rv02

Ich denke, dass die Lehrerin aus oben genanntem Beispiel eigentlich die Intention hatte, gerade besonders auf Schüler_innen mit Migrationshintergrund einzugehen, jedoch einen falschen Ansatz gewählt hat. Ich kann mir vorstellen, dass sie möglicherweise die Absicht hatte, die Jugendlichen von ihren eigenen Erfahrungen berichten zu lassen. Meiner Meinung nach hat sie die Schüler_innen durch den genannten Erwartungshorizont jedoch in stigmatisierte, vorgegebene, kulturelle Schubladen gepresst, ohne sich (so scheint es für mich) ernsthaft mit den kulturellen Hintergründen der Jugendlichen auseinandergesetzt zu haben. So individuell wie jede_r Mensch ist, ebenso individuell ist ihre_seine kulturelle Erfahrung und Prägung, welche in keinster Weise in dem Erwartungshorizont einer Klausur abgehandelt werden kann. Ich bin der Ansicht, dasses die Lehrerin freuen sollte, dass ihre Schüler_innen europäisch und nicht „national“ denken, da ich mir vorstellen kann, da dieses offene Denken auch auf einem guten Klassenverband mit viel „kulturellem Austausch“ basieren könnte, in dem sich keine_r durch ihre_seine Herkunft identifiziert, sondern durch die sozialen Beziehungen im Alltag.

Außerdem finde ich es äußert anmaßend, dass die Lehrerin es sich herausnimmt, mit dieser Aufgabenstellung bzw. diesem Erwartungshorizont ein Werturteil zu fällen. Für mich klingt es, als würde sie Kulturen, in denen es angeblich üblich ist, Frauen gegen ihren eigenen Willen zu verheiraten, auf eine niedrigere „kulturelle Stufe“ stellen und die Lebensumstände, sowie die Bildung dieser Menschen mit jenen aus Shakespeares Zeit vergleichen. Einerseits bin ich der Meinung, dass wir als Westeuropäer es uns nicht anmaßen dürfen, über die Kultur, beziehungsweise Traditionen, Riten und die Geschichte anderer Völker zu urteilen und unsere Lebensweise als die „beste“ und „einzig richtige“ zu sehen. Zum Anderen sehe ich es außerdem sehr kritisch, dass die Lehrein zu meinen scheint, dass alle nicht-okzidentalen Kulturen auf gleichen Traditionen und Hintergründen beruhen, was in meinen Augen völlig undifferenziert ist.

Abschließend möchte ich allerdings noch sagen, dass ich das Verhalten der Lehrerin äußerst kritisch sehe, da es meiner Meinung  nach einfach nicht richtig durchdacht gewesen ist, finde es jedoch trotzdem richtig und wichtig, dass sie versucht, auf kulturelle Unterschiede und Differenzen einzugehen, wenn sie auch den falschen Weg gewählt hat. Auch wenn ihre Aufgabenstellung äußerst stigamtisiert, finde ich es dennoch sehr schwer, einen Ansatz zu finden, der in keinster Weise auf Vorurteilen und Stigmata beruht.

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Ein Gedanke zu „rv02

  1. Guten Tag liebe Sophie,
    Du hast Recht, Schüler/innen dürfen nicht in eine Schublade gepresst werden und der kulturelle Hintergrund darf nicht in einem Erwartungshorizont abgehandelt werden. Jedoch unterstelle ich der Lehrerin keine böswillige Absicht und Generell finde ich einen Ansatz zu haben ist besser als keinen Ansatz zu haben. Letztendlich spielt es keine Rolle, ob der Ansatz richtig ist oder nicht. Wir Lehrer dürfen Fehler machen und an diesen Fehlern wachsen.
    Weiterhin, die Schülerschaft von eigenen Erfahrungen berichten zu lassen, hat den Vorteil der Reflexion im Kollektiv und bietet den Austausch mit kulturell gleichgesinnten.
    Im zweiten Absatz gehst Du auf das Fällen von Vorurteilen ein. Die Lehrerin darf gerne ihre eigene Meinung haben. Aber Du hast recht, Sie darf ihre emotional belastete eigene Meinung nicht zu stark vertreten.
    Aus den Fehlern der Lehrerin ergibt sich für mich als späterer Lehrer:
    Der erste Ansatz scheint oft nicht der letzte zu sein. Durch Feingefühl und Reflexion muss ich meine Ideen und Ansätze ständig überprüfen und ggf. nachbessern.
    Die eigene Meinung gehört gut dosiert und wohl durchdacht in meinen Klassenraum. Inwieweit ich Meinungsneutral bleiben soll, weiß ich noch nicht.
    Lg Matthias

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