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RV06 – Schule für wirklich alle?

Beitrag zum Video: Sichtweisen von Geschwistern – Marlies Winkelheide

Vorweg einmal eine Erklärung: Kinder in besonderen Geschwistersituationen sind Kinder, die zuhause eine Schwester oder/und einen Bruder mit einer Beeinträchtigung haben. Diese Formulierung habe ich von Frau Winkelheide übernommen.

  1. Welche theoretischen Bezüge aus Ihrem bisherigen Studium passen zu den Inhalten des Videos (oder sind widersprüchlich)?

In meinem Studium habe ich bislang hauptsächlich Aspekte kennengelernt, die zu dem Thema des Videos passen. Zum einen soll man das Kind ganzheitlich betrachten. Also alle Bereiche eines Kindes miteinbeziehen und sich nicht auf einen Bereich, also z. B. den Aspekt der besonderen Geschwistersituation, fokussieren. Kinder sind viel mehr als nur Geschwisterkind oder Junge oder Mädchen. Die ganzheitliche Betrachtung eines Kindes, die ich im Studium kennengelernt habe ist also sehr wichtig. Zudem ist es auch wichtig immer die familiäre Situation eines Kindes zu kennen und nicht nur das Schulkind zu sehen. Denn durch das Hintergrundwissen können Verhaltensweisen besser bewertet werden. Einen sehr wichtigen Aspekt den auch Frau Winkelheide in ihrem Interview aufgreift bezieht sich auch die Arbeit mit dem Kind AUSGEHEND vom Kind. Auch diesen Aspekt habe ich bereits im Studium oft gehört. Wir sollen darauf Wert legen, die Interessen des Kindes und dessen Bedürfnisse zu sehen und darauf aufbauend Unterricht gestalten. Also kann ich auch das interessengeleitendes Lernen als Aspekt aus dem Studium mit dem Interview von Frau Winkelheide verknüpfen. Kindorientierte Pädagogik ist also das Stichwort, das mir auch während des Interviews immer wieder in den Sinn kam. 

  1. Welche eigenen Praxiserfahrungen sind Ihnen zum Thema des Videos in den Sinn gekommen? Es können konträre oder vergleichbare Aspekte sein.

Genaue Praxiserfahrungen habe ich zu diesem Thema tatsächlich nicht gemacht, da ich meist in den kurzen Praktika keine Möglichkeit/ Gelegenheit hast mich mit den familiären Kontexten der Kinder auseinanderzusetzen. Allerdings sehe ich hier für weitere Praktika einen Verbesserungsansatz in meiner Vorbereitung. 

Vielleicht könnte ich noch ein Beispiel geben, dass die Konzentration und die Aufmerksamkeit von Erwachsenen meist auf dem Kind mit Beeinträchtigung oder Be-hinderung liegt. Ich habe das rückblickend auch gemacht. Ich habe vor ein paar Jahren aktiv in einem Anfängerschwimmkurs mitgewirkt und wir hatten eine Zeit lang auch ein Mädchen mit Down-Syndrom. Ich habe, denke ich automatisch, meine Aufmerksamkeit eher auf sie gelenkt, weil sie sehr unsicher im Wasser war. Ich habe zwar versucht auch die anderen Kinder weiterhin zu betreuen, aber das war extrem schwer zu managen. Außerdem hatte sie noch 2 Geschwister, die zwar nicht geschwommen sind bei uns, aber man hat sie nur ganz am Rande wahrgenommen, weil das Mädchen so präsent war, bzw. vielleicht habe ich es auch nur in meinem Kopf so präsent gemacht. Auf jeden Fall kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass es schwer ist alle in gleichem Maße mit Aufmerksamkeit zu beleuchten. Dies stelle ich mir für Eltern mit einer besonderen Geschwistersituation auch schwierig vor. Das Interview mit Frau Winkelheide hat mich für dieses Thema sensibilisiert.

  1. Welche Fragen an ihre (zukünftige) Praxis ergeben sich aus dem Video? Fokussieren Sie auf sich als Lehrperson.

Also eine Frage, die ich mir im Umgang mit den Kindern in besonderen Geschwistersituationen stellen sollte ist folgende: „Ziehe ich einen Nutzen aus den Kindern, weil sie besonders einfühlsam gegenüber anderen Kindern sind?“ Diese selbstreflexive Frage finde ich nach dem Interview besonders wichtig, weil man vielleicht solche Dinge nicht mehr wahrnimmt, wenn man in der Praxis ist. Diesen Aspekt hat auch Frau Winkelheide ausgeführt. Sie sagt, dass diese Kinder bspw. auf Klassenfahrt in das Zimmer des Inklusionskind kommen (auch durch eigenen Willen) damit dieses sich wohl fühlt. Aber muss das eigentlich sein? Auch dies wäre eine Frage an mich selbst in diesem Zusammenhang. Muss ich das Kind in einer besonderen Geschwistersituation dazu benutzen in schwierigen Situation besonders einfühlsam zu sein? Auf diesen Aspekt im Umgang mit diesen Kindern möchte ich in meiner beruflichen Praxis achten. 

Kann ich Kinder, die in einer besonderen Geschwistersituation leben, gezielter unterstützen? Frau Winkelheide, hat in ihrem Interview darauf verwiesen, dass diese Kinder zuhause häufig zurückstecken bzw. eine andere Stellung in der Familie haben als ihre Geschwister/ihr Geschwisterkind. Manchmal müssen sogar jüngere Geschwister die Großen sein, weil sie sich mit um die Geschwister/das Geschwisterkind mit Beeinträchtigung kümmern. Damit diese Kinder aber auch bspw.  Konkurrenz und Wettbewerb (ein Beispiel von Dingen die Kinder in besonderen Geschwistersituationen meist nicht erleben) und die Möglichkeit ihre Interessen auszuleben, ist meine Frage, wie das gelingen kann. Wie kann ich ihnen diese Möglichkeiten auch schaffen, ohne diese Kinder zu bevorzugen oder speziell zu behandeln?

  1. Welche (An)Forderungen an schulische Inklusion und inklusiven Unterricht in Bremen ergeben sich aus dem Video? Fokussieren auf Strukturen und Praktiken (nicht Ressourcen)?

Meiner Meinung nach müsste sich daraus ergeben, dass besonders auf interessengeleitenden und offenen Unterricht geachtet wird und dieser auch zur Anwendung kommt. Hier bietet sich Raum für alle Kinder ihre Interessen und Bedürfnisse auszuleben und diese auch zu formulieren. Außerdem muss die Defizitorientierung komplett aufgegeben werden und der Blick auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten von Kindern gerichtet werden. Eine anerkennende Kultur muss entstehen. 

Eine Antwort auf „RV06 – Schule für wirklich alle?“

Liebe Pauline,
Du hast meiner Meinung nach ein sehr interessantes Video ausgewählt. Beim Ansehen des Videos habe ich ebenfalls theoretische Bezüge aus dem Studium mit dem Inhalt des Videos angeknüpft.
Als besonders bedeutungsvoll empfinde ich, die Familie der Schüler/in zu kennen. Ich denke, dass es vorteilhaft für uns (angehende) Lehrkräfte ist, um manche Verhaltensweisen eines Kindes besser nachvollziehen zu können. Damit meine ich bspw., dass ein Kind sich in der Schule „auffällig“ verhalten kann, um im Mittelpunkt zu stehen. Dies könnte daran liegen, dass zu Hause das andere Kind mit der Beeinträchtigung mehr Aufmerksamkeit von den Eltern bekommt.
Ich finde es sehr wichtig, jedes Kind innerhalb der Klasse individuell zu betrachten und keinesfalls Schüler/innen miteinander zu vergleichen. Wie im Beispiel erklärtem Fall habe ich die Vorstellung, dass die Förderung eines gesunden Kindes etwas vernachlässigt werden kann, wenn im Hause ein weiteres Kind mit einer Beeinträchtigung lebt, der auf Hilfe angewiesen ist.
Gleichzeitig zeigt uns dies, wie wichtig es ist, auf Bedürfnisse jedes Individuums einzugehen.

Da ich bisher nur ein 6-wöchiges Orientierungspraktikum absolviert habe, konnte ich zu diesem Thema keine Erfahrungen sammeln. Inklusive Pädagogik hatte mich bis vor dem Studium nicht wirklich interessiert, doch jetzt im 4. Semester sieht dies ganz anders aus. Dieses Themengebiet ist meiner Meinung nach als Praktikant/in schwer zu beobachten und schwer zu analysieren, da der Kontakt zu der Familie des Kindes eine große Rolle spielt.
Ich erinnere mich aber an meine eigene Grundschulzeit. In meiner Parallelklasse gab es eine Schülerin mit körperlicher Beeinträchtigung und ich weiß, dass die Lehrerin dieser Person gegenüber besonders achtsam war. Ich denke aber, dass dies „automatisch“ passiert. Ähnlich wie bei dir im Schwimmkurs.

Bisherige Vorlesungstermine zeigten uns die Rolle von Bildung für Chancengleichheit in einer heterogenen Gesellschaft. Jeder in der Klasse ist individuell zu betrachten. Es ist wichtig, dass man über familiäre Situationen aufgeklärt ist, dennoch sollte jeder gleich behandelt werden. Das heißt für mich, dass jedes Kind gleichermaßen und gerecht von der Lehrkraft unterstützt werden sollte.

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