{"id":97,"date":"2023-03-26T20:38:27","date_gmt":"2023-03-26T18:38:27","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/?page_id=97"},"modified":"2023-03-31T18:03:08","modified_gmt":"2023-03-31T16:03:08","slug":"sichtbarkeit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/sichtbarkeit\/","title":{"rendered":"Sichtbarkeit"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;font-size: 14pt\"><span style=\"color: #800080\"><i><span style=\"font-weight: 400\">\u00a0<\/span><\/i><\/span><i><span style=\"font-weight: 400\"><span style=\"color: #800080\">\u201ewenn man zum Beispiel auch mit [\u2026] Partner:in auftaucht, dass so physische Zuneigung oder auch so emotionale Zuneigung, dass man sich damit nicht verstecken muss oder sich zensieren muss [\u2026]\u201c<\/span> <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">(Cosmo)<\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">.<\/span><\/i><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;font-size: 14pt\"><i><span style=\"font-weight: 400\"><span style=\"color: #800080\">\u201e[wenn ich] gleichgeschlechtliche Paare sehe, die irgendwie [\u2026] H\u00e4ndchen halten oder, die sich k\u00fcssen und wo man einfach sieht \u201eOkay, die sind romantisch zusammen\u201c und f\u00fchlen sich jetzt gerade in diesem Moment hier wohl genug das irgendwie auch offen zu zeigen\u201c<\/span> <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">(Cosmo)<\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">.<\/span><\/i><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;font-size: 14pt\"><span style=\"font-weight: 400\">Neben Sicherheit spielt vor allem auch Sichtbarkeit eine ma\u00dfgebliche Rolle. Hier wird zum Beispiel im Falle von Cosmo deutlich, dass Queer Spaces unter anderem durch ihre sichtbar machende Wirkung definiert werden. Einen Space zu haben, an dem Sichtbarkeit m\u00f6glich ist und sie sich nicht <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">zensieren<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\"> oder <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">policen<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\"> muss.<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;font-family: verdana, geneva, sans-serif;font-size: 14pt\">Auch Hyacinth erw\u00e4hnt an mehreren Stellen den Wunsch <em><span style=\"color: #800080\">\u201esich zu zeigen\u201c<\/span><\/em>, in dem Fall auf dem CSD. Der CSD schien f\u00fcr all unsere Interviewpartner:innen ein wichtiges Element zu sein. Gleichgesinnte kommen zusammen, Menschen k\u00f6nnen sich kennenlernen, austauschen und man wird vor allem wahrgenommen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;font-family: verdana, geneva, sans-serif;font-size: 14pt\">W\u00e4hrend unseres Interviews mit Tulip kam die Frage auf, was die Gesellschaft ben\u00f6tigt, um queeren Menschen mehr Akzeptanz gegen\u00fcber zu bringen.\u00a0 Tulip antwortete auf diese Frage mit: <strong><em><span style=\"color: #800080\">\u201eBildung im fr\u00fchen Alter, Sichtbarkeit [und] Diversit\u00e4t von klein auf an\u201c<\/span><\/em><\/strong>. Er erkl\u00e4rt, dass Sozialisationsprozesse im fr\u00fchen Alter \u00fcber Diversit\u00e4t dazu verhelfen, eine friedvolle Welt zu schaffen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;font-family: verdana, geneva, sans-serif;font-size: 14pt\">In einer Studie aus 2013, in welcher die Akzeptanz von LGBTIAQ+* &#8211; Menschen in den USA erforscht wurde, geben circa 9 von 10 LGBT-Erwachsenen (92%) an, dass die generelle Akzeptanz in der Gesellschaft von queeren Menschen im Vergleich zu den letzten 10 Jahren gestiegen sei (vgl. Pew Research Center 2013). 53% der Befragten empfinden, dass die Gesellschaft eine starke Akzeptanz entwickelt habe, w\u00e4hrend 40% der Meinung seien, dass etwas mehr Akzeptanz entwickelt wurde. Zu dem Punkt, welche Faktoren zur gesamtgesellschaftlichen Akzeptanz von queeren Menschen in der Gesellschaft beigetragen habe, gab die Mehrheit an, dass sie entweder selber Menschen kannten, die der LGBTIAQ+* &#8211; Community angeh\u00f6rten oder ber\u00fchmte Pers\u00f6nlichkeiten kennen, die queer sind oder sich f\u00fcr die Rechte von queeren Menschen aussprechen. Weitere Faktoren f\u00fcr die steigende Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung seien Repr\u00e4sentationen von LGBTIAQ+* &#8211; Charakteren in TV Shows, Filmen etc. (vgl. Pew Research Center 2013).\u00a0\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400;font-family: verdana, geneva, sans-serif;font-size: 14pt\">In allen Interviews wird klar, dass Sichtbarkeit einen gro\u00dfen Stellenwert in der LGBTQIA+* &#8211; Community hat. Dennoch ist der Wunsch nach mehr Sichtbarkeit, insbesondere au\u00dferhalb der Queer Spaces, weiterhin pr\u00e4sent. Zudem ist es f\u00fcr die Befragten von zentraler Bedeutung, die M\u00f6glichkeit zu haben, sich auch au\u00dferhalb von Queer Spaces, offen und ohne Diskriminierungen erfahren zu m\u00fcssen, entfalten zu k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;font-size: 14pt\"><span style=\"font-weight: 400\">Wie und warum Sichtbarkeit eine so gro\u00dfe Rolle f\u00fcr queere Menschen inne hat, wird vor allem dadurch deutlich, dass der \u00f6ffentliche Raum von der Stra\u00dfe bis \u00fcber die Gesch\u00e4fte und die Caf\u00e9s kein asexueller Raum ist (vgl. Schuster 2012: 647). Was bedeutet das nun genau? Schuster beschreibt, dass viele \u201eallt\u00e4gliche \u00f6ffentliche Praktiken des Ausdrucks heterosexuellen Begehrens beziehungsweise heterosexueller Paarnormen und Lebensentw\u00fcrfe zur Schau [stellten], was als angemessenes Verhalten betrachtet werde\u201c (Schuster 2012: 647). So sind \u00f6ffentlich sichtbare Handlungen, wie H\u00e4ndchen halten eines heterosexuellen Paares, gesellschaftlich akzeptiert. Solche Praktiken sind bereits schon fr\u00fch in der Sozialisation verankert. Kinder werden in ein Geschlechtersystem geboren, welches ein bin\u00e4res Geschlechterkonstrukt als absolut sieht. Diese beschriebene <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">heteronormative Norm <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">wird durch die st\u00e4ndige Aushandlung des <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Anderen <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">etabliert und manifestiert. Schuster beschreibt in ihrer Arbeit, dass heteronormative R\u00e4ume nicht-heteronormative R\u00e4ume brauchen, um ihre eigene Existenz andauernd zu best\u00e4tigen und zu legitimieren (vgl. Schuster 2012: 648). Die Autorin verweist in diesem Zuge auf den Philosophen Foucault, der 1983 dieses Ph\u00e4nomen als die unabdingbare Relation der Norm zu dem jeweils als [das] konstruierte Andere beschreibt (Schuster 2012: 648).\u00a0 Was bedeutet das jetzt alles genau? Es bedeutet, dass alles, was von der Heteronormativit\u00e4t abweicht, von der \u00fcberwiegend cis-hetero-gepr\u00e4gten Gesellschaft als \u201eabnormal\u201c gewertet und somit auch versto\u00dfen wird (vgl. Schuster 2012: 648).\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: verdana, geneva, sans-serif;font-size: 14pt\"><span style=\"font-weight: 400\">Des Weiteren ist die Sichtbarkeit von LGBTQIA+* &#8211; Repr\u00e4sentationen in Medien nicht au\u00dfer Acht zu lassen. Durch den Anstieg von Repr\u00e4sentationen in traditionellen und neuen Medien \u00fcber die letzten Jahre hinweg werden auch LGBTQIA+* &#8211; Identit\u00e4ten vermehrt zug\u00e4nglich f\u00fcr alle Menschen gemacht, da vor allem f\u00fcr viele genau dort erstmalige Ber\u00fchrungspunkte zu dem Thema hergestellt werden (vgl. Craig &amp; McInroy 2017: 33). Obwohl es seit Mitte der 1990er Jahre eine gro\u00dfe Verbesserung von Vertretungen in den Medien gibt, sind LGBTQIA+* &#8211; Menschen immer noch \u00fcberwiegend unterrepr\u00e4sentiert, da vor allem auch viele Mitglieder der Community zum Ausdruck gebracht haben, dass nicht nur die Menge, sondern auch die Qualit\u00e4t der Repr\u00e4sentationen eine ma\u00dfgebliche Rolle f\u00fcr sie einnehmen. Dies ist nicht verwunderlich, da viele queere Charaktere in Shows oder \u00e4hnlichem \u00fcberwiegend negativ konnotierten Stereotypen nachempfunden werden. So stellen diese h\u00e4ufig B\u00f6sewichte, Opfer von Gewalt und Diskriminierung sowie Schutzbed\u00fcrftige dar (vgl. Craig und McInroy 2017: 35). Diese Bilder spiegeln nicht die Lebensrealit\u00e4ten der Personen wider. Es ist jedoch ein kleiner Aufschwung von mehr akkuraten und positiven Repr\u00e4sentationen erkennbar, wof\u00fcr die Filme und Serien <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Heart Stoppers<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">, <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Wendel &amp; Wild <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">und <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Young Royals <\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\">beispielhaft sein k\u00f6nnen.\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0\u201ewenn man zum Beispiel auch mit [\u2026] Partner:in auftaucht, dass so physische Zuneigung oder auch so emotionale Zuneigung, dass man sich damit nicht verstecken muss oder sich zensieren muss [\u2026]\u201c (Cosmo). \u201e[wenn ich] gleichgeschlechtliche Paare sehe, die irgendwie [\u2026] H\u00e4ndchen halten oder, die sich k\u00fcssen und wo man einfach sieht \u201eOkay, die sind romantisch zusammen\u201c &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/sichtbarkeit\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">Sichtbarkeit<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":11117,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"class_list":["post-97","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/97","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/wp-json\/wp\/v2\/users\/11117"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=97"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/97\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":459,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/97\/revisions\/459"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/queerspacesbremen\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=97"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}