{"id":3760,"date":"2017-10-24T09:10:54","date_gmt":"2017-10-24T07:10:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/?p=3760"},"modified":"2022-06-14T22:47:36","modified_gmt":"2022-06-14T20:47:36","slug":"wirtschaftspraktikum-in-izmir-im-rahmen-des-roots-programms-der-universitaet-bremen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/2017\/10\/24\/wirtschaftspraktikum-in-izmir-im-rahmen-des-roots-programms-der-universitaet-bremen\/","title":{"rendered":"Wirtschaftspraktikum in Izmir im Rahmen des Roots-Programms der Universit\u00e4t Bremen"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><strong>Warum hatten Sie sich zum Roots-Praktikum angemeldet und was waren Ihre Erwartungen an das Programm? Welche Vorteile haben Sie f\u00fcr sich in diesem Programm gesehen?<\/strong><br \/>\nDas Roots-Programm der Universit\u00e4t Bremen erm\u00f6glicht Studierenden mit t\u00fcrkischer Abstammung ihre Sprachkenntnisse anhand von Bildungsm\u00f6glichkeiten zu festigen und zu erweitern. Abschlie\u00dfend wird es mit einem Zertifikat beendet. Da mein Ziel darin bestand, meine Kenntnisse in der t\u00fcrkischen Sprache zu professionalisieren, entschied ich mich dazu, dies anhand eines Auslandspraktikums w\u00e4hrend meiner Semesterferien zu erreichen. Zuvor besuchte ich das Seminar \u201aInterkulturelles Training des International Office\u2018, welches mich zus\u00e4tzlich motivierte und best\u00e4rkte, am Roots-Programm teilzunehmen.<\/p>\n<p>In Deutschland haben wir das gro\u00dfe Gl\u00fcck, von den verschiedensten Menschen aus unterschiedlichsten Kulturen umgeben zu sein. Diese Tatsache erkl\u00e4rt wahrscheinlich auch mein gro\u00dfes Interesse f\u00fcr andere L\u00e4nder, Sprachen und Kulturen. Das Lernen und Entdecken hat f\u00fcr mich einen sehr hohen Stellenwert, da wir von jeder Kultur etwas Positives sehen und lernen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der Grund meiner letztendlichen Entscheidung f\u00fcr das Roots-Praktikum war die Tatsache, dass ich meine eigene Kultur besser kennenlernen wollte. Meine Eltern kamen vor vielen Jahren als Einwanderer nach Deutschland und haben Teile der t\u00fcrkischen Kultur beibehalten, aber auch vieles aus der deutschen Kultur angenommen und in ihr Leben integriert. Die T\u00fcrkei war f\u00fcr mich immer ein Ort, an dem ich ein bis zwei Wochen Urlaub gemacht habe oder meine Familie besuchte. Jedoch blieb mir dir moderne Entwicklung der t\u00fcrkischen Kultur weitgehend fremd.<br \/>\nIch erhoffte mir w\u00e4hrend des Praktikums, einen tiefgr\u00fcndigeren Einblick in meine eigene Kultur und Herkunft zu erhalten und diese n\u00e4her kennenzulernen, indem ich in einem Zeitraum von zwei Monaten den t\u00fcrkischen Arbeitsalltag miterlebe. Zudem war ich davon \u00fcberzeugt, an dieser Herausforderung zu wachsen und zus\u00e4tzlich meine T\u00fcrkischkenntnisse, besonders im wirtschaftlichen Bereich, zu professionalisieren.<\/p>\n<p><strong>Beschreiben Sie kurz das Unternehmen\/ die Organisation in dem Sie Ihr Praktikum absolviert haben. Benennen Sie grob Ihre T\u00e4tigkeiten.<br \/>\n<\/strong>Das Praktikum absolvierte ich im Unternehmen Y\u00f6ntem Yeminli Mali M\u00fcsavirlik ve Ba\u011f\u0131ms\u0131z Denetim A.\u015e. \u00dcbersetzt man diesen Namen in die deutsche Sprache, versteht man darunter \u201eWirtschaftspr\u00fcfer und Pr\u00fcfungsgesellschaft\u201c. A.\u015e. bedeutet hierbei Anonim Sirket. Es ist die t\u00fcrkische Rechtsform der Aktiengesellschaft. Das Unternehmen besteht aus 12 Mitarbeitern, die mich alle sehr freundlich empfingen und sich bei mir vorstellten. Das Unternehmen ist au\u00dferdem ein Nexia International Mitglied, in dem weltweit unabh\u00e4ngige Wirtschaftspr\u00fcfungs- und Steuerberatungsgesellschaften vertreten sind. Die Mitglieder unterst\u00fctzen international t\u00e4tige Unternehmen und Privatpersonen bei ihren weltweiten Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten. Die Kunden sind vor allem aus den Sektoren Fisch, Textil und staatliche Unternehmen.<\/p>\n<p>Anfangs bestand meine Aufgabe darin, mich ausgiebig in das t\u00fcrkische Steuersystem einzuarbeiten, da sich das Unternehmen in erster Linie mit den Mehrwertsteuern der Kunden auseinandersetzt. Mehrwertsteuern werden in der T\u00fcrkei als KDV (Katma Deger Vergisi) bezeichnet und wurden erst im Jahr 1984 eingef\u00fchrt. Meine Hauptaufgabe war es, die Dokumente vorzubereiten und aufzustellen, um die anfallenden Mehrwertsteuern f\u00fcr die Exporte vom Staat zur\u00fcck zu verlangen. Dazu werden Berichte, wie beispielsweise der \u201aKar\u015f\u0131t Inceleme Tutana\u011f\u0131\u2019 , also dem \u201aGegenseitigen Untersuchungsbericht\u2018, oder auch der \u201aTasdik Raporu\u2018, f\u00fcr die R\u00fcckerstattung der Mehrwertsteuern, auf Grundlage der uns zugestellten Daten an das Gelir Idaresi Ba\u015fkanl\u0131\u011f\u0131 aufgestellt.<\/p>\n<p>Zudem geh\u00f6rte zu meinem Aufgabenbereich das Aufstellen von Berichten f\u00fcr die Sonderverbrauchssteuern. Diese werden im t\u00fcrkischen als \u00d6zel T\u00fcketim Vergisi (\u00d6TV) bezeichnet. Dieser Bericht gestaltete sich etwa wie der Mehrwertsteuerbericht. Anhand dieses Berichts kann das Finanzamt erkennen, dass die \u201aNicht-Zahlung\u2018 der Steuer gerechtfertigt ist.<\/p>\n<p><strong>Welche Erwartungen hatten Sie an Ihr Praktikum in der T\u00fcrkei? Haben sich diese Erwartungen erf\u00fcllt?<\/strong><br \/>\nZun\u00e4chst m\u00f6chte ich betonen, dass mir das Praktikum in der T\u00fcrkei sehr gut gefallen hat und es zudem die richtige Entscheidung war, die Zeit meiner Semesterferien in das Auslandspraktikum zu investieren. Ich war \u00fcberrascht, dass die Mitarbeiter und das Unternehmen insgesamt sehr freundlich und hilfsbereit waren. Mir wurden diverse Fragen zu unterschiedlichen Arbeitsabl\u00e4ufen jederzeit ausf\u00fchrlich und detailliert erkl\u00e4rt, da sich das t\u00fcrkische Steuersystem vom Deutschen unterscheidet und ich somit nicht mit allen Einzelheiten vertraut war. Besonders spannend und interessant waren die unterschiedlichen und vielf\u00e4ltigen Arbeitsbereiche, in denen ich eingearbeitet wurde und die meine Zeit in der T\u00fcrkei sehr abwechslungsreich gestaltet haben. Dar\u00fcber hinaus konnte ich mir einen sehr guten Einblick in die Aufgabenbereiche eines Wirtschaftspr\u00fcfers verschaffen. Somit wei\u00df ich zuk\u00fcnftig was mich erwartet, wenn ich mich f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit in diesem Bereich der Betriebswirtschaftslehre entscheiden sollte.<\/p>\n<p>Durch das Praktikum f\u00fchle ich mich selbstbewusster und sicherer im Umgang mit der t\u00fcrkischen Sprache. Durch viel Fachwissen im Bereich Steuern kann ich theoretisches Wissen, welches ich mir im Laufe meines Studiums angeeignet habe und weiterhin ausbauen werde, besser verstehen und leichter miteinander verkn\u00fcpfen. Ich kann mir durchaus vorstellen eine Zeit nach dem Studium im Ausland zu leben und zu arbeiten. Dabei w\u00fcrde ich mich jedoch nicht auf die T\u00fcrkei beschr\u00e4nken, sondern auch f\u00fcr andere L\u00e4nder mit anderen Sprachen offen sein.<br \/>\nIch bin letztlich sehr \u00fcberrascht und erfreut dar\u00fcber, in der T\u00fcrkei und vor allem in dem Unternehmen Y\u00f6ntem Yeminli Mali M\u00fcsavirlik ve Bagamsiz Denetim A.S. eine sehr sch\u00f6ne Zeit verbracht zu haben.<\/p>\n<p><strong>Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben Sie als T\u00fcrkeist\u00e4mmige\/r aus Deutschland in ihrer Heimat-und Gastkultur entdecken k\u00f6nnen? Gab es Verhaltensweisen, die Ihnen fremd waren?<\/strong><br \/>\nMein Praktikum in der T\u00fcrkei hat an einem Dienstag begonnen, weshalb ich am Montag frei hatte. Diesen Tag verbrachte ich im Unternehmen meiner Cousine und konnte ihn somit sinnvoll nutzen. In diesem Unternehmen sind mir bereits Unterschiede bez\u00fcglich meiner Kultur aufgefallen, welche sich auch im Unternehmen meines Praktikums widerspiegelten.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst ist mir die lockere Arbeitsatmosph\u00e4re aufgefallen. Der Arbeitstag beginnt regul\u00e4r um 9 Uhr morgens, was jedoch nicht hei\u00dft, dass zu dieser Uhrzeit mit der Arbeit begonnen wird. Viel eher treffen die Mitarbeiter ab 9 Uhr ein und Fr\u00fchst\u00fccken dann erst einmal gem\u00fctlich am B\u00fcroplatz. Auch in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Stra\u00dfe habe ich niemanden essen sehen. Anders sieht es bei uns in Deutschland aus, wo sich viele etwas beim B\u00e4cker kaufen und unterwegs fr\u00fchst\u00fccken, da die Zeit am Morgen fehlt.<\/p>\n<p>Unter anderem bringen Mitarbeiter ihre Kinder mit zur Arbeit, welche sich jedoch immer sehr ruhig und freundlich verhalten und den Arbeitsalltag nicht st\u00f6ren. Zudem ist mir die Pausenregelung stark aufgefallen, da es in der T\u00fcrkei keine streng abgegrenzten Mittagspausen gibt. W\u00e4hrend man in Deutschland in der Regel einen bestimmten Zeitrahmen f\u00fcr die Mittagspause vorgegeben bekommt, wird dies in der T\u00fcrkei selbstst\u00e4ndig von den Mitarbeitern entschieden und geregelt, sodass man keine vorgegebene Zeitangabe hat, sondern etwas essen geht und anschlie\u00dfend zu seinem Arbeitsplatz zur\u00fcckkehrt.<\/p>\n<p>Im Allgemeinen kann man festhalten, dass ein wesentlicher Unterschied in der Begrenzung bez\u00fcglich Pausen und Arbeitszeiten besteht. Jedoch ist es m\u00f6glich, dass dies auch in einigen deutschen Unternehmen der Fall ist, allerdings kann ich hier nur aus meinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen berichten. Das Unternehmen in dem ich gearbeitet habe, hatte eine eigene K\u00f6chin, die t\u00e4glich das Mittagessen f\u00fcr uns vorbereitet hat. Durch Nachfrage habe ich erfahren, dass dies in den meisten Unternehmen der Fall ist. Wenn es keine eigene K\u00f6chin oder keinen eigenen Koch im Unternehmen gibt, wird das Essen bestellt und vom Unternehmen bezahlt. Nat\u00fcrlich kann man hierbei nicht verallgemeinern und behaupten, dass jedes Unternehmen einen solchen Service bereitstellt. Jedoch war es f\u00fcr mich neu, da mir aus Deutschland nur bekannt war, dass man das Kantinenessen selber zahlen muss oder au\u00dfer Haus isst.<\/p>\n<p>Nach meinem eigenen Empfinden wirken die Menschen auf der Arbeit nicht so gestresst wie in Deutschland. Grund hierf\u00fcr ist meiner Meinung nach die lockere Arbeitsatmosph\u00e4re, die ich schon zuvor beschrieben habe. Die Leute haben wirklich gute Laune beim Arbeiten und lachen und unterhalten sich unbeschwert. Die Arbeit wird aber trotzdem p\u00fcnktlich und sorgf\u00e4ltig erledigt. Der Umgang der Mitarbeiter untereinander ist sehr freundschaftlich, ich habe mich direkt in die Gruppe integriert gef\u00fchlt.<\/p>\n<p><strong>Schildern Sie ein irritierendes Ereignis. Haben Sie daf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung? Denken Sie an das Interkulturelle Training f\u00fcr m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze.<\/strong><br \/>\nTats\u00e4chlich ergab sich eine Situation, die ich mit dem Interkulturellen Training in Verbindung bringen konnte. Das auf der rechten Seite abgebildete Handzeichen bedeutet in unserem Kulturkreis soviel wie \u201eOkay\u201c oder \u201eAlles prima\u201c. In der T\u00fcrkei gilt dieses Zeichen, welches f\u00fcr uns als gel\u00e4ufiges Zeichen bekannt ist, als eine obsz\u00f6ne Geste. Diese Geste hatte ich durch das Interkulturelle Training noch im Hinterkopf, jedoch wurde mir der Unterschied erst durch den Auslandaufenthalt richtig bewusst. Ich selber kam gl\u00fccklicherweise nicht in die unangenehme Situation, das Handzeichen an der falschen Stelle anzuwenden. Die unterschiedlichen Bedeutungen des gleichen Symbols waren auch meinen Arbeitskollegen bekannt, welche mir davon erz\u00e4hlten.<\/p>\n<p>Ein weiterer Unterschied, der mir erst durch das Auslandspraktikum deutlich wurde, ist die Tatsache, dass Zahlen im T\u00fcrkischen in einer anderen Reihenfolge ausgesprochen werden als im Deutschen. W\u00e4hrend man im Deutschen von hinten beginnt zu z\u00e4hlen, also \u201eein und zwanzig\u201c, wird im T\u00fcrkischen von vorne gez\u00e4hlt, also \u201ezwanzig und eins\u201c. Selbstverst\u00e4ndlich war mir das t\u00fcrkische Zahlensystem im Voraus bereits bekannt, allerdings hatte ich anfangs einige Schwierigkeiten und fand es irritierend, sodass mir das schnelle Aufschreiben von diktierten Zahlenfolgen nicht leicht fiel.<\/p>\n<p><strong>Wie gestaltete sich Ihr Kontakt zu Ortsans\u00e4ssigen?<\/strong><br \/>\nVon den Ortsans\u00e4ssigen wurde ich stets freundlich aufgenommen. Meine Freizeit habe ich meist mit Familienangeh\u00f6rigen verbracht, die in Izmir leben. Die Mitarbeiter haben mich auch direkt ins Unternehmen aufgenommen. Schon am ersten Arbeitstag wurde viel miteinander geredet und immer darauf geachtet, dass ich mich als \u201eneues Gruppenmitglied\u201c nicht ausgeschlossen f\u00fchle. Da ich mich in der Stadt noch nicht so gut auskannte, sind die Mitarbeiter gemeinsam mit mir nach Hause gefahren und haben mich freundlicherweise nicht alleine gelassen. Auch am Wochenende oder nach Feierabend habe ich gemeinsam mit den Mitarbeitern Zeit verbracht. Wir sind beispielsweise gemeinsam etwas Essen gegangen oder ans Meer gefahren. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich nie alleine oder ausgeschlossen gef\u00fchlt habe und es zudem nicht erwartet h\u00e4tte, so freundlich aufgenommen zu werden.<\/p>\n<p><strong>Schildern Sie bitte ein spannendes oder sch\u00f6nes Ereignis, das sich durch den Kulturaustausch ergab.<\/strong><br \/>\nAn einem Abend bin ich gemeinsam mit meiner Cousine zu einem sogenannten Dernek gegangen, was \u00fcbersetzt \u201eVerein\u201c bedeutet. Jedoch kann man diese Art von Verein nicht mit dem aus Deutschland vergleichen. In diesen Dernek kommen mehrere Leute zusammen und bringen sich, wie in unserem Fall, gegenseitig Dinge bei, die sie besonders gut k\u00f6nnen. Beispielsweise gibt es an einem Tag der Woche einen Gitarrenkurs oder auch verschiedene Tanzkurse.<\/p>\n<p>Am besagten Abend, an dem ich an so einem gemeinsamen Treffen teilgenommen habe, brachten sich die Anwesenden gegenseitig das Tangotanzen bei. Auch ich durfte mittanzen und lernte einige Grundschritte des Tangos. Meiner Meinung nach ist diese Art des Zeitvertreibes etwas sehr sch\u00f6nes, denn man kann seine Abende mit sinnvollen T\u00e4tigkeiten verbringen, anstatt den ganzen Abend zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen. Zudem bekommt man im allt\u00e4glichen Leben generell nicht die M\u00f6glichkeit oder die Motivation, einen Tangokurs oder andere Kurse zu besuchen. Besonders alleinstehende Leute profitieren von diesem Konzept, da sie ihre Abende in einer Gemeinschaft verbringen k\u00f6nnen und dabei etwas lernen. Aus Deutschland war mir diese Art eines Vereines noch nicht bekannt.<\/p>\n<p><strong>Wie hat der Auslandsaufenthalt Ihren Blick auf Ihre pers\u00f6nliche Kultur ver\u00e4ndert? Tragen Sie Ihre interkulturellen Erfahrungen nach Ihrer R\u00fcckkehr mit in Ihren Alltag? Inwiefern beeinflussen sie Ihr Verhalten, Ihre Einstellung und Werte?<\/strong><br \/>\nIch muss mir selber eingestehen, dass ich die T\u00fcrkei etwas falsch eingesch\u00e4tzt habe. Obwohl ich schon sehr oft in der T\u00fcrkei war, darunter besonders oft in Izmir, und selber T\u00fcrkin bin, hatte auch ich leider einige Vorurteile. Vor allem den Arbeitsalltag, darunter zum Beispiel die Arbeitskleidung, habe ich mir strenger vorgestellt. Mir graute es bei der Vorstellung, bei 40 Grad mit langer Kleidung zur Arbeit zu gehen. Schon am ersten Arbeitstag merkte ich aber, dass die Frauen kurze Kleider und Sandalen im B\u00fcro trugen. Der Umgang zwischen den Geschlechtern unterscheidet sich kaum von dem gewohnten Umgang in Deutschland. Leider habe auch ich mich von dem Bild verleiten lassen, die T\u00fcrkei als ein eher streng religi\u00f6ses Land zu betrachten, was jedoch auf die Stadt Izmir keinesfalls zutrifft. Die Menschen in Izmir habe ich immer als sehr weltoffen und hilfsbereit wahrgenommen. Auch hier habe ich wieder gelernt, dass man sich auf keinen Fall von Vorurteilen und einzelnen negativen Medienberichten beeinflussen lassen sollte. Ich hatte w\u00e4hrend meines Aufenthaltes das Gef\u00fchl, dass Geld nicht einen so hohen Stellenwert f\u00fcr die Menschen hat, wie ich es beispielsweise aus Deutschland gewohnt bin. W\u00e4hrend ich in Deutschland von allen Seiten den Druck versp\u00fcre, immer mehr zu leisten, um immer mehr zu erreichen, habe ich in der T\u00fcrkei das Gef\u00fchl vermittelt bekommen, eher f\u00fcr den Tag zu leben. Auf Dauer ist diese Sicht auf das Leben sicher auch die ges\u00fcndere, da viele Leute in Deutschland an Burnout leiden. Inwiefern hat der Auslandsaufenthalt Ihre interkulturelle Kompetenz gef\u00f6rdert? Ich w\u00fcrde mich selber als eine Person beschreiben, die andere Leute erst einmal kennenlernt, bevor sie ein Urteil \u00fcber diese f\u00e4llt. Durch das Auslandspraktikum wurde mir aber noch einmal deutlich, Leute nicht aufgrund ihrer Herkunft zu kategorisieren. Leider neigen wir Menschen oft dazu, andere Menschen auf Grundlage unzureichender Informationen zu verurteilen. Diese schlechte Eigenschaft wird durch Medienberichte und einzelne negative Vorf\u00e4lle verst\u00e4rkt. Dabei ist nicht nur zu erw\u00e4hnen, dass ich kleine Vorurteile hatte, denn auch die Mitarbeiter stellten mir absurde Fragen, wie \"Wird Hitler in Deutschland verehrt?\". Ich bin sehr erfreut dar\u00fcber, dass ich meine interkulturellen Kompetenzen durch das Auslandspraktikum verbessern und f\u00f6rdern konnte, denn ein respektvolles und freundliches Miteinander zwischen den verschiedenen Kulturen sollte niemals vernachl\u00e4ssigt werden.<\/p>\n<p><strong>Inwiefern hat das Praktikum Ihre (Fach-)sprachlichen Kenntnisse gef\u00f6rdert?<\/strong><br \/>\nSchon vor dem Auslandsaufenthalt hatte ich relativ gute T\u00fcrkischkenntnisse, da ich die Sprache als zweite Muttersprache seit meiner Kindheit beherrsche. Jedoch war mein T\u00fcrkisch nur f\u00fcr den allt\u00e4glichen Gebrauch und nicht f\u00fcr das Berufsleben ausreichend. Gerade wirtschaftst\u00fcrkische Begriffe waren mir bis vor meinem Auslandsaufenthalt unbekannt. Man muss hierbei aber auch erw\u00e4hnen, dass mir einige relevante betriebswirtschaftliche Begriffe im Deutschen vor meinem Studium nicht bekannt waren. Die neu erworbenen Worte w\u00e4hrend des Praktikums konnte ich mir durch den t\u00e4glichen Gebrauch im B\u00fcro z\u00fcgig einpr\u00e4gen. Ich bin mir sicher, dass ich mir durch mein zus\u00e4tzlich angeeignetes Wissen eine gute Grundlage geschaffen habe, um in meinem sp\u00e4teren Berufsleben mit Unternehmen aus der T\u00fcrkei zu arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie jetzt zur\u00fcckblicken: Welche Vorteile hat Ihnen die Teilnahme am Roots- Programm f\u00fcr Ihren pers\u00f6nlichen und berufspraktischen Werdegang bieten k\u00f6nnen?<\/strong><br \/>\nDurch das Roots-Programm habe ich die M\u00f6glichkeit bekommen, meinen sprachlichen Vorteil als \"Br\u00fcckenmensch\" auszuweiten und besonders im wirtschaftlichen Bereich erheblich zu verbessern. Dar\u00fcber hinaus habe ich einen Einblick in den beruflichen Alltag eines Betriebswirten in einem anderen Land erhalten. Das Roots-Programm hat mir gezeigt, dass einem diverse Aussichten und M\u00f6glichkeiten geboten werden, im Ausland t\u00e4tig zu sein und zu arbeiten. Ohne Unterst\u00fctzung h\u00e4tte ich wahrscheinlich nicht den Mut gehabt, diesen Schritt zu wagen. R\u00fcckblickend kann ich mir durchaus vorstellen, in Zukunft in der T\u00fcrkei oder in einem anderen Land f\u00fcr einige Jahre oder auch dauerhaft t\u00e4tig zu sein.<\/p>\n<p><strong>Sonstige Bemerkungen, wie z.B. zur Betreuung durch das International Office, zum Sprachkurs oder Interkulturellen Training<\/strong><br \/>\nIch finde es sehr beeindruckend, dass Studierende durch Seminare, wie dem Interkulturellen Training, die Chance bekommen, andere Kulturen n\u00e4her kennenzulernen und zu verstehen. Besonders die Tatsache \u201eWas f\u00fcr mich richtig ist, muss nicht f\u00fcr andere richtig sein\u201c ist mir hierbei im Ged\u00e4chtnis geblieben und hat meine Sicht auf Menschen aus anderen Kulturkreisen zus\u00e4tzlich erweitert. Wie bereits erw\u00e4hnt, werden Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen durch die Globalisierung immer weiter vernetzt. Hierbei ist es wichtig, dass Programme wie das Roots- Programm, das Interkulturelle Training und viele weitere, den Studierenden eine M\u00f6glichkeit bieten, ihr Wissen auszuweiten und anzuwenden.<br \/>\nDas International Office stand mir bei offenen Fragen immer zur Verf\u00fcgung und hat mich \u00fcber weitere M\u00f6glichkeiten informiert, die mir im Rahmen meines Studiums zur Weiterbildung geboten werden.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_map_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_pb_map_container\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_map\" data-center-lat=\"38.423734\" data-center-lng=\"27.142826000000014\" data-zoom=\"9\" data-mouse-wheel=\"on\" data-mobile-dragging=\"on\"><\/div>\n\t\t\t\t <div class=\"et_pb_map_pin\" data-lat=\"38.423734\" data-lng=\"27.142826000000014\" data-title=\"\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div> \n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_post_nav_0 et_pb_posts_nav nav-single et_block_module\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":9117,"featured_media":3762,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p><strong>Warum hatten Sie sich zum Roots-Praktikum angemeldet und was waren Ihre Erwartungen an das Programm? 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Diese Tatsache erkl\u00e4rt wahrscheinlich auch mein gro\u00dfes Interesse f\u00fcr andere L\u00e4nder, Sprachen und Kulturen. Das Lernen und Entdecken hat f\u00fcr mich einen sehr hohen Stellenwert, da wir von jeder Kultur etwas Positives sehen und lernen k\u00f6nnen.<\/p><p>Der Grund meiner letztendlichen Entscheidung f\u00fcr das Roots-Praktikum war die Tatsache, dass ich meine eigene Kultur besser kennenlernen wollte. Meine Eltern kamen vor vielen Jahren als Einwanderer nach Deutschland und haben Teile der t\u00fcrkischen Kultur beibehalten, aber auch vieles aus der deutschen Kultur angenommen und in ihr Leben integriert. Die T\u00fcrkei war f\u00fcr mich immer ein Ort, an dem ich ein bis zwei Wochen Urlaub gemacht habe oder meine Familie besuchte. Jedoch blieb mir dir moderne Entwicklung der t\u00fcrkischen Kultur weitgehend fremd.<br \/> Ich erhoffte mir w\u00e4hrend des Praktikums, einen tiefgr\u00fcndigeren Einblick in meine eigene Kultur und Herkunft zu erhalten und diese n\u00e4her kennenzulernen, indem ich in einem Zeitraum von zwei Monaten den t\u00fcrkischen Arbeitsalltag miterlebe. Zudem war ich davon \u00fcberzeugt, an dieser Herausforderung zu wachsen und zus\u00e4tzlich meine T\u00fcrkischkenntnisse, besonders im wirtschaftlichen Bereich, zu professionalisieren.<\/p><p><strong>Beschreiben Sie kurz das Unternehmen\/ die Organisation in dem Sie Ihr Praktikum absolviert haben. Benennen Sie grob Ihre T\u00e4tigkeiten.<\/strong><br \/> Das Praktikum absolvierte ich im Unternehmen Y\u00f6ntem Yeminli Mali M\u00fcsavirlik ve Ba\u011f\u0131ms\u0131z Denetim A.\u015e. \u00dcbersetzt man diesen Namen in die deutsche Sprache, versteht man darunter \u201eWirtschaftspr\u00fcfer und Pr\u00fcfungsgesellschaft\u201c. A.\u015e. bedeutet hierbei Anonim Sirket. Es ist die t\u00fcrkische Rechtsform der Aktiengesellschaft. Das Unternehmen besteht aus 12 Mitarbeitern, die mich alle sehr freundlich empfingen und sich bei mir vorstellten. Das Unternehmen ist au\u00dferdem ein Nexia International Mitglied, in dem weltweit unabh\u00e4ngige Wirtschaftspr\u00fcfungs- und Steuerberatungsgesellschaften vertreten sind. Die Mitglieder unterst\u00fctzen international t\u00e4tige Unternehmen und Privatpersonen bei ihren weltweiten Gesch\u00e4ftsaktivit\u00e4ten. Die Kunden sind vor allem aus den Sektoren Fisch, Textil und staatliche Unternehmen.<\/p><p>Anfangs bestand meine Aufgabe darin, mich ausgiebig in das t\u00fcrkische Steuersystem einzuarbeiten, da sich das Unternehmen in erster Linie mit den Mehrwertsteuern der Kunden auseinandersetzt. Mehrwertsteuern werden in der T\u00fcrkei als KDV (Katma Deger Vergisi) bezeichnet und wurden erst im Jahr 1984 eingef\u00fchrt. Meine Hauptaufgabe war es, die Dokumente vorzubereiten und aufzustellen, um die anfallenden Mehrwertsteuern f\u00fcr die Exporte vom Staat zur\u00fcck zu verlangen. Dazu werden Berichte, wie beispielsweise der \u201aKar\u015f\u0131t Inceleme Tutana\u011f\u0131\u2019 , also dem \u201aGegenseitigen Untersuchungsbericht\u2018, oder auch der \u201aTasdik Raporu\u2018, f\u00fcr die R\u00fcckerstattung der Mehrwertsteuern, auf Grundlage der uns zugestellten Daten an das Gelir Idaresi Ba\u015fkanl\u0131\u011f\u0131 aufgestellt.<\/p><p>Zudem geh\u00f6rte zu meinem Aufgabenbereich das Aufstellen von Berichten f\u00fcr die Sonderverbrauchssteuern. Diese werden im t\u00fcrkischen als \u00d6zel T\u00fcketim Vergisi (\u00d6TV) bezeichnet. Dieser Bericht gestaltete sich etwa wie der Mehrwertsteuerbericht. Anhand dieses Berichts kann das Finanzamt erkennen, dass die \u201aNicht-Zahlung\u2018 der Steuer gerechtfertigt ist.<\/p><p><strong>Welche Erwartungen hatten Sie an Ihr Praktikum in der T\u00fcrkei? Haben sich diese Erwartungen erf\u00fcllt?<\/strong><br \/> Zun\u00e4chst m\u00f6chte ich betonen, dass mir das Praktikum in der T\u00fcrkei sehr gut gefallen hat und es zudem die richtige Entscheidung war, die Zeit meiner Semesterferien in das Auslandspraktikum zu investieren. Ich war \u00fcberrascht, dass die Mitarbeiter und das Unternehmen insgesamt sehr freundlich und hilfsbereit waren. Mir wurden diverse Fragen zu unterschiedlichen Arbeitsabl\u00e4ufen jederzeit ausf\u00fchrlich und detailliert erkl\u00e4rt, da sich das t\u00fcrkische Steuersystem vom Deutschen unterscheidet und ich somit nicht mit allen Einzelheiten vertraut war. Besonders spannend und interessant waren die unterschiedlichen und vielf\u00e4ltigen Arbeitsbereiche, in denen ich eingearbeitet wurde und die meine Zeit in der T\u00fcrkei sehr abwechslungsreich gestaltet haben. Dar\u00fcber hinaus konnte ich mir einen sehr guten Einblick in die Aufgabenbereiche eines Wirtschaftspr\u00fcfers verschaffen. Somit wei\u00df ich zuk\u00fcnftig was mich erwartet, wenn ich mich f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit in diesem Bereich der Betriebswirtschaftslehre entscheiden sollte.<\/p><p>Durch das Praktikum f\u00fchle ich mich selbstbewusster und sicherer im Umgang mit der t\u00fcrkischen Sprache. Durch viel Fachwissen im Bereich Steuern kann ich theoretisches Wissen, welches ich mir im Laufe meines Studiums angeeignet habe und weiterhin ausbauen werde, besser verstehen und leichter miteinander verkn\u00fcpfen. Ich kann mir durchaus vorstellen eine Zeit nach dem Studium im Ausland zu leben und zu arbeiten. Dabei w\u00fcrde ich mich jedoch nicht auf die T\u00fcrkei beschr\u00e4nken, sondern auch f\u00fcr andere L\u00e4nder mit anderen Sprachen offen sein.<br \/> Ich bin letztlich sehr \u00fcberrascht und erfreut dar\u00fcber, in der T\u00fcrkei und vor allem in dem Unternehmen Y\u00f6ntem Yeminli Mali M\u00fcsavirlik ve Bagamsiz Denetim A.S. eine sehr sch\u00f6ne Zeit verbracht zu haben.<\/p><p><strong>Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede haben Sie als T\u00fcrkeist\u00e4mmige\/r aus Deutschland in ihrer Heimat-und Gastkultur entdecken k\u00f6nnen? Gab es Verhaltensweisen, die Ihnen fremd waren?<\/strong><br \/> Mein Praktikum in der T\u00fcrkei hat an einem Dienstag begonnen, weshalb ich am Montag frei hatte. Diesen Tag verbrachte ich im Unternehmen meiner Cousine und konnte ihn somit sinnvoll nutzen. In diesem Unternehmen sind mir bereits Unterschiede bez\u00fcglich meiner Kultur aufgefallen, welche sich auch im Unternehmen meines Praktikums widerspiegelten.<\/p><p>Zun\u00e4chst ist mir die lockere Arbeitsatmosph\u00e4re aufgefallen. Der Arbeitstag beginnt regul\u00e4r um 9 Uhr morgens, was jedoch nicht hei\u00dft, dass zu dieser Uhrzeit mit der Arbeit begonnen wird. Viel eher treffen die Mitarbeiter ab 9 Uhr ein und Fr\u00fchst\u00fccken dann erst einmal gem\u00fctlich am B\u00fcroplatz. Auch in \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln oder auf der Stra\u00dfe habe ich niemanden essen sehen. Anders sieht es bei uns in Deutschland aus, wo sich viele etwas beim B\u00e4cker kaufen und unterwegs fr\u00fchst\u00fccken, da die Zeit am Morgen fehlt.<\/p><p>Unter anderem bringen Mitarbeiter ihre Kinder mit zur Arbeit, welche sich jedoch immer sehr ruhig und freundlich verhalten und den Arbeitsalltag nicht st\u00f6ren. Zudem ist mir die Pausenregelung stark aufgefallen, da es in der T\u00fcrkei keine streng abgegrenzten Mittagspausen gibt. W\u00e4hrend man in Deutschland in der Regel einen bestimmten Zeitrahmen f\u00fcr die Mittagspause vorgegeben bekommt, wird dies in der T\u00fcrkei selbstst\u00e4ndig von den Mitarbeitern entschieden und geregelt, sodass man keine vorgegebene Zeitangabe hat, sondern etwas essen geht und anschlie\u00dfend zu seinem Arbeitsplatz zur\u00fcckkehrt.<\/p><p>Im Allgemeinen kann man festhalten, dass ein wesentlicher Unterschied in der Begrenzung bez\u00fcglich Pausen und Arbeitszeiten besteht. Jedoch ist es m\u00f6glich, dass dies auch in einigen deutschen Unternehmen der Fall ist, allerdings kann ich hier nur aus meinen pers\u00f6nlichen Erfahrungen berichten. Das Unternehmen in dem ich gearbeitet habe, hatte eine eigene K\u00f6chin, die t\u00e4glich das Mittagessen f\u00fcr uns vorbereitet hat. Durch Nachfrage habe ich erfahren, dass dies in den meisten Unternehmen der Fall ist. Wenn es keine eigene K\u00f6chin oder keinen eigenen Koch im Unternehmen gibt, wird das Essen bestellt und vom Unternehmen bezahlt. Nat\u00fcrlich kann man hierbei nicht verallgemeinern und behaupten, dass jedes Unternehmen einen solchen Service bereitstellt. Jedoch war es f\u00fcr mich neu, da mir aus Deutschland nur bekannt war, dass man das Kantinenessen selber zahlen muss oder au\u00dfer Haus isst.<\/p><p>Nach meinem eigenen Empfinden wirken die Menschen auf der Arbeit nicht so gestresst wie in Deutschland. Grund hierf\u00fcr ist meiner Meinung nach die lockere Arbeitsatmosph\u00e4re, die ich schon zuvor beschrieben habe. Die Leute haben wirklich gute Laune beim Arbeiten und lachen und unterhalten sich unbeschwert. Die Arbeit wird aber trotzdem p\u00fcnktlich und sorgf\u00e4ltig erledigt. Der Umgang der Mitarbeiter untereinander ist sehr freundschaftlich, ich habe mich direkt in die Gruppe integriert gef\u00fchlt.<\/p><p><strong>Schildern Sie ein irritierendes Ereignis. Haben Sie daf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung? Denken Sie an das Interkulturelle Training f\u00fcr m\u00f6gliche Erkl\u00e4rungsans\u00e4tze.<\/strong><br \/> Tats\u00e4chlich ergab sich eine Situation, die ich mit dem Interkulturellen Training in Verbindung bringen konnte. Das auf der rechten Seite abgebildete Handzeichen bedeutet in unserem Kulturkreis soviel wie \u201eOkay\u201c oder \u201eAlles prima\u201c. In der T\u00fcrkei gilt dieses Zeichen, welches f\u00fcr uns als gel\u00e4ufiges Zeichen bekannt ist, als eine obsz\u00f6ne Geste. Diese Geste hatte ich durch das Interkulturelle Training noch im Hinterkopf, jedoch wurde mir der Unterschied erst durch den Auslandaufenthalt richtig bewusst. Ich selber kam gl\u00fccklicherweise nicht in die unangenehme Situation, das Handzeichen an der falschen Stelle anzuwenden. Die unterschiedlichen Bedeutungen des gleichen Symbols waren auch meinen Arbeitskollegen bekannt, welche mir davon erz\u00e4hlten.<\/p><p>Ein weiterer Unterschied, der mir erst durch das Auslandspraktikum deutlich wurde, ist die Tatsache, dass Zahlen im T\u00fcrkischen in einer anderen Reihenfolge ausgesprochen werden als im Deutschen. W\u00e4hrend man im Deutschen von hinten beginnt zu z\u00e4hlen, also \u201eein und zwanzig\u201c, wird im T\u00fcrkischen von vorne gez\u00e4hlt, also \u201ezwanzig und eins\u201c. Selbstverst\u00e4ndlich war mir das t\u00fcrkische Zahlensystem im Voraus bereits bekannt, allerdings hatte ich anfangs einige Schwierigkeiten und fand es irritierend, sodass mir das schnelle Aufschreiben von diktierten Zahlenfolgen nicht leicht fiel.<\/p><p><strong>Wie gestaltete sich Ihr Kontakt zu Ortsans\u00e4ssigen?<\/strong><br \/> Von den Ortsans\u00e4ssigen wurde ich stets freundlich aufgenommen. Meine Freizeit habe ich meist mit Familienangeh\u00f6rigen verbracht, die in Izmir leben. Die Mitarbeiter haben mich auch direkt ins Unternehmen aufgenommen. Schon am ersten Arbeitstag wurde viel miteinander geredet und immer darauf geachtet, dass ich mich als \u201eneues Gruppenmitglied\u201c nicht ausgeschlossen f\u00fchle. Da ich mich in der Stadt noch nicht so gut auskannte, sind die Mitarbeiter gemeinsam mit mir nach Hause gefahren und haben mich freundlicherweise nicht alleine gelassen. Auch am Wochenende oder nach Feierabend habe ich gemeinsam mit den Mitarbeitern Zeit verbracht. Wir sind beispielsweise gemeinsam etwas Essen gegangen oder ans Meer gefahren. Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich mich nie alleine oder ausgeschlossen gef\u00fchlt habe und es zudem nicht erwartet h\u00e4tte, so freundlich aufgenommen zu werden.<\/p><p><strong>Schildern Sie bitte ein spannendes oder sch\u00f6nes Ereignis, das sich durch den Kulturaustausch ergab.<\/strong><br \/> An einem Abend bin ich gemeinsam mit meiner Cousine zu einem sogenannten Dernek gegangen, was \u00fcbersetzt \u201eVerein\u201c bedeutet. Jedoch kann man diese Art von Verein nicht mit dem aus Deutschland vergleichen. In diesen Dernek kommen mehrere Leute zusammen und bringen sich, wie in unserem Fall, gegenseitig Dinge bei, die sie besonders gut k\u00f6nnen. Beispielsweise gibt es an einem Tag der Woche einen Gitarrenkurs oder auch verschiedene Tanzkurse.<\/p><p>Am besagten Abend, an dem ich an so einem gemeinsamen Treffen teilgenommen habe, brachten sich die Anwesenden gegenseitig das Tangotanzen bei. Auch ich durfte mittanzen und lernte einige Grundschritte des Tangos. Meiner Meinung nach ist diese Art des Zeitvertreibes etwas sehr sch\u00f6nes, denn man kann seine Abende mit sinnvollen T\u00e4tigkeiten verbringen, anstatt den ganzen Abend zu Hause vor dem Fernseher zu sitzen. Zudem bekommt man im allt\u00e4glichen Leben generell nicht die M\u00f6glichkeit oder die Motivation, einen Tangokurs oder andere Kurse zu besuchen. Besonders alleinstehende Leute profitieren von diesem Konzept, da sie ihre Abende in einer Gemeinschaft verbringen k\u00f6nnen und dabei etwas lernen. Aus Deutschland war mir diese Art eines Vereines noch nicht bekannt.<\/p><p><strong>Wie hat der Auslandsaufenthalt Ihren Blick auf Ihre pers\u00f6nliche Kultur ver\u00e4ndert? Tragen Sie Ihre interkulturellen Erfahrungen nach Ihrer R\u00fcckkehr mit in Ihren Alltag? Inwiefern beeinflussen sie Ihr Verhalten, Ihre Einstellung und Werte?<\/strong><br \/> Ich muss mir selber eingestehen, dass ich die T\u00fcrkei etwas falsch eingesch\u00e4tzt habe. Obwohl ich schon sehr oft in der T\u00fcrkei war, darunter besonders oft in Izmir, und selber T\u00fcrkin bin, hatte auch ich leider einige Vorurteile. Vor allem den Arbeitsalltag, darunter zum Beispiel die Arbeitskleidung, habe ich mir strenger vorgestellt. Mir graute es bei der Vorstellung, bei 40 Grad mit langer Kleidung zur Arbeit zu gehen. Schon am ersten Arbeitstag merkte ich aber, dass die Frauen kurze Kleider und Sandalen im B\u00fcro trugen. Der Umgang zwischen den Geschlechtern unterscheidet sich kaum von dem gewohnten Umgang in Deutschland. Leider habe auch ich mich von dem Bild verleiten lassen, die T\u00fcrkei als ein eher streng religi\u00f6ses Land zu betrachten, was jedoch auf die Stadt Izmir keinesfalls zutrifft. Die Menschen in Izmir habe ich immer als sehr weltoffen und hilfsbereit wahrgenommen. Auch hier habe ich wieder gelernt, dass man sich auf keinen Fall von Vorurteilen und einzelnen negativen Medienberichten beeinflussen lassen sollte. Ich hatte w\u00e4hrend meines Aufenthaltes das Gef\u00fchl, dass Geld nicht einen so hohen Stellenwert f\u00fcr die Menschen hat, wie ich es beispielsweise aus Deutschland gewohnt bin. W\u00e4hrend ich in Deutschland von allen Seiten den Druck versp\u00fcre, immer mehr zu leisten, um immer mehr zu erreichen, habe ich in der T\u00fcrkei das Gef\u00fchl vermittelt bekommen, eher f\u00fcr den Tag zu leben. Auf Dauer ist diese Sicht auf das Leben sicher auch die ges\u00fcndere, da viele Leute in Deutschland an Burnout leiden. Inwiefern hat der Auslandsaufenthalt Ihre interkulturelle Kompetenz gef\u00f6rdert? Ich w\u00fcrde mich selber als eine Person beschreiben, die andere Leute erst einmal kennenlernt, bevor sie ein Urteil \u00fcber diese f\u00e4llt. Durch das Auslandspraktikum wurde mir aber noch einmal deutlich, Leute nicht aufgrund ihrer Herkunft zu kategorisieren. Leider neigen wir Menschen oft dazu, andere Menschen auf Grundlage unzureichender Informationen zu verurteilen. Diese schlechte Eigenschaft wird durch Medienberichte und einzelne negative Vorf\u00e4lle verst\u00e4rkt. Dabei ist nicht nur zu erw\u00e4hnen, dass ich kleine Vorurteile hatte, denn auch die Mitarbeiter stellten mir absurde Fragen, wie \"Wird Hitler in Deutschland verehrt?\". Ich bin sehr erfreut dar\u00fcber, dass ich meine interkulturellen Kompetenzen durch das Auslandspraktikum verbessern und f\u00f6rdern konnte, denn ein respektvolles und freundliches Miteinander zwischen den verschiedenen Kulturen sollte niemals vernachl\u00e4ssigt werden.<\/p><p><strong>Inwiefern hat das Praktikum Ihre (Fach-)sprachlichen Kenntnisse gef\u00f6rdert?<\/strong><br \/> Schon vor dem Auslandsaufenthalt hatte ich relativ gute T\u00fcrkischkenntnisse, da ich die Sprache als zweite Muttersprache seit meiner Kindheit beherrsche. Jedoch war mein T\u00fcrkisch nur f\u00fcr den allt\u00e4glichen Gebrauch und nicht f\u00fcr das Berufsleben ausreichend. Gerade wirtschaftst\u00fcrkische Begriffe waren mir bis vor meinem Auslandsaufenthalt unbekannt. Man muss hierbei aber auch erw\u00e4hnen, dass mir einige relevante betriebswirtschaftliche Begriffe im Deutschen vor meinem Studium nicht bekannt waren. Die neu erworbenen Worte w\u00e4hrend des Praktikums konnte ich mir durch den t\u00e4glichen Gebrauch im B\u00fcro z\u00fcgig einpr\u00e4gen. Ich bin mir sicher, dass ich mir durch mein zus\u00e4tzlich angeeignetes Wissen eine gute Grundlage geschaffen habe, um in meinem sp\u00e4teren Berufsleben mit Unternehmen aus der T\u00fcrkei zu arbeiten.<\/p><p><strong>Wenn Sie jetzt zur\u00fcckblicken: Welche Vorteile hat Ihnen die Teilnahme am Roots- Programm f\u00fcr Ihren pers\u00f6nlichen und berufspraktischen Werdegang bieten k\u00f6nnen?<\/strong><br \/> Durch das Roots-Programm habe ich die M\u00f6glichkeit bekommen, meinen sprachlichen Vorteil als \"Br\u00fcckenmensch\" auszuweiten und besonders im wirtschaftlichen Bereich erheblich zu verbessern. Dar\u00fcber hinaus habe ich einen Einblick in den beruflichen Alltag eines Betriebswirten in einem anderen Land erhalten. Das Roots-Programm hat mir gezeigt, dass einem diverse Aussichten und M\u00f6glichkeiten geboten werden, im Ausland t\u00e4tig zu sein und zu arbeiten. Ohne Unterst\u00fctzung h\u00e4tte ich wahrscheinlich nicht den Mut gehabt, diesen Schritt zu wagen. R\u00fcckblickend kann ich mir durchaus vorstellen, in Zukunft in der T\u00fcrkei oder in einem anderen Land f\u00fcr einige Jahre oder auch dauerhaft t\u00e4tig zu sein.<\/p><p><strong>Sonstige Bemerkungen, wie z.B. zur Betreuung durch das International Office, zum Sprachkurs oder Interkulturellen Training<\/strong><br \/> Ich finde es sehr beeindruckend, dass Studierende durch Seminare, wie dem Interkulturellen Training, die Chance bekommen, andere Kulturen n\u00e4her kennenzulernen und zu verstehen. Besonders die Tatsache \u201eWas f\u00fcr mich richtig ist, muss nicht f\u00fcr andere richtig sein\u201c ist mir hierbei im Ged\u00e4chtnis geblieben und hat meine Sicht auf Menschen aus anderen Kulturkreisen zus\u00e4tzlich erweitert. Wie bereits erw\u00e4hnt, werden Menschen aus den unterschiedlichsten Kulturen durch die Globalisierung immer weiter vernetzt. Hierbei ist es wichtig, dass Programme wie das Roots- Programm, das Interkulturelle Training und viele weitere, den Studierenden eine M\u00f6glichkeit bieten, ihr Wissen auszuweiten und anzuwenden.<br \/> Das International Office stand mir bei offenen Fragen immer zur Verf\u00fcgung und hat mich \u00fcber weitere M\u00f6glichkeiten informiert, die mir im Rahmen meines Studiums zur Weiterbildung geboten werden.<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,342721,356669,368865,653,401755,58024],"tags":[125753,525315,368829,401755,58024],"class_list":["post-3760","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-berichte","category-laender","category-outgoing","category-praktikum","category-roots","category-tuerkei","tag-bwl","tag-interkulturelle-erfahrungen","tag-izmir","tag-roots","tag-tuerkei"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3760","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9117"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=3760"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3760\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3803,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/3760\/revisions\/3803"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media\/3762"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=3760"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=3760"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=3760"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}