rv07

Was ist die Musik Ihrer Kultur? Wie würden Sie die Beantwortung dieser Frage angehen? Können Sie das spontan sagen? Müssen Sie nachdenken? Lässt es sich in Worte fassen? Ist diese Frage für Sie wichtig?

Ich finde die Frage „Was ist die Musik Ihrer Kultur?“ unmöglich zu beantworten, da ich nicht einmal definieren kann, was genau meine „Kultur“ ist. Tendenziell würde ich in Richtung „europäische Kultur“ gehen, wobei die Frage der Kultur auch oft in Zusammenhang mit Nationalgefühl steht. Auch wenn ich mich möglicherweise einer „europäischen Kultur“ zugehörig fühle, so kann ich nicht sagen, dass „europäische Musik“, die Musik meiner Kultur ist, da ich unter diesem Begriff meinen ganz persönlichen Musikgeschmack, welcher mich kulturell geprägt hat, verstehe.

Sicherlich gibt es viele Arten von Musik, welche in der einen Kultur stärker auftreten, als in anderen, oder wiederum woanders völlig unbekannt sind, dennoch hat Musik ja immer etwas Verbindendes, Gemeinschaftliches, was kulturelle Grenzen überwindet und Menschen verbindet. Auch wenn ich für mich persönlich keine „Kultur“ oder kultur-spezifische Musik festlegen oder definieren kann, so fühle ich mich in speziellen musikalischen Kontexten, in denen ich mich mit der Musik identifizieren kann, zugehörig und solidarisiere mich automatisch und völlig unbewusst mit Menschen, denen es ebenso geht.

Generell ist es ja oft so, dass einem Menschen mit ähnlichem Musikgeschmack möglicherweise sympathischer oder schneller sympathisch sind, als  andere. Lernt man neue Leute kennen, fällt das Gesprächsthema recht bald auf den Musikgeschmack, man gleicht Überschneidungen ab, um das Gegenüber besser einschätzen, möglicherweise sogar Charakterzüge ausmachen zu können. Aus diesem Grund denke ich schon, dass der Zusammenhang zwischen Musik, Kultur und Persönlichkeit für mich eine nicht unwesentliche Rolle darstellt, da es mich interessiert, wie Sympathie zu bestimmten Personen entsteht – oder eben auch nicht. Im Allgemeinen ist es mir jedoch nicht wichtig, welche Musik Menschen mögen, die ich kennen lerne, bei ähnlichen Interessen springt nur eben schneller der Funke über.

Vor allem Jugendliche definieren sich und eine mögliche Gruppenzugehörigkeit häufig über Musikkultur, daher finde ich es auch wichtig, in der Schule viel mehr musikalische und musische Projekte anzubieten, um Verständnis und Toleranz untereinander zu fördern. Meiner Meinung nach ist Musik ein essentielles Medium und der Schlüssel zu mehr Akzeptanz und Toleranz.

 

 

rv05

1. Welche Erfahrungen haben Sie in Ihrer Schulzeit mit Mathematikunterricht gemacht? Können Sie die in der Vorlesung aufgeworfenen Schwierigkeiten bestätigen?

 

Zunäst einmal muss ich sagen, dass ich persönlich in meiner Schulzeit nahezu nur schlechte Erfahrungen mit Mathematikunterricht gemacht habe. Das mag zum einen daran liegen, dass ich mich selbst als mathematisch unbegabt sehe und kein allzu großes Interesse hier für aufbringen kann. Zum anderen aber war der Großteil meiner Mathelehrer_innen zwar oft fachlich gut, hatte jedoch oft große Schwierigkeiten in der Vermittlung des Fachwissens.

Ich kann mir vorstellen, dass die Probleme, die viele Schüler_innen mit Mathe haben, daher rühren, dass (so habe ich zumindest die Erfahrung gemacht) viele Lehrkräfte eben fachlich sehr gut ausgebildet sind, die didaktischen Kompetenzen jedoch nicht allzu stark ausgeprägt sind. Oftmals fehlt auch die Geduld, oder der vorgegebene, sehr straffe, Lehrplan lässt die Rücksichtnahme und auf „schwächere“ Schüler_innen oder das wiederholte Erklären des Stoffes nicht zu.

Auch ich hatte besagtes Problem mit Textaufgaben. Der Text als Abwechslung von all den Zahlen und Formeln kam mir zwar gelegen, lenkte mich jedoch eher ab, als dass er mich zu mehr Interesse an der Aufgabe bewegte. Die generell oft verbreitete Ablehnung von Schüler_innen gegenüber Textaufgaben kann ich in jedem Fall nachvollziehen, da oft nur schwer bis überhaupt nicht ersichtlich wird, welche Informationen aus der Aufgabe für das Lösen dieser relevant sind.

Auch wenn durch das Rechnen von Textaufgaben der mathematische Schulalltag aufgelockert werden soll, bin ich der Ansicht, dass diese oftmals mehr Probleme bereiten, als dass sie den Schüler_innen nützen. Schließlich sind die Aufgaben immer kosntruiert und haben letztendlich nur in den seltensten Fällen überhaupt mit der Realität zu tun.


 

rv04

Warum, glauben Sie, tun sich Lehrkräfte im Umgang mit einer heterogenen Schülerschaft schwer?

Zunächst einmal finde ich, dass man nicht alle Personen einer „Gruppe“ über einen Kamm scheren darf. Allein die Pauschalisierungen „Lehrkräfte machen dies und jenes“, „Polizisten handeln so und so“ inidizieren in meinen Augen eine gewisse Intoleranz und eine Bequemlichkeit, sich nicht mit Individuen auseinander zu setzen, sondern verschiedene Menschen Schubladen zuzuordnen.

Das ist zunächst einmal meine Kritik an dieser Fragestellung. Denn aus eigener Erfahrung kann ich berichten, dass sich sicherlich ein Drittel meiner ehemaligen Lehrer_innen mit Heterogenität auseinander gesetzt hat und auch recht gut damit umgehen konnte.

Generell denke ich jedoch, dass das Problem, welches Lehrkräfte anscheinend recht häufig mit dem Umgang mit Heterogenität haben, in den Wurzeln des dreigliedrigen Schulsystems liegt. Allein die Unterteilung in „Leistungskategorien“ schließt ein heterogenes, offes Lernen aus.  Gerade an Gymnasien wird auf Leistung gestrimmt, „schwächere“ Schüler_innen fallen hinten über. Meines Erachtens liegt das Problem zunächst einmal in den Schulformen, allerdings habe ich auch den Eindruck, dass Lehrkräfte bisher nicht stark im Umgang mit Verschiedenheiten in der Klasse geschult worden sind, was meiner Meinung nach ein großer Fehler ist. Gymnasiallehrer_innen sind darauf spezialisiert, ihren Schüler_innen möglichst reich fundiertes Wissen anzueignen und sie auf ein Studium vorzubereiten, der Weg einer Ausbildung wird meist nur selten an Gymnasien thematisiert. Hauptschullehrer_innen sollen ihren Schüler_innen ein Wissensfundament bieten und sie in praktischeren Arbeiten unterstützen, können möglicherweise „begabtere“ Schüler_innen jedoch nicht weiter fördern.                                                                                                 Dies würde ich so nun einfach mal überspitzt behaupten, da die Fragestellung in eine ähnlich kategorisierende Richtung geht.

Meines Erachtens ist Bremen in jedem Fall auf dem Richtigen Weg, indem das Land die Wurzeln dieses Problems angepackt, und das dreigliedrige Schulsystem abgeschafft hat.

rv02

Ich denke, dass die Lehrerin aus oben genanntem Beispiel eigentlich die Intention hatte, gerade besonders auf Schüler_innen mit Migrationshintergrund einzugehen, jedoch einen falschen Ansatz gewählt hat. Ich kann mir vorstellen, dass sie möglicherweise die Absicht hatte, die Jugendlichen von ihren eigenen Erfahrungen berichten zu lassen. Meiner Meinung nach hat sie die Schüler_innen durch den genannten Erwartungshorizont jedoch in stigmatisierte, vorgegebene, kulturelle Schubladen gepresst, ohne sich (so scheint es für mich) ernsthaft mit den kulturellen Hintergründen der Jugendlichen auseinandergesetzt zu haben. So individuell wie jede_r Mensch ist, ebenso individuell ist ihre_seine kulturelle Erfahrung und Prägung, welche in keinster Weise in dem Erwartungshorizont einer Klausur abgehandelt werden kann. Ich bin der Ansicht, dasses die Lehrerin freuen sollte, dass ihre Schüler_innen europäisch und nicht „national“ denken, da ich mir vorstellen kann, da dieses offene Denken auch auf einem guten Klassenverband mit viel „kulturellem Austausch“ basieren könnte, in dem sich keine_r durch ihre_seine Herkunft identifiziert, sondern durch die sozialen Beziehungen im Alltag.

Außerdem finde ich es äußert anmaßend, dass die Lehrerin es sich herausnimmt, mit dieser Aufgabenstellung bzw. diesem Erwartungshorizont ein Werturteil zu fällen. Für mich klingt es, als würde sie Kulturen, in denen es angeblich üblich ist, Frauen gegen ihren eigenen Willen zu verheiraten, auf eine niedrigere „kulturelle Stufe“ stellen und die Lebensumstände, sowie die Bildung dieser Menschen mit jenen aus Shakespeares Zeit vergleichen. Einerseits bin ich der Meinung, dass wir als Westeuropäer es uns nicht anmaßen dürfen, über die Kultur, beziehungsweise Traditionen, Riten und die Geschichte anderer Völker zu urteilen und unsere Lebensweise als die „beste“ und „einzig richtige“ zu sehen. Zum Anderen sehe ich es außerdem sehr kritisch, dass die Lehrein zu meinen scheint, dass alle nicht-okzidentalen Kulturen auf gleichen Traditionen und Hintergründen beruhen, was in meinen Augen völlig undifferenziert ist.

Abschließend möchte ich allerdings noch sagen, dass ich das Verhalten der Lehrerin äußerst kritisch sehe, da es meiner Meinung  nach einfach nicht richtig durchdacht gewesen ist, finde es jedoch trotzdem richtig und wichtig, dass sie versucht, auf kulturelle Unterschiede und Differenzen einzugehen, wenn sie auch den falschen Weg gewählt hat. Auch wenn ihre Aufgabenstellung äußerst stigamtisiert, finde ich es dennoch sehr schwer, einen Ansatz zu finden, der in keinster Weise auf Vorurteilen und Stigmata beruht.