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Umgang mit Leistungsheterogenität auf pädagogisch!

 1. Welche Zusammenhänge zwischen der Leistungsheterogenität der Kinder und dem Einfluss von Lehrerinnen und Lehrern auf den Bildungserfolg unter Berücksichtigung der pädagogischen Forderungen sind für sie heute deutlich geworden?

Besonders deutlich ist mir der Aspekt der Mehrdimensionalität des Begriffes der Leistungsheterogenität geworden. Zum einen die Hervorhebung der Individualität der Kinder, zum anderen die gleichzeitig stattfindende Wertung der Leistung, Stichwort Auslese. Der Zusammenhang von Leistungsheterogenität und der Einfluss von Lehrer*innen auf den Bildungserfolg ist für mich kurzum zusammenzufassen in folgendem Satz: Der Umgang mit der Leistungsheterogenität ist entscheidend. Hierbei finde ich besonders das Spannungsfeld zwischen der Förderung des Leistungswillen und -ansporns von Kindern und die Einordnung in besser/schlechter besonders zu berücksichtigen. Beiden gemeinsam scheint sich auszuschließen und dennoch bewegt sich Schule innerhalb dieser beiden Aspekte. 

Leistungsheterogenität als wertvoll und normal zu erachten ist für mich ein sehr wichtiger Aspekt. Ein rücksichtsvoller, reflektiere Umgang miteinander und mit sich selbst stehen auch im Zusammenhang der Leistungsheterogenität meiner Meinung nach im Vordergrund.

2. Welche Herausforderungen im Bereich Leistungswahrnehmung, -rückmeldung und -beurteilung haben Sie in Ihren bisherigen Praxisphasen kennengelernt und wie haben Sie oder die Lehrperson in der schulischen Praxis darauf reagiert? 

Ich habe besonders in der Leistungsrückmeldung eine große Herausforderung feststellen können und zwar: Zeit. Sich die Zeit zu nehmen oder sie sich im Schulalltag nehmen zu können ist schwierig, da ich in meinen Praxisphasen auch weniger Teamteaching als Einzel-Teaching beobachten konnte. Auch die genaue Wahrnehmung der Leistung einzelner Schüler*innen ist schwierig mit dem Schulalltag zu vereinen, wenn man alleine unterrichtet. Hier hat sich die Lehrkraft Zeit genommen, als ich eine Unterrichtseinheit geführt habe. Als Rückmeldung habe ich erhalten: „Ich konnte jetzt Dinge sehen, die ich vorher nicht wahrgenommen habe.“ Die Leistungsrückmeldung fiel innerhalb des Schulalltages eher kurz und knapp durch z.B. Lob statt. Intensivere Rückmeldungen habe ich nur einmal erlebt. Es gab einen Schülersprechtag, da wurden die Schüler*innen zu individuellen Gesprächen mit der Klassenlehrkraft gebeten. Jedes Kind kam dran. Ich fand das eigentlich ganz schön gestaltet, da die ganze Schule mitmachte, wurde der Tag im Ganzen etwas besonderes für die Schüler. Bei der Bewertung von Schüler*innen habe ich häufig das effektive Feedback kennengelernt. Im Laufe der Vorlesung war das zwar unter dem Feedback aufgeführt, allerdings habe ich dieses im Prinzip in Halbjahreszeugnissen ohne Noten so wiederfinden können. Es wurden Dinge gelobt und auch Bereiche genannt, in denen das Kind nochmals arbeiten müsse. Dennoch wird gerade gegen Ende der vierten Klasse auch eine Empfehlung ausgesprochen und die Beurteilung auch zum Zweck der Auslese genutzt. 

3. Wie positionieren Sie sich zu der Aussage von Hiller selbst als angehende Lehrer*in und welche möglichen Forschungsfragen wären für Sie relevant, um die getroffene Aussage empirisch weiter zu verfolgen?

„Kinder und Jugendliche aus den unteren Statusgruppen scheitern in den Schulen an der Starrheit institutioneller Gegebenheiten und Zwänge, der Borniertheit vieler Curricula sowie an gedankenloser Routine und der Arroganz eines Personals gegenüber nichtbürgerlichen, bildungsfernen Milieus, dessen Attitüden Pierre Bourdieu als „Rassismus der Intelligenz“ (1993) bezeichnet hat.“ 

(Hiller 2019, S. 148)

Ich denke, dass diese Aussage Hilles, zum Teil der Wahrheit entspricht, aber auch überspitzt zu sehen ist. Natürlich unterliegen Schüler*innen dem System Schule und den Lehrkräften, die sie im Schulleben treffen. Und es mag auch Fälle geben, in denen man von Arroganz und Rassismus der Intelligenz sprechen kann und mag, allerdings sehe ich eine Pauschalisieren kritisch. Die Aussage überspitzt zu sehen und dadurch sich und sein Handeln und auch seine eigenen Grundsätze, Überlegungen und Haltungen zu überdenken, sehe ich als eigentlichen Wert der Aussage. Ein solchen Kommentar bereits in der Ausbildung zu hören ist zwar hart und trifft einen auch ein Stück weit, allerdings kann dadurch auch eine Sensibilisieren für diese Thematik stattfinden. 

Das Ausbrechen aus Denkmustern und das Reflektieren über die eigenen Denkprozesse und -muster ist entscheiden. Dazu regt Hillers Aussage durchaus an. Vor allem der Punkt „gedankenlose Routine“ ist für mich Ausdruck Hilles Kritik an der mangelnden Selbstreflexion von Lehrkräften, die mit den Jahren vielleicht auftritt.

Am idealsten wäre eine Fragestellung, die sich direkt an Lehrkräfte richtet und deren Selbstreflexion anregt, bzw. befragt. Hierbei sehe ich allerdings große Schwierigkeiten bezüglich der Ehrlichkeit und Bereitschaft von Lehrkräften an solchen Befragungen teilzunehmen.

Zu den anderen Aspekten, wie Curricula und der starren Institution könnte man eine Vergleichsstudie zur Fragestellung „Inwieweit hat ein weniger starres Curricula Einfluss auf die Leistung von Schülerinnen und Schülern der Grundschule?“, in der man eine Projektschule mit einer „normalen“ Grundschule vergleicht. Allerdings sind solche Studien sehr aufwändig und zeit- sowie kostenintensiv, interessant trotzdem allemal. 

 

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