Warum, glauben Sie, tun sich Lehrkräfte im Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft schwer?
Zunächst einmal finde ich, dass man nicht alle Personen einer „Gruppe“ über einen Kamm scheren darf. Allein die Pauschalisierungen „Lehrkräfte machen dies und jenes“, „Polizisten handeln so und so“ inidizieren in meinen Augen eine gewisse Intoleranz und eine Bequemlichkeit, sich nicht mit Individuen auseinander zu setzen, sondern verschiedene Menschen Schubladen zuzuordnen.
Das ist zunächst einmal meine Kritik an dieser Fragestellung. Denn aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass sich sicherlich ein Drittel meiner ehemaligen Lehrer_innen mit Heterogenität auseinander gesetzt hat und auch recht gut damit umgehen konnte.
Generell denke ich jedoch, dass das Problem, welches Lehrkräfte anscheinend recht häufig mit dem Umgang mit Heterogenität haben, in den Wurzeln des dreigliedrigen Schulsystems liegt. Allein die Unterteilung in „Leistungskategorien“ schließt ein heterogenes, offes Lernen aus. Gerade an Gymnasien wird auf Leistung gestrimmt, „schwächere“ Schüler_innen fallen hinten über. Meines Erachtens liegt das Problem zunächst einmal in den Schulformen, allerdings habe ich auch den Eindruck, dass Lehrkräfte bisher nicht stark im Umgang mit Verschiedenheiten in der Klasse geschult worden sind, was meiner Meinung nach ein großer Fehler ist. Gymnasiallehrer_innen sind darauf spezialisiert, ihren Schüler_innen möglichst reich fundiertes Wissen anzueignen und sie auf ein Studium vorzubereiten, der Weg einer Ausbildung wird meist nur selten an Gymnasien thematisiert. Hauptschullehrer_innen sollen ihren Schüler_innen ein Wissensfundament bieten und sie in praktischeren Arbeiten unterstützen, können möglicherweise „begabtere“ Schüler_innen jedoch nicht weiter fördern. Dies würde ich so nun einfach mal überspitzt behaupten, da die Fragestellung in eine ähnlich kategorisierende Richtung geht.
Meines Erachtens ist Bremen in jedem Fall auf dem Richtigen Weg, indem das Land die Wurzeln dieses Problems angepackt, und das dreigliedrige Schulsystem abgeschafft hat.
Hallo Sophie
Zuerst einmal finde ich es gut, dass du mit einer Kritik an der Fragestellung beginnst. Auch ich musste stutzen, als ich diese Verallgemeinerung gelesen habe, denn bereits in der Schule wurde uns in Geschichte eingebläut: „Sie dürfen nicht sagen, China will dies, sondern, große Teile von China wollen dies. Verallgemeinern sie nicht immer so!“
Zum Beitrag kann ich nur sagen, dass ich dir da voll zustimmen muss. Das Problem liegt auch in meinem Augen am Schulsystem, das sich genau wie unsere Gesellschaft, im Wandel befinden sollte, da es sonst nämlich „hinterher hinkt“. Heterogenität gibt es schon seit jeher und deswegen wird es auch langsam Zeit, diese zu thematisieren, damit wir als Lehrer unsere späteren Schüler auch angemessen auf das vor ihnen liegende Leben vorbereiten können.
-Polarfux-
Hi Sophie!
Ich bin mir nicht sicher ob die Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems in Bremen ein ausreichender oder überhaupt ein richtiger Schritt ist um heterogene Gruppen bestmöglich zu fördern. Immerhin wird die Heterogenität durch ein gemeinsames Lernen noch größer und dadurch steigen die Ansprüche an die Lehrkräfte, die teilweise auch schon mit dem ‚weniger heterogenen‘ dreigliedrigen Schulsystem ihre Schwierigkeiten hatten. Und kann man wirklich den einzelnen Schüler besser fördern, wenn dieser mit ganz vielen verschiedenen anderen Schülern gemeinsam lernt? Die kulturelle Vielfalt, Tolleranz und Wertschätzung sowie Erkenntnisse über andere und anders denkende Kulturen und Menschen sind zweifelsfrei positive Eigenschaften des neuen Schulsystems, aber kann auf diesem Weg immer noch eine bestmögliche Förderung und Qualifizierung des einzelnen Schülers gewährleistet werden? Die Frage ist auch, ob sich leistungsschwache Schüler mit schlechtem sozialem Familienhintergrund wohlfühlen unter Leistungsstarken Klassenkameraden aus Akademikerhaushalten – und andersherum.
Für mich steht fest, dass ein gemeinsames Lernen zwar Tolleranz, und Vielfalt stärkt aber für die Vermittlung von Fachkompetenz nicht förderlich ist.