{"id":19,"date":"2026-06-24T01:33:34","date_gmt":"2026-06-23T23:33:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/ringvorlesungerenk\/?p=19"},"modified":"2026-06-24T01:33:34","modified_gmt":"2026-06-23T23:33:34","slug":"19","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/ringvorlesungerenk\/2026\/06\/24\/19\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<h1>Elternkooperation in der Schule der Migrationsgesellschaft<\/h1>\n<p>Eren Kurutlu<\/p>\n<h2>1. Individuelle Rechte von Eltern und daraus entstehende Pflichten f\u00fcr Schule und Lehrkr\u00e4fte<\/h2>\n<p>Das Bremische Schulgesetz versteht Eltern als wichtige Partnerinnen und Partner im Bildungsprozess. Daraus ergeben sich sowohl Rechte der Eltern als auch Pflichten der Schule. Zu den individuellen Rechten geh\u00f6rt beispielsweise das Recht auf Information \u00fcber den schulischen Alltag (\u00a7 61 BremSchulG). Eltern sollen \u00fcber die schulische Entwicklung ihrer Kinder, schulische Veranstaltungen und wichtige Entscheidungen informiert werden. F\u00fcr Schulen und Lehrkr\u00e4fte bedeutet dies, Informationen transparent, verst\u00e4ndlich und rechtzeitig bereitzustellen. Elternabende, Lernentwicklungsgespr\u00e4che oder Informationsschreiben dienen dazu, dieses Recht umzusetzen.<\/p>\n<p>Ein weiteres wichtiges Recht ist die Unterrichtung bei Ordnungsma\u00dfnahmen (\u00a7 47 BremSchulG). Werden Ma\u00dfnahmen ergriffen, die das Kind betreffen, m\u00fcssen die Erziehungsberechtigten informiert und in den Prozess einbezogen werden. Daraus ergibt sich f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte die Pflicht, Entscheidungen nachvollziehbar zu begr\u00fcnden und das Gespr\u00e4ch mit den Eltern zu suchen. Das Gesetz verdeutlicht damit, dass Schule und Elternhaus gemeinsam Verantwortung f\u00fcr die Bildung und Erziehung der Kinder tragen.<\/p>\n<h2>2. Formen der Schule-Eltern-Kommunikation und pers\u00f6nliche Erfahrungen<\/h2>\n<p>Karaka\u015fo\u011flu und Vogel beschreiben verschiedene Formen der Schule-Eltern-Kommunikation, die insbesondere in Schulen der Migrationsgesellschaft eine wichtige Rolle spielen. Dazu geh\u00f6ren Informationsgespr\u00e4che, Lernentwicklungsgespr\u00e4che sowie Formate, die Eltern den Zugang zum Schulsystem erleichtern sollen. Ein zentrales Ziel besteht darin, Eltern nicht nur zu informieren, sondern sie als aktive Partnerinnen und Partner im Bildungsprozess wahrzunehmen.<\/p>\n<p>Eine Form der Kommunikation, die ich aus meiner eigenen Schulzeit kenne, sind regelm\u00e4\u00dfige Lernentwicklungsgespr\u00e4che. Dabei trafen sich Lehrkr\u00e4fte, Eltern und Sch\u00fclerinnen bzw. Sch\u00fcler, um \u00fcber Leistungen, Lernfortschritte und m\u00f6gliche Ziele zu sprechen. Aus meiner Sicht handelt es sich um ein gelungenes Beispiel f\u00fcr eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft, da alle Beteiligten gemeinsam Verantwortung f\u00fcr den Lernprozess \u00fcbernehmen konnten. Die Kommunikation erfolgte dialogisch und nicht ausschlie\u00dflich problemorientiert.<\/p>\n<p>Weniger gelungen empfand ich Situationen, in denen Eltern haupts\u00e4chlich dann kontaktiert wurden, wenn Schwierigkeiten auftraten, beispielsweise bei Fehlzeiten oder schlechten Leistungen. Diese Form der Kommunikation entspricht eher einer problemorientierten Elternarbeit als einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit. Dadurch entsteht leicht der Eindruck, dass Schule-Eltern-Kommunikation nur bei Problemen relevant ist. Karaka\u015fo\u011flu und Vogel weisen jedoch darauf hin, dass Kommunikation die zentrale Grundlage von Schule-Eltern-Beziehungen darstellt und daher nicht auf Krisensituationen beschr\u00e4nkt bleiben sollte.<\/p>\n<h2>3. Sichtweisen auf Eltern mit Migrationsgeschichte in den Karikaturen<\/h2>\n<p>Die erste Karikatur verweist auf stereotype Annahmen gegen\u00fcber Menschen mit Migrationsgeschichte. Es wird unterstellt, dass eine Person aufgrund ihres \u00e4u\u00dferen Erscheinungsbildes oder ihrer Herkunft die deutsche Sprache nicht ausreichend beherrscht. Solche Vorannahmen k\u00f6nnen dazu f\u00fchren, dass Eltern nicht als kompetente Gespr\u00e4chspartner wahrgenommen werden. Dies erschwert eine gleichberechtigte Kommunikation zwischen Schule und Elternhaus.<\/p>\n<p>Die zweite Karikatur thematisiert die Annahme, Eltern mit Migrationserfahrung verf\u00fcgten \u00fcber geringere Bildungsressourcen oder ein niedrigeres Bildungsniveau. Auch diese Sichtweise entspricht defizitorientierten Zuschreibungen. Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass viele Familien mit Zuwanderungsgeschichte hohe Bildungsaspirationen f\u00fcr ihre Kinder besitzen. Gleichzeitig berichten Eltern von Erfahrungen, bei denen ihre Kompetenzen und Ressourcen von Schulen nicht ausreichend anerkannt werden.<\/p>\n<p>Die Folgen solcher Defizitannahmen k\u00f6nnen erheblich sein. Wenn Lehrkr\u00e4fte oder Schulen Eltern und Kinder vor allem durch die Perspektive von Defiziten betrachten, besteht die Gefahr niedrigerer Leistungserwartungen und eingeschr\u00e4nkter Bildungswege. Dies kann sich negativ auf Motivation, Selbstvertrauen und Bildungserfolg auswirken. Deshalb betonen Karaka\u015fo\u011flu und Vogel die Bedeutung einer ressourcenorientierten Perspektive, die die Erfahrungen, Sprachen und Kompetenzen von Familien anerkennt und wertsch\u00e4tzt.<\/p>\n<h2>Literatur<\/h2>\n<p>Karaka\u015fo\u011flu, Yasemin (2026): Elternkooperation in der Schule der Migrationsgesellschaft. Vorlesungsfolien zur Ringvorlesung \u201eUmgang mit Heterogenit\u00e4t in der Schule\u201c, Universit\u00e4t Bremen.<\/p>\n<p>Karaka\u015fo\u011flu, Yasemin; Vogel, Dita (2025): Migration bewegt Schule. Transnationalit\u00e4t als Impuls f\u00fcr Schulentwicklung und Lehrkr\u00e4ftebildung. Weinheim: Beltz Juventa.<\/p>\n<p>Killus, Dagmar; Paseka, Angelika (2020): Kooperation zwischen Eltern und Schule. Eine kritische Einf\u00fchrung in Theorie und Praxis. Weinheim: Beltz.<\/p>\n<p>Hattie, John (2024): Visible Learning 2.0. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Elternkooperation in der Schule der Migrationsgesellschaft Eren Kurutlu 1. Individuelle Rechte von Eltern und daraus entstehende Pflichten f\u00fcr Schule und Lehrkr\u00e4fte Das Bremische Schulgesetz versteht Eltern als wichtige Partnerinnen und Partner im Bildungsprozess. Daraus ergeben sich sowohl Rechte der Eltern als auch Pflichten der Schule. 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