{"id":17,"date":"2018-06-07T18:52:28","date_gmt":"2018-06-07T16:52:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sapereaude\/?p=17"},"modified":"2018-06-07T18:54:44","modified_gmt":"2018-06-07T16:54:44","slug":"rv09-dr-christoph-fantini-genderperspektiven","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sapereaude\/2018\/06\/07\/rv09-dr-christoph-fantini-genderperspektiven\/","title":{"rendered":"RV09 \u2013 Dr. Christoph Fantini: Genderperspektiven"},"content":{"rendered":"<p><strong>I.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: 'times new roman', times, serif\">Hier sind wir wieder beim Thema &#8218;Gender&#8216;. Jeder hat es und kann es aufgrund seiner Sexualit\u00e4t auch nicht folgenlos ignorieren. Trotz sexueller Revolution und dem nun schon \u00fcber f\u00fcnfzig Jahre bestehenden Artikel 3 des Grundgesetzes, bestehen wenig Themen an denen sich die Gem\u00fcter weniger erhitzen lassen. Wie viele Geschlechter gibt es? Ist das Geschlecht &#8218;Natur&#8216; oder &#8218;Gesellschaftliche Zuweisung&#8216;? Wer bestimmt mein Geschlecht? \u00a0Viele Fragen werfen sich zu dieser Thematik auf und um sie nachzuvollziehen muss man erst mal einen Schritt zur\u00fcck machen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: 'times new roman', times, serif\">Das Fundament der Geschlechtlichkeit bildet das biologische Geschlecht: Zwischen der Polarit\u00e4t von X-Chromosomen und Y-Chromosomen spielt sich die Geschlechtlichkeit ab: Da der L\u00f6wenanteil aus &#8218;M\u00e4nnern&#8216; (XY) und &#8218;Frauen&#8216; (XX) besteht, ging man in der Geschichte auch nur von zwei Geschlechtern aus und es verh\u00e4lt sich so, dass das Y-Chromosomen physische \u00dcberlegenheit verursacht hat und das &#8218;m\u00e4nnliche&#8216; Geschlecht somit die Spielregeln quasi von der Existenz des Menschen an bis ins zwanzigste Jahrhundert bestimmt hat. Das andere Geschlecht wurde dominiert und ihm seine Rolle zugewiesen. Ein gutes Beispiel der neueren Popkultur hierf\u00fcr sind die Schl\u00fcmpfe, bei denen jeder Schlumpf durch ihre spezifische Eigenschaft charakterisiert wird: Schlaubi der Schlaue, Papa (!) Schlumpf der Anf\u00fchrer, Hefty der Handwerkliche und schlie\u00dflich Schlumpfine die Weibliche. Die Frauen haben nicht an der Gesellschaft teil genommen und waren auf ihre Funktion zur Triebabfuhr f\u00fcr den Mann und zur Reproduktionsarbeit marginalisiert. Nun sind aber wie angemerkt seit der Subjektwerdung der Frau 50 Jahre vergangen, und Rollenzuschreibungen bestehen l\u00e4ngst nicht mehr in der radikalen &#8222;Schlumpf-Form&#8220; fort, jedoch haben sie sich auch nicht vollends verfl\u00fcchtigt. Warum das?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: 'times new roman', times, serif\"> Wichtig ist zum Verst\u00e4ndnis scheint die Unterscheidung zwischen der ersten Natur und der zweiten (gesellschaftlichen) Natur des Menschen. Die erstere ist nur soweit hintergehbar, wie es die \u00e4u\u00dfere Naturbeherrschung zul\u00e4sst: So wird es wohl vorerst das Schicksal der Frau bleiben, dass sie die Kinder geb\u00e4ren wird und diese Grundanlage weiter beeintr\u00e4chtigt sein wird. Durch das Geb\u00e4ren von Kindern initiiert sich aber dann auch schon die Mutter-Kind-Beziehung (mit all ihren libidin\u00f6sem Seiten), wodurch schnell das Bild der K\u00fcmmernden Frau evozieren kann. Dieses wird dann schnell ohne gro\u00dfe Reflexion auf die erste Natur projiziert und schon steht es f\u00fcr viele Menschen fest, dass z.B. Frauen &#8218;an sich&#8216; emotionaler seien und eher f\u00fcr K\u00fcmmerarbeit geeignet seien. Zwischen solchen Verwirrungen zwischen erster und zweiter Natur spielt sich auch das &#8218;Spannungsfeld von Inszenierung und Zuschreibung\u00a0in Bezug auf Gender&#8216; ab. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: 'times new roman', times, serif\">Genau diese Konfliktlinien ziehen sich nat\u00fcrlich auch bis in die Schule hinein.<\/span><\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 10pt\">Die Pubert\u00e4t f\u00e4llt, wie viele Lehrer erleiden m\u00fcssen, ja mitten in die Schullaufbahn. Dementsprechend kann wohl jeder der in Schule war ein paar aussagen zu dem Thema &#8218;Gender&#8216; machen. In meiner Schulzeit war selbstverst\u00e4ndlich noch alles nach Zweigeschlechtigkeit getrennt. In der Grundschule kam es freilich \u00f6fters zu ersten geschlechtsidentit\u00e4ren Versuchen und einige von diesen wurden auch von anderen sanktioniert, was &#8218;m\u00e4nnlich&#8216; und was &#8218;weiblich&#8216; sei. In der f\u00fcnften Klasse dann wurde ich mit einem Schulfreund an einem Vier-Personen-Gruppentisch mit zwei M\u00e4dchen gesetzt, da diese eher die &#8217;stillen und ordentlichen&#8216; waren und wir &#8218;ungehobelte&#8216; Jungs. Selbstverst\u00e4ndlich hatte meine damalige Lehrerin auch v\u00f6llig Recht damit, hat aber direkt die Geschlechterklischees getroffen. In diesem Falle gibt es keine Problematik, da die Klischees zutrafen, aber nach au\u00dfen hin hatte er nat\u00fcrlich klischeereproduktiven Charakter. Schlie\u00dflich ist noch zu sagen, dass nicht wir diszipliniert wurden, sondern die beiden M\u00e4dchen nach einem Halbjahr mit uns an einem Tisch nicht mehr nur &#8217;still und ordentlich&#8216; waren. Dementsprechend hatte es ein gutes Ende &#8211; nur nicht f\u00fcr den Ger\u00e4uschpegel in der Klasse. In den folgenden pubert\u00e4ren Jahren wurden dann gerade auf Seiten der Jungen pubert\u00e4re Triebkr\u00e4fte eher in eine homoerotische als in eine &#8218;genderplay&#8216; Richtung gelenkt.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: 'times new roman', times, serif;font-size: 10pt\">Ehrlich gesagt ist auch schwer hier etwas genaues zu formulieren, weil der Bergriff \u00a0&#8218;Gender&#8216; gelinde gesagt ziemlich schwammig ist. Arbeiten wir hier mit &#8218;Gender&#8216; als Selbstzuschreibung oder gesellschaftlicher Zuschreibung? Im Verbund mit dem biologischen Geschlecht? Soll ich hier alle meine eigenen Ideen in den Begriff rein projizieren? Es schwer so wichtige Themen kindliche Geschlechtlichkeit bzw. Sexualit\u00e4t zu reflektieren. Soll ich hier eher eine psychoanalytische oder soziologisch Perspektive aufmachen? Wahrscheinlich eher &#8218;Gender&#8216; in einem rezeptiven Sinn, aber das wird leider nicht klar und wenn man diesen \u00fcberladenen Begriff in den Ring wirft, wird auch vieles nicht klarer.<\/span><\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: 'times new roman', times, serif\">Beschreibe Elemente &#8222;gendersensibler P\u00e4dagogik&#8220;,\u00a0m\u00f6glichst unter Bezugnahme auf mindestens ein anderes Heterogenit\u00e4tsfeld, die du in deinem Praktikum beobachten kannst.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. Hier sind wir wieder beim Thema &#8218;Gender&#8216;. Jeder hat es und kann es aufgrund seiner Sexualit\u00e4t auch nicht folgenlos ignorieren. Trotz sexueller Revolution und dem nun schon \u00fcber f\u00fcnfzig Jahre bestehenden Artikel 3 des Grundgesetzes, bestehen wenig Themen an denen sich die Gem\u00fcter weniger erhitzen lassen. Wie viele Geschlechter gibt es? 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