an alle Sch\u00fcler gestellt wird.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 10pt\">Heute, nach fast einem Jahrhundert der Schulpflicht, sind eine menge Menschen, insbesondere nat\u00fcrlich P\u00e4dagogen, davon \u00fcberzeugt, dass dieses Modell das Frontalunterrichtes \u00fcberholt sei; das Gegenangebot: &#8222;Individualisierter Unterricht&#8220;. Sein Ziel ist es die vormalig starren Strukturen aufzul\u00f6sen. Das vormalige Zentrum, welches der Lehrer gebildet hat, wird hier verworfen und in diesem Zuge wird auch die Sitzordnung einem, von der Lehrkraft erdachten, &#8217;sinnvollen&#8216; Prinzip geordnet. Das bedeutet meist, dass Gruppentische gebildet werden, an denen die Sch\u00fcler ihren heterogenen Bed\u00fcrfnissen nach, die der Lehrer ersp\u00fcren muss, geordnet werden. Damit werden auch die R\u00e4ume im Klassenraum ge\u00f6ffnet und meistens d\u00fcrfen die Sch\u00fcler sich im Klassenraum frei bewegen. Aufgaben werden hier nicht gleich gestellt, sondern die offene Struktur soll es m\u00f6glich machen, dass auch diese individuell an die unterschiedlichen Anforderungen der Sch\u00fcler angepasst werden im Zuge der allgemeinen Flexibilisierung wird dann oft auch die Lernzeiten flexibilisiert, indem die Sch\u00fcler eigenverantwortlich diese festlegen sollen. Das Resultat ist eine heterogene Klassengemeinschaft und l\u00e4sst sich gut mit der Aufl\u00f6sung des dreigliedrigen Schulsystems verstehen. Dieses ist nun n\u00e4mlich nicht mehr vorhanden, womit die Unterschiede sich in den Klassen selber deutlicher widerspiegeln.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 12pt\">II.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: 'times new roman', times, serif\">Meiner Meinung nach bin ich sicher ob dieser Weg der &#8218;Individualisierung&#8216; der richtige ist und ich denke es gibt keine Argumente, dass dieser Weg der objektiv bessere ist. Beide Modelle haben Vorteile, aber auch deutliche Schw\u00e4chen. Der &#8222;Individualisierte Unterricht&#8220; (IU) macht es m\u00f6glich, deutlich spezifischer auf die Schw\u00e4chen einiger Sch\u00fcler einzugehen. Wenn Sch\u00fcler im Frontalunterricht das Gef\u00fchl erhalten, sie seien abgeh\u00e4ngt von dem dortigen Leistungsniveau, ist dies fatal. In dem Falle w\u00e4re es deutlich hilfreicher f\u00fcr die Sch\u00fcler an diesem IU teilzunehmen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 10pt\">Andererseits ist durch den IU das Distance-Verh\u00e4ltnis zwischen dem Lehrer und dem Sch\u00fcler deutlich gest\u00f6rter; der Lehrer als Autorit\u00e4tsperson wird stetig mehr zum Betreuer auf Augenh\u00f6he. Des Weiteren ist eine \u00fcberzogene Disziplinierung nat\u00fcrlich verh\u00e4ngnisvoll, aber ich f\u00fcrchte durch ein allzu flexibles Konzept kann die Unterrichtsatmosph\u00e4re k\u00f6nnte deutlich unruhiger werden. Ich denke, dass k\u00f6nnte auch deutlich kontraproduktiv f\u00fcr die leistungsschw\u00e4cheren Sch\u00fclern sein, denn einfacher ist wohl eher der feste Rahmen, als in einem losen Verbund zurecht zu kommen. Die gr\u00f6\u00dfte Gefahr besteht, denke ich, darin, dass indem man sich der Heterogenit\u00e4t der Sch\u00fcler zu sehr anpasst, diese dann auch in Stein mei\u00dfelt: Ein schlechter Sch\u00fcler, der immer einfachere Aufgaben bearbeitet, wird es auch schwerlich zu einem besseren Niveau schaffen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 10pt\">III.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 10pt\">Beobachte, wie \u00fcber die verschiedenen Jahrgangsstufen unterschiedliche Grade &#8222;individualisierten Unterrichts&#8220; stattfinden. Ist trotz dieses Unterrichtsformates eine Homogenisierung festzustellen, die ja das unbedingte Ziel der Lehrkraft sein sollte?<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. Die Schule in Form der heutigen Institution geht zur\u00fcck auf das b\u00fcrgerliche 18. Jahrhundert in dem auch Humboldt sein Bildungsideal \u00a0vertrat. 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