{"id":6,"date":"2020-06-13T15:04:39","date_gmt":"2020-06-13T13:04:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/ringvorlesungarobart\/?p=6"},"modified":"2020-06-13T15:06:30","modified_gmt":"2020-06-13T13:06:30","slug":"heterogenitaet-und-inklusion-im-deutschunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/ringvorlesungarobart\/2020\/06\/13\/heterogenitaet-und-inklusion-im-deutschunterricht\/","title":{"rendered":"Heterogenit\u00e4t und Inklusion im Deutschunterricht"},"content":{"rendered":"<p><b>1. Greiner (2019) formuliert verschiedene Dilemmata, die mit der Forderung nach Inklusion an den Schulen verbunden sind. Nehmen Sie zu dreien Ihrer Wahl Stellung.<\/b><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Schule ist eine Begegnungsst\u00e4tte wo jede\/r seinen oder ihren Platz finden soll. Es ist daher f\u00fcr mich klar, dass Inklusion sehr wichtig ist, aber sie bringt auch viele Fragen und Herausforderungen mit sich.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Das Kategorisierungsdilemma ist eines der Dilemmata, das mich vor die meisten Fragen stellt hinsichtlich des p\u00e4dagogischen Vorgehens als Lehrerin. Es ist ma\u00dfgeblich, dass man die Entwicklung und die F\u00e4higkeiten von jedem SuS ber\u00fccksichtigt und diese f\u00fcr die Optimierung des Lernens richtig einsch\u00e4tzt. Allerdings darf die Evaluation der Kompetenzen und F\u00e4higkeiten der SuS nicht dazu f\u00fchren, dass die SuS in starre Kategorien eingeteilt werden. Meiner Meinung nach ist es unerl\u00e4sslich im Klassenraum ein Arbeitsklima zu erzeugen, in dem alle einen Platz haben und sich gleich behandelt f\u00fchlen. Um zu vermeiden, dass Kategorisierung ein Problem wird, kann man Zusammenarbeit und gegenseitige Hilfe beg\u00fcnstigen. Diese erscheinen mir die interessantesten Methoden. Ich glaube, dass SuS viel voneinander lernen k\u00f6nnen und, dass ein kollaborativer Ansatz, wo jede\/r sein oder ihre Hilfe einbringen kann, das Kategorisierungsproblem wirklich verringern kann.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Dies bringt uns jedoch zu einem anderen Dilemma. Die Differenzen der SuS im Blick zu haben, kann auch bedeuten diese Differenzen hervozuheben und zu verst\u00e4rken. Dies kann zu Besch\u00e4mungs- und Abwertungserfahrungen f\u00fcr manche SuS f\u00fchren. Ich denke, dass die Quelle dieses Problems sich tats\u00e4chlich teilweise im Bewertungs- und Benotungsprozess befindet. Diese Prozesse sind, auch wenn es nicht ihr Zweck ist, ein Mittel f\u00fcr die SuS, sich zu vergleichen, was einen Wettstreit ausl\u00f6sen kann. Ich bin der Meinung, dass man lieber die Fortschritte bewerten sollte, statt die Arbeit f\u00fcr eine besondere Aufgabe zu evaluieren. Ich glaube, dass dann die Differenzen weniger sichtbar w\u00fcrden.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Eine andere wichtige Herausforderung nach Greiner, die ich pers\u00f6nlich besonders interessant finde, ist das Individualf\u00f6rderung-statt-Unterricht-Dilemma.Tats\u00e4chlich kann es, wenn man sich viel M\u00fche gibt, sich an die individuellen Bed\u00fcrfnisse der SuS anzupassen, dazu f\u00fchren, dass die Klassendynamik darunter leidet. Man muss aufpassen, individuelle SuS gegen\u00fcber der gesamten Klasse nicht \u00fcberm\u00e4\u00dfig zu f\u00f6rdern, darf aber individuelle Bed\u00fcrfnisse die SuS gleichzeitig nicht vernachl\u00e4ssigen. Vielleicht w\u00e4re es daher interessant f\u00fcr die Lehrkr\u00e4fte, jeweils Momente zu organisieren, die der Individualf\u00f6rderung und der F\u00f6rderung der Gruppe die gleiche Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><b>2. Die Vermittlung und Reflexion der deutschen Sprache ist nicht nur Aufgabe des Deutschunterrichts, sondern f\u00e4cher\u00fcbergreifendes Unterrichtsprinzip. Wo sehen Sie in Ihrem (ggf. zweiten) Fach M\u00f6glichkeiten, um<\/b><\/p>\n<ul>\n<li><b>Vielsprachigkeit als Ressource zu nutzen,<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich studiere, um Lehrerin f\u00fcr die Fremdsprachen Englisch und Franz\u00f6sisch zu werden. Franz\u00f6sisch ist meine Muttersprache und ich spreche noch drei weitere Sprachen, von denen ich zwei t\u00e4glich nutze. Meine Meinung nach ist dies eine Gewinn sowohl f\u00fcr sich selbst als auch f\u00fcr die Klasse.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Zuallererst ist es eine tolle Ressource um andere Sprachen besser zu verstehen. Ich nutze im Unterricht zum Beispiel gerne W\u00f6rter, die in der Unterrichtsprache und den Sprachen der SuS \u00e4hnlich sind. So habe ich mit einer Klasse beobachtet, dass es in der t\u00fcrkischen, polnischen, deutschen, englischen, spanischen Sprache W\u00f6rter gibt, die gleich oder sehr \u00e4hnlich sind, wie \u201ctaxi\u201d, \u201cbus\u201d, \u201cpizza\u201d, \u201cananas\u201d, usw.\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich interessiere mich f\u00fcr Etymologie und Geschichte, und ich mag es, \u00fcber den Ursprung von Ausdr\u00fccken und W\u00f6rtern der Sprache, die ich unterrichte, zu diskutieren. Zum Beispiel finde ich die Entstehung des Croissant sehr interessant der in Wien w\u00e4hrend einer t\u00fcrkischen Belagerung zum ersten Mal gebacken wurde und eigentlich den Mond auf der t\u00fcrkische Flagge repr\u00e4sentiert.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Es ist auch eine tolle Ressource um interkulturelle Theme zu bearbeiten und interkulturelle Kompetenzen zu entwickeln, die im Gemeinsamen europ\u00e4ischen Referenzrahmen f\u00fcr Sprachen beschrieben sind. Ich denke, dass Vielsprachigkeit einen tollen Weg zur interkulturellen Teilhabe darstellt und deswegen ein wichtigen Platz im Klassenraum hat.\u00a0<\/span><\/p>\n<ul>\n<li><b>gendersensibel Unterrichtsgegenst\u00e4nde auszuw\u00e4hlen und Aufgaben zu konstruieren. (ACHTUNG! Ein * gen\u00fcgt daf\u00fcr nicht!)<\/b><\/li>\n<\/ul>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich finde die Genderfragen unglaublich interessant und ich interessiere mich sehr f\u00fcr die Konstrukte und soziale Ungerechtigkeiten, die in unsere Gesellschaften erscheinen. F\u00fcr mich ist es sehr wichtig, mich auch p\u00e4dagogisch mit diesen Fragen zu besch\u00e4ftigen. Man kann vielleicht die Alltagsthematiken durch die Linse der Gender Studies betrachten, z.B. die Problematiken von Jugendlichen wie Mobbing, differenzierte Erziehung, Toleranz, die verschiedenen Identit\u00e4ten und\/oder Orientierungen, usw.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Ich glaube, dass Medien wie Filme, Kurzfilme, Comics, Romans sehr ergiebige Ressourcen sind. Selber habe ich zum Beispiel zwei Comics von einer franz\u00f6sische Autorin, die \u00fcber bemerkenswerte Frauen geschrieben hat. Es w\u00e4re ein guter Anfang, um \u00fcber Frauenschicksale, Hindernisse und Probleme, auf die sie gesto\u00dfen sind wie Rassismus, Homophobia, Transphobia, Intoleranz, Gewalt oder Misogynie, zu sprechen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Jedoch muss man sich diesem Thema mit Vorsicht n\u00e4hern. Es geht hier nicht darum, die Privatsph\u00e4re zu betreten, sondern \u00fcber die Problematiken zu reden, ohne dass es f\u00fcr die SuS intrusiv ist. <\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>1. Greiner (2019) formuliert verschiedene Dilemmata, die mit der Forderung nach Inklusion an den Schulen verbunden sind. Nehmen Sie zu dreien Ihrer Wahl Stellung. Schule ist eine Begegnungsst\u00e4tte wo jede\/r seinen oder ihren Platz finden soll. 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