

{"id":3823,"date":"2017-12-18T15:14:33","date_gmt":"2017-12-18T14:14:33","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/?p=3823"},"modified":"2022-06-14T22:46:33","modified_gmt":"2022-06-14T20:46:33","slug":"praktikum-bei-einer-tuerkischen-ngo-im-rahmen-des-roots-programms-der-universitaet-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/2017\/12\/18\/praktikum-bei-einer-tuerkischen-ngo-im-rahmen-des-roots-programms-der-universitaet-bremen\/","title":{"rendered":"Praktikum bei einer t\u00fcrkischen NGO im Rahmen des Roots-Programms der Universit\u00e4t Bremen"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><strong>1.Einleitung<\/strong><br \/>Ich sehe es als eine Bereicherung, mit zwei verschiedenen Kulturen aufgewachsen zu sein. Das Rootsprogramm gab mir die M\u00f6glichkeit diese Bereicherung auszunutzen. Somit wurde mein Interesse daf\u00fcr geweckt. Ich hatte die Chance meine T\u00fcrkischkenntnisse zu verbessern, in Kontakt mit Einheimischen zu kommen und die t\u00fcrkische Kultur, in der T\u00fcrkei, n\u00e4her kennen zu lernen. Ich wollte unbedingt Auslandserfahrungen in der T\u00fcrkei sammeln.<\/p>\n<p>Es ist nicht so, dass ich nie zuvor in der T\u00fcrkei war. Doch es macht einen deutlichen Unterschied, ob man auf Grund eines Urlaubs in die T\u00fcrkei fliegt oder ob man f\u00fcr eine l\u00e4ngere Zeit einen Aufenthalt in der T\u00fcrkei macht und den Alltag in der T\u00fcrkei erlebt. Ich wollte wissen, ob sich die t\u00fcrkische Kultur, die wir in Deutschland erleben, von der t\u00fcrkischen Kultur, die in der T\u00fcrkei gelebt wird, unterscheidet.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich wollte ich auch einen Einblick in den t\u00fcrkischen Berufsalltag bekommen, insbesondere habe ich mich f\u00fcr die Gebiete der t\u00fcrkischen Soziologie, vor allem Migration, interessiert. Daher habe ich mich f\u00fcr eine Praktikumsstelle in der Stiftung \u201eSGDD- ASAM\u201c (Association for Solidarity with Asylum Seekers and Migrants) beworben. Es ist eine vom t\u00fcrkischen Staat unabh\u00e4ngige Stiftung, die Migranten und Fl\u00fcchtlinge in der T\u00fcrkei unterst\u00fctzt. Die Stiftung hat mehrere Standorte in ganz T\u00fcrkei und die Zentrale befindet sich in der Hauptstadt Ankara.<\/p>\n<p>Ich wurde in das B\u00fcro \u201eAl-Farah\u201c in Adana zugeteilt. Al Farah in Adana ist eines der sogenannten \u201eChild an Family Center\u201c, der Stiftung SGDDASAM. Es ist ein Bereich, der sich haupts\u00e4chlich f\u00fcr Familien und Kinder spezialisiert. Dort kann man sich zum Beispiel von Psychologen Krankenschwestern, Ern\u00e4hrungsberatern beraten lassen oder bekommt materielle Unterst\u00fctzungen wie zum Beispiel Hygienepakete, Babypakete oder Supermarktgutscheine. Es gibt eine Kinder- und Jugendlichen Abteilung, in der viele Aktivit\u00e4ten f\u00fcr Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren organisiert werden. Die Kinder k\u00f6nnen innerhalb der Woche von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr, nat\u00fcrlich kostenlos, an unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten, wie zum Beispiel malen, basteln, Filme gucken oder backen teilnehmen. Auch au\u00dferhalb werden kostenlose Aktivit\u00e4ten f\u00fcr Kinder, wie zum Beispiel Tennis angeboten. Um an den Tenniskursen teilnehmen zu k\u00f6nnen, melden sich die Kinder an und werden jede Woche von zu Hause abgeholt, zum Tenniskurs gefahren und sobald der Kurs zu Ende ist wieder nach Hause gebracht.<\/p>\n<p>Wie bereits erw\u00e4hnt, wollte ich einen Einblick in das soziologische Gebiet der Migration in der T\u00fcrkei bekommen, um es mit der Migration in Deutschland vergleichen zu k\u00f6nnen. Meine Erwartungen haben sich auf jeden Fall erf\u00fcllt. Ich hatte sehr viel Kontakt mit syrischen Fl\u00fcchtlingen. Ich habe vieles beobachten k\u00f6nnen, wie zum Beispiel die Haltung der t\u00fcrkischen Gesellschaft gegen\u00fcber den syrischen Fl\u00fcchtlingen, die Lebensbedingungen der syrischen Fl\u00fcchtlinge in der T\u00fcrkei oder kulturelle Einstellungen und Denkweisen der syrischen Fl\u00fcchtlinge. Ich hatte eine doppelte interkulturelle Erfahrung gemacht. Auf der einen Seite habe ich neues \u00fcber die t\u00fcrkische Kultur gelernt und auf der anderen Seite neues \u00fcber die syrische Kultur.<\/p>\n<p><strong>2.Reflexion Interkultureller Situationen<\/strong><br \/><em>2.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben Sie als T\u00fcrkeist\u00e4mmige\/r aus Deutschland in ihrer Heimat-und Gastkultur entdecken k\u00f6nnen? Gab es Verhaltensweisen, die Ihnen fremd waren?<\/em><br \/>Die Infrastruktur in der T\u00fcrkei ist nicht so weit ausgebaut, wie in Deutschland. Vor allem konnte man sich nicht auf die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel verlassen. Ich musste jeden Morgen mit dem Zug von Mersin nach Adana fahren und nach der Arbeit wieder zur\u00fcck. Zum einen hat sich der Zug sehr oft versp\u00e4tet und w\u00e4hrend der Fahrt hat der Zug, auf Grund von Bauarbeiten, sehr oft und sehr lange angehalten. Eine Zugfahrt die normalerweise ca. 1 Stunde dauern w\u00fcrde, dauerte dann ca 1,5 bis 2 Stunden. An bestimmten Zeiten war der Zug extrem \u00fcberf\u00fcllt und die Klimaanlage funktionierte nicht, somit war es sehr hei\u00df, sehr voll und da es kein Sitzplatz gab musste man 1,5 Stunden stehen. Ich hab sogar einmal miterlebt, dass einem Fahrgast durch die Hitze sehr schlecht wurde. Er war kurz davor umzukippen, somit hat der Zug angehalten und den Fahrgast rausgelassen.<\/p>\n<p>Dazu kann ich sagen, dass die T\u00fcrken in der T\u00fcrkei in manchen Punkten sehr unorganisiert und unstrukturiert vorgehen. Ihnen fehlen auch die Mittel dazu, um die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel besser und funktionsf\u00e4higer auszubauen. Die Verhaltensweisen der Menschen im Zug waren ebenfalls sehr merkw\u00fcrdig. Sobald die T\u00fcr aufging, sind die Menschen hineingest\u00fcrmt, ohne darauf zu warten, dass alle Fahrg\u00e4ste ausgestiegen sind. Ich wurde oft angerempelt und nach vorne gedr\u00fcckt. Des Weiteren werden auch Verkehrsregeln von Autofahrer kaum beachtet. Wenn zum Beispiel ein Auto links abbiegt, l\u00e4sst er den Fu\u00dfg\u00e4nger nicht den Vorrang die Stra\u00dfe zu \u00fcberqueren, obwohl er es tun m\u00fcsste. Wenn es um das nicht Einhalten der Verkehrsregeln geht, k\u00f6nnte ich sehr viele weiter Beispiele aufz\u00e4hlen. Denn ich habe das Gef\u00fchl, dass die Autofahrer einfach nach Lust und Laune fahren. Die Motoradfahrer sind ebenfalls unachtsam und tragen sehr selten einen Motoradhelm.<\/p>\n<p>Was mir ebenfalls aufgefallen ist, dass in der T\u00fcrkei P\u00fcnktlichkeit auf der Arbeit genauso wichtig ist, wie in Deutschland. Wir hatten eine Personalversammlung, in der wir das Thema P\u00fcnktlichkeit angesprochen haben. Die leitende Arbeitskraft hat sich deutlich ausgedr\u00fcckt, dass sie keine Versp\u00e4tungen mehr dulde. Sie hat erw\u00e4hnt, dass es unangebracht und respektlos sei, wenn Mitarbeiter zu sp\u00e4t kommen, ohne vorher Bescheid zu geben oder zwar erschienen sind, aber nicht p\u00fcnktlich mit ihrer Arbeit beginnen. Was ebenfalls eine sehr interessante Erfahrung f\u00fcr mich gewesen ist, war dass die Menschen mir gegen\u00fcber kaum distanziert waren, obwohl die mich vorher nicht kannten. Ich bekam keine Fremdheitsgef\u00fchle. Es hat sich so angef\u00fchlt als w\u00fcrde ich die Menschen schon vorher gekannt haben. Sie waren sehr warm, herzlich und hilfsbereit. In Deutschland sind die Menschen gegen\u00fcber Fremden zwar ebenfalls sehr hilfsbereit, doch anfangs sehr distanziert. In der T\u00fcrkei waren die Menschen sehr offen und kontaktfreudig.<\/p>\n<p>Interessant fand ich auch die Beziehungen der Arbeitskollegen untereinander. Denn sie alle hatten nicht nur eine Arbeitskollegen-Beziehung, sondern haben auch viel privat miteinander unternommen. Sie alle waren untereinander sehr gut befreundet. M\u00f6glicherweise liegt es auch an dem Bereich, in dem ich mein Praktikum absolviert habe. Da es ein sozialer Bereich ist, sind die Arbeitskollegen auch nicht in Konkurrenz oder in einer Hierarchie zueinander. Dies erm\u00f6glicht auch eine Freundschaft au\u00dferhalb der Arbeit. Doch ich kann es mir nicht unbedingt vorstellen, dass es in Deutschland genauso ablaufen w\u00fcrde. Vor allem fand ich es interessant, dass fast alle Arbeitskollegen miteinander befreundet waren.<\/p>\n<p><em>2.2 Schildern Sie ein irritierendes Ereignis. Haben Sie daf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung? Denken Sie an das Interkulturelle Training f\u00fcr m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze.<\/em><br \/>Die Busfahrten waren f\u00fcr mich zu Beginn sehr irritierend. Unabh\u00e4ngig davon ob man an der Bushaltestelle oder nur an der Stra\u00dfe wartet, konnte man mit einem Handzeichen einen vorbei fahrenden Bus anhalten und einsteigen. Ich hab an der Bushaltestelle auf den Bus gewartet. Doch als der Bus kam habe ich kein Handzeichen gemacht und der Bus ist an mir vorbei gefahren. Die Fahrg\u00e4ste durften dort aussteigen wo sie wollten, auch wenn es keine Bushaltestelle war, hat der Busfahrer die Fahrg\u00e4ste rausgelassen. Was ich ebenfalls sehr irritierend fand war, dass die Fahrg\u00e4ste in der T\u00fcrkei nicht nur alten Menschen, sondern auch Frauen, unabh\u00e4ngig vom Alter, den eigenen Sitzplatz anbieten. Mir wurde zum Beispiel mal ein Platz von einem \u00e4lteren Herren angeboten und ich war sehr \u00fcberrascht.<\/p>\n<p><em>2.3 Wie gestaltete sich Ihr Kontakt zu Ortsans\u00e4ssigen?<\/em><br \/>Ortsans\u00e4ssige mit denen ich in Kontakt kam waren haupts\u00e4chlich meine Arbeitskollegen, Menschen auf der Stra\u00dfe, die mich manchmal nach einem Weg gefragt haben, aber auch meine Familie bei der ich meine ganze Aufenthaltszeit \u00fcber geblieben bin. Ich hatte am Anfang Probleme mit der Sprache, daher konnte ich nicht direkt auf die Menschen zugehen. Vor allem habe ich mich zu Beginn nicht so oft getraut meine Arbeitskollegen direkt anzusprechen. Meistens habe ich darauf gewartet, dass sie mich ansprechen. Bei der Kommunikation hatten wir keine Probleme, aber das eine oder andere Mal gab es Situationen, in der ich mich nicht richtig ausdr\u00fccken konnte. Ich wurde sehr oft auf der Stra\u00dfe von Menschen angesprochen, die nach einem Weg gefragt haben. Leider konnte ich nicht wirklich behilflich sein, da ich mich selbst nicht gut genug in der Gegend auskenne. Obwohl ich zu Beginn verklemmt war, habe ich mich mit der Zeit viel lockerer gef\u00fchlt und mir fiel es leichter mich mit Menschen zu unterhalten.<\/p>\n<p><strong>3. Gesamtreflexion<\/strong><br \/><em>3.1 Wie hat der Auslandsaufenthalt Ihren Blick auf Ihre pers\u00f6nliche Kultur ver\u00e4ndert? Tragen Sie Ihre interkulturellen Erfahrungen nach Ihrer R\u00fcckkehr mit in Ihren Alltag? Inwiefern beeinflussen sie Ihr Verhalten, Ihre Einstellung und Werte?<\/em><br \/>Vor meinem Aufenthalt h\u00e4tte ich nicht damit gerechnet, dass sich etwas an meiner Denkweise ver\u00e4ndern wird. Doch ganz im Gegenteil hat mir meine interkulturelle Erfahrung dabei geholfen, Dinge aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Auf der einen Seite habe ich neues \u00fcber die Kultur der T\u00fcrken in der T\u00fcrkei gelernt. Auf der anderen Seite habe ich sehr viel \u00fcber mich und meine eigene Pers\u00f6nlichkeit gelernt. Die T\u00fcrken, die damals als Gastarbeite nach Deutschland gekommen sind hatten Angst um ihre kulturelle Identit\u00e4t. Sie hatten Angst davor die eigenen Normen und Werte zu verlieren und sich aus der eigenen Kultur zu entfremden. Daher haben sie sich fest an ihre Normen und Werte gebunden und den folgenden Generationen weitergegeben.<\/p>\n<p>Im Laufe der Zeit fand bei den T\u00fcrken in der T\u00fcrkei ein kultureller Wandel statt, wovon die T\u00fcrken in Deutschland nicht viel mitbekommen haben. Die Kultur der T\u00fcrken in der T\u00fcrkei und der T\u00fcrken in Deutschland hat sich dementsprechend auseinander entwickelt. Das Auseinanderentwickeln der Kultur hatte nat\u00fcrlich noch andere Ursachen. Denn so fest die T\u00fcrken in Deutschland auch an ihre t\u00fcrkische Kultur gebunden waren, haben sie sich den einen oder anderen Aspekt der deutschen Kultur angeeignet.7 Doch die Aspekte, welche sie aus der t\u00fcrkischen Kultur entnommen haben und an die folgenden Generationen weitergegeben haben, haben sich bei den T\u00fcrken in der T\u00fcrkei komplett ver\u00e4ndert. Die Angst um die eigene Kultur war wahrscheinlich unter anderem verbunden mit dem Assimilationsdruck der deutschen Aufnahmegesellschaft und den Konflikten, die sie im Laufe der Integration erlebt haben.<\/p>\n<p>Worauf ich eigentlich hinaus m\u00f6chte ist, dass die T\u00fcrken in der T\u00fcrkei anders sind als die T\u00fcrken in Deutschland. Selbstverst\u00e4ndlich war mir vor meinem Aufenthalt bewusst, dass es Unterschiede zwischen ihnen gibt. Doch ich habe mit anderen und kleineren Unterschieden gerechnet. Die in der T\u00fcrkei lebenden T\u00fcrken sind viel weltoffener als ich erwartet habe. Nat\u00fcrlich kann auch die Stadt, in der ich mich befand und die Arbeitsstelle, in der ich mein Praktikum absolviert habe ein Faktor daf\u00fcr sein. Nichtsdestotrotz hatte ich das Gef\u00fchl, dass die Menschen, die ich w\u00e4hrend meines Aufenthalts kennengelernt habe, in ihren Denkweisen mir einen weiten Schritt voraus waren. Viele von ihnen hatten selbst eine l\u00e4ngerfristige Auslandserfahrung hinter sich. Einige von ihnen haben zum Beispiel ein Auslandssemester in Polen, Litauen oder in Deutschland gemacht und hatten w\u00e4hrenddessen die Gelegenheit viele L\u00e4nder in Europa zu bereisen. Sie waren sehr intellektuell, hatten viele Hobbys und waren kreativ. Besonders auff\u00e4llig war, dass sie sehr viel Wert in ihre eigene Bildung gelegt haben. Die meisten von ihnen hatten bereits ihren Bachelor erfolgreich beendet und waren dabei ihren Master zu machen.<\/p>\n<p>Ich habe auch gemerkt, dass die unabh\u00e4ngig von der akademischen oder schulischen Bildung viel Wert auf die pers\u00f6nliche Weiterbildung gelegt haben. Sei es die Weiterbildung in dem Fachgebiet, in dem sie gearbeitet haben oder auch in der Allgemeinbildung. Ich habe sehr wissensdurstige Menschen kennengelernt, die es nicht auf das Prestige oder auf das hohe Einkommen abgesehen haben, sondern sich Wissen angeeignet haben, weil sie sich wirklich daf\u00fcr interessieren. All die kulturellen Aspekte die man normalerweise von den sogenannten \u201etypischen T\u00fcrken\u201c kannte waren bei ihnen nicht vorhanden. Vor allem hatte jeder Einzelne ganz individuelle charakteristische Merkmale, so dass nicht wirklich von Allen gleichzeitig die Rede sein kann. Inzwischen \u00fcberlege ich zweimal, bevor ich bestimmte kulturelle Eigenschaften als \u201etypisch T\u00fcrkisch\u201c bezeichne.<\/p>\n<p>Vor allem hat mich \u00fcberrascht, dass die Menschen, die ich in der T\u00fcrkei kennengelernt habe, sich nicht so stark nach den religi\u00f6sen Normen und Werten orientiert haben, wie die T\u00fcrken in Deutschland es tun. Ein Gro\u00dfteil waren Muslime, jedoch nicht praktizierende. Es war f\u00fcr mich eine tolle Erfahrung mal die andere Seite kennen zu lernen. Ich habe gemerkt, dass ich mir ein falsches Bild \u00fcber die T\u00fcrken in der T\u00fcrkei gemacht habe. Obwohl ich kein Mensch bin, der sich nach Stereotypen8 richtet, hat mich das was ich gesehen habe \u00fcberrascht. Wahrscheinlich haben die Klischees \u00fcber T\u00fcrken, die ich im Laufe meines Lebens mitbekommen habe, in mein Unterbewusstsein verankert, so dass ich mich unbewusst danach gerichtet habe. Ich bekam oft S\u00e4tze zu h\u00f6ren wie: \u201eBei uns T\u00fcrken ist es so, dass\u2026; Wir T\u00fcrken sind\u2026; Wir T\u00fcrken machen\u2026; Als ein T\u00fcrke\/ eine T\u00fcrkin geh\u00f6rt es sich \u2026; Als ein T\u00fcrke\/ eine T\u00fcrkin geh\u00f6rt es sich nicht\u2026\u201c Nun wei\u00df ich, wie irrelevant diese S\u00e4tze sein k\u00f6nnen. Denn w\u00e4hrend ein T\u00fcrke das Eine behauptet, kann ein Anderer das Andere behaupten. Eine Kultur ist viel weitgef\u00e4cherter, als man es uns lehrt. Denn wir Menschen sind es, die die Kultur zu dem machen, was sie ist und wir Menschen sind alles andere als einseitig. Mir wurde erneut klar, dass wir sehr selten \u00fcber den Tellerrand hinausschauen und einfach an Wahrheiten festhalten, die wir uns eigentlich nur einbilden. Mein Auslandsaufenthalt hat mich noch einmal gelehrt; nicht alle Menschen einer Kultur in dieselbe Schublade zu packen. Au\u00dferdem hat es mich gelehrt, dass ich mich nicht f\u00fcr mein Verhalten, meine Denkweise oder Einstellung bei anderen Menschen rechtfertigen zu m\u00fcsste. Denn so sehr wir uns auch als Angeh\u00f6rige einer Kultur (oder Angeh\u00f6rige mehreren Kulturen) \u00e4hneln, sind wir irgendwo komplett anders.<\/p>\n<p><em>3.2 Inwiefern hat der Auslandsaufenthalt Ihre interkulturelle Kompetenz gef\u00f6rdert?<\/em><br \/>Wie bereits erw\u00e4hnt wurde ich w\u00e4hrend meines Auslandsaufenthalts mit zwei unterschiedlichen Kulturen konfrontiert. Zum einen der t\u00fcrkischen Kultur und zum anderen der syrischen Kultur. Ich denke, dass der Aufenthalt mich weltoffener gemacht hat. Dinge die ich in der T\u00fcrkei erlebt habe, haben mir gezeigt wie wichtig es ist Respekt gegen\u00fcber anders denkenden Menschen zu haben. Ich habe auch gelernt, Meinungen Anderer nachzuvollziehen. Ich habe mir selbst die Frage gestellt, warum die Person so eine Meinung, in Bezug auf das jeweilige Thema vertritt. Welche Faktoren spielen eine Rolle? In was f\u00fcr Lebensbedingungen befindet sich diese Person? Als weltoffener Mensch k\u00f6nnen Meinungsunterschiede bereichernd sein. Denn so hat man die Gelegenheit, \u00fcber ein bestimmtes Thema zu diskutieren. In dem man die Argumente untereinander austauscht, eignet man sich Wissen an. Manchmal kann es sein, dass man bestimmte Aspekte \u00fcbersehen hat oder zuvor nicht wusste. Ich habe auch gelernt Empathie gegen\u00fcber Menschen zu entwickeln, was mich verst\u00e4ndnisvoller gemacht hat.<\/p>\n<p><em>3.3 Inwiefern hat das Praktikum Ihre (Fach-)sprachlichen Kenntnisse gef\u00f6rdert?<\/em><br \/>Fr\u00fcher fiel es mir schwer eine l\u00e4ngere Unterhaltung mit jemandem auf T\u00fcrkisch durchzuf\u00fchren. Seitdem ich in der T\u00fcrkei war, f\u00e4llt es mir viel leichter. Mein Wortschatz hat sich erweitert und meine Aussprache hat sich verbessert. Die Menschen, mit denen ich mich in der T\u00fcrkei unterhalten habe, haben mich dabei unterst\u00fctzt, wenn mir der eine oder andere Begriff nicht eingefallen ist. Ich musste jeden Tag ein Tagesprotokoll halten und meiner Chefin schicken, welches ebenfalls meine Sprachkenntnisse etwas verbessert hat.<\/p>\n<p><em>3.4 Wenn Sie jetzt zur\u00fcckblicken: Welche Vorteile hat Ihnen die Teilnahme am Roots-Programm f\u00fcr Ihren pers\u00f6nlichen und berufspraktischen Werdegang bieten k\u00f6nnen?<\/em><br \/>Ich habe so viele neue Menschen kennengelernt mit denen ich t\u00e4glich Zeit verbracht habe. Diese Menschen haben mich so akzeptiert wie ich war. Das Gef\u00fchl von Akzeptanz hat mein Selbstwertgef\u00fchlt und Selbstbewusstsein gesteigert. Ich habe meine t\u00fcrkische Sprache verbessert und zu dem auch etwas Syrisch gelernt. Zudem haben sich meine sozialen Kompetenzen erweitert. Ich habe gelernt selbst\u00e4ndiger, weltoffener, selbstbewusster, verst\u00e4ndnisvoller, und kontaktfreudiger zu sein. Im Endeffekt hat sich meine interkulturelle Kompetenz gesteigert. Das Rootsprogramm hat mir gezeigt, dass man das eigene volle Potenzial, was man bereits besitzt, nutzen sollte. Denn nur auf dieser Art kann man das eigene Potenzial erweitern. Als eine t\u00fcrkischst\u00e4mmige Deutsche war ich in Bezug auf Interkulturalit\u00e4t im Vorteil. Ich beherrsche zwei Muttersprachen und zwei Kulturen. Mir wurde bewusst, wie bereichernd dies f\u00fcr mich ist.<\/p>\n<p>Meine T\u00fcrkischkenntnisse waren eines der Gr\u00fcnde, warum ich in der T\u00fcrkei keine gro\u00dfen Probleme hatte und sehr gut zurechtgekommen bin, sogar viel besser als erwartet. Das Rootsprogramm hat mich dazu motiviert weitere Auslandserfahrungen zu sammeln. Ich habe gemerkt, dass das Reisen mir hilft, mich selbst besser kennenzulernen. Ich w\u00fcrde sehr gerne sp\u00e4ter einmal in so einer Stiftung, in der ich mein Praktikum gemacht habe, arbeiten. Ich habe so vieles \u00fcber syrische Fl\u00fcchtlinge und ihr Leben als Asylanten in der T\u00fcrkei gelernt. Ich habe einen Vergleich zwischen den T\u00fcrken, die in Deutschland zu der Gruppe der Migranten angeh\u00f6ren und den T\u00fcrken in der T\u00fcrkei, die zur Gruppe der Aufnahmegesellschaft angeh\u00f6ren. Ich kann sagen, dass unabh\u00e4ngig von der Nationalit\u00e4t, die Migranten von der Aufnahmegesellschaft diskriminiert und verurteilt werden. Unabh\u00e4ngig davon um welche gesellschaftliche10 Gruppe es sich handelt, wird die Minderheit von der Mehrheit ausgegrenzt. Wobei zu beobachten ist, dass die Minderheit es bevorzugt unter sich zu bleiben. Das wiederum zeigt mir, dass der Mensch einfach Mensch ist und soziale Prozesse \u00fcberall auf gleicher Weise ablaufen. Es entstehen immer dieselben Probleme.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich bin ich sehr froh dar\u00fcber, dass ich an dem Roots-Programm teilgenommen habe. Die Erfahrungen die ich gesammelt habe, haben mir gezeigt, dass man immer offen f\u00fcr neues sein sollte. Mir wurde klar wie wichtig es ist Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Au\u00dferdem habe ich auch gelernt, dass wir in vielen Punkten sehr oberfl\u00e4chlich an die Sache rangehen. Leider schauen wir nur auf die Oberfl\u00e4che der Dinge, die vor uns stehen. W\u00e4hrend die Antworten, wonach wir suchen, im Tieferen verankert sind. Wenn wir unsere Perspektive erweitern, k\u00f6nnen wir das uns verborgene erkennen und finden schlie\u00dflich die L\u00f6sung.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><link rel='stylesheet' id='osm-ol3-css-css' href='https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-content\/plugins\/osm\/js\/OL\/10.9.0\/ol.css?ver=10.9.0&#038;ver=7.0' media='all' \/>\n<link rel='stylesheet' id='osm-ol3-ext-css-css' href='https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-content\/plugins\/osm\/css\/osm_map_v3.css?ver=1.0.0&#038;ver=7.0' media='all' \/>\n<link rel='stylesheet' id='osm-map-css-css' href='https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-content\/plugins\/osm\/css\/osm_map.css?ver=1.0.0&#038;ver=7.0' media='all' \/>\n<script id=\"wp-polyfill-js\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-includes\/js\/dist\/vendor\/wp-polyfill.min.js?ver=3.15.0\"><\/script>\n<script id=\"osm-ol3-library-js\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-content\/plugins\/osm\/js\/OL\/10.9.0\/ol.js?ver=10.9.0\"><\/script>\n<script id=\"osm-ol3-ext-library-js\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-content\/plugins\/osm\/js\/osm-v3-plugin-lib.js?ver=1.0.0\"><\/script>\n<script id=\"osm-ol3-metabox-events-js\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-content\/plugins\/osm\/js\/osm-metabox-events.js?ver=1.0.0\"><\/script>\n<script id=\"jquery-core-js\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-includes\/js\/jquery\/jquery.min.js?ver=3.7.1\"><\/script>\n<script id=\"jquery-migrate-js\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-includes\/js\/jquery\/jquery-migrate.min.js?ver=3.4.1\"><\/script>\n<script id=\"osm-map-startup-js-extra\">\nvar translations = {\"openlayer\":\"open layer\",\"openlayerAtStartup\":\"open layer at startup\",\"generateLink\":\"link to this map with opened layers\",\"shortDescription\":\"short description\",\"generatedShortCode\":\"to get a text control link paste this code in your wordpress editor\",\"closeLayer\":\"close layer\",\"cantGenerateLink\":\"put this string in the existing map short code to control this map\"};\n\/\/# sourceURL=osm-map-startup-js-extra\n<\/script>\n<script id=\"osm-map-startup-js\" src=\"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-content\/plugins\/osm\/js\/osm-startup-lib.js?ver=V6.2.6\"><\/script>\n\n        <div id=\"map_ol3js_1\"\n       class=\"osm-map-container undefined\"\n             data-map_name=\"undefined\"\n             data-map=\"map_ol3js_1\"\n             data-autoshow=\"no\"\n             style=\"width:95%;\n                    max-width:100%;\n                    height:450px;\n                    display:block;\n                    overflow:hidden;\n                    border:thin solid;\n                    position: relative;\">\n          <div id=\"map_ol3js_1_popup\" class=\"ol-popup\">\n            <a href=\"#\" id=\"map_ol3js_1_popup-closer\" class=\"ol-popup-closer\"><\/a>\n            <div id=\"map_ol3js_1_popup-content\"><\/div>\n          <\/div>\n        <\/div>\n    <script type=\"text\/javascript\">\n\t\t\t  vectorM['map_ol3js_1'] = [];\n\t        \n        var raster = getTileLayer(\"\",\"NoKey\");\t\t\t\n\n\t\t\t  var map_ol3js_1 = new ol.Map({\n\t\t\t\tinteractions: ol.interaction.defaults.defaults({mouseWheelZoom:false}),\n\t\t\t\tlayers: [raster],\n\t\t\t\ttarget: \"map_ol3js_1\",\n\t\t\t\tview: new ol.View({\n\t\t\t\t  center: ol.proj.transform([35.3327,37.0162], \"EPSG:4326\", \"EPSG:3857\"),\n\t\t\t\t  zoom: 6.020727050529656\n\t\t\t\t})\n\t\t\t  });\n\t\t\t  addControls2Map(map_ol3js_1,0,0,3,0,5,6,7,1,1);\nosm_addPopupClickhandler(map_ol3js_1,  \"map_ol3js_1\"); \nosm_addMouseHover(map_ol3js_1); <\/script><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_post_nav_0 et_pb_posts_nav nav-single et_block_module\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":9117,"featured_media":3827,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p><strong>1.Einleitung<\/strong><br \/> Ich sehe es als eine Bereicherung, mit zwei verschiedenen Kulturen aufgewachsen zu sein. Das Rootsprogramm gab mir die M\u00f6glichkeit diese Bereicherung auszunutzen. Somit wurde mein Interesse daf\u00fcr geweckt. Ich hatte die Chance meine T\u00fcrkischkenntnisse zu verbessern, in Kontakt mit Einheimischen zu kommen und die t\u00fcrkische Kultur, in der T\u00fcrkei, n\u00e4her kennen zu lernen. Ich wollte unbedingt Auslandserfahrungen in der T\u00fcrkei sammeln.<\/p><p>Es ist nicht so, dass ich nie zuvor in der T\u00fcrkei war. Doch es macht einen deutlichen Unterschied, ob man auf Grund eines Urlaubs in die T\u00fcrkei fliegt oder ob man f\u00fcr eine l\u00e4ngere Zeit einen Aufenthalt in der T\u00fcrkei macht und den Alltag in der T\u00fcrkei erlebt. Ich wollte wissen, ob sich die t\u00fcrkische Kultur, die wir in Deutschland erleben, von der t\u00fcrkischen Kultur, die in der T\u00fcrkei gelebt wird, unterscheidet.<\/p><p>Zus\u00e4tzlich wollte ich auch einen Einblick in den t\u00fcrkischen Berufsalltag bekommen, insbesondere habe ich mich f\u00fcr die Gebiete der t\u00fcrkischen Soziologie, vor allem Migration, interessiert. Daher habe ich mich f\u00fcr eine Praktikumsstelle in der Stiftung \u201eSGDD- ASAM\u201c (Association for Solidarity with Asylum Seekers and Migrants) beworben. Es ist eine vom t\u00fcrkischen Staat unabh\u00e4ngige Stiftung, die Migranten und Fl\u00fcchtlinge in der T\u00fcrkei unterst\u00fctzt. Die Stiftung hat mehrere Standorte in ganz T\u00fcrkei und die Zentrale befindet sich in der Hauptstadt Ankara.<\/p><p>Ich wurde in das B\u00fcro \u201eAl-Farah\u201c in Adana zugeteilt. Al Farah in Adana ist eines der sogenannten \u201eChild an Family Center\u201c, der Stiftung SGDDASAM. Es ist ein Bereich, der sich haupts\u00e4chlich f\u00fcr Familien und Kinder spezialisiert. Dort kann man sich zum Beispiel von Psychologen Krankenschwestern, Ern\u00e4hrungsberatern beraten lassen oder bekommt materielle Unterst\u00fctzungen wie zum Beispiel Hygienepakete, Babypakete oder Supermarktgutscheine. Es gibt eine Kinder- und Jugendlichen Abteilung, in der viele Aktivit\u00e4ten f\u00fcr Kinder und Jugendliche bis 14 Jahren organisiert werden. Die Kinder k\u00f6nnen innerhalb der Woche von 9:00 Uhr bis 17:00 Uhr, nat\u00fcrlich kostenlos, an unterschiedlichen Aktivit\u00e4ten, wie zum Beispiel malen, basteln, Filme gucken oder backen teilnehmen. Auch au\u00dferhalb werden kostenlose Aktivit\u00e4ten f\u00fcr Kinder, wie zum Beispiel Tennis angeboten. Um an den Tenniskursen teilnehmen zu k\u00f6nnen, melden sich die Kinder an und werden jede Woche von zu Hause abgeholt, zum Tenniskurs gefahren und sobald der Kurs zu Ende ist wieder nach Hause gebracht.<\/p><p>Wie bereits erw\u00e4hnt, wollte ich einen Einblick in das soziologische Gebiet der Migration in der T\u00fcrkei bekommen, um es mit der Migration in Deutschland vergleichen zu k\u00f6nnen. Meine Erwartungen haben sich auf jeden Fall erf\u00fcllt. Ich hatte sehr viel Kontakt mit syrischen Fl\u00fcchtlingen. Ich habe vieles beobachten k\u00f6nnen, wie zum Beispiel die Haltung der t\u00fcrkischen Gesellschaft gegen\u00fcber den syrischen Fl\u00fcchtlingen, die Lebensbedingungen der syrischen Fl\u00fcchtlinge in der T\u00fcrkei oder kulturelle Einstellungen und Denkweisen der syrischen Fl\u00fcchtlinge. Ich hatte eine doppelte interkulturelle Erfahrung gemacht. Auf der einen Seite habe ich neues \u00fcber die t\u00fcrkische Kultur gelernt und auf der anderen Seite neues \u00fcber die syrische Kultur.<\/p><p><strong>2.Reflexion Interkultureller Situationen<\/strong><br \/> <em>2.1 Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben Sie als T\u00fcrkeist\u00e4mmige\/r aus Deutschland in ihrer Heimat-und Gastkultur entdecken k\u00f6nnen? Gab es Verhaltensweisen, die Ihnen fremd waren?<\/em><br \/> Die Infrastruktur in der T\u00fcrkei ist nicht so weit ausgebaut, wie in Deutschland. Vor allem konnte man sich nicht auf die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel verlassen. Ich musste jeden Morgen mit dem Zug von Mersin nach Adana fahren und nach der Arbeit wieder zur\u00fcck. Zum einen hat sich der Zug sehr oft versp\u00e4tet und w\u00e4hrend der Fahrt hat der Zug, auf Grund von Bauarbeiten, sehr oft und sehr lange angehalten. Eine Zugfahrt die normalerweise ca. 1 Stunde dauern w\u00fcrde, dauerte dann ca 1,5 bis 2 Stunden. An bestimmten Zeiten war der Zug extrem \u00fcberf\u00fcllt und die Klimaanlage funktionierte nicht, somit war es sehr hei\u00df, sehr voll und da es kein Sitzplatz gab musste man 1,5 Stunden stehen. Ich hab sogar einmal miterlebt, dass einem Fahrgast durch die Hitze sehr schlecht wurde. Er war kurz davor umzukippen, somit hat der Zug angehalten und den Fahrgast rausgelassen.<\/p><p>Dazu kann ich sagen, dass die T\u00fcrken in der T\u00fcrkei in manchen Punkten sehr unorganisiert und unstrukturiert vorgehen. Ihnen fehlen auch die Mittel dazu, um die \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel besser und funktionsf\u00e4higer auszubauen. Die Verhaltensweisen der Menschen im Zug waren ebenfalls sehr merkw\u00fcrdig. Sobald die T\u00fcr aufging, sind die Menschen hineingest\u00fcrmt, ohne darauf zu warten, dass alle Fahrg\u00e4ste ausgestiegen sind. Ich wurde oft angerempelt und nach vorne gedr\u00fcckt. Des Weiteren werden auch Verkehrsregeln von Autofahrer kaum beachtet. Wenn zum Beispiel ein Auto links abbiegt, l\u00e4sst er den Fu\u00dfg\u00e4nger nicht den Vorrang die Stra\u00dfe zu \u00fcberqueren, obwohl er es tun m\u00fcsste. Wenn es um das nicht Einhalten der Verkehrsregeln geht, k\u00f6nnte ich sehr viele weiter Beispiele aufz\u00e4hlen. Denn ich habe das Gef\u00fchl, dass die Autofahrer einfach nach Lust und Laune fahren. Die Motoradfahrer sind ebenfalls unachtsam und tragen sehr selten einen Motoradhelm.<\/p><p>Was mir ebenfalls aufgefallen ist, dass in der T\u00fcrkei P\u00fcnktlichkeit auf der Arbeit genauso wichtig ist, wie in Deutschland. Wir hatten eine Personalversammlung, in der wir das Thema P\u00fcnktlichkeit angesprochen haben. Die leitende Arbeitskraft hat sich deutlich ausgedr\u00fcckt, dass sie keine Versp\u00e4tungen mehr dulde. Sie hat erw\u00e4hnt, dass es unangebracht und respektlos sei, wenn Mitarbeiter zu sp\u00e4t kommen, ohne vorher Bescheid zu geben oder zwar erschienen sind, aber nicht p\u00fcnktlich mit ihrer Arbeit beginnen. Was ebenfalls eine sehr interessante Erfahrung f\u00fcr mich gewesen ist, war dass die Menschen mir gegen\u00fcber kaum distanziert waren, obwohl die mich vorher nicht kannten. Ich bekam keine Fremdheitsgef\u00fchle. Es hat sich so angef\u00fchlt als w\u00fcrde ich die Menschen schon vorher gekannt haben. Sie waren sehr warm, herzlich und hilfsbereit. In Deutschland sind die Menschen gegen\u00fcber Fremden zwar ebenfalls sehr hilfsbereit, doch anfangs sehr distanziert. In der T\u00fcrkei waren die Menschen sehr offen und kontaktfreudig.<\/p><p>Interessant fand ich auch die Beziehungen der Arbeitskollegen untereinander. Denn sie alle hatten nicht nur eine Arbeitskollegen-Beziehung, sondern haben auch viel privat miteinander unternommen. Sie alle waren untereinander sehr gut befreundet. M\u00f6glicherweise liegt es auch an dem Bereich, in dem ich mein Praktikum absolviert habe. Da es ein sozialer Bereich ist, sind die Arbeitskollegen auch nicht in Konkurrenz oder in einer Hierarchie zueinander. Dies erm\u00f6glicht auch eine Freundschaft au\u00dferhalb der Arbeit. Doch ich kann es mir nicht unbedingt vorstellen, dass es in Deutschland genauso ablaufen w\u00fcrde. Vor allem fand ich es interessant, dass fast alle Arbeitskollegen miteinander befreundet waren.<\/p><p><em>2.2 Schildern Sie ein irritierendes Ereignis. Haben Sie daf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung? Denken Sie an das Interkulturelle Training f\u00fcr m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze.<\/em><br \/> Die Busfahrten waren f\u00fcr mich zu Beginn sehr irritierend. Unabh\u00e4ngig davon ob man an der Bushaltestelle oder nur an der Stra\u00dfe wartet, konnte man mit einem Handzeichen einen vorbei fahrenden Bus anhalten und einsteigen. Ich hab an der Bushaltestelle auf den Bus gewartet. Doch als der Bus kam habe ich kein Handzeichen gemacht und der Bus ist an mir vorbei gefahren. Die Fahrg\u00e4ste durften dort aussteigen wo sie wollten, auch wenn es keine Bushaltestelle war, hat der Busfahrer die Fahrg\u00e4ste rausgelassen. Was ich ebenfalls sehr irritierend fand war, dass die Fahrg\u00e4ste in der T\u00fcrkei nicht nur alten Menschen, sondern auch Frauen, unabh\u00e4ngig vom Alter, den eigenen Sitzplatz anbieten. Mir wurde zum Beispiel mal ein Platz von einem \u00e4lteren Herren angeboten und ich war sehr \u00fcberrascht.<\/p><p><em>2.3 Wie gestaltete sich Ihr Kontakt zu Ortsans\u00e4ssigen?<\/em><br \/> Ortsans\u00e4ssige mit denen ich in Kontakt kam waren haupts\u00e4chlich meine Arbeitskollegen, Menschen auf der Stra\u00dfe, die mich manchmal nach einem Weg gefragt haben, aber auch meine Familie bei der ich meine ganze Aufenthaltszeit \u00fcber geblieben bin. Ich hatte am Anfang Probleme mit der Sprache, daher konnte ich nicht direkt auf die Menschen zugehen. Vor allem habe ich mich zu Beginn nicht so oft getraut meine Arbeitskollegen direkt anzusprechen. Meistens habe ich darauf gewartet, dass sie mich ansprechen. Bei der Kommunikation hatten wir keine Probleme, aber das eine oder andere Mal gab es Situationen, in der ich mich nicht richtig ausdr\u00fccken konnte. Ich wurde sehr oft auf der Stra\u00dfe von Menschen angesprochen, die nach einem Weg gefragt haben. Leider konnte ich nicht wirklich behilflich sein, da ich mich selbst nicht gut genug in der Gegend auskenne. Obwohl ich zu Beginn verklemmt war, habe ich mich mit der Zeit viel lockerer gef\u00fchlt und mir fiel es leichter mich mit Menschen zu unterhalten.<\/p><p><strong>3. Gesamtreflexion<\/strong><br \/> <em>3.1 Wie hat der Auslandsaufenthalt Ihren Blick auf Ihre pers\u00f6nliche Kultur ver\u00e4ndert? Tragen Sie Ihre interkulturellen Erfahrungen nach Ihrer R\u00fcckkehr mit in Ihren Alltag? Inwiefern beeinflussen sie Ihr Verhalten, Ihre Einstellung und Werte?<\/em><br \/> Vor meinem Aufenthalt h\u00e4tte ich nicht damit gerechnet, dass sich etwas an meiner Denkweise ver\u00e4ndern wird. Doch ganz im Gegenteil hat mir meine interkulturelle Erfahrung dabei geholfen, Dinge aus einer ganz anderen Perspektive zu betrachten. Auf der einen Seite habe ich neues \u00fcber die Kultur der T\u00fcrken in der T\u00fcrkei gelernt. Auf der anderen Seite habe ich sehr viel \u00fcber mich und meine eigene Pers\u00f6nlichkeit gelernt. Die T\u00fcrken, die damals als Gastarbeite nach Deutschland gekommen sind hatten Angst um ihre kulturelle Identit\u00e4t. Sie hatten Angst davor die eigenen Normen und Werte zu verlieren und sich aus der eigenen Kultur zu entfremden. Daher haben sie sich fest an ihre Normen und Werte gebunden und den folgenden Generationen weitergegeben.<\/p><p>Im Laufe der Zeit fand bei den T\u00fcrken in der T\u00fcrkei ein kultureller Wandel statt, wovon die T\u00fcrken in Deutschland nicht viel mitbekommen haben. Die Kultur der T\u00fcrken in der T\u00fcrkei und der T\u00fcrken in Deutschland hat sich dementsprechend auseinander entwickelt. Das Auseinanderentwickeln der Kultur hatte nat\u00fcrlich noch andere Ursachen. Denn so fest die T\u00fcrken in Deutschland auch an ihre t\u00fcrkische Kultur gebunden waren, haben sie sich den einen oder anderen Aspekt der deutschen Kultur angeeignet.7 Doch die Aspekte, welche sie aus der t\u00fcrkischen Kultur entnommen haben und an die folgenden Generationen weitergegeben haben, haben sich bei den T\u00fcrken in der T\u00fcrkei komplett ver\u00e4ndert. Die Angst um die eigene Kultur war wahrscheinlich unter anderem verbunden mit dem Assimilationsdruck der deutschen Aufnahmegesellschaft und den Konflikten, die sie im Laufe der Integration erlebt haben.<\/p><p>Worauf ich eigentlich hinaus m\u00f6chte ist, dass die T\u00fcrken in der T\u00fcrkei anders sind als die T\u00fcrken in Deutschland. Selbstverst\u00e4ndlich war mir vor meinem Aufenthalt bewusst, dass es Unterschiede zwischen ihnen gibt. Doch ich habe mit anderen und kleineren Unterschieden gerechnet. Die in der T\u00fcrkei lebenden T\u00fcrken sind viel weltoffener als ich erwartet habe. Nat\u00fcrlich kann auch die Stadt, in der ich mich befand und die Arbeitsstelle, in der ich mein Praktikum absolviert habe ein Faktor daf\u00fcr sein. Nichtsdestotrotz hatte ich das Gef\u00fchl, dass die Menschen, die ich w\u00e4hrend meines Aufenthalts kennengelernt habe, in ihren Denkweisen mir einen weiten Schritt voraus waren. Viele von ihnen hatten selbst eine l\u00e4ngerfristige Auslandserfahrung hinter sich. Einige von ihnen haben zum Beispiel ein Auslandssemester in Polen, Litauen oder in Deutschland gemacht und hatten w\u00e4hrenddessen die Gelegenheit viele L\u00e4nder in Europa zu bereisen. Sie waren sehr intellektuell, hatten viele Hobbys und waren kreativ. Besonders auff\u00e4llig war, dass sie sehr viel Wert in ihre eigene Bildung gelegt haben. Die meisten von ihnen hatten bereits ihren Bachelor erfolgreich beendet und waren dabei ihren Master zu machen.<\/p><p>Ich habe auch gemerkt, dass die unabh\u00e4ngig von der akademischen oder schulischen Bildung viel Wert auf die pers\u00f6nliche Weiterbildung gelegt haben. Sei es die Weiterbildung in dem Fachgebiet, in dem sie gearbeitet haben oder auch in der Allgemeinbildung. Ich habe sehr wissensdurstige Menschen kennengelernt, die es nicht auf das Prestige oder auf das hohe Einkommen abgesehen haben, sondern sich Wissen angeeignet haben, weil sie sich wirklich daf\u00fcr interessieren. All die kulturellen Aspekte die man normalerweise von den sogenannten \u201etypischen T\u00fcrken\u201c kannte waren bei ihnen nicht vorhanden. Vor allem hatte jeder Einzelne ganz individuelle charakteristische Merkmale, so dass nicht wirklich von Allen gleichzeitig die Rede sein kann. Inzwischen \u00fcberlege ich zweimal, bevor ich bestimmte kulturelle Eigenschaften als \u201etypisch T\u00fcrkisch\u201c bezeichne.<\/p><p>Vor allem hat mich \u00fcberrascht, dass die Menschen, die ich in der T\u00fcrkei kennengelernt habe, sich nicht so stark nach den religi\u00f6sen Normen und Werten orientiert haben, wie die T\u00fcrken in Deutschland es tun. Ein Gro\u00dfteil waren Muslime, jedoch nicht praktizierende. Es war f\u00fcr mich eine tolle Erfahrung mal die andere Seite kennen zu lernen. Ich habe gemerkt, dass ich mir ein falsches Bild \u00fcber die T\u00fcrken in der T\u00fcrkei gemacht habe. Obwohl ich kein Mensch bin, der sich nach Stereotypen8 richtet, hat mich das was ich gesehen habe \u00fcberrascht. Wahrscheinlich haben die Klischees \u00fcber T\u00fcrken, die ich im Laufe meines Lebens mitbekommen habe, in mein Unterbewusstsein verankert, so dass ich mich unbewusst danach gerichtet habe. Ich bekam oft S\u00e4tze zu h\u00f6ren wie: \u201eBei uns T\u00fcrken ist es so, dass\u2026; Wir T\u00fcrken sind\u2026; Wir T\u00fcrken machen\u2026; Als ein T\u00fcrke\/ eine T\u00fcrkin geh\u00f6rt es sich \u2026; Als ein T\u00fcrke\/ eine T\u00fcrkin geh\u00f6rt es sich nicht\u2026\u201c Nun wei\u00df ich, wie irrelevant diese S\u00e4tze sein k\u00f6nnen. Denn w\u00e4hrend ein T\u00fcrke das Eine behauptet, kann ein Anderer das Andere behaupten. Eine Kultur ist viel weitgef\u00e4cherter, als man es uns lehrt. Denn wir Menschen sind es, die die Kultur zu dem machen, was sie ist und wir Menschen sind alles andere als einseitig. Mir wurde erneut klar, dass wir sehr selten \u00fcber den Tellerrand hinausschauen und einfach an Wahrheiten festhalten, die wir uns eigentlich nur einbilden. Mein Auslandsaufenthalt hat mich noch einmal gelehrt; nicht alle Menschen einer Kultur in dieselbe Schublade zu packen. Au\u00dferdem hat es mich gelehrt, dass ich mich nicht f\u00fcr mein Verhalten, meine Denkweise oder Einstellung bei anderen Menschen rechtfertigen zu m\u00fcsste. Denn so sehr wir uns auch als Angeh\u00f6rige einer Kultur (oder Angeh\u00f6rige mehreren Kulturen) \u00e4hneln, sind wir irgendwo komplett anders.<\/p><p><em>3.2 Inwiefern hat der Auslandsaufenthalt Ihre interkulturelle Kompetenz gef\u00f6rdert?<\/em><br \/> Wie bereits erw\u00e4hnt wurde ich w\u00e4hrend meines Auslandsaufenthalts mit zwei unterschiedlichen Kulturen konfrontiert. Zum einen der t\u00fcrkischen Kultur und zum anderen der syrischen Kultur. Ich denke, dass der Aufenthalt mich weltoffener gemacht hat. Dinge die ich in der T\u00fcrkei erlebt habe, haben mir gezeigt wie wichtig es ist Respekt gegen\u00fcber anders denkenden Menschen zu haben. Ich habe auch gelernt, Meinungen Anderer nachzuvollziehen. Ich habe mir selbst die Frage gestellt, warum die Person so eine Meinung, in Bezug auf das jeweilige Thema vertritt. Welche Faktoren spielen eine Rolle? In was f\u00fcr Lebensbedingungen befindet sich diese Person? Als weltoffener Mensch k\u00f6nnen Meinungsunterschiede bereichernd sein. Denn so hat man die Gelegenheit, \u00fcber ein bestimmtes Thema zu diskutieren. In dem man die Argumente untereinander austauscht, eignet man sich Wissen an. Manchmal kann es sein, dass man bestimmte Aspekte \u00fcbersehen hat oder zuvor nicht wusste. Ich habe auch gelernt Empathie gegen\u00fcber Menschen zu entwickeln, was mich verst\u00e4ndnisvoller gemacht hat.<\/p><p><em>3.3 Inwiefern hat das Praktikum Ihre (Fach-)sprachlichen Kenntnisse gef\u00f6rdert?<\/em><br \/> Fr\u00fcher fiel es mir schwer eine l\u00e4ngere Unterhaltung mit jemandem auf T\u00fcrkisch durchzuf\u00fchren. Seitdem ich in der T\u00fcrkei war, f\u00e4llt es mir viel leichter. Mein Wortschatz hat sich erweitert und meine Aussprache hat sich verbessert. Die Menschen, mit denen ich mich in der T\u00fcrkei unterhalten habe, haben mich dabei unterst\u00fctzt, wenn mir der eine oder andere Begriff nicht eingefallen ist. Ich musste jeden Tag ein Tagesprotokoll halten und meiner Chefin schicken, welches ebenfalls meine Sprachkenntnisse etwas verbessert hat.<\/p><p><em>3.4 Wenn Sie jetzt zur\u00fcckblicken: Welche Vorteile hat Ihnen die Teilnahme am Roots-Programm f\u00fcr Ihren pers\u00f6nlichen und berufspraktischen Werdegang bieten k\u00f6nnen?<\/em><br \/> Ich habe so viele neue Menschen kennengelernt mit denen ich t\u00e4glich Zeit verbracht habe. Diese Menschen haben mich so akzeptiert wie ich war. Das Gef\u00fchl von Akzeptanz hat mein Selbstwertgef\u00fchlt und Selbstbewusstsein gesteigert. Ich habe meine t\u00fcrkische Sprache verbessert und zu dem auch etwas Syrisch gelernt. Zudem haben sich meine sozialen Kompetenzen erweitert. Ich habe gelernt selbst\u00e4ndiger, weltoffener, selbstbewusster, verst\u00e4ndnisvoller, und kontaktfreudiger zu sein. Im Endeffekt hat sich meine interkulturelle Kompetenz gesteigert. Das Rootsprogramm hat mir gezeigt, dass man das eigene volle Potenzial, was man bereits besitzt, nutzen sollte. Denn nur auf dieser Art kann man das eigene Potenzial erweitern. Als eine t\u00fcrkischst\u00e4mmige Deutsche war ich in Bezug auf Interkulturalit\u00e4t im Vorteil. Ich beherrsche zwei Muttersprachen und zwei Kulturen. Mir wurde bewusst, wie bereichernd dies f\u00fcr mich ist.<\/p><p>Meine T\u00fcrkischkenntnisse waren eines der Gr\u00fcnde, warum ich in der T\u00fcrkei keine gro\u00dfen Probleme hatte und sehr gut zurechtgekommen bin, sogar viel besser als erwartet. Das Rootsprogramm hat mich dazu motiviert weitere Auslandserfahrungen zu sammeln. Ich habe gemerkt, dass das Reisen mir hilft, mich selbst besser kennenzulernen. Ich w\u00fcrde sehr gerne sp\u00e4ter einmal in so einer Stiftung, in der ich mein Praktikum gemacht habe, arbeiten. Ich habe so vieles \u00fcber syrische Fl\u00fcchtlinge und ihr Leben als Asylanten in der T\u00fcrkei gelernt. Ich habe einen Vergleich zwischen den T\u00fcrken, die in Deutschland zu der Gruppe der Migranten angeh\u00f6ren und den T\u00fcrken in der T\u00fcrkei, die zur Gruppe der Aufnahmegesellschaft angeh\u00f6ren. Ich kann sagen, dass unabh\u00e4ngig von der Nationalit\u00e4t, die Migranten von der Aufnahmegesellschaft diskriminiert und verurteilt werden. Unabh\u00e4ngig davon um welche gesellschaftliche10 Gruppe es sich handelt, wird die Minderheit von der Mehrheit ausgegrenzt. Wobei zu beobachten ist, dass die Minderheit es bevorzugt unter sich zu bleiben. Das wiederum zeigt mir, dass der Mensch einfach Mensch ist und soziale Prozesse \u00fcberall auf gleicher Weise ablaufen. Es entstehen immer dieselben Probleme.<\/p><p>Schlie\u00dflich bin ich sehr froh dar\u00fcber, dass ich an dem Roots-Programm teilgenommen habe. Die Erfahrungen die ich gesammelt habe, haben mir gezeigt, dass man immer offen f\u00fcr neues sein sollte. Mir wurde klar wie wichtig es ist Dinge aus unterschiedlichen Perspektiven zu betrachten. Au\u00dferdem habe ich auch gelernt, dass wir in vielen Punkten sehr oberfl\u00e4chlich an die Sache rangehen. Leider schauen wir nur auf die Oberfl\u00e4che der Dinge, die vor uns stehen. W\u00e4hrend die Antworten, wonach wir suchen, im Tieferen verankert sind. Wenn wir unsere Perspektive erweitern, k\u00f6nnen wir das uns verborgene erkennen und finden schlie\u00dflich die L\u00f6sung.<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,342721,356669,368865,401755,58024],"tags":[525306,525315,401755,13788,58024],"class_list":["post-3823","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-berichte","category-laender","category-outgoing","category-roots","category-tuerkei","tag-arbeit-mit-gefluechteten","tag-interkulturelle-erfahrungen","tag-roots","tag-soziologie","tag-tuerkei"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3823","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9117"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3823"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3823\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":7130,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3823\/revisions\/7130"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3823"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3823"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3823"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}