{"id":3895,"date":"2018-01-15T09:48:57","date_gmt":"2018-01-15T08:48:57","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/?p=3895"},"modified":"2022-06-14T22:45:50","modified_gmt":"2022-06-14T20:45:50","slug":"praktikum-in-istanbul-bei-ihd-human-rights-association-studienfach-psychologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/2018\/01\/15\/praktikum-in-istanbul-bei-ihd-human-rights-association-studienfach-psychologie\/","title":{"rendered":"Praktikum in Istanbul bei IHD, Human Rights Association, Studienfach Psychologie"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><strong>1) Vorbereitung:<\/strong><br \/>\nBevor ich mein Praktikum in der T\u00fcrkei beginnen konnte, hie\u00df es erst reichlich an Informationen zu sammeln. Ich begann damit zun\u00e4chst \u00fcber die jeweiligen St\u00e4dte zu recherchieren und entschied mich f\u00fcr Istanbul als Arbeitsort. Hinzu kommt, dass ich die zust\u00e4ndige Praktikumsbeauftragte an meiner Universit\u00e4t f\u00fcr die T\u00fcrkei kontaktiert habe und diese mir bei meinem n\u00e4chsten Vorgehen half bzw. an weitere Personen weiterleitete. Anschlie\u00dfend erfolgte die Suche nach geeigneten Praktikumsstellen. In diesem Zusammenhang interessierten mich insbesondere Krankenh\u00e4user, psychologische Praxisstellen, Menschenrechtsorganisationen mit einem klinischen Anteil und generell internationale Institutionen mit einem klinischen Anteil.<\/p>\n<p>Nach der Recherchearbeit erfolgte die Kontaktaufnahme, meist durch einen Anruf und selten durch E-mail. In Anbetracht der Tatsache, dass nur ein geringer Anteil der Bev\u00f6lkerung in der T\u00fcrkei wirklich gut Englisch spricht und E-mails aus diesem Grund sehr versp\u00e4tet beantwortet werden, sollte ein kurzer Anruf in Erw\u00e4gung gezogen werden. Nach den zahlreichen Anrufen entfielen jegliche Krankenh\u00e4user als Praktikumsstellen, da Praktika in Krankenh\u00e4usern von den Universit\u00e4ten geregelt werden und in der Regel nicht an Privatpersonen vergeben werden. Die Gespr\u00e4che kl\u00e4rten mich dar\u00fcber auf, dass ein englischer Lebenslauf und Motivationsschreiben nicht ausreichend sind und diese in t\u00fcrkischer Sprache angefertigt werden sollten. Dar\u00fcber hinaus ist es \u00fcberaus hilfreich und stark empfehlenswert vor einem Aufenthalt in der T\u00fcrkei einen Sprachkurs zu belegen, da English in der T\u00fcrkei nicht sehr verbreitet ist, wie auch nur sehr wenige oder gar keine eurer Kollegen englisch sprechen werden.<\/p>\n<p>Durch die Vermittlung bzw. Hilfe der Praktikumsbeauftragten wurde mir bei dem Verfassen der n\u00f6tigen Unterlagen geholfen und weiterer Kontakt an potentielle Arbeitgeber vermittelt. Anschlie\u00dfend \u00fcbersendete ich diese an die unterschiedlichen Stellen und erhielt kurz darauf bereits die ersten R\u00fcckmeldungen und entschied mich f\u00fcr die Menschenrechtsorganisation \"\u0130nsan Haklar\u0131 Derne\u011fi\" als Arbeitsort, welche durch eine schriftliche Vereinbarung festgehalten wurde.<\/p>\n<p>Nach der erfolgten Zusage war eine wichtige Aufgabe eine geeignete Unterkunft in Istanbul zu finden. In Istanbul gibt es neben der M\u00f6glichkeit sich eine eigene Wohnung oder WG zu suchen, die M\u00f6glichkeit in ein Studentenwohnheim zu ziehen. In der Regel sind diese nach Geschlechtern getrennt und richten sich nach bestimmten Regelungen, wie beispielsweise der Einhaltung einer Sperrstunde. Dar\u00fcber hinaus werden gr\u00f6\u00dftenteils nur Mehrbettzimmer mit gemeinsamer Bad- und K\u00fcchennutzung angeboten und keine Besucher \u00fcber Nacht erlaubt. Andererseits bieten die meisten Studentenwohnheime einen Reinigungsdienst an und ein bis drei Mahlzeiten pro Tag. Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Studentenwohnheimen, zum einen gibt es die privaten Anbieter und die Wohnheime, die zur Universit\u00e4t geh\u00f6ren. Die Preise f\u00fcr ein Zimmer in einem privaten Studentenwohnheim, welches man sich mit 2-5 Leuten teilt fangen bei 250 \u20ac an, w\u00e4hrend die Wohnheime der Universit\u00e4t bereits bei 40-50 \u20ac anfangen. Eine andere Alternative w\u00e4re sich \u00fcber Airbnb ein Zimmer zu suchen oder auf den zahlreichen Facebook Gruppen nachzuschauen.<\/p>\n<p>Jedoch sind die privaten Studentenwohnheime deshalb teilweise deutlich teurer als ein Zimmer in einer WG. Ein Zimmer in einer WG mit guter Lage kann man bereits f\u00fcr 170- 350 Euro finden. In diesem Zusammenhang ist es \u00fcberaus wichtig und empfehlenswert sich vorher die Lage bzw. Verkehrsmittel der Stadt und der Arbeitsstelle genauer anzuschauen. Ebenfalls ist es hier vorteilhafter anzurufen, da viele auf Emails nur vereinzelt oder sehr verz\u00f6gert antworten. Am besten man fragt Jemanden mit sehr guten T\u00fcrkischkenntnissen, da viele Anbieter leider bei schlechten Sprachkenntnissen bzw. bei Englischsprachigen die Preise h\u00f6her setzen.<\/p>\n<p>Es gibt viele unterschiedliche Versicherungsangebote f\u00fcr Praktika im Ausland. Ich entschied mich f\u00fcr das Angebot des DAAD. Dieser bietet f\u00fcr Praktikanten im Ausland im Rahmen eines Erasmus-Programms, die M\u00f6glichkeit einer kombinierten Kranken-, (Pflege-*), Unfall- und Haftpflichtversicherung f\u00fcr ca. 32 Euro pro Monat an. Da ich mich nur f\u00fcr zwei Monate in der T\u00fcrkei aufhielt, musste ich kein Visum beantragen. Als deutsche\/r Staatsb\u00fcrger darf man man sich bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen in der T\u00fcrkei aufhalten, falls man l\u00e4nger als 90 Tage bleiben m\u00f6chte, muss ein Visum beantragt werden.<\/p>\n<p><strong>2) Formalit\u00e4ten vor Ort<\/strong><br \/>\nBereits kurz nach der Anreise durch den Flug, hie\u00df es die ersten Formalit\u00e4ten vor Ort anzugehen. Durch den Einzug in eine WG hatte ich bereits den Vorteil eines Internetanschlusses. Ebenfalls musste ich dank meiner Kreditkarte kein Konto vor Ort er\u00f6ffnen. Da es viele unterschiedliche Angebote f\u00fcr Kreditkarten gibt, sollte man sp\u00e4testens 2-3 Monate vor dem Aufenthalt die Anbieter durchgehen und sich f\u00fcr einen entscheiden. In meinem Fall nahm ich bereits das Angebot der MasterCard X-TENSION der Sparkasse wahr, welches zus\u00e4tzlich eine Auslandsreise- Krankenversicherung f\u00fcr 24 Euro im Jahr anbot. Ein anderer guter Anbieter ist Number 26.<\/p>\n<p>Eine \u00fcberaus wichtige Formalit\u00e4t vor Ort ist die Anschaffung einer Sim-Karte. Es gibt zahlreiche Anbieter, deshalb sollte man sich vor Ort einige Stunden nehmen und m\u00f6glichst mit einer einheimischen Person nach den Angeboten fragen, um nicht betrogen zu werden.<\/p>\n<p><strong>3) Die Stadt Istanbul<\/strong><br \/>\nMit einer Einwohneranzahl von knapp 15 Millionen und der einzigen Metropole zwischen zwei Kontinenten (Asien und Europa) hat sie viel einzigartiges und interessantes zu bieten. Durch den t\u00e4glichen Stau sollte man m\u00f6glichst Busse vermeiden und auf die Metro, den Metrob\u00fcs (Schnellbus -&gt; eigene Spur) und andere Bahnen ausweichen. Aufgrund dieser Gegebenheit und der gro\u00dfen Fl\u00e4che kann eine Fahrt innerhalb der Stadt auch 1,5 bis 3 Stunden dauern. Deshalb sollte man sich m\u00f6glichst zentral oder in der N\u00e4he der Arbeitsstelle eine Unterkunft suchen. Zu den sichersten und zentralsten Stadtteilen mit guter Anbindung geh\u00f6ren Kadik\u00f6y, \u015ei\u015fli, Besiktas und Beyoglu (Cihangir, Galata, G\u00fcm\u00fcssuyu). Insbesondere der Stadtteil Kadik\u00f6y ist zum wohnen ideal, da er mit seinem bemerkenswerten Charme und lebendigem Charakter Sehensw\u00fcrdigkeiten, Promenaden am Wasser, einen F\u00e4hrhafen, zahlreiche Einkaufsm\u00f6glichkeiten und g\u00fcnstige Caf\u00e9s bzw. Restaurants in sich vereint.<\/p>\n<p>\u00dcberdies gibt es zahlreiche Ausgehm\u00f6glichkeiten. Cafes und Restaurants findet man in jedem Stadtteil, w\u00e4hrend Bars und Clubs vorwiegend in Besiktas, Kadik\u00f6y und Beyoglu (besonders Taksim, Karak\u00f6y und Galata) zu finden sind.<\/p>\n<p>In diesem Kontext w\u00e4re es empfehlenswert Plattformen wie Couchsurfing oder Facebook Gruppen bzw. die offizielle Erasmus Gruppe zu nutzen, um weitere Kontakte zu kn\u00fcpfen und sich einen sozialen Kreis aufzubauen.<\/p>\n<p><strong>4) das eigentliche Praktikum und die Praktikumsstelle<\/strong><br \/>\nDer Menschenrechtsverein Insan Haklar\u0131 Dernegi (IHD) ist eine Organisation mit dem prim\u00e4ren Ziel der Durchsetzung und Verwirklichung der Menschenrechte in der T\u00fcrkei (IHD, o. J.). Gegr\u00fcndet im Jahr 1986, agiert die Organisation unabh\u00e4ngig von jeglichen politischen Parteien bzw. Regierungen und widmet sich insbesondere der Arbeit gegen Folter, der Todesstrafe und Faschismus (IHD, o. J.).<\/p>\n<p>Mit zahlreichen Niederlassung in unterschiedlichen St\u00e4dten der T\u00fcrkei und dem Hauptsitz in der t\u00fcrkischen Hauptstadt Ankara ist die IHD die gr\u00f6\u00dfte Menschenrechtsorganisation in der T\u00fcrkei (Duncker, 2009). Die Niederlassung in Istanbul bzw. die Zweigstelle, in der ich t\u00e4tig war, hatte unterschiedliche Abteilungen. Es gab insgesamt vier Abteilungen innerhalb dieser Zweigstelle, welche jedoch nicht vollst\u00e4ndig voneinander unabh\u00e4ngig sind. Unter anderem besch\u00e4ftigt sich eine Abteilung mit administrativen Aufgaben, wie beispielsweise der Annahme und Weiterleitung von Antr\u00e4gen der Menschen mit Misshandlungs- und Diskriminierungserfahrungen, w\u00e4hrend ein anderer Bereich sich der rechtlichen und juristischen Unterst\u00fctzung der antragstellenden Personen widmet. Ein weiterer Arbeitsbereich widmet sich der Forschung und arbeitet an der Akkumulation von Vorf\u00e4llen und der Anfertigung bzw. dem Verfassen von Berichten, welche auf unterschiedliche Art die Menschenrechtsverletzungen in der T\u00fcrkei beleuchten. Ein vierter Bereich besch\u00e4ftigt sich mit Kampagnenarbeit und der Organisation von Tagungen, Konferenzen und Demonstrationen.<\/p>\n<p>Zu meinen Aufgaben geh\u00f6rte unter anderem die Analyse und zeitliche Strukturierung von Akten, Antr\u00e4gen auf Menschenrechtsverletzungen, der Ergebnisse der Prozesse und generelle Hilfeleistung bei Recherchearbeit, wie auch die Hilfestellung bei Aufnahmeantr\u00e4gen, wenn neue F\u00e4lle eingereicht wurden. Diese wurden h\u00e4ufig eingereicht, weil die antragstellenden Personen h\u00e4ufig grundlos von der Polizei, sei es auf der Stra\u00dfe oder in Polizeipr\u00e4sidien diskriminiert und misshandelt wurden oder auf ihrer Arbeitsstelle vom Arbeitgeber ungerecht behandelt wurden. Einer der zentralen Vorteile war in diesem Zusammenhang, dass mir viel Entscheidungsfreiheit in der Aufgabengestaltung gelassen wurde. Ich durfte mir selbst aussuchen, an welchen Projekten, Veranstaltungen, Tagen und Uhrzeiten ich anwesend sein sollte. Nach zahlreichen Gespr\u00e4chen mit anderen Praktikanten stellte ich fest, dass diese Entscheidungsfreiheit h\u00e4ufig bei Praktika in der T\u00fcrkei gegeben ist.<\/p>\n<p><strong>5) Fazit<\/strong><br \/>\nZusammenfassend war die Situation in der T\u00fcrkei sehr angespannt, da beispielsweise bereits an meinem dritten Arbeitstag im Rahmen von zahlreichen Verhaftungen, einige meiner Kollegen und meine Vorgesetzte, aufgrund der Beteiligung an einer Demonstration verhaftet wurden. Dennoch hat mir das Praktikum und der Aufenthalt in der T\u00fcrkei unglaublich gut gefallen. Die t\u00e4glichen Unternehmungen mit den verschiedensten Leuten, das gute Wetter und die wunderbar herzliche Atmosph\u00e4re auf den den Stra\u00dfen, wo sich t\u00e4glich unendlich viele Menschen tummeln, sind mir sehr ans Herz gewachsen. Dar\u00fcber hinaus haben mir meine Kollegen und die Praktikumsstelle sehr gefallen. Hinzu kommt, dass meine Erwartungen erf\u00fcllt wurden und ich die t\u00fcrkische Kultur und Arbeitsstrukturen von unterschiedlichen Blickwinkeln erleben konnte, was mich menschlich und auf individueller Ebene stark bereichert hat. \u00dcberdies konnte ich meine T\u00fcrkischkenntnisse verbessern und ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die politische Lage und von den Menschen vor Ort entwickeln.<\/p>\n<p>Angefangen mit den wunderbaren Menschen, die ich kennenlernen durfte bis hin zu der Tatsache, wie einfach es ist sich sozial zu integrieren, war es eine einzigartige Erfahrung, die ich nicht missen m\u00f6chte.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_map_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_pb_map_container\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_map\" data-center-lat=\"41.0082376\" data-center-lng=\"28.97835889999999\" data-zoom=\"9\" data-mouse-wheel=\"on\" data-mobile-dragging=\"on\"><\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_map_pin\" data-lat=\"41.0082376\" data-lng=\"28.97835889999999\" data-title=\"\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_post_nav_0 et_pb_posts_nav nav-single et_block_module\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":9117,"featured_media":3899,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p><strong>1) Vorbereitung:<\/strong><br \/> Bevor ich mein Praktikum in der T\u00fcrkei beginnen konnte, hie\u00df es erst reichlich an Informationen zu sammeln. Ich begann damit zun\u00e4chst \u00fcber die jeweiligen St\u00e4dte zu recherchieren und entschied mich f\u00fcr Istanbul als Arbeitsort. Hinzu kommt, dass ich die zust\u00e4ndige Praktikumsbeauftragte an meiner Universit\u00e4t f\u00fcr die T\u00fcrkei kontaktiert habe und diese mir bei meinem n\u00e4chsten Vorgehen half bzw. an weitere Personen weiterleitete. Anschlie\u00dfend erfolgte die Suche nach geeigneten Praktikumsstellen. In diesem Zusammenhang interessierten mich insbesondere Krankenh\u00e4user, psychologische Praxisstellen, Menschenrechtsorganisationen mit einem klinischen Anteil und generell internationale Institutionen mit einem klinischen Anteil.<\/p><p>Nach der Recherchearbeit erfolgte die Kontaktaufnahme, meist durch einen Anruf und selten durch E-mail. In Anbetracht der Tatsache, dass nur ein geringer Anteil der Bev\u00f6lkerung in der T\u00fcrkei wirklich gut Englisch spricht und E-mails aus diesem Grund sehr versp\u00e4tet beantwortet werden, sollte ein kurzer Anruf in Erw\u00e4gung gezogen werden. Nach den zahlreichen Anrufen entfielen jegliche Krankenh\u00e4user als Praktikumsstellen, da Praktika in Krankenh\u00e4usern von den Universit\u00e4ten geregelt werden und in der Regel nicht an Privatpersonen vergeben werden. Die Gespr\u00e4che kl\u00e4rten mich dar\u00fcber auf, dass ein englischer Lebenslauf und Motivationsschreiben nicht ausreichend sind und diese in t\u00fcrkischer Sprache angefertigt werden sollten. Dar\u00fcber hinaus ist es \u00fcberaus hilfreich und stark empfehlenswert vor einem Aufenthalt in der T\u00fcrkei einen Sprachkurs zu belegen, da English in der T\u00fcrkei nicht sehr verbreitet ist, wie auch nur sehr wenige oder gar keine eurer Kollegen englisch sprechen werden.<\/p><p>Durch die Vermittlung bzw. Hilfe der Praktikumsbeauftragten wurde mir bei dem Verfassen der n\u00f6tigen Unterlagen geholfen und weiterer Kontakt an potentielle Arbeitgeber vermittelt. Anschlie\u00dfend \u00fcbersendete ich diese an die unterschiedlichen Stellen und erhielt kurz darauf bereits die ersten R\u00fcckmeldungen und entschied mich f\u00fcr die Menschenrechtsorganisation \"\u0130nsan Haklar\u0131 Derne\u011fi\" als Arbeitsort, welche durch eine schriftliche Vereinbarung festgehalten wurde.<\/p><p>Nach der erfolgten Zusage war eine wichtige Aufgabe eine geeignete Unterkunft in Istanbul zu finden. In Istanbul gibt es neben der M\u00f6glichkeit sich eine eigene Wohnung oder WG zu suchen, die M\u00f6glichkeit in ein Studentenwohnheim zu ziehen. In der Regel sind diese nach Geschlechtern getrennt und richten sich nach bestimmten Regelungen, wie beispielsweise der Einhaltung einer Sperrstunde. Dar\u00fcber hinaus werden gr\u00f6\u00dftenteils nur Mehrbettzimmer mit gemeinsamer Bad- und K\u00fcchennutzung angeboten und keine Besucher \u00fcber Nacht erlaubt. Andererseits bieten die meisten Studentenwohnheime einen Reinigungsdienst an und ein bis drei Mahlzeiten pro Tag. Es gibt zwei unterschiedliche Arten von Studentenwohnheimen, zum einen gibt es die privaten Anbieter und die Wohnheime, die zur Universit\u00e4t geh\u00f6ren. Die Preise f\u00fcr ein Zimmer in einem privaten Studentenwohnheim, welches man sich mit 2-5 Leuten teilt fangen bei 250 \u20ac an, w\u00e4hrend die Wohnheime der Universit\u00e4t bereits bei 40-50 \u20ac anfangen. Eine andere Alternative w\u00e4re sich \u00fcber Airbnb ein Zimmer zu suchen oder auf den zahlreichen Facebook Gruppen nachzuschauen.<\/p><p>Jedoch sind die privaten Studentenwohnheime deshalb teilweise deutlich teurer als ein Zimmer in einer WG. Ein Zimmer in einer WG mit guter Lage kann man bereits f\u00fcr 170- 350 Euro finden. In diesem Zusammenhang ist es \u00fcberaus wichtig und empfehlenswert sich vorher die Lage bzw. Verkehrsmittel der Stadt und der Arbeitsstelle genauer anzuschauen. Ebenfalls ist es hier vorteilhafter anzurufen, da viele auf Emails nur vereinzelt oder sehr verz\u00f6gert antworten. Am besten man fragt Jemanden mit sehr guten T\u00fcrkischkenntnissen, da viele Anbieter leider bei schlechten Sprachkenntnissen bzw. bei Englischsprachigen die Preise h\u00f6her setzen.<\/p><p>Es gibt viele unterschiedliche Versicherungsangebote f\u00fcr Praktika im Ausland. Ich entschied mich f\u00fcr das Angebot des DAAD. Dieser bietet f\u00fcr Praktikanten im Ausland im Rahmen eines Erasmus-Programms, die M\u00f6glichkeit einer kombinierten Kranken-, (Pflege-*), Unfall- und Haftpflichtversicherung f\u00fcr ca. 32 Euro pro Monat an. Da ich mich nur f\u00fcr zwei Monate in der T\u00fcrkei aufhielt, musste ich kein Visum beantragen. Als deutsche\/r Staatsb\u00fcrger darf man man sich bis zu 90 Tagen innerhalb von 180 Tagen in der T\u00fcrkei aufhalten, falls man l\u00e4nger als 90 Tage bleiben m\u00f6chte, muss ein Visum beantragt werden.<\/p><p><strong>2) Formalit\u00e4ten vor Ort<\/strong><br \/> Bereits kurz nach der Anreise durch den Flug, hie\u00df es die ersten Formalit\u00e4ten vor Ort anzugehen. Durch den Einzug in eine WG hatte ich bereits den Vorteil eines Internetanschlusses. Ebenfalls musste ich dank meiner Kreditkarte kein Konto vor Ort er\u00f6ffnen. Da es viele unterschiedliche Angebote f\u00fcr Kreditkarten gibt, sollte man sp\u00e4testens 2-3 Monate vor dem Aufenthalt die Anbieter durchgehen und sich f\u00fcr einen entscheiden. In meinem Fall nahm ich bereits das Angebot der MasterCard X-TENSION der Sparkasse wahr, welches zus\u00e4tzlich eine Auslandsreise- Krankenversicherung f\u00fcr 24 Euro im Jahr anbot. Ein anderer guter Anbieter ist Number 26.<\/p><p>Eine \u00fcberaus wichtige Formalit\u00e4t vor Ort ist die Anschaffung einer Sim-Karte. Es gibt zahlreiche Anbieter, deshalb sollte man sich vor Ort einige Stunden nehmen und m\u00f6glichst mit einer einheimischen Person nach den Angeboten fragen, um nicht betrogen zu werden.<\/p><p><strong>3) Die Stadt Istanbul<\/strong><br \/> Mit einer Einwohneranzahl von knapp 15 Millionen und der einzigen Metropole zwischen zwei Kontinenten (Asien und Europa) hat sie viel einzigartiges und interessantes zu bieten. Durch den t\u00e4glichen Stau sollte man m\u00f6glichst Busse vermeiden und auf die Metro, den Metrob\u00fcs (Schnellbus -&gt; eigene Spur) und andere Bahnen ausweichen. Aufgrund dieser Gegebenheit und der gro\u00dfen Fl\u00e4che kann eine Fahrt innerhalb der Stadt auch 1,5 bis 3 Stunden dauern. Deshalb sollte man sich m\u00f6glichst zentral oder in der N\u00e4he der Arbeitsstelle eine Unterkunft suchen. Zu den sichersten und zentralsten Stadtteilen mit guter Anbindung geh\u00f6ren Kadik\u00f6y, \u015ei\u015fli, Besiktas und Beyoglu (Cihangir, Galata, G\u00fcm\u00fcssuyu). Insbesondere der Stadtteil Kadik\u00f6y ist zum wohnen ideal, da er mit seinem bemerkenswerten Charme und lebendigem Charakter Sehensw\u00fcrdigkeiten, Promenaden am Wasser, einen F\u00e4hrhafen, zahlreiche Einkaufsm\u00f6glichkeiten und g\u00fcnstige Caf\u00e9s bzw. Restaurants in sich vereint.<\/p><p>\u00dcberdies gibt es zahlreiche Ausgehm\u00f6glichkeiten. 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Ein weiterer Arbeitsbereich widmet sich der Forschung und arbeitet an der Akkumulation von Vorf\u00e4llen und der Anfertigung bzw. dem Verfassen von Berichten, welche auf unterschiedliche Art die Menschenrechtsverletzungen in der T\u00fcrkei beleuchten. Ein vierter Bereich besch\u00e4ftigt sich mit Kampagnenarbeit und der Organisation von Tagungen, Konferenzen und Demonstrationen.<\/p><p>Zu meinen Aufgaben geh\u00f6rte unter anderem die Analyse und zeitliche Strukturierung von Akten, Antr\u00e4gen auf Menschenrechtsverletzungen, der Ergebnisse der Prozesse und generelle Hilfeleistung bei Recherchearbeit, wie auch die Hilfestellung bei Aufnahmeantr\u00e4gen, wenn neue F\u00e4lle eingereicht wurden. Diese wurden h\u00e4ufig eingereicht, weil die antragstellenden Personen h\u00e4ufig grundlos von der Polizei, sei es auf der Stra\u00dfe oder in Polizeipr\u00e4sidien diskriminiert und misshandelt wurden oder auf ihrer Arbeitsstelle vom Arbeitgeber ungerecht behandelt wurden. Einer der zentralen Vorteile war in diesem Zusammenhang, dass mir viel Entscheidungsfreiheit in der Aufgabengestaltung gelassen wurde. Ich durfte mir selbst aussuchen, an welchen Projekten, Veranstaltungen, Tagen und Uhrzeiten ich anwesend sein sollte. Nach zahlreichen Gespr\u00e4chen mit anderen Praktikanten stellte ich fest, dass diese Entscheidungsfreiheit h\u00e4ufig bei Praktika in der T\u00fcrkei gegeben ist.<\/p><p><strong>5) Fazit<\/strong><br \/> Zusammenfassend war die Situation in der T\u00fcrkei sehr angespannt, da beispielsweise bereits an meinem dritten Arbeitstag im Rahmen von zahlreichen Verhaftungen, einige meiner Kollegen und meine Vorgesetzte, aufgrund der Beteiligung an einer Demonstration verhaftet wurden. Dennoch hat mir das Praktikum und der Aufenthalt in der T\u00fcrkei unglaublich gut gefallen. Die t\u00e4glichen Unternehmungen mit den verschiedensten Leuten, das gute Wetter und die wunderbar herzliche Atmosph\u00e4re auf den den Stra\u00dfen, wo sich t\u00e4glich unendlich viele Menschen tummeln, sind mir sehr ans Herz gewachsen. Dar\u00fcber hinaus haben mir meine Kollegen und die Praktikumsstelle sehr gefallen. Hinzu kommt, dass meine Erwartungen erf\u00fcllt wurden und ich die t\u00fcrkische Kultur und Arbeitsstrukturen von unterschiedlichen Blickwinkeln erleben konnte, was mich menschlich und auf individueller Ebene stark bereichert hat. \u00dcberdies konnte ich meine T\u00fcrkischkenntnisse verbessern und ein tieferes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die politische Lage und von den Menschen vor Ort entwickeln.<\/p><p>Angefangen mit den wunderbaren Menschen, die ich kennenlernen durfte bis hin zu der Tatsache, wie einfach es ist sich sozial zu integrieren, war es eine einzigartige Erfahrung, die ich nicht missen m\u00f6chte.<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,342721,356669,368865,653,58024],"tags":[21115,368743,18499,368791,188,58024,18623],"class_list":["post-3895","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-berichte","category-laender","category-outgoing","category-praktikum","category-tuerkei","tag-istanbul","tag-ngo","tag-organisatorisches","tag-praktikumssuche","tag-psychologie","tag-tuerkei","tag-wohnungssuche"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3895","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9117"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3895"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3895\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3901,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3895\/revisions\/3901"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3899"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3895"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3895"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3895"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}