{"id":14,"date":"2018-06-04T19:18:53","date_gmt":"2018-06-04T17:18:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sapereaude\/?p=14"},"modified":"2018-06-07T18:56:01","modified_gmt":"2018-06-07T16:56:01","slug":"rv8-prof-dr-frank-j-mueller-auf-dem-weg-zu-einer-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/sapereaude\/2018\/06\/04\/rv8-prof-dr-frank-j-mueller-auf-dem-weg-zu-einer-schule\/","title":{"rendered":"RV8 &#8211; Prof. Dr. Frank J. M\u00fcller: Auf dem Weg zu einer Schule"},"content":{"rendered":"<p>I.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: 'times new roman', times, serif\">Bei der Frage nach einer Aussonderung von Sch\u00fclerInnen mit F\u00f6rderbedarf, dh. deren Ausschlie\u00dfen aus dem Regelunterricht oder &#8211; wie z.T. in einigen Regierungsbezirken noch immer der Fall &#8211; sogar aus der Regelschule, spalten sich die Geister. Zwar wird zunehemend ein Problembewusstsein f\u00fcr dieses Vorgehen entwickelt, doch trotz der im Besonderen negativen Konsequenzen lassen sich noch immer Bef\u00fcrworter eines solchen Vorgehens finden. Ich m\u00f6chte aus diesem Grund im Folgenden und in K\u00fcrze die Konsequenzen, die eine Aussonderung eben dieser SuS nach sich zieht, er\u00f6rtern. Immer mehr SuS weisen die unterschiedlichsten F\u00f6rderbedarfe auf und stellen die Lehrpersonen vor neue Herausforderungen. So kann es vorkommen, dass innerhalb einer Klassengemeinschaft W&amp;E-Kinder, Kinder mit Lernschw\u00e4chen und Kinder mit und ohne pers\u00f6nliche Assistenzen zusammen lernen und arbeiten. Das ein solcher &#8218;Drahtseilakt&#8216; &#8211; insbesondere in Lerngruppen, bei denen anteilig die SuS mit F\u00f6rderbedarfen \u00fcberwiegen &#8211; gelingt, kann (wie es Pilotschulen bereits vor einigen Jahren zeigen konnten) mittels Sonderp\u00e4dagogen, Teamunterrichten, Doppelbesetzungen, Assistenzen, Differnezierungsr\u00e4umen, kleineren Lerngruppen und individuellem Lernen, wie z.B. in Werkst\u00e4tten, erm\u00f6glicht werden. Gelingt dieses Zusammenspiel jedoch nicht, kommt es oftmals auch zu Konflikten, die ein &#8222;Wiederaufleben&#8220; der Argumente f\u00fcr eine Aussonderung der SuS mit F\u00f6rderbedarfen mit sich bringen. Dass eine Rechtfertigung der\u00a0 Aussonderung im Individualfall jedoch oft schwierig ist, zeigen einerseits die diagnostsischen Grenzf\u00e4lle und andererseits die negativen Auswirkungen auf die Pers\u00f6nlichkeit und Zukunftsperspektiven des\/r jeweiligen Sch\u00fclerIn.<\/span><\/p>\n<p>II.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: 'times new roman', times, serif\">Der Diagnose &#8222;F\u00f6rderschwerpunkt Wahrnehmung&amp;Entwicklung&#8220; ist zu entnehmen, dass die betroffenen SuS Entwicklungsst\u00f6rungen hinsichtlich der geistigen oder auch der k\u00f6rperlichen Entwicklung aufzeigen. Gezielt wird die soziale Inklusion der SuS in der Klassengemeinschaft gef\u00f6rdert. Der &#8222;F\u00f6rderschwerpunkt Lernen&#8220; verweist jedoch auf\u00a0 Entwicklugsst\u00f6rungen, die vermehrt das Lernen beeintr\u00e4chtigen und kann oftmal auch einhergehen mit dem F\u00f6rderschwerpunkt W&amp;E. Zu diesen z\u00e4hlen aber auch oft auftretende Formen der ADHS, Konzentrationsst\u00f6rungen, Lese-Rechschreib-Schw\u00e4chen usw. Um nun den Unterricht auf die speziellen Bed\u00fcrfnisse anpassen zu k\u00f6nnen, sollte bei SuS, bei denen der Verdacht auf beispielsweise Lernschw\u00e4chen irgendeiner Form besteht, eine F\u00f6rderdiagnose vorgenommen werden. Aber Achtung: Hat das Kind einmal eine Diagnose, wird es schwer, diese im Falle einer Verbesserung der Lernleistung zu revidieren.\u00a0 Da die Grenzen der Diagnosen leicht verwommen sind, reicht bei den meisten SuS jedoch oft die altbew\u00e4hrte Methode der Beobachtung im Unterrichtsgeschehen sowie im SOzialgef\u00fcge.<\/span><\/p>\n<p>III.<\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt;font-family: 'times new roman', times, serif\">Vielfalt und Individualit\u00e4t bedeutet immer auch Differenzierung. Bevor man also der Vielfalt der SuS im U gerecht werden kann, sollte man als Lehrperson zun\u00e4chst die Lerngruppe einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Diese Einsch\u00e4tzung kann im Austausch mit Fachkollegen, im Austausch mit den Eltern und nat\u00fcrlich und prim\u00e4r im Austausch mit den SuS selbst stattfinden. Ist man sich \u00fcber die heterogenen Gegebenheiten innerhalb einer Lerngruppe und dementsprechend im bilde \u00fcber die Bed\u00fcrfnisse der SuS, kann mit der offen und individuellen Planung des Unterrichts begonnen werden. Eine offene Gestaltung des Unterrichts kann beispielsweise in Form von Lerntheken erm\u00f6glicht werden: Bei diesen sind die zwei Faktoren zur Bearbeitung von Aufgaben individuell umsetzbar, d.h. zum Einen die zeitlichen und zum Anderen die inhaltlichen Vorgaben. Die SuS k\u00f6nnen sich demnach im eigenen Lerntempo Aufgabenbl\u00e4tter einer Niveaustufe abholen, die sie sich selbst zutrauen. Nat\u00fcrlich kann und sollte eine solche niveaudifferenzierte Arbeitsblattgestaltung grunds\u00e4tzlich stattfinden, auch bei anderen Methoden. Andere Methoden, die von der Vielfalt der SuS leben sind u.a. all jene, die nicht in EA, wie bei dem vorherigen Beispiel, sondern in PA, Tandems oder GA stattfinden, da die SuS hier innerhalb eines vorgegebenen Zeitplans die Aufgaben gemeinsam umsetzen und individuell l\u00f6sen k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>I. Bei der Frage nach einer Aussonderung von Sch\u00fclerInnen mit F\u00f6rderbedarf, dh. deren Ausschlie\u00dfen aus dem Regelunterricht oder &#8211; wie z.T. in einigen Regierungsbezirken noch immer der Fall &#8211; sogar aus der Regelschule, spalten sich die Geister. 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