{"id":3772,"date":"2017-11-04T10:23:10","date_gmt":"2017-11-04T09:23:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/?p=3772"},"modified":"2022-06-14T22:47:12","modified_gmt":"2022-06-14T20:47:12","slug":"praktikum-in-istanbul-im-rahmen-des-roots-programms-der-universitaet-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/2017\/11\/04\/praktikum-in-istanbul-im-rahmen-des-roots-programms-der-universitaet-bremen\/","title":{"rendered":"Praktikum in Istanbul im Rahmen des Roots-Programms der Universit\u00e4t Bremen"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><strong>Einleitung:<\/strong><\/p>\n<p><em>1. Warum hatten Sie sich zum Roots-Praktikum angemeldet und was waren Ihre Erwartungen an das Programm? Welche Vorteile haben Sie f\u00fcr sich in diesem Programm gesehen?<\/em><br \/>\nDas Programm hatte meine Neugier schon damit geweckt, dass es mich direkt als t\u00fcrkische Muttersprachlerin ansprach. Das Roots-Praktikum bot mir die Gelegenheit, im Rahmen eines universit\u00e4ren Programms, meine Muttersprache zu professionalisieren und Fu\u00df in der Arbeitswelt der T\u00fcrkei zu fassen.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte im Laufe meiner zuk\u00fcnftigen Berufskarriere international t\u00e4tig sein und plane deswegen schon seit dem Abitur, w\u00e4hrend meines Studiums ins Ausland zu gehen. In erster Linie m\u00f6chte ich dadurch meine Fremdsprachenkenntnisse (auch die, au\u00dferhalb der Schule) verbessern. Zwar habe ich auch vor, in einem englisch- und\/ oder spanischsprachigen Land ein Auslandspraktikum zu absolvieren, jedoch liegt mir ebenso viel daran, meine Muttersprache zu perfektionieren. Denn die eigene Muttersprache wird automatisch vernachl\u00e4ssigt, wenn man in einem anderssprachigen Land aufw\u00e4chst. W\u00e4hrend ich beispielsweise akzentfrei und flie\u00dfend Deutsch spreche, bemerken Einwohner der T\u00fcrkei beim Sprechen sofort meinen deutschen Akzent. Auch die F\u00e4higkeit des Freisprechens und das Vokabular bei anspruchsvolleren Themen, wie bspw. Politik, fehlen mir.<\/p>\n<p>Meine Erwartungen an das Roots-Programm waren, dass ich zun\u00e4chst mithilfe des T\u00fcrkisch Kurses und des Interkulturellen Trainings auf das Auslandspraktikum vorbereitet werde. Anschlie\u00dfend erhoffte ich mir im Laufe des Praktikums mein T\u00fcrkisch zu verbessern und gleichzeitig ein Bild von der Arbeitswelt und dem allt\u00e4glichen Leben in der T\u00fcrkei zu bekommen. Die Vorteile die ich somit haben sollte, waren eine realistische Vorstellung vom (Berufs)Leben in der T\u00fcrkei, die man meiner Meinung nach, nur durch eigene Erfahrungen bekommen kann.<\/p>\n<p>Anders als Nichtteilnehmer an dem Praktikum, sollte ich die Karrierem\u00f6glichkeiten und Unternehmenshierarchie der jeweiligen Branche in der T\u00fcrkei hautnah erleben. Folglich w\u00fcsste ich genauer welche Qualit\u00e4ten f\u00fcr den Einstieg in ein dortiges Unternehmen gefragt und welche Priorit\u00e4ten und Arbeitsweisen in Deutschland bspw. anders sind. Zudem w\u00fcrde ich Unterschiede des Lebensstils in der T\u00fcrkei, im Vergleich zum dem Deutschen, sehen.<\/p>\n<p><em>2. Beschreiben Sie kurz das Unternehmen\/ die Organisation in dem Sie Ihr Praktikum absolviert haben. Benennen Sie grob Ihre T\u00e4tigkeiten.<\/em><br \/>\nIch habe mein Praktikum im Sales und Marketing Department des Hotels \u201eCrowne Plaza Istanbul Florya\u201c in Istanbul absolviert. Das F\u00fcnfsternehotel geh\u00f6rt zu einem der zw\u00f6lf Marken des internationalen Hotelunternehmens IHG (\u201eInter Continental Hotels Group\u201c).<\/p>\n<p>Das Department, welches alle Sales und Marketing Prozesse des Hotels leitet, ist in verschiedene Bereiche eingeteilt: Corporate Sales, Banquet Sales, Agenturverk\u00e4ufe, PR und Anatolia Sales. Dazu geh\u00f6rt auch der Reservierungsbereich, in dem ich gearbeitet habe. Wir hatten zwar unser eigenes B\u00fcro, jedoch war es direkt an das offene B\u00fcro der anderen Sales-Mitarbeiter angekn\u00fcpft. Dadurch konnten wir st\u00e4ndig in Verbindung bleiben und uns gegenseitig dar\u00fcber informieren, was bei uns vor sich ging.<\/p>\n<p>Im Reservierungsbereich geh\u00f6hrten zu meinen T\u00e4tigkeiten haupts\u00e4chlich die Durchf\u00fchrung der Reservierungen von Agenturen, Firmen, Gruppen und die normaler Kunden. Ebenso war ich mitverantwortlich f\u00fcr die Telefonanrufe, u.a. dem Kundenservice per Telefon. Neben der Hauptt\u00e4tigkeiten k\u00fcmmerte ich mich um den Ausdruck der (bspw. Einnahmen-) Berichte, das Backup der Reservationen der darauf folgenden Tage und um die Kontrolle der monatlichen Rechnungen der Agenturen, um einen Zahlungs\u00fcberschuss der Kommissionen zu vermeiden. Au\u00dferdem arbeitete ich mit der Revenue Managerin zusammen, welche zugleich die Reservierungsabteilung leitet. T\u00e4glich und vorausschauend verglich ich die Preise unseres Hotels mit denen der Konkurrenzhotels. Zusammen mit der Revenue Managerin haben wir unsere Preise dementsprechend entweder angehoben oder gesenkt. Zwischendurch kontrollierten wir gemeinsam die t\u00e4glichen Einnahmen des Hotels und ob diese zu dem Monatsziel f\u00fchrten.<\/p>\n<p><em>3. Welche Erwartungen hatten Sie an Ihr Praktikum in der T\u00fcrkei? Haben sich diese Erwartungen erf\u00fcllt?<\/em><br \/>\nMeine Erwartungen an das Praktikum bez\u00fcglich meiner sprachlichen Kompetenzen haben sich weitgehend erf\u00fcllt. Im Laufe des Praktikums konnte ich zun\u00e4chst keine Verbesserung meiner Sprachf\u00e4higkeiten bewusst erkennen. Gegen Ende des Praktikums hingegen bekam ich h\u00e4ufig positive R\u00fcckmeldung und mir wurde zugeredet, dass ich deutlich freier und flie\u00dfender T\u00fcrkisch spr\u00e4che, als am Anfang des Praktikums. R\u00fcckblickend fiel mir ebenso mein selbstbewusster gewordenes Auftreten auf (zu dem h\u00f6chstwahrscheinlich das freiere Sprechen beigetragen hat).<\/p>\n<p>Neben der Verbesserung meiner sprachlichen F\u00e4higkeiten, konnte ich auch entsprechend meiner restlichen Erwartungen, einen guten Einblick in die Tourismusbranche in der T\u00fcrkei bekommen. Anhand des Praktikums erlebte ich mit, unter welchen Konditionen und Bedingungen die Angestellten (\u00fcberwiegend die Arbeitsverh\u00e4ltnisse des Sales und Marketing Teams) arbeiten. Ebenso konnte ich mir einen Eindruck von der Hierarchie im Sales-Bereich und der Atmosph\u00e4re unter den Mitarbeitern aus unterschiedlichen Bereichen verschaffen.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich erlebte ich durch den Auslandsaufenthalt das Alltags- und Arbeitsleben in der T\u00fcrkei. Zuvor hatte ich mein Heimatland nur aus der Urlauberperspektive gekannt, aber keine Vorstellung davon gehabt, wie es sich dort \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum leben l\u00e4sst und was anders ist, als das allt\u00e4gliche Leben in Deutschland. Gegen Ende meines Praktikums konnte ich abw\u00e4gen, welche Vor- und Nachteile das Alltags- und Arbeitsleben in der T\u00fcrkei und in Deutschland bieten.<\/p>\n<p><strong>Reflexion Interkultureller Situationen:<\/strong><\/p>\n<p><em>4. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben Sie als T\u00fcrkeist\u00e4mmige\/r aus Deutschland in ihrer Heimat-und Gastkultur entdecken k\u00f6nnen? Gab es Verhaltensweisen, die Ihnen fremd waren?<\/em><br \/>\nBevor ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen T\u00fcrken in Deutschland und denen in der T\u00fcrkei nenne, m\u00f6chte ich folgendes erw\u00e4hnen: Es fiel mir interessanterweise deutlich schwerer, die Gemeinsamkeiten zu finden, als die Unterschiede. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Unterschiede auffallen und Gemeinsamkeiten eher nicht (bis man aktiv nach ihnen sucht), da sie als selbstverst\u00e4ndlich gesehen werden.<\/p>\n<p>Nun zu den Gemeinsamkeiten: Mir ist im Nachhinein erst bewusst geworden, dass Bildung und v.a. die berufliche Karriere (bei den meisten) in der t\u00fcrkischen Gesellschaft einen gleich hohen Stellenwert haben und f\u00fcr das pers\u00f6nliche Profil von Bedeutung sind. Zudem wird neben der Arbeit, viel Wert auf das Privat- &amp; Sozialleben gelegt und ein \u00e4hnliches Verst\u00e4ndnis von Freizeitgestaltung gepflegt. Des Weiteren haben viele Einwohner der T\u00fcrkei das starke Bed\u00fcrfnis danach, nach Europa (z.B. nach Deutschland) auszuwandern und dort eine neue Existenz zu gr\u00fcnden, w\u00e4hrend ironischerweise t\u00fcrkischst\u00e4mmige Deutsche sich nach dem Leben in der T\u00fcrkei sehnen. Folglich ist ein Gro\u00dfteil beider Seiten nicht vollkommen zufrieden mit seinem Wohnort.<\/p>\n<p>Die Liste der Unterschiede ist deutlich l\u00e4nger, als die der Gemeinsamkeiten, wobei es durchaus m\u00f6glich ist, dass mir einige Gemeinsamkeiten noch gar nicht bewusst sind. Am \u00fcberraschendsten fand ich den Unterschied, dass T\u00fcrkeieinwohner eine lockerere Einstellung gegen\u00fcber typischen Diskussionsthemen zwischen Eltern und ihren jugendlichen Kindern, wie z.B. dem Alkoholkonsum, dem Ausgehen zu sp\u00e4ten Zeiten, Partys, Beziehungen etc. haben. T\u00fcrkischst\u00e4mmige Eltern in Deutschland sind bei diesen Themen deutlich strenger, was nicht nur meine Familie betrifft, sondern auch die Familien meiner Freunde und meines Umfelds. Wir alle waren erstaunt, als wir in der T\u00fcrkei miterlebten, welche Freiheiten unsere Cousins, Cousinen und deren Freunde diesbez\u00fcglich haben. T\u00fcrken in Deutschland (und das betrifft v.a. Erwachsene mittleren Alters) versuchen, an den Traditionen, die sie bspw. als Kind oder Jugendliche damals in ihrem Elternhaus in der T\u00fcrkei erlebt und gelernt haben, aufrecht zu erhalten. Grund daf\u00fcr ist die Angst, ihre urspr\u00fcngliche Kultur zu verlieren und sie dadurch nicht mehr an unsere Generation weitergeben zu k\u00f6nnen. Den Gedanken weiterf\u00fchrend, bef\u00fcrchten sie, dass diese Kultur unter den in Deutschland lebenden T\u00fcrken, in Vergessenheit ger\u00e4t. Die in der T\u00fcrkei lebenden T\u00fcrken hingegen bem\u00fchen sich darum, sich der europ\u00e4ischen Lebensweise anzupassen und alte Traditionen der t\u00fcrkischen Kultur abzulegen. Dabei muss ich erw\u00e4hnen, dass dies kaum auf die \u00e4lteren Generationen (Rentner) zutrifft, bei denen die in Deutschland und die in der T\u00fcrkei, noch an alten Traditionen festhalten. Ebenso wenig betrifft es die j\u00fcngere (meine) Generation, bei denen beide versuchen, alte Traditionen abzulegen.<\/p>\n<p>Au\u00dferdem war ich \u00fcberrascht, als mich am Praktikumsplatz viele, die ich nicht kannte, beim Namen kannten und von meinem Praktikum Bescheid wussten. Dadurch stellte ich fest, dass in der T\u00fcrkei \u2013 ob am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft \u2013 dem Einzelnen bzw. anderen Personen, mehr Aufmerksamkeit geschenkt und ihnen gegen\u00fcber Interesse gezeigt wird. Es ist dort schwerer in der \u201eMasse\u201c unterzutauchen, auch wenn es sich um eine Gro\u00dfstadt wie Istanbul handelt. Dass es in Deutschland anders ist, habe ich an mir selbst gemerkt, denn ich schenkte anderen Mitarbeitern, mit denen ich kaum etwas zu tun hatte, im Einzelnen kaum Beachtung. Stattdessen widmete ich meine volle Aufmerksamkeit nur den Mitarbeitern, mit denen ich h\u00e4ufig zusammen war.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich fand ich es zu Beginn des Praktikums sehr gew\u00f6hnungsw\u00fcrdig, dass Verkehrsregeln viel weniger umgesetzt werden und die P\u00fcnktlichkeit in der T\u00fcrkei eine geringere Relevanz hat, als in Deutschland. In der T\u00fcrkei gingen die Ortsans\u00e4ssigen nicht nur mit dem Stra\u00dfenverkehr lockerer um, sondern auch mit ihrer eigenen Gesundheit. Ich habe letztlich auch gemerkt, dass wir deutschen Einwohner (vergleichsweise mit denen der T\u00fcrkei) sehr penibel mit gesundheitlichen Beschwerden umgehen. Wir gehen bspw. viel \u00f6fter zum Arzt, ob wegen einer Krankheit oder nur zur Vorsorge oder Kontrolle, denn wir vertrauen am meisten den \u00c4rzten. H\u00e4ufig schockierte es mich, wie selten viele Ortsans\u00e4ssige zum Arzt gehen, obwohl sie ernsthafte gesundheitliche Probleme hatten. Mit der dortigen Kultur hat diese Verhaltensweise insofern zu tun, dass viele sich auf traditionelle Heilmethoden verlassen, die sie von ihren Eltern und Gro\u00dfeltern gelernt haben.<\/p>\n<p><em>5. Schildern Sie ein irritierendes Ereignis. Haben Sie daf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung? Denken Sie an das Interkulturelle Training f\u00fcr m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze.<\/em><br \/>\nIch bin bisher oft in der T\u00fcrkei gewesen (jedes Jahr einmal), da ein Gro\u00dfteil meiner Familie dort lebt. Da ich immer nur innerhalb des Familienkreises blieb, schob ich zum einen einige Eigenschaften, die kulturell unterschiedlich sind, auf deren Charakter. Au\u00dferdem kannte ich bereits einige kulturelle Unterschiede und hatte somit die M\u00f6glichkeit, mich mental auf sie vorzubereiten. Beim Praktikumsplatz hat mich dann eine Eigenschaft doch \u00fcberrascht und eine irritierte Reaktion bei mir ausgel\u00f6st. Die Mitarbeiter pflegen (innerhalb der B\u00fcros, in dem Falle innerhalb des Departments) ein sehr vertrautes und famili\u00e4res Verh\u00e4ltnis untereinander; sie wissen viel Privates \u00fcbereinander und reden sehr offen dar\u00fcber. Diese Offenheit und direkte Art, erstaunte mich zu Beginn. Denn diese Verhaltensweise kannte ich zwar von meiner Familie, aber nicht vom professionellen, beruflichen Umfeld. Besonders irritiert reagierte ich, als ich schlie\u00dflich selbst \u00fcber Privates \u201eausgefragt\u201c wurde, was mir vorerst unangenehm und zu direkt war. Im Interkulturellen Training hatten wir gelernt und dar\u00fcber diskutiert, dass Menschen Sitten, Verhaltensweisen, Werte und Normen ihrer eigenen Kultur so sehr verinnerlichen, dass diese ihnen \u201enormal\u201c und als selbstverst\u00e4ndlich erscheinen. Wenn sie mit Verhaltensweisen anderer Personen konfrontiert werden, seien sie irritiert und das \u201eFremde\u201c wirke auf sie anormal und vielleicht sogar falsch. Wir nannten diese Einstellung, die sog. \u201erosa Brille der Kultur\u201c. Folglich, um diesen Erkl\u00e4rungsansatz wieder auf mich zu beziehen, erschien mir die Direktheit zun\u00e4chst aufdringlich und ich f\u00fchlte mich sozusagen in die Ecke gedr\u00e4ngt. Und ebenso wie ich verwirrt war, wirkte ich h\u00f6chstwahrscheinlich sehr sch\u00fcchtern oder verklemmt auf mein Gegen\u00fcber. Mit der Zeit gew\u00f6hnte ich mich an die Offenheit bzw. Verhaltensweise und Umgangsweise. Ich bin sogar der Meinung, dass ich diese Offenheit teilweise \u00fcbernommen habe.<\/p>\n<p><em>6. Wie gestaltete sich Ihr Kontakt zu Ortsans\u00e4ssigen?<\/em><br \/>\nDen gesamten Auslandsaufenthalt \u00fcber gestaltete sich der Kontakt zu Ortsans\u00e4ssigen sehr famili\u00e4r. Der Gro\u00dfteil empfing mich mit weit aufgeschlossenen Armen. Die Leute, mit denen ich gr\u00f6\u00dftenteils zu tun hatte, setzen die Priorit\u00e4t auf die Gesicht-zu-Gesicht-Kommunikation. Daher habe ich kaum mit jemandem per WhatsApp, SMS oder Telefon kommuniziert. Stattdessen traf ich mich mit allen privat und wir unternahmen viel miteinander. Folglich konnte ich zu den Ortsans\u00e4ssigen innerhalb k\u00fcrzester Zeit ein vertrautes und freundschaftliches Verh\u00e4ltnis aufbauen.<\/p>\n<p><em>7. Schildern Sie bitte ein spannendes oder sch\u00f6nes Ereignis, das sich durch den Kulturaustausch ergab.<\/em><br \/>\nIn den ersten Tagen meines Praktikums bin ich im Umgang mit den anderen Mitarbeitern vorsichtig gewesen und war etwas zur\u00fcckhaltender. Dann beobachtete ich, dass z.B. der andere ortsans\u00e4ssige Praktikant, mit dem ich die Pausen verbrachte und der mir anfangs Vieles im Hotel zeigte, jeden einzelnen Mitarbeiter, dem wir begegneten, gr\u00fc\u00dfte und einen guten Arbeitstag w\u00fcnschte. Einige fragte er auch im Vorbeigehen, wie es ihnen ginge. Dies war ich nicht gewohnt, denn bisher gr\u00fc\u00dfte ich und unterhielt mich nur mit den Mitarbeitern, die mir vorgestellt wurden. Anderen schenkte ich h\u00f6chstens im Vorbeigehen ein freundliches L\u00e4cheln. In den folgenden Tagen \u00fcberwand ich mich schlie\u00dflich dazu, ebenfalls jeden einzelnen Mitarbeiter zu gr\u00fc\u00dfen und ihnen einen sch\u00f6nen Arbeitstag zu w\u00fcnschen. Pl\u00f6tzlich reagierten die Mitarbeiter ganz anders auf mich \u2013 es war wie eine Erleichterung. Sie l\u00e4chelten mich bei den n\u00e4chsten Begegnungen direkt an und unterhielten sich mehr mit mir: Viele fragten mich nach meinem Praktikum und versuchten, mich n\u00e4her kennen zu lernen. Diesen \u201esozialen Erfolg\u201c hatte ich dem kulturellen Austausch zu verdanken, welcher eher einseitig war, da nur ich eine Verhaltensweise der anderen Kultur adaptierte. Wohlm\u00f6glich gab es auch bestimmte Verhaltensweisen meiner Kultur, die von meinem Umfeld dort angenommen und vielleicht umgesetzt wurden. Jedoch habe ich h\u00f6chstwahrscheinlich nicht viel davon wahrgenommen, da ich diese Verhaltensweisen gewohnt bin und sie mir somit nicht besonders auffallen.<\/p>\n<p><strong>Gesamtreflexion:<\/strong><\/p>\n<p><em>8. Wie hat der Auslandsaufenthalt Ihren Blick auf Ihre pers\u00f6nliche Kultur ver\u00e4ndert? Tragen Sie Ihre interkulturellen Erfahrungen nach Ihrer R\u00fcckkehr mit in Ihren Alltag? Inwiefern beeinflussen sie Ihr Verhalten, Ihre Einstellung und Werte?<\/em><br \/>\nDer Auslandsaufenthalt hat mir einige Eigenschaften und Bestandteile meiner pers\u00f6nlichen Kultur ins Bewusstsein gerufen. Ich habe wie bereits erw\u00e4hnt festgestellt, dass die Leute meiner Kultur anderen gegen\u00fcber distanzierter und etwas verschlossener sind. Eine Eigenschaft, die ich nicht als schlecht verurteilen m\u00f6chte, denn diese Umgangsweise dient v.a. dem Schutz der eigenen Privatsph\u00e4re und wirkt gleichzeitig h\u00f6flich beim Gegen\u00fcber. Da ich mich jedoch an die offene Umgangsweise in der T\u00fcrkei gew\u00f6hnt habe, f\u00e4llt mir seit meiner R\u00fcckkehr nach Deutschland, diese Distanziertheit negativ auf. Um diesen Charakterzug zumindest f\u00fcr mich aufrechtzuerhalten, habe ich ihn in meiner eigenen Kultur \u00fcbernommen und versuche ihn so gut es geht, in meinen Alltag einzubringen.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite hat der Auslandsaufenthalt mir Werte und Einstellungen meiner pers\u00f6nlichen Kultur n\u00e4her gebracht, wie z.B. Disziplin, P\u00fcnktlichkeit und den unerm\u00fcdlichen Fokus auf ein hochgestecktes Ziel. Meine pers\u00f6nliche Kultur ist deutlich karriere-orientierter, w\u00e4hrend die dortige Kultur familienorientierter ist.<\/p>\n<p><em>9. Inwiefern hat der Auslandsaufenthalt Ihre interkulturelle Kompetenz gef\u00f6rdert?<\/em><br \/>\nMeine interkulturelle Kompetenz hat der Auslandsaufenthalt insofern gef\u00f6rdert, dass er mir die Gelegenheit bot, die im Interkulturellen Training angeeigneten Skills, in der Praxis anzuwenden. Demnach konnte ich mich f\u00fcr die Unterschiede zwischen den Kulturen sensibilisieren und das Handeln der Ortsans\u00e4ssigen besser nachvollziehen. Ich ging w\u00e4hrend des Auslandsaufenthaltes mit Alltagssituationen, in denen beide Kulturen miteinander konfrontiert wurden und in ein Konflikt zu geraten drohten, immer geschickter um. Schlie\u00dflich konnte ich gegen Ende des Auslandsaufenthaltes so gut mit solchen Situationen umgehen, dass weder mir noch meinem Gegen\u00fcber, die Kulturunterschiede kaum auffielen. Das lag zum Teil an meiner \u201epartiellen\u201c Anpassung und an der \u00dcbertragung von einigen kulturellen Eigenschaften der Ortsans\u00e4ssigen, in meine eigene Kultur. Man k\u00f6nnte hier einwenden, dass nicht von interkultureller Kompetenz, sondern von (passiver) Anpassung die Rede ist; ich habe jedoch festgestellt, dass man zwischen passiver Anpassung (der \u201evollst\u00e4ndigen\u201c \u00dcbernahme einer Kultur) und der Aneignung interkultureller Kompetenzen durch eine bewusste Kombination der eigenen mit der fremden Kultur, unterscheiden muss. Denn bei Zweiterem ist man sich der Kulturdifferenzen und Gemeinsamkeiten bewusst und sucht nach L\u00f6sungswegen, anhand derer man beide Kulturen gut miteinander vereinbaren kann.<\/p>\n<p><em>10. Inwiefern hat das Praktikum Ihre (Fach-)sprachlichen Kenntnisse gef\u00f6rdert?<\/em><br \/>\nDas Praktikum hat dadurch, dass ich ihn im Ausland absolviert habe, meine fremdsprachlichen Kenntnisse in der Fach- und Umgangssprache gef\u00f6rdert. Anhand der Arbeit im B\u00fcro kommunizierte ich permanent auf T\u00fcrkisch mit den Mitarbeitern und mit den Kunden am Telefon. Und da unser Reservierungsb\u00fcro direkt mit dem der Sales-Mitarbeiter verbunden war, bekam ich viel von ihnen mit und konnte durch blo\u00dfes Zuh\u00f6ren, sprachlich vieles mitnehmen und lernen. Im Laufe der Zeit erweiterte ich mein fachsprachliches Vokabular und sprach immer flie\u00dfender und freier. Auch mit den Kunden am Telefon kommunizierte ich geschickter und redete durch meine gr\u00f6\u00dfere Sprachsicherheit deutlich gewandter. Zus\u00e4tzlich erweiterte ich dank Kommunikation mit internationalen Kunden, mein englisches fachsprachliches Vokabular und meine englischen Sprachf\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p>Neben der Fachsprache eignete ich mir die t\u00fcrkische Umgangssprache an. Oft unterhielten sich meine Familienmitglieder und mein dortiger Bekanntenkreis famili\u00e4rer, als am Praktikumsplatz. So hatte ich die Gelegenheit, mir Redewendungen anzueignen, die Ortsans\u00e4ssige h\u00e4ufig in ihrer Freizeit verwenden, aber normalerweise nie am Arbeitsplatz. Zusammengefasst war das Praktikum eine gro\u00dfe Bereicherung f\u00fcr meine fremd- und fachsprachlichen Kenntnisse und F\u00e4higkeiten.<\/p>\n<p><em>11. Wenn Sie jetzt zur\u00fcckblicken: Welche Vorteile hat Ihnen die Teilnahme am Roots-Programm f\u00fcr Ihren pers\u00f6nlichen und berufspraktischen Werdegang bieten k\u00f6nnen?<\/em><br \/>\nF\u00fcr meinen pers\u00f6nlichen und berufspraktischen Werdegang hat die Teilnahme am Roots-Programm einen wertvollen Beitrag geleistet. Zum einen konnte ich erste Erfahrungen in dem Berufsbereich, in den ich zuk\u00fcnftig einsteigen k\u00f6nnte, sammeln. Diese M\u00f6glichkeit hatte ich beispielsweise nicht in den Aushilfsberufen in meiner Abitur- und bisherigen Studienzeit. Im Praktikum hingegen durfte ich am eigenen Leib erfahren, wie es ist, im Sales und Marketing Department eines qualitativen Unternehmens zu arbeiten und lernte zudem verschiedene Bereiche des Departments kennen. Ich hatte einen Einblick in die Hierarchie des Departments und des gesamten Hotels und wie genau die Umgangsweise und der Kontakt bei den Mitarbeitern (v.a. von Position zu Position) untereinander gestaltet ist. Durch den engen Kontakt zu verschiedensten Mitarbeitern (von den Housekeeping-Mitarbeitern bis hin zu den Managern) hatte ich ein realistisches Bild von ihrer Zufriedenheit in ihrer Berufsposition und deren Vor- und Nachteilen. Derartige Eindr\u00fccke sind f\u00fcr mich von besonderem Vorteil, um f\u00fcr mich selbst abzuw\u00e4gen, wie zufrieden und gl\u00fccklich ich in der einen oder anderen Berufsposition w\u00e4re und ob diese zu meinem Charakter und Interessen passten. Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass ich ungerne in einer Position arbeiten w\u00fcrde, in der ich nur im B\u00fcro s\u00e4\u00dfe. Stattdessen gefiele mir eine Position, in der ich hin und wieder im B\u00fcro arbeitete, aber gr\u00f6\u00dftenteils unterwegs w\u00e4re, mich mit Kunden tr\u00e4fe und Veranstaltungen organisierte (wie z.B. der Beruf der Banquet Sales Managerin). Ein Job, in dem ich Aufgaben ausf\u00fchrte, bei denen ich verschiedenste Leute pers\u00f6nlich kennen lernte. Charakterlich m\u00fcsste ich ebenfalls gewisse Eigenschaften aufweisen, um dieser Position oder auch der Position der Group Sales Managerin standzuhalten: Wer kein starkes Selbstbewusstsein, hohe Belastbarkeit, psychischen Druck und ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein aufweist, br\u00e4che schnell in diesem Beruf zusammen und w\u00e4re nicht in der Lage, das Unternehmen zu repr\u00e4sentieren. Des Weiteren half mir das Praktikum bei der Orientierung in Hinblick auf die Branche, in der ich zuk\u00fcnftig t\u00e4tig sein m\u00f6chte. Gerade in meinem Studiengang stehen viele Studierende einer sehr umfangreichen Auswahl an Branchen gegen\u00fcber und k\u00f6nnen sich schwer f\u00fcr eine entscheiden. So \u00e4hnlich geht es mir. Die Tourismus- und Hotelbranche ist eine, von mehreren Branchen, die mich schon immer gereizt haben. Anhand des Roots-Programms lernte ich sie erstmals n\u00e4her in einer Tourismus-Metropole, wie Istanbul, kennen. Ich habe nun ein ganz neues, vielseitigeres Bild von der Branche und mein Interesse wurde durch das Praktikum gest\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich bereitete mich das Roots-Programm auf einen professionellen Aufenthalt in meinem urspr\u00fcnglichen Heimatsland vor und bot mir die Gelegenheit, ein Teil der dortigen Arbeitswelt zu sein. Neben dem Berufsleben, wei\u00df ich seit meinem Praktikum auch, wie das Alltagsleben dort abl\u00e4uft und unter welchen Lebensstandards Ortsans\u00e4ssige leben. W\u00e4hrend des interkulturellen Trainings und des Auslandsaufenthalts habe ich zudem gelernt, meine pers\u00f6nliche Kultur mit der Dortigen zu vereinbaren. Folglich kann ich f\u00fcr mich besser einsch\u00e4tzen, ob ich in der Lage w\u00e4re, in der T\u00fcrkei zu arbeiten sowie zu leben und wei\u00df, ob ich gl\u00fccklicher in Deutschland w\u00e4re oder nicht.<\/p>\n<p>Zu guter Letzt ist ein besonderer Vorteil des Roots-Programms, dass ich relevante Kontakte in der Hotel- und Tourismusbranche der T\u00fcrkei kn\u00fcpfen und mir somit ein erstes berufliches und soziales Netzwerk aufbauen konnte.<\/p>\n<p><em>12. Sonstige Bemerkungen, wie z.B. zur Betreuung durch das International Office, zum Sprachkurs oder Interkulturellen Training<\/em><br \/>\nAbschlie\u00dfend m\u00f6chte ich erw\u00e4hnen, dass das International Office und das zust\u00e4ndige B\u00fcro f\u00fcr die Kooperation mit der T\u00fcrkei, mich im Laufe des Roots-Programms gut betreut haben. Sie haben mir v.a. dabei geholfen, ein zu mir passendes Unternehmen zu finden, in dem ich mein Praktikum absolvieren konnte und unterst\u00fctzen mich mit viel Engagement bei meinem Bewerbungsprozess f\u00fcr das Praktikum. Dadurch eignete ich mir eine Methode an, mit der ich zuk\u00fcnftig vorgehen kann, wenn ich nach Praktikums- und Arbeitspl\u00e4tzen suche und mich f\u00fcr diese bewerbe.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_map_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_pb_map_container\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_map\" data-center-lat=\"41.0082376\" data-center-lng=\"28.97835889999999\" data-zoom=\"6\" data-mouse-wheel=\"on\" data-mobile-dragging=\"on\"><\/div>\n\t\t\t\t <div class=\"et_pb_map_pin\" data-lat=\"41.0082376\" data-lng=\"28.97835889999999\" data-title=\"\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div> \n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_post_nav_0 et_pb_posts_nav nav-single et_block_module\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":9117,"featured_media":3773,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p><strong>Einleitung:<\/strong><\/p><p><em>1. Warum hatten Sie sich zum Roots-Praktikum angemeldet und was waren Ihre Erwartungen an das Programm? Welche Vorteile haben Sie f\u00fcr sich in diesem Programm gesehen?<\/em><br \/> Das Programm hatte meine Neugier schon damit geweckt, dass es mich direkt als t\u00fcrkische Muttersprachlerin ansprach. Das Roots-Praktikum bot mir die Gelegenheit, im Rahmen eines universit\u00e4ren Programms, meine Muttersprache zu professionalisieren und Fu\u00df in der Arbeitswelt der T\u00fcrkei zu fassen.<\/p><p>Ich m\u00f6chte im Laufe meiner zuk\u00fcnftigen Berufskarriere international t\u00e4tig sein und plane deswegen schon seit dem Abitur, w\u00e4hrend meines Studiums ins Ausland zu gehen. In erster Linie m\u00f6chte ich dadurch meine Fremdsprachenkenntnisse (auch die, au\u00dferhalb der Schule) verbessern. Zwar habe ich auch vor, in einem englisch- und\/ oder spanischsprachigen Land ein Auslandspraktikum zu absolvieren, jedoch liegt mir ebenso viel daran, meine Muttersprache zu perfektionieren. Denn die eigene Muttersprache wird automatisch vernachl\u00e4ssigt, wenn man in einem anderssprachigen Land aufw\u00e4chst. W\u00e4hrend ich beispielsweise akzentfrei und flie\u00dfend Deutsch spreche, bemerken Einwohner der T\u00fcrkei beim Sprechen sofort meinen deutschen Akzent. Auch die F\u00e4higkeit des Freisprechens und das Vokabular bei anspruchsvolleren Themen, wie bspw. Politik, fehlen mir.<\/p><p>Meine Erwartungen an das Roots-Programm waren, dass ich zun\u00e4chst mithilfe des T\u00fcrkisch Kurses und des Interkulturellen Trainings auf das Auslandspraktikum vorbereitet werde. Anschlie\u00dfend erhoffte ich mir im Laufe des Praktikums mein T\u00fcrkisch zu verbessern und gleichzeitig ein Bild von der Arbeitswelt und dem allt\u00e4glichen Leben in der T\u00fcrkei zu bekommen. Die Vorteile die ich somit haben sollte, waren eine realistische Vorstellung vom (Berufs)Leben in der T\u00fcrkei, die man meiner Meinung nach, nur durch eigene Erfahrungen bekommen kann.<\/p><p>Anders als Nichtteilnehmer an dem Praktikum, sollte ich die Karrierem\u00f6glichkeiten und Unternehmenshierarchie der jeweiligen Branche in der T\u00fcrkei hautnah erleben. Folglich w\u00fcsste ich genauer welche Qualit\u00e4ten f\u00fcr den Einstieg in ein dortiges Unternehmen gefragt und welche Priorit\u00e4ten und Arbeitsweisen in Deutschland bspw. anders sind. Zudem w\u00fcrde ich Unterschiede des Lebensstils in der T\u00fcrkei, im Vergleich zum dem Deutschen, sehen.<\/p><p><em>2. Beschreiben Sie kurz das Unternehmen\/ die Organisation in dem Sie Ihr Praktikum absolviert haben. Benennen Sie grob Ihre T\u00e4tigkeiten.<\/em><br \/> Ich habe mein Praktikum im Sales und Marketing Department des Hotels \u201eCrowne Plaza Istanbul Florya\u201c in Istanbul absolviert. Das F\u00fcnfsternehotel geh\u00f6rt zu einem der zw\u00f6lf Marken des internationalen Hotelunternehmens IHG (\u201eInter Continental Hotels Group\u201c).<\/p><p>Das Department, welches alle Sales und Marketing Prozesse des Hotels leitet, ist in verschiedene Bereiche eingeteilt: Corporate Sales, Banquet Sales, Agenturverk\u00e4ufe, PR und Anatolia Sales. Dazu geh\u00f6rt auch der Reservierungsbereich, in dem ich gearbeitet habe. Wir hatten zwar unser eigenes B\u00fcro, jedoch war es direkt an das offene B\u00fcro der anderen Sales-Mitarbeiter angekn\u00fcpft. Dadurch konnten wir st\u00e4ndig in Verbindung bleiben und uns gegenseitig dar\u00fcber informieren, was bei uns vor sich ging.<\/p><p>Im Reservierungsbereich geh\u00f6hrten zu meinen T\u00e4tigkeiten haupts\u00e4chlich die Durchf\u00fchrung der Reservierungen von Agenturen, Firmen, Gruppen und die normaler Kunden. Ebenso war ich mitverantwortlich f\u00fcr die Telefonanrufe, u.a. dem Kundenservice per Telefon. Neben der Hauptt\u00e4tigkeiten k\u00fcmmerte ich mich um den Ausdruck der (bspw. Einnahmen-) Berichte, das Backup der Reservationen der darauf folgenden Tage und um die Kontrolle der monatlichen Rechnungen der Agenturen, um einen Zahlungs\u00fcberschuss der Kommissionen zu vermeiden. Au\u00dferdem arbeitete ich mit der Revenue Managerin zusammen, welche zugleich die Reservierungsabteilung leitet. T\u00e4glich und vorausschauend verglich ich die Preise unseres Hotels mit denen der Konkurrenzhotels. Zusammen mit der Revenue Managerin haben wir unsere Preise dementsprechend entweder angehoben oder gesenkt. Zwischendurch kontrollierten wir gemeinsam die t\u00e4glichen Einnahmen des Hotels und ob diese zu dem Monatsziel f\u00fchrten.<\/p><p><em>3. Welche Erwartungen hatten Sie an Ihr Praktikum in der T\u00fcrkei? Haben sich diese Erwartungen erf\u00fcllt?<\/em><br \/> Meine Erwartungen an das Praktikum bez\u00fcglich meiner sprachlichen Kompetenzen haben sich weitgehend erf\u00fcllt. Im Laufe des Praktikums konnte ich zun\u00e4chst keine Verbesserung meiner Sprachf\u00e4higkeiten bewusst erkennen. Gegen Ende des Praktikums hingegen bekam ich h\u00e4ufig positive R\u00fcckmeldung und mir wurde zugeredet, dass ich deutlich freier und flie\u00dfender T\u00fcrkisch spr\u00e4che, als am Anfang des Praktikums. R\u00fcckblickend fiel mir ebenso mein selbstbewusster gewordenes Auftreten auf (zu dem h\u00f6chstwahrscheinlich das freiere Sprechen beigetragen hat).<\/p><p>Neben der Verbesserung meiner sprachlichen F\u00e4higkeiten, konnte ich auch entsprechend meiner restlichen Erwartungen, einen guten Einblick in die Tourismusbranche in der T\u00fcrkei bekommen. Anhand des Praktikums erlebte ich mit, unter welchen Konditionen und Bedingungen die Angestellten (\u00fcberwiegend die Arbeitsverh\u00e4ltnisse des Sales und Marketing Teams) arbeiten. Ebenso konnte ich mir einen Eindruck von der Hierarchie im Sales-Bereich und der Atmosph\u00e4re unter den Mitarbeitern aus unterschiedlichen Bereichen verschaffen.<\/p><p>Schlie\u00dflich erlebte ich durch den Auslandsaufenthalt das Alltags- und Arbeitsleben in der T\u00fcrkei. Zuvor hatte ich mein Heimatland nur aus der Urlauberperspektive gekannt, aber keine Vorstellung davon gehabt, wie es sich dort \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum leben l\u00e4sst und was anders ist, als das allt\u00e4gliche Leben in Deutschland. Gegen Ende meines Praktikums konnte ich abw\u00e4gen, welche Vor- und Nachteile das Alltags- und Arbeitsleben in der T\u00fcrkei und in Deutschland bieten.<\/p><p><strong>Reflexion Interkultureller Situationen:<\/strong><\/p><p><em>4. Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben Sie als T\u00fcrkeist\u00e4mmige\/r aus Deutschland in ihrer Heimat-und Gastkultur entdecken k\u00f6nnen? Gab es Verhaltensweisen, die Ihnen fremd waren?<\/em><br \/> Bevor ich Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen T\u00fcrken in Deutschland und denen in der T\u00fcrkei nenne, m\u00f6chte ich folgendes erw\u00e4hnen: Es fiel mir interessanterweise deutlich schwerer, die Gemeinsamkeiten zu finden, als die Unterschiede. Das liegt wahrscheinlich daran, dass Unterschiede auffallen und Gemeinsamkeiten eher nicht (bis man aktiv nach ihnen sucht), da sie als selbstverst\u00e4ndlich gesehen werden.<\/p><p>Nun zu den Gemeinsamkeiten: Mir ist im Nachhinein erst bewusst geworden, dass Bildung und v.a. die berufliche Karriere (bei den meisten) in der t\u00fcrkischen Gesellschaft einen gleich hohen Stellenwert haben und f\u00fcr das pers\u00f6nliche Profil von Bedeutung sind. Zudem wird neben der Arbeit, viel Wert auf das Privat- & Sozialleben gelegt und ein \u00e4hnliches Verst\u00e4ndnis von Freizeitgestaltung gepflegt. Des Weiteren haben viele Einwohner der T\u00fcrkei das starke Bed\u00fcrfnis danach, nach Europa (z.B. nach Deutschland) auszuwandern und dort eine neue Existenz zu gr\u00fcnden, w\u00e4hrend ironischerweise t\u00fcrkischst\u00e4mmige Deutsche sich nach dem Leben in der T\u00fcrkei sehnen. Folglich ist ein Gro\u00dfteil beider Seiten nicht vollkommen zufrieden mit seinem Wohnort.<\/p><p>Die Liste der Unterschiede ist deutlich l\u00e4nger, als die der Gemeinsamkeiten, wobei es durchaus m\u00f6glich ist, dass mir einige Gemeinsamkeiten noch gar nicht bewusst sind. Am \u00fcberraschendsten fand ich den Unterschied, dass T\u00fcrkeieinwohner eine lockerere Einstellung gegen\u00fcber typischen Diskussionsthemen zwischen Eltern und ihren jugendlichen Kindern, wie z.B. dem Alkoholkonsum, dem Ausgehen zu sp\u00e4ten Zeiten, Partys, Beziehungen etc. haben. T\u00fcrkischst\u00e4mmige Eltern in Deutschland sind bei diesen Themen deutlich strenger, was nicht nur meine Familie betrifft, sondern auch die Familien meiner Freunde und meines Umfelds. Wir alle waren erstaunt, als wir in der T\u00fcrkei miterlebten, welche Freiheiten unsere Cousins, Cousinen und deren Freunde diesbez\u00fcglich haben. T\u00fcrken in Deutschland (und das betrifft v.a. Erwachsene mittleren Alters) versuchen, an den Traditionen, die sie bspw. als Kind oder Jugendliche damals in ihrem Elternhaus in der T\u00fcrkei erlebt und gelernt haben, aufrecht zu erhalten. Grund daf\u00fcr ist die Angst, ihre urspr\u00fcngliche Kultur zu verlieren und sie dadurch nicht mehr an unsere Generation weitergeben zu k\u00f6nnen. Den Gedanken weiterf\u00fchrend, bef\u00fcrchten sie, dass diese Kultur unter den in Deutschland lebenden T\u00fcrken, in Vergessenheit ger\u00e4t. Die in der T\u00fcrkei lebenden T\u00fcrken hingegen bem\u00fchen sich darum, sich der europ\u00e4ischen Lebensweise anzupassen und alte Traditionen der t\u00fcrkischen Kultur abzulegen. Dabei muss ich erw\u00e4hnen, dass dies kaum auf die \u00e4lteren Generationen (Rentner) zutrifft, bei denen die in Deutschland und die in der T\u00fcrkei, noch an alten Traditionen festhalten. Ebenso wenig betrifft es die j\u00fcngere (meine) Generation, bei denen beide versuchen, alte Traditionen abzulegen.<\/p><p>Au\u00dferdem war ich \u00fcberrascht, als mich am Praktikumsplatz viele, die ich nicht kannte, beim Namen kannten und von meinem Praktikum Bescheid wussten. Dadurch stellte ich fest, dass in der T\u00fcrkei \u2013 ob am Arbeitsplatz oder in der Nachbarschaft \u2013 dem Einzelnen bzw. anderen Personen, mehr Aufmerksamkeit geschenkt und ihnen gegen\u00fcber Interesse gezeigt wird. Es ist dort schwerer in der \u201eMasse\u201c unterzutauchen, auch wenn es sich um eine Gro\u00dfstadt wie Istanbul handelt. Dass es in Deutschland anders ist, habe ich an mir selbst gemerkt, denn ich schenkte anderen Mitarbeitern, mit denen ich kaum etwas zu tun hatte, im Einzelnen kaum Beachtung. Stattdessen widmete ich meine volle Aufmerksamkeit nur den Mitarbeitern, mit denen ich h\u00e4ufig zusammen war.<\/p><p>Schlie\u00dflich fand ich es zu Beginn des Praktikums sehr gew\u00f6hnungsw\u00fcrdig, dass Verkehrsregeln viel weniger umgesetzt werden und die P\u00fcnktlichkeit in der T\u00fcrkei eine geringere Relevanz hat, als in Deutschland. In der T\u00fcrkei gingen die Ortsans\u00e4ssigen nicht nur mit dem Stra\u00dfenverkehr lockerer um, sondern auch mit ihrer eigenen Gesundheit. Ich habe letztlich auch gemerkt, dass wir deutschen Einwohner (vergleichsweise mit denen der T\u00fcrkei) sehr penibel mit gesundheitlichen Beschwerden umgehen. Wir gehen bspw. viel \u00f6fter zum Arzt, ob wegen einer Krankheit oder nur zur Vorsorge oder Kontrolle, denn wir vertrauen am meisten den \u00c4rzten. H\u00e4ufig schockierte es mich, wie selten viele Ortsans\u00e4ssige zum Arzt gehen, obwohl sie ernsthafte gesundheitliche Probleme hatten. Mit der dortigen Kultur hat diese Verhaltensweise insofern zu tun, dass viele sich auf traditionelle Heilmethoden verlassen, die sie von ihren Eltern und Gro\u00dfeltern gelernt haben.<\/p><p><em>5. Schildern Sie ein irritierendes Ereignis. Haben Sie daf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung? Denken Sie an das Interkulturelle Training f\u00fcr m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze.<\/em><br \/> Ich bin bisher oft in der T\u00fcrkei gewesen (jedes Jahr einmal), da ein Gro\u00dfteil meiner Familie dort lebt. Da ich immer nur innerhalb des Familienkreises blieb, schob ich zum einen einige Eigenschaften, die kulturell unterschiedlich sind, auf deren Charakter. Au\u00dferdem kannte ich bereits einige kulturelle Unterschiede und hatte somit die M\u00f6glichkeit, mich mental auf sie vorzubereiten. Beim Praktikumsplatz hat mich dann eine Eigenschaft doch \u00fcberrascht und eine irritierte Reaktion bei mir ausgel\u00f6st. Die Mitarbeiter pflegen (innerhalb der B\u00fcros, in dem Falle innerhalb des Departments) ein sehr vertrautes und famili\u00e4res Verh\u00e4ltnis untereinander; sie wissen viel Privates \u00fcbereinander und reden sehr offen dar\u00fcber. Diese Offenheit und direkte Art, erstaunte mich zu Beginn. Denn diese Verhaltensweise kannte ich zwar von meiner Familie, aber nicht vom professionellen, beruflichen Umfeld. Besonders irritiert reagierte ich, als ich schlie\u00dflich selbst \u00fcber Privates \u201eausgefragt\u201c wurde, was mir vorerst unangenehm und zu direkt war. Im Interkulturellen Training hatten wir gelernt und dar\u00fcber diskutiert, dass Menschen Sitten, Verhaltensweisen, Werte und Normen ihrer eigenen Kultur so sehr verinnerlichen, dass diese ihnen \u201enormal\u201c und als selbstverst\u00e4ndlich erscheinen. Wenn sie mit Verhaltensweisen anderer Personen konfrontiert werden, seien sie irritiert und das \u201eFremde\u201c wirke auf sie anormal und vielleicht sogar falsch. Wir nannten diese Einstellung, die sog. \u201erosa Brille der Kultur\u201c. Folglich, um diesen Erkl\u00e4rungsansatz wieder auf mich zu beziehen, erschien mir die Direktheit zun\u00e4chst aufdringlich und ich f\u00fchlte mich sozusagen in die Ecke gedr\u00e4ngt. Und ebenso wie ich verwirrt war, wirkte ich h\u00f6chstwahrscheinlich sehr sch\u00fcchtern oder verklemmt auf mein Gegen\u00fcber. Mit der Zeit gew\u00f6hnte ich mich an die Offenheit bzw. Verhaltensweise und Umgangsweise. Ich bin sogar der Meinung, dass ich diese Offenheit teilweise \u00fcbernommen habe.<\/p><p><em>6. Wie gestaltete sich Ihr Kontakt zu Ortsans\u00e4ssigen?<\/em><br \/> Den gesamten Auslandsaufenthalt \u00fcber gestaltete sich der Kontakt zu Ortsans\u00e4ssigen sehr famili\u00e4r. Der Gro\u00dfteil empfing mich mit weit aufgeschlossenen Armen. Die Leute, mit denen ich gr\u00f6\u00dftenteils zu tun hatte, setzen die Priorit\u00e4t auf die Gesicht-zu-Gesicht-Kommunikation. Daher habe ich kaum mit jemandem per WhatsApp, SMS oder Telefon kommuniziert. Stattdessen traf ich mich mit allen privat und wir unternahmen viel miteinander. Folglich konnte ich zu den Ortsans\u00e4ssigen innerhalb k\u00fcrzester Zeit ein vertrautes und freundschaftliches Verh\u00e4ltnis aufbauen.<\/p><p><em>7. Schildern Sie bitte ein spannendes oder sch\u00f6nes Ereignis, das sich durch den Kulturaustausch ergab.<\/em><br \/> In den ersten Tagen meines Praktikums bin ich im Umgang mit den anderen Mitarbeitern vorsichtig gewesen und war etwas zur\u00fcckhaltender. Dann beobachtete ich, dass z.B. der andere ortsans\u00e4ssige Praktikant, mit dem ich die Pausen verbrachte und der mir anfangs Vieles im Hotel zeigte, jeden einzelnen Mitarbeiter, dem wir begegneten, gr\u00fc\u00dfte und einen guten Arbeitstag w\u00fcnschte. Einige fragte er auch im Vorbeigehen, wie es ihnen ginge. Dies war ich nicht gewohnt, denn bisher gr\u00fc\u00dfte ich und unterhielt mich nur mit den Mitarbeitern, die mir vorgestellt wurden. Anderen schenkte ich h\u00f6chstens im Vorbeigehen ein freundliches L\u00e4cheln. In den folgenden Tagen \u00fcberwand ich mich schlie\u00dflich dazu, ebenfalls jeden einzelnen Mitarbeiter zu gr\u00fc\u00dfen und ihnen einen sch\u00f6nen Arbeitstag zu w\u00fcnschen. Pl\u00f6tzlich reagierten die Mitarbeiter ganz anders auf mich \u2013 es war wie eine Erleichterung. Sie l\u00e4chelten mich bei den n\u00e4chsten Begegnungen direkt an und unterhielten sich mehr mit mir: Viele fragten mich nach meinem Praktikum und versuchten, mich n\u00e4her kennen zu lernen. Diesen \u201esozialen Erfolg\u201c hatte ich dem kulturellen Austausch zu verdanken, welcher eher einseitig war, da nur ich eine Verhaltensweise der anderen Kultur adaptierte. Wohlm\u00f6glich gab es auch bestimmte Verhaltensweisen meiner Kultur, die von meinem Umfeld dort angenommen und vielleicht umgesetzt wurden. Jedoch habe ich h\u00f6chstwahrscheinlich nicht viel davon wahrgenommen, da ich diese Verhaltensweisen gewohnt bin und sie mir somit nicht besonders auffallen.<\/p><p><strong>Gesamtreflexion:<\/strong><\/p><p><em>8. Wie hat der Auslandsaufenthalt Ihren Blick auf Ihre pers\u00f6nliche Kultur ver\u00e4ndert? Tragen Sie Ihre interkulturellen Erfahrungen nach Ihrer R\u00fcckkehr mit in Ihren Alltag? Inwiefern beeinflussen sie Ihr Verhalten, Ihre Einstellung und Werte?<\/em><br \/> Der Auslandsaufenthalt hat mir einige Eigenschaften und Bestandteile meiner pers\u00f6nlichen Kultur ins Bewusstsein gerufen. Ich habe wie bereits erw\u00e4hnt festgestellt, dass die Leute meiner Kultur anderen gegen\u00fcber distanzierter und etwas verschlossener sind. Eine Eigenschaft, die ich nicht als schlecht verurteilen m\u00f6chte, denn diese Umgangsweise dient v.a. dem Schutz der eigenen Privatsph\u00e4re und wirkt gleichzeitig h\u00f6flich beim Gegen\u00fcber. Da ich mich jedoch an die offene Umgangsweise in der T\u00fcrkei gew\u00f6hnt habe, f\u00e4llt mir seit meiner R\u00fcckkehr nach Deutschland, diese Distanziertheit negativ auf. Um diesen Charakterzug zumindest f\u00fcr mich aufrechtzuerhalten, habe ich ihn in meiner eigenen Kultur \u00fcbernommen und versuche ihn so gut es geht, in meinen Alltag einzubringen.<\/p><p>Auf der anderen Seite hat der Auslandsaufenthalt mir Werte und Einstellungen meiner pers\u00f6nlichen Kultur n\u00e4her gebracht, wie z.B. Disziplin, P\u00fcnktlichkeit und den unerm\u00fcdlichen Fokus auf ein hochgestecktes Ziel. Meine pers\u00f6nliche Kultur ist deutlich karriere-orientierter, w\u00e4hrend die dortige Kultur familienorientierter ist.<\/p><p><em>9. Inwiefern hat der Auslandsaufenthalt Ihre interkulturelle Kompetenz gef\u00f6rdert?<\/em><br \/> Meine interkulturelle Kompetenz hat der Auslandsaufenthalt insofern gef\u00f6rdert, dass er mir die Gelegenheit bot, die im Interkulturellen Training angeeigneten Skills, in der Praxis anzuwenden. Demnach konnte ich mich f\u00fcr die Unterschiede zwischen den Kulturen sensibilisieren und das Handeln der Ortsans\u00e4ssigen besser nachvollziehen. Ich ging w\u00e4hrend des Auslandsaufenthaltes mit Alltagssituationen, in denen beide Kulturen miteinander konfrontiert wurden und in ein Konflikt zu geraten drohten, immer geschickter um. Schlie\u00dflich konnte ich gegen Ende des Auslandsaufenthaltes so gut mit solchen Situationen umgehen, dass weder mir noch meinem Gegen\u00fcber, die Kulturunterschiede kaum auffielen. Das lag zum Teil an meiner \u201epartiellen\u201c Anpassung und an der \u00dcbertragung von einigen kulturellen Eigenschaften der Ortsans\u00e4ssigen, in meine eigene Kultur. Man k\u00f6nnte hier einwenden, dass nicht von interkultureller Kompetenz, sondern von (passiver) Anpassung die Rede ist; ich habe jedoch festgestellt, dass man zwischen passiver Anpassung (der \u201evollst\u00e4ndigen\u201c \u00dcbernahme einer Kultur) und der Aneignung interkultureller Kompetenzen durch eine bewusste Kombination der eigenen mit der fremden Kultur, unterscheiden muss. Denn bei Zweiterem ist man sich der Kulturdifferenzen und Gemeinsamkeiten bewusst und sucht nach L\u00f6sungswegen, anhand derer man beide Kulturen gut miteinander vereinbaren kann.<\/p><p><em>10. Inwiefern hat das Praktikum Ihre (Fach-)sprachlichen Kenntnisse gef\u00f6rdert?<\/em><br \/> Das Praktikum hat dadurch, dass ich ihn im Ausland absolviert habe, meine fremdsprachlichen Kenntnisse in der Fach- und Umgangssprache gef\u00f6rdert. Anhand der Arbeit im B\u00fcro kommunizierte ich permanent auf T\u00fcrkisch mit den Mitarbeitern und mit den Kunden am Telefon. Und da unser Reservierungsb\u00fcro direkt mit dem der Sales-Mitarbeiter verbunden war, bekam ich viel von ihnen mit und konnte durch blo\u00dfes Zuh\u00f6ren, sprachlich vieles mitnehmen und lernen. Im Laufe der Zeit erweiterte ich mein fachsprachliches Vokabular und sprach immer flie\u00dfender und freier. Auch mit den Kunden am Telefon kommunizierte ich geschickter und redete durch meine gr\u00f6\u00dfere Sprachsicherheit deutlich gewandter. Zus\u00e4tzlich erweiterte ich dank Kommunikation mit internationalen Kunden, mein englisches fachsprachliches Vokabular und meine englischen Sprachf\u00e4higkeiten.<\/p><p>Neben der Fachsprache eignete ich mir die t\u00fcrkische Umgangssprache an. Oft unterhielten sich meine Familienmitglieder und mein dortiger Bekanntenkreis famili\u00e4rer, als am Praktikumsplatz. So hatte ich die Gelegenheit, mir Redewendungen anzueignen, die Ortsans\u00e4ssige h\u00e4ufig in ihrer Freizeit verwenden, aber normalerweise nie am Arbeitsplatz. Zusammengefasst war das Praktikum eine gro\u00dfe Bereicherung f\u00fcr meine fremd- und fachsprachlichen Kenntnisse und F\u00e4higkeiten.<\/p><p><em>11. Wenn Sie jetzt zur\u00fcckblicken: Welche Vorteile hat Ihnen die Teilnahme am Roots-Programm f\u00fcr Ihren pers\u00f6nlichen und berufspraktischen Werdegang bieten k\u00f6nnen?<\/em><br \/> F\u00fcr meinen pers\u00f6nlichen und berufspraktischen Werdegang hat die Teilnahme am Roots-Programm einen wertvollen Beitrag geleistet. Zum einen konnte ich erste Erfahrungen in dem Berufsbereich, in den ich zuk\u00fcnftig einsteigen k\u00f6nnte, sammeln. Diese M\u00f6glichkeit hatte ich beispielsweise nicht in den Aushilfsberufen in meiner Abitur- und bisherigen Studienzeit. Im Praktikum hingegen durfte ich am eigenen Leib erfahren, wie es ist, im Sales und Marketing Department eines qualitativen Unternehmens zu arbeiten und lernte zudem verschiedene Bereiche des Departments kennen. Ich hatte einen Einblick in die Hierarchie des Departments und des gesamten Hotels und wie genau die Umgangsweise und der Kontakt bei den Mitarbeitern (v.a. von Position zu Position) untereinander gestaltet ist. Durch den engen Kontakt zu verschiedensten Mitarbeitern (von den Housekeeping-Mitarbeitern bis hin zu den Managern) hatte ich ein realistisches Bild von ihrer Zufriedenheit in ihrer Berufsposition und deren Vor- und Nachteilen. Derartige Eindr\u00fccke sind f\u00fcr mich von besonderem Vorteil, um f\u00fcr mich selbst abzuw\u00e4gen, wie zufrieden und gl\u00fccklich ich in der einen oder anderen Berufsposition w\u00e4re und ob diese zu meinem Charakter und Interessen passten. Zum Beispiel habe ich festgestellt, dass ich ungerne in einer Position arbeiten w\u00fcrde, in der ich nur im B\u00fcro s\u00e4\u00dfe. Stattdessen gefiele mir eine Position, in der ich hin und wieder im B\u00fcro arbeitete, aber gr\u00f6\u00dftenteils unterwegs w\u00e4re, mich mit Kunden tr\u00e4fe und Veranstaltungen organisierte (wie z.B. der Beruf der Banquet Sales Managerin). Ein Job, in dem ich Aufgaben ausf\u00fchrte, bei denen ich verschiedenste Leute pers\u00f6nlich kennen lernte. Charakterlich m\u00fcsste ich ebenfalls gewisse Eigenschaften aufweisen, um dieser Position oder auch der Position der Group Sales Managerin standzuhalten: Wer kein starkes Selbstbewusstsein, hohe Belastbarkeit, psychischen Druck und ein sehr hohes Verantwortungsbewusstsein aufweist, br\u00e4che schnell in diesem Beruf zusammen und w\u00e4re nicht in der Lage, das Unternehmen zu repr\u00e4sentieren. Des Weiteren half mir das Praktikum bei der Orientierung in Hinblick auf die Branche, in der ich zuk\u00fcnftig t\u00e4tig sein m\u00f6chte. Gerade in meinem Studiengang stehen viele Studierende einer sehr umfangreichen Auswahl an Branchen gegen\u00fcber und k\u00f6nnen sich schwer f\u00fcr eine entscheiden. So \u00e4hnlich geht es mir. Die Tourismus- und Hotelbranche ist eine, von mehreren Branchen, die mich schon immer gereizt haben. Anhand des Roots-Programms lernte ich sie erstmals n\u00e4her in einer Tourismus-Metropole, wie Istanbul, kennen. Ich habe nun ein ganz neues, vielseitigeres Bild von der Branche und mein Interesse wurde durch das Praktikum gest\u00e4rkt.<\/p><p>Schlie\u00dflich bereitete mich das Roots-Programm auf einen professionellen Aufenthalt in meinem urspr\u00fcnglichen Heimatsland vor und bot mir die Gelegenheit, ein Teil der dortigen Arbeitswelt zu sein. Neben dem Berufsleben, wei\u00df ich seit meinem Praktikum auch, wie das Alltagsleben dort abl\u00e4uft und unter welchen Lebensstandards Ortsans\u00e4ssige leben. W\u00e4hrend des interkulturellen Trainings und des Auslandsaufenthalts habe ich zudem gelernt, meine pers\u00f6nliche Kultur mit der Dortigen zu vereinbaren. Folglich kann ich f\u00fcr mich besser einsch\u00e4tzen, ob ich in der Lage w\u00e4re, in der T\u00fcrkei zu arbeiten sowie zu leben und wei\u00df, ob ich gl\u00fccklicher in Deutschland w\u00e4re oder nicht.<\/p><p>Zu guter Letzt ist ein besonderer Vorteil des Roots-Programms, dass ich relevante Kontakte in der Hotel- und Tourismusbranche der T\u00fcrkei kn\u00fcpfen und mir somit ein erstes berufliches und soziales Netzwerk aufbauen konnte.<\/p><p><em>12. Sonstige Bemerkungen, wie z.B. zur Betreuung durch das International Office, zum Sprachkurs oder Interkulturellen Training<\/em><br \/> Abschlie\u00dfend m\u00f6chte ich erw\u00e4hnen, dass das International Office und das zust\u00e4ndige B\u00fcro f\u00fcr die Kooperation mit der T\u00fcrkei, mich im Laufe des Roots-Programms gut betreut haben. Sie haben mir v.a. dabei geholfen, ein zu mir passendes Unternehmen zu finden, in dem ich mein Praktikum absolvieren konnte und unterst\u00fctzen mich mit viel Engagement bei meinem Bewerbungsprozess f\u00fcr das Praktikum. Dadurch eignete ich mir eine Methode an, mit der ich zuk\u00fcnftig vorgehen kann, wenn ich nach Praktikums- und Arbeitspl\u00e4tzen suche und mich f\u00fcr diese bewerbe.<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,342721,356669,368865,653,401755,58024],"tags":[125753,525315,21115,401755,525304,58024],"class_list":["post-3772","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-berichte","category-laender","category-outgoing","category-praktikum","category-roots","category-tuerkei","tag-bwl","tag-interkulturelle-erfahrungen","tag-istanbul","tag-roots","tag-sprachenlernen","tag-tuerkei"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3772","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9117"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3772"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3772\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3776,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3772\/revisions\/3776"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3773"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3772"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3772"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3772"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}