Abschlussreflexion

Im folgenden Beitrag werde ich die Ringvorlesung: „Umgang mit Heterogenität in der Schule (BiPEB)“ – unter Bezugnahme der Aufgaben eins, drei und vier reflektieren.

1. Benennen Sie die für Sie zentralsten theoretischen Erkenntnisse, die Sie aus den Vorträgen der Ringvorlesung für sich mitgenommen haben. Nehmen Sie dabei konkret Bezug auf a.) fachdidaktische Aspekte, indem Sie Erkenntnisse auf die Didaktiken ihrer eigenen beiden Fächer beziehen und b.) zwei generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse zu Schule und Unterricht mit Bezug zu den relevanten Quellen benennen.

Einleitend lässt sich sagen, dass die Ringvorlesung den Heterogenitätsbegriff vielseitig kontextualisierte und mir in diesem Zusammenhang einen äußerst differenzierten Blick auf das Thema eröffnete. Ich bin in meinem bisherigen Studium bereits einige Male mit dem Hetereogeniätsbegriff in Berührung gekommen, jedoch ergab sich zu Zeiten nicht die Gelegenheit, dass ich mich vertieft mit den einzelnen Dimensionen auseinanderzusetzen musste.

Eine Erkenntnis, welche ich rückblickend als besonders aufschlussreich betrachte, gewann ich im Zuge des Vortags „Heterogenitätsdimensionen im naturwissenschaftlich-technischen Unterricht“ von Frau Murmann. Darin wurden vorrangig die Dimensionen Gender und Sprache im Kontext des Sachunterrichts thematisiert. Als zentral theoretische Erkenntnis des Vortrags geht dabei für mich folgender Befund hervor:

Der genderspezifische Gruppenzwang nimmt, in Anbetracht einer multioptionalen Aufgabenstellung, einen immensen Einfluss auf die Entscheidungsfindung eines jeden Schülers/einer jeden Schülerin. Dahingehend wurde uns ein konkretes Beispiel vorgetragen, welches diese These untermauerte:

Einer Schülerin wurde im Rahmen eines Projekttags die Wahl zwischen zwei unterschiedlichen Aufgabenformaten unterbreitet. In diesem Zuge entschied sie sich für die Aufgabe, die sie augenscheinlich weniger interessierte und somit von ihrer ureigenen Neigung abwich. Um diese zunächst paradox erscheinende Verhaltensweise zu erklären, bieten die Erkenntnisse von Deci und Ryan (1993), welche sie im Rahmen ihrer Forschungsarbeit zu den „grundlegenden psychologischen Bedürfnissen“ herausstellten, unterschiedliche Erklärungsansätze. Diese thematische Auseinandersetzung verhalf mir dazu, mir der vielfältigen Faktoren, welche Einfluss auf die Entscheidung einzelner SuS nehmen, bewusst zu werden und somit sensibler mit ihnen umzugehen.

Auch im Hinblick auf mein zweites Fach (Deutsch) habe ich weitreichende Erkenntnisse sammeln dürfen. So unterrichtete uns Frau Hollerweger beispielsweise in der Verwendung gendersensibler Unterrichtsmaterialien, welche eine fundamentale Rolle in der Unterrichtskonzeption einnehmen sollten. Im Zuge der Literaturauswahl werden den Protagonistinnen und Protagonisten oftmals gendertypische Charakteristika zugeschrieben, wodurch eindimensionalen Denkmuster bedient und somit maßgeblich im Denken der SuS verankert werden. So sind es oftmals Jungen, die in die Rolle des Ritters, des Feuerwehrmannes oder einer anderen, mit Abenteuerlust und Tapferkeit assoziierten Rolle schlüpfen und dieses Attribut folglich (vornehmlich) für sich beanspruchen. Im beispielhaften Gegensatz dazu, nehmen Mädchen in ihrer Rolle als Pferdeliebhaberin oder Tierärztin, eine eher bedachte und weniger wagemutige Rolle ein, womit ihnen erneut eine vermeidlich genderspezifische Charaktereigenschaft zugeschrieben wird. Mit Stereotypisierung gilt es sensibel umzugehen, um den SuS eine möglichst neutrale Geschlechterwahrnehmung zu vermittlen.

Weiterhin zeichnete sich bereits in der Vergangenheit die Tendenz ab, dass Jungen im Vergleich zu Mädchen unregelmäßiger lesen und dieser Umstand oftmals in einer mangelhaft ansprechenden Auswahl der Unterrichtslektüre zu begründen ist (KIM 2018). Es gilt also eine möglichst breitgefächerte Auswahl an Büchern anzubieten, welche vielschichtig ansprechend auf die gesamte Schülerschaft wirkt und ihr Leseverhalten somit positiv beeinflusst. Diese Erkenntnis gewonnen zu haben betrachte ich, insbesondere im Hinblick auf meine meine baldige Unterrichtskonzeption im Fach Deutsch, als unheimlich bereichernd .

Erziehungswissenschaftlich war es sehr interessant, erfahren zu haben, welche Faktoren auf den Bildungserfolg von Schülerinnen und Schülern einwirken und wie stark dieser Einfluss im einzelnen bewertet wird. Neben Elternhaus, Peers und sozioökonomischen Einflüssen wird angenommen, dass die jeweilige Lehrkraft mit einem Einflussfaktor von 25% auf den Bildungserfolg von Schülern und Schülerinnen einwirkt (Helmke, Lipowsky 2007). Demzufolge stellen jene den höchsten Einflussfaktor auf die Lernenden dar und nehmen in diesem Zusammenhang eine fundamentale Rolle ein, welcher ich mir an diesem Punkt erneut bewusst geworden bin. Einen weiteren, sehr interessanten Input, stellte die Vorlesung von Herrn Fantini zur soziokulturellen Heterogenität dar. In dieser thematisierte er unter anderem die Interkulturelle Bildung und Erziehung im Rahmen der Schule, welche 1996 im Zuge der Kultusministerkonferenz ausgearbeitet worden ist. Die Festlegung dieser Standards/Richtlinien erfolgte durch die damalige Zuwanderung im pädagogischen Raum und ist unter Anbetracht der heutigen Gegebenheiten immer noch von entscheidender Bedeutung.

Aufgrund der Tatsache, dass jedes Kind bereits mit gewissen (sozialisationsbedingten) Normvorstellungen und damit einhergehenden Vorurteilen in die Schule eintritt, eröffnet sich dahingehend ein gewisses Spannungsfeld, welchem aktiv entgegenzuwirken ist. Diesbezüglich ist es meine Aufgabe, die Schüler und Schülerinnen für das Anderssein der Anderen zu sensibilisieren und somit für eine Akzeptanz in diesem Zusammenhang zu sorgen. Auf dieser Grundlage gilt es weiterhin, eine gewisse Kenntnis über andere Kulturen zu vermitteln und somit dafür zu sorgen, dass bestehende Vorurteile aufgebrochen werden. Der Erwerb dieser Interkulturellen Kompetenz sorgt dafür, dass Spannungen und Ängste der Schülerinnen und Schülern abgebaut werden und ein angenehmes Lernklima entsteht, in welchem sich alle angenommen und wertgeschätzt fühlen.

3. Zu welchen zwei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen, die Sie in der Vorlesung kennengelernt haben, würden Sie gerne mehr erfahren im weiteren Studium im Bezug auf das Modulthema UMHET. Bitte begründen Sie Ihre Wahl?

In meinem weiteren Studium würde ich mich gerne vertieft mit dem Aspekt der Leistungsheterogenität und der damit verbundenen Beurteilung auseinandersetzten wollen. Unter Anbetracht der aktuellen Rahmenbedingungen in Schule, empfinde ich es als enorme Herausforderung, eine individuelle und angemessene Beurteilung der SuS zu gewährleisten. Dabei wirft sich mir die Frage auf, inwiefern ein gemeinsamer Maßstab hinsichtlich der Leitungsbeurteilung überhaupt noch angebracht ist und ob nicht jedem Kind eine komplett individualisierte Beurteilung zuteil werden sollte. In diesem Zusammenhang ließe sich auch die Existenzberechtigung/Sinnhaftigkeit von länderspezifischen Standards und Zielen diskutieren, welche meiner Meinung nach dem ureigenen Gedanken einer individuellen Förderung und Beurteilung entgegenstehen. Des Weiteren würde ich mich weitreichender mit dem Thema „Gendersensibler Literaturunterricht“ auseinandersetzten wollen, da dieser entscheidenen Einfluss auf das Schriftsprachenlernen in der Grundschule nimmt. Dabei gilt es, die Lesemotivation der SuS frühzeitig zu wecken, indem man ihnen mit ansprechender Literatur begegnet und somit für ein anhaltendes Leseinteresse sorgt. Gelingt dies, befähigt man die SuS dazu, sich im Prozess des Schriftsprachenlernens eigenaktiv zu unterstützen und schafft somit ein sich selbst begünstigendes System.

 4.Welche in den Vorlesungseinheiten von BAUMHET thematisierten Problematiken/Aspekte sehen Sie für sich persönlich als besondere Herausforderung? Wie könnten Sie sich, im Uni-Kontext oder auch darüber hinaus, auf diese Herausforderungen vorbereiten?

Im Bezug auf die bisherige inhaltliche Auseinandersetzung stellt insbesondere das Thema Inklusion eine Herausforderung für mich dar. Berücksichtigt man die Tatsache, dass wir als zukünftige Lehrkräfte alle unweigerlich mit diesem Thema in Berührung kommen werden, wäre eine intensivere Auseinandersetzung in dieser Hinsicht sicher sinnvoll und wünschenswert. Insbesondere die Studierenden, welche die Inklusive Pädagogik nicht als gesondertes Studienfach angewählt haben, müssten meiner Ansicht nach vermehrt mit dem Thema in Kontakt treten. Auf eine umfassende Kompetenzgrundlage in diesem Zusammenhang zurückgreifen zu können, wird im späteren Berufsalltag nämlich unabdingbar sein und sollte demnach einen elementaren Bestandteil des Studiums bilden.

Es bedarf also einer stärkeren Vertiefung, die wie folgt aussehen könnte: Eine Möglichkeit wäre, dass man ein Praktikum mit inklusionspädagogischem Schwerpunkt absolviert. In diesem könnte man die jeweiligen Fachkräfte in ihrer Arbeit mit den förderbedürftigen Kindern begleiten und erhielte somit einen praxisnahen Einblick, welcher die theoretischen Kenntnisse zunehmend festigen und weitreichend erfahrbar machen würde. Weiterhin würde es mich interessieren, inwieweit man die Zusammenarbeit von Kindern mit und ohne Förderbedarf so gestalten kann, das diese eine Bereicherung für alle Beteiligten darstellt und nicht als Erschwernis wahrgenommen wird. Hierzu wäre es interessant sich eingehend mit den einzelnen Förderungskonzepten zu beschäftigen, um angemessen auf die jeweiligen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler einwirken zu können. Ich hoffe, dass diese Inhalte in den kommenden Semestern verstärkt behandelt werden. Darüber hinaus ist es sicher ratsam externe Vorträge/Veranstaltung zu besuchen, um sich auch über den Uni-Kontext hinaus mit bestimmten Themen vertraut zu machen.

 

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