Die Wahrheit hinter „Bubble Up“

9. Juni 2021

Skandal um Produkt „BubbleUp“ der Firma Mestlé

Filed under: Allgemein —— Jula @ 19:47

Ein Kommentar von Anna Kolt (??fiktiver Journalistenname??)

Bremen, Deutschland. Ein kleiner Insider-Tipp droht das Ende für ein ganzes Unternehmen zu sein. Hinter dem Produkt „BubbleUp“, das seit ein paar Monaten von der Firma Mestlé vermarktet wird, scheint wohl viel mehr zu stecken als eine „belebende Wirkung“, wie es auf der „BubbleUp“-Website [Bubble Up (uni-bremen.de)] heißt.

Worum genau es geht und warum Ihnen dringend von dem Kauf des Produktes abgeraten wird, erfahren Sie im folgenden Beitrag.

Seitdem ich als freischaffende Journalistin mein Geld verdiene, durfte ich nicht über etwas von solchem Ausmaß schreiben, wie diese Enthüllung. In den vergangenen Tagen hat eine Gruppe aus anonymen Aktivist:innen Kontakt zu mir aufgenommen, ebenso zu einigen wenigen ausgewählten Kolleg:innen von mir. Uns liegen nun also Informationen aus erster Hand vor, die wir der Öffentlichkeit auf keinen Fall vorenthalten wollen und können!

Seit einigen Monaten hat in Bremen ein neues Fabrikgebäude geöffnet, das augenscheinlich ausschließlich zur Produktion des Produktes „BubbleUp“ dient, das von der Firma Mestlé vermarktet wird. Mit Sicherheit ist dessen Werbung bereits einigen meiner Leser:innen begegnet. „BubbleUp“ ist eine Art Gelee, die auf verschiedene Weisen konsumiert werden kann – als Götterspeise, als Brotaufstrich oder auch eingefroren als eine Art Bonbon. Geworben wird für das Produkt mit der Argumentation, es würde eine energiebringende Wirkung haben und solle die Menschen dazu bewegen, „aus dem energielosen Trott auszutreten, in den so viele von uns durch die schreckliche Krankheit, die unsere Welt heimsuchte, verfallen sind“ [siehe » Über uns Bubble Up (uni-bremen.de)].

Eine Möglichkeit, die Nachwirkungen der Pandemie loszuwerden und schneller wieder zum alten Leben zurückzukehren? Das ist etwas, das sehr viele von uns sich wünschen. Logisch also, dass das Produkt in den vergangenen Wochen volle Verkaufserfolge zu verbuchen hat. Was jedoch niemand ahnt: „BubbleUp“ macht süchtig! Der Inhaltsstoff, der die besondere Wirkung hat, wird auf der offiziellen Website als eine natürlich gewachsene Pflanze dargestellt. Die „Crautaria“-Pflanze wurde augenscheinlich von einem kleinen Team an Forscher:innen bei einer Expedition entdeckt [siehe BubbleUp Forschungstagebuch (LINK EINFÜGEN)]. In Wahrheit jedoch hat es diese Expedition niemals gegeben. Die involvierten Personen des ‚Entdeckungstrupps‘ sind in Wahrheit überhaupt keine studierten Biolog:innen und Botaniker:innen. Sie wurden allein zum Zweck der Selbstdarstellung von der Firma Mestlé engagiert. Wenn man die „Firma“ überhaupt so nennen kann. Denn augenscheinlich hat sie sich einzig und allein zu dem Zweck zusammengeschlossen, ihr abhängigmachendes Produkt unter die Menschen zu bringen und so bereitwillige Käufer als auch billige Arbeitskräfte zugleich zu generieren – und ihr Vermögen so auf langfristige Sicht ins Unendliche zu treiben.

Die „Pflanze“ ist in Wirklichkeit ein im Labor gezüchteter Samen, eine Kreuzung aus dem Kokastrauch (Erythroxylum coca), der Kaffeepflanze (Coffea arabica), und der Matepflanze (Ilex paraguariensis). Dieser Samen wird durch Massen an Energie- und Wasserverbrauch in extra dafür geschaffenen Gewächshäusern herangezüchtet, bis eine Pflanze aus ihm wächst, dessen Blätter dann für die Weiterverarbeitung in der Fabrik geerntet werden. Der Lohn für all die Arbeiter, die in diesen Prozess verwickelt sind: ein Kreislauf der Abhängigkeit, aus dem sie kaum entkommen können. Der Lohn ist das Produkt, könnte man sagen – bereits während der Produktion werden Dämpfe freigetreten, die eine Sucht fördern. Natürlich gibt es für jede:n neue:n Arbeiter:in auch Gratisproben. Wenn dann erst einmal das erste Gehalt auf dem Konto ist, sind die meisten bereits soweit in der Spirale gefangen, dass sie ihr Geld bereitwillig für eine Packung „BubbleUp“ ausgeben – in dem Glauben, dadurch wiederum mehr arbeiten und mehr verdienen zu können.

Ich verweise an dieser Stelle auf die Artikel, die meine Kolleg:innen verfasst haben und die Ihnen weitere Einblicke in das scheußliche Machtspiel von Mestlé geben. Informationen finden sie auf unserer Website: Die Wahrheit hinter „Bubble Up“ (uni-bremen.de).

Es sei nur noch einmal klar und deutlich gesagt: Lassen Sie die Finger von „BubbleUp“! Eine Stelle in dieser Fabrik ist es nicht wert, ganz egal, wie viel Geld Ihnen versprochen wird! Informieren Sie sich und Ihre Nächsten!

Die Firma Mestlé muss gestürzt werden!

7. Juni 2021

Enthüllungsreportage

Filed under: Allgemein —— Isabelle @ 9:25
Kapitel 1: Einschläusung 
Alles begann damit, dass ich eine Reportage zu den Hansestädten drehen sollte und deshalb einen kurzen Aufenthalt in Bremen hatte. Vor Ort war ich im Stadtteil Woltmershausen untergebracht und hatte einen direkten Blick auf die Weser und die Überseestadt. Am meisten fiel mir ein großes Fabrikgelände auf, dass den Schriftzug „Mestle“ trug. Tag ein Tag aus brannten alle Lichter, LKW´s fuhren vor, wurden be- und entladen und eine unglaubliche Menge Rauch trat sowohl aus Schornsteinen als auch den Fenstern des Gebäudes aus. Ich hatte noch nie etwas von der Firma gehört. Aus Neugierde fing ich also an zu recherchieren. 
Ich begann damit die Einträge zu BubbleUp und Mestlé bei Google zu durchstöbern. Neben der Firmeneigenen Website, die aussah wie jede andere Homepage und keine Besonderheiten aufwies, fand man kaum Einträge und wenn doch, schienen alle Beiträge ausschließlich aus Bremen zu kommen und von Behörden veröffentlicht worden zu sein. Nach langem scrollen jedoch, stieß ich auf ein Interview, das erst kürzlich veröffentlicht wurde. Man sollte meinen aktuelle Einträge würde man schneller auf Google finden. Ich begann zu lesen und mich überkam ein unangenehmer Schauer. Ich konnte nicht glauben, was ein anonymer Beschäftigter des Unternehmens hier über seinen Arbeitgeber zu Lichte trug. 
Abgesehen davon fand ich noch einige Statistiken zu dem Unternehmen, die mich noch weiter erschütterten. Augenscheinlich hat die Firma sämtliche Angaben zu Co2-Ausstoß, Zufriedenheit der Arbeitnehmer und den Nährwerten des Produkts über Jahre gefälscht. Eine Gruppe Aktivist*innen Hat nun die korrekten Zahlen veröffentlicht. Es stellt sich heraus, dass alle Kennzahlen in´s positive korrigiert wurden um sich in der Öffentlichkeit gut präsentieren zu können.
Als Journalistin verspürte ich den Drang auch meinen Teil zu tun um die Geschehnissen in Bremen an die Öffentlichkeit zu bringen. Ich nahm mit dem Interviewer und den Aktivist*innen Kontakt auf. Deren Antworten bestätigten mich nur in meinem Vorhaben. Ich begann meine Einschläusung zu planen. Unterstützung erhielt ich von meinem Journalist*innenteam, mit dem ich die gesamte Zeit über versteckte, technische Geräte in Verbindung stehen konnte.
Auf der Website waren viele Stellenanzeigen ausgeschrieben. Mestle bewarb, dass es ein stetig wachsendes Unternehmen ist und daher viele Arbeitsplätze bereitstellt. Was mich stutzig gemacht hat war, dass neben geringen Qualifikationen und einer körperlich guten Kondition auch ein Wohnsitz in Bremen oder Bremerhaven zu den Bedingungen gehörten. Es stand an vielen Stellen und wir entschieden uns am Ende meine Dokumente zu fälschen. Schon war ich qualifiziert bei Mestle anzufangen.
Nach nur drei Tagen hatte ich eine Zusage. Nicht einmal ein Bewerbungsgespräch wurde mir abverlangt. Meine Bestätigungsmail beinhaltete lediglich, ich sei eingestellt, fange am 01.12.2020 um 5:30 Uhr an und, dass ich mich „Auf der Muggenburg“ einzufinden habe. Nun bahnten sich offiziell die fordernsten 6 Monate meines Lebens an. 
Kapitel 2: Der erste Arbeitstag 
Um 5:30 Uhr fand ich mich am Tor vor der Fabrik ein. Mich erwartete laut Namensschild der Bereichsleiter Konrad Giese. Nach einem herzlosen Hallo hielt man mir Maske, Handschuhe, ein Zettel mit Zimmernummer für das Wohnheim und einen „Snack“, um mich wach zu machen und zu halten meinte er, hin. Das war das Teufelszeug. Es sah aus wie eine Art „Kaustange“ in grün. Herr Giese schaute mich und mein Frühstück abwechselnd erwartungsvoll an. Ich hatte wohl keine Wahl, also begann ich zu essen. Sichtlich zufrieden leitete man mich, nachdem ich Handschuhe und Maske aufgezogen hatte, auf den Hof. Wir steuerten auf das rauchausstoßendes Gebäude zu. Dafür waren also die Masken. Mein Empfänger schloss eine der Türen auf und geleitet mich rein. Mich überkam ein Schock. Ich erblickte ausgemergelte, ausschlagübersähte, offensichtlich von Schlaflosigkeit geplagte Arbeiter in durch schwarze Scheiben getrennten Arbeitsspots. Der Bereichsleiter erklärte mir der Rauch käme aus Heizräumen im Gebäude. Die Pflanze müsse hier 6 Monate getrocknet werden um weiterverarbeitet zu werden. Also sehr umweltfreundlich das Ganze. Giese symbolisierte ihm zu folgen und ging Richtung Treppe, die zu den Arbeitern führte. Nach der ersten Stufe setze die Wirkung meines „Wachmachers“ ein. Der Begriff beschreibt auch die Wirkung ganz gut. Ich verspürte einen unglaublichen Produktivitätsschub und wollte direkt an die Arbeit gehen. So schien mein erster Tag auch gedacht zu sein, denn es ging nur ein paar Schritte weiter bis wir an einem großem Kochtopf standen. Herr Giese erklärte, ich solle die Masse im Topf zu einer dickflüssigen Masse anrühren und sie anschließend in Behälter füllen, die sich im Schrank unter den Kochfläche befinden. Diese werden auf dem Laufband, welches hinter dem Topf verlief, platziert und mehr bräuchte mich nicht zu interessieren. Mir wurde zunehmend klar, weshalb kein Abschluss verlangt wird. Nach der kurzen Erläuterung ließ mein Bereichsleiter mich alleine und ich begann wie ferngsteuert zu schuften. Die Zeit verging wie im Flug und nichtmal der stickige Rauch schien mich zu stören. Irgendwann machte der Supervisor meines Bereichs die Ansage, dass alle aus meinen Bereich nun gehen, damit die nächste Schicht anfangen kann. Ich schaute auf die Uhr und es war bereist 22:30 Uhr! Ich habe nicht einmal Mittagspause gemacht…Alles was ich heute zu mir genommen habe war BubbleUp. Um mich herum standen alle auf und liefen wohl Richtung Ausgang. Ich orientierte mich an den anderen und folgte der Masse. Draussen angekommen stand bereits ein Bus, der uns wohl zum Wohnheim bringen sollte.
Um 22:48 Uhr kamen wir am Wohnheim an. Ich holte den Zettel, der mir zugesteckt wurde aus der Hosentasche und machte mich auf die Suche nach meinem Apartment. Im Heim fiel mir auf, dass die Wirkung begann nachzulassen. Ich spürte vorerst nichts auffälliges außer Müdigkeit. Mit der Vision eines Bettes erklimmte ich die Treppen und fand mein Zimmer. Ich hatte mich schon gewundert, weshalb man mir keinen Schlüssel gegeben hat. Die Frage beantwortete sich als ich entdeckte, dass es keine Schlösser gab. Minimalistisch wäre untertrieben um die Zimmer zu beschreiben. Im Zimmer standen 2 Hochbetten, ein Waschbecken und ein Schrank. Badezimmer gab es eins pro Etage. Ich schien die Einzige zu sein also berichtete ich den Ablauf meines ersten Tages per verstecktem Funkgerät meinem Team und fiel todmüde in´s Bett. Irgendwann Nachts kamen noch meine Mitbewohner dazu, jedoch waren alle zu müde um sich groß zu unterhalten. Auch am nächsten Morgen verließ ich das Zimmer als meine Mitbewohner noch schliefen. 5:30 Uhr war wieder Schichtbeginn und der ganze Ablauf vom Vortag wiederholte sich. Vor der Schicht gab´s wieder Kaustange und mit den Wochen wurden es zwei, drei bis zu vier Stück am Tag, die ich zu mir nehmen sollte, aber auch wollte. Sie taten mir gut. Jedesmal wurden sie ein bisschen besser.
Mein gesundheitlicher Zustand war die ersten Wochen noch überraschend gut. Doch mit der Zeit traten immer mehr und zunehmend intensivere Nebeneffekte auf und die Arbeitsumstände begannen an einem zu nagen, wobei in meinem Kopf, auch wenn ich mich versuchte zu beherrschen der Gedanke an die nächste Kaustange im Vordergrund war. Es kam bei mir, Mitarbeitern und -bewohnern, welche ich nicht weiter benenne, zu Hautausschlägen, Gliederschmerzen und Schüttelfrost. Doch sobald sie BubbleUp zu sich nahmen, „funktionierten“ sie wieder und machten nicht den Eindruck krank zu sein. Abgesehen von der äußeren Erscheinung, die jedoch für fast alle Arbeiter als „normal“ galt. Viele blieben, da Sie für die Arbeit, neben der normalen Entlohnung, mit BubbleUp bezahlt wurden bzw. am Laufen gehalten wurden. Im Gegensatz zur Mehrheit konnte ich durch regelmäßigen Kontakt mit meinem Team einen Funken mehr „Normalität“ in meinem Tagesablauf behalten wodurch ich nicht so stark geschädigt bzw. abhängig bin wie die meisten Arbeiter, die nur Umgang mit anderen Abhängigen hatten. Ich berichtete bei jeder Gelegenheit meinem Team zu meinem geistigen & körperlichen Zustand und meinen Tagesabläufen. Man hielt mich über Ereignisse außerhalb meiner „bubble“ auf dem Laufenden und erinnerten mich immer wieder daran, dass sie mir helfen hier rauszukommen und von BubbleUp loszukommen. 
Kapitel 3: Hierarchien

In den Monaten, in denen ich im Bubbleup Unternehmen war habe ich verschiedene Quellen gehabt, die mir ein Bild von den hierarchischen Strukturen innerhalb des Unternehmens und zunehmend – es klingt merkwürdig – innerhalb der Politik gegeben haben. Da waren zum einen meine Vorgesetzten, die mir selbstverständlich ihre Rolle, die sie für mich einforderten zu haben darstellten. Allerdings viel aufschlussreicher waren da zum Anderen noch Gerüchte, die kursierten. Wenngleich die Arbeiter*innen nicht viel Kontakt miteinander haben ist es dennoch möglich, dass sie miteinander reden. Immerhin beschränken einige von ihnen ihren Radius, in dem sie sich aufhalten nicht nur auf das Unternehmen oder die Unterkünfte, die ihnen bereitgestellt werden. Dazu komme ich im Folgenden auch. Bis ich das Unternehmen verließ blieben die Gerüchte Gerüchte, also ich konnte ihre Richtigkeit nicht adäquat prüfen, jedoch deckt es sich mit dem, was in dem Interview…….., das ich später vor mir hatte, herauskommt. Als letztes, und dadurch konnte ich dann doch noch mehr Sicherheit gewinnen, dass an einigen der Gerüchte etwas dran ist, fiel mir die Situation zu ein Telefonat meines Vorgesetzten lauschen zu können und mich infolgedessen heimlich zu einem Besuch des Chefs in der Fabrik schleichen und zuhören zu können.

Mein Vorgesetzter, den ich täglich sah war ein Mann, der großgewachsen und dünn braunhaarig war, immer eine Latzhose trug und trotz seiner lauten Stimme, die er nicht zu selten benutzte, eine gewisse Freundlichkeit versprühte. Vielleicht waren es seine Augen. Er wirkte anfangs naiv auf mich. Ähnlich wie die meisten Menschen, denen ich während der Arbeit in der Fabrik begegnete. Er erinnerte mich an den Typ Mensch, den ich einst häufiger und in verschiedenen Personen vor mir sah, als ich in eine Reportage über die Bundeswehr involviert war. Dass er seine Pflicht, mit der er beladen ist erfüllt, schien ihm eine hohe Priorität zu sein, die er nicht in Frage stellt. Was er häufig betonte war, dass er mein Supervisor sei und dafür sorgt, dass „sein und mein Chef Giese“ – so er immer – ihn weiterhin wertschätzt. Konrad Giese war wie erwähnt der Betriebsleiter, auf den ich ganz zu Anfang traf. Er wirkte nicht besonders sympathisch auf mich aber die Menschen in der Fabrik schienen ihn zu mögen bzw. nicht zu hassen, was angesichts der Zustände, die ich miterlebt habe für mich eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Allgemein habe ich nicht sehen können, dass die Arbeiter*innen unzufrieden mit den Zuständen, unter denen sie arbeiten, waren. Wenn sie Unmut empfanden schien es so, als ob sie diesen anstatt, dass sie ihn in Richtung der Vorgesetzten oder des Unternehmens, der Ausbeutung durch das Unternehmen entladen, viel mehr auf ihre Arbeit übertrugen. Zunehmend habe ich so etwas auch an mir selbst festgestellt. Meine Freude über meine Leichtigkeit beim Arbeiten schlug um. Wenn die Wirkung nachließ fingen meine Gedanken an nur noch um Bubbleup zu kreisen und es lief ein Mechanismus an, durch den ich immer schneller arbeitete und somit jene Gedanken an das Produkt durch das Gefühl von Schmerz bei der Arbeit ersetzen konnte.

Angesichts einiger Erzählungen, die mir, wenn man dann doch einmal die Gelegenheit bekam mit anderen Arbeiter*innen zu sprechen – das war beispielsweise im Bus während der Fahrt in die Quartiere der Fall –, zu Ohren kam, wurde mir die hierarchische Struktur in meinem unmittelbaren Umfeld bewusster. Demnach sei mein Supervisor, dessen Namen irgendwie niemand kannte, früher selbst ein Arbeiter gewesen. Er war wohl einer der ersten und konnte durch seine Erfahrung als das Unternehmen anfing stark zu wachsen aufsteigen. Wie jeder Supervisor, egal in welchem Bereich (dazu im Folgenden mehr), kümmerte er sich um 20 Arbeiter*innen. Des Weiteren bekam ich mit, dass Konrad Giese sehr respektiert wurde, was (wieder) für mich gedanklich schwer vereinbar damit war, dass die Arbeitsbedingungen derart schlecht sind. Es hieß er würde sechs Tage die Woche 10 Stunden im Büro der Firma sein ohne Bubble up zu „snacken“. Alles, was diskutiert wurde von den Arbeiter*innen, unabhängig von Brisanz, schien nicht mehr zu sein als eine triviale Alltagsstory. Sie zerreißen sich nicht etwa die Mäuler über Vorkommnisse. Der Alltag war geprägt von diesen Hochs und Tiefs hervorgebracht durch Bubbleup. Das schien brav zu machen, ohne dass die Supervisor viel aufwenden mussten, sodass die Arbeiter*innen entsprechend den Erwartungen der Bereichsleitung ihren Alltagsstrukturen folgten.

Genau davon konnte ich profitieren. Den einen Tag, ich war vielleicht erst zwei Wochen in der Fabrik – entschied ich ich anstatt in den Bus zu den Quartieren zu steigen, auf dem Fabrikgelände zu bleiben. Mein Ziel war es direkt seit Beginn gewesen in der Zeit, in der ich dem Bubbleup noch nicht zu stark verfallen war, mehr über Herrn Giese herauszufinden. Es schien als hätte ich den prompt den richtigen Tag erwischt, um zu spionieren. Angekommen am Büro fand ich einen versteckten Platz unterhalb eines Fensters und konnte ein kurzes Telefonat zwischen Herrn Giese und dem Boss mithören. Er wollte kommen. Zwei Stunden später. Und er kam. Es war dunkel und ich konnte wenig sehen. Es war darüber hinaus hart. Auch wenn die beschriebene Abhängigkeit zu dem Zeitpunkt noch nicht so stark wie später dann eingesetzt hatte, konnte ich den immer wieder aufkommenden Gedanken an die Kaustangen bemerken.Sie schienen sich über eine Strategie zu unterhalten. Mit meiner Minikamera und meinem ausgestreckten Arm konnte ich ein Foto machen. Wie es häufig passiert – in dem Moment versagte die Technik. Mir war es möglich das Foto zu schießen, danach aber war die Kamera tot. Ursprünglich war es meine Idee ein Bild vom Boss zu machen. Als mein Team nach meiner Rückkehr die Kamera öffneten und die Daten soweit möglich wiederherstellten war Ernüchterung vorhanden, da neben dem auch nicht gut sichtbaren Herrn Giese der Boss hinter einem Regal stand. Gleichzeitig hatte ich aber ein Flipchart gut lesbar abgelichtet. Darauf abgebildet war dieses Diagramm.

Wir konnten unser Glück kaum fassen. Ich hatte die Firmenstruktur Fotografiert. Erkennbar daraus ist, dass es zum einen die „nicht-abhängige Führungsriege“, zu der Herr Giese und der Boss gehörten, gibt und zum anderen vier verschiedene Sorten von Arbeiter*innen. „Die Supervisor“, „Arbeiter*innen in Teilzeit“, „Arbeiter*innen in Vollzeit“ und „Leiharbeiter*innen [aus dem] Ausland“. Demnach zählte ich zu den Arbeiter*innen Vollzeit. Von den Arbeiter*innen in Teilzeit erzählten andere Arbeiter*innen im Bus einmal. Die Arbeiter*innen, die an unseren Arbeitsplätzen arbeiten, während wir in den Quartieren sind und uns für wenige Stunden ausruhen, sollen angeblich normale andere Jobs tagsüber haben. Sie sollen mit deutlich mehr Bubbleup entlohnt werden und ihre Körper sollen dadurch keinen Schlaf mehr benötigen. Auch, wenn die zwei Herren während meiner Spionageaktion nichts der Gleichen erzählten, macht es doch Sinn. Der Boss stellte Herrn Giese vor, dass weitere Teilzeitkräfte kommen werden. Die Fabrik sollte auch nachts komplett ausgelastet sein. Auf den meisten Plantagen soll das Verhältnis zwischen Teil und Vollzeit Arbeiter*innen bereits bei nahezu 1:2 liegen, während es in der Fabrik erst bei über 1:9 liegt. Sie debattierten noch länger über die Umsetzbarkeit hinsichtlich benötigten Supervisoren. Aus dem Gespräch wurde mir deutlich, dass es wohl in jedem Bereich, sei es das Labor, sein es die Plantagen, sei es die Fabrik, Supervisoren gibt, die Erfahrung haben und seit langer Zeit und somit stark abhängig sind, die jeweils 20 Arbeiter*innen betreuen. Zu den Leiharbeiter*innen erfuhr ich nichts weiter in dem Gespräch oder durch Gerüchte. Es wunderte mich, da sie nun einmal mit ~55% der Menschen involviert im Unternehmen den größten Anteil ausmachten.

 

Kapitel 4: Produktion
Hier wollte ich Ihnen einen Überblick bezüglich Produktion und „Entdeckung“ der Crautaria-Pflanze, aus der BubbleUp produziert wird, geben. Ich habe innerhalb meiner 6 Monate vor Ort jedoch leider kaum meinen Posten im großen Fabrikgebäude verlassen dürfen und verweise sie deshalb auf einen kurzen Artikel einer Journalistenkollegin: https://blogs.uni-bremen.de/revealingbubbleup/
Kapitel 5: Ausstieg 
Konnte ich mit meinem Bericht ihr Interesse wecken, wollen Sie etwas zu dem Thema beitragen oder im Falle von Fragen an mich, melden Sie sich gerne per Mail bei mir. 
Mail-Adresse: Julia.Berg-taz@gmx.de

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