{"id":3431,"date":"2017-08-04T18:04:20","date_gmt":"2017-08-04T16:04:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/?p=3431"},"modified":"2022-06-14T22:51:11","modified_gmt":"2022-06-14T20:51:11","slug":"praktikum-aquaservice-in-valencia","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/2017\/08\/04\/praktikum-aquaservice-in-valencia\/","title":{"rendered":"Praktikum bei Aquaservice in Valencia"},"content":{"rendered":"<p><strong>Praktikumssuche:<\/strong><\/p>\n<p>Seit Anfang meines Studiums wusste ich, dass ich wieder eine Auslandserfahrung sammeln wollte. Ich wohne seit 7 Jahren in Deutschland und habe in dieser Zeit Vieles gelernt. Das Pflichtpraktikum sah ich als die M\u00f6glichkeit ein neues Land zu entdecken und neue Herausforderungen zu meistern. F\u00fcr das Praktikum, das ab April 2017 anfangen sollte, habe ich bereits im Juni Bewerbungen geschickt. Das Wichtigste f\u00fcr mich war im Bereich von Wasserreinigung zu arbeiten. Im Oktober, als ich eine Freundin meiner Mutter in Valencia besuchte, erfuhr ich von Aquaservice; dem gr\u00f6\u00dften Trinkwasserlieferanten in Spanien. In Valencia darf Leitungswasser nicht getrunken werden. Ich habe sofort mein Lebenslauf geschickt und 10 Tage sp\u00e4ter wurde ich zu einem Vorstellungsgespr\u00e4ch eingeladen. Ich habe eine positive Antwort bekommen, allerdings sollte ich mich nochmal Ende Dezember\/Anfang Januar mit Aquaservice in Kontakt setzen um zu besprechen in welchem Projekt ich arbeiten w\u00fcrde. Ende Januar habe ich ein Angebot bekommen und habe mich sofort f\u00fcr das Erasmus Stipendium beworben und um eine Unterkunft gek\u00fcmmert.<\/p>\n<p><strong>Unterkunft:<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt viele Universit\u00e4ten in Valencia, deswegen ist das Angebot an Wohnungen und Zimmern f\u00fcr Studenten umfangreich. Wie in Bremen sind viele Anzeigen online zu finden, die nach Preis oder Lage sortiert werden k\u00f6nnen. Allerdings finden sich bei solchen Anzeigen kaum Informationen \u00fcber das WG-Leben oder die Mitbewohner*innen. Die Anzeigen sind unpers\u00f6nlich, kurzgefasst und oft kurzfristig hochgeladen. Des Weiteren unterscheidet sich die Suche dabei, dass es ungew\u00f6hnlich ist Skype Telefonate durchzuf\u00fchren um die Mitbewohner*innen kennenzulernen und die Wohnung zu sehen. Auf meinen Vorschlag hin, meinten die meisten Vermieter, dass es am besten w\u00e4re, wenn ich Pers\u00f6nlich vorbeikomme. Sie wollten, dass ich die Wohnung besuche und vor Ort entscheide, ob ich Interesse habe oder nicht. Das hat nat\u00fcrlich die Koordination vom Ausland verkompliziert. Gl\u00fccklicherweise habe ich drei Wochen vor meiner Reise eine Anzeige von einer internationalen WG gefunden. Sie enthielt eine kurze Beschreibung \u00fcber die Mitbewohner*innen, ihrer Herkunft und was sie studiert haben. Nach einem Skype Anruf und einigen Emails hatten wir alles geregelt und ich konnte direkt in die WG einziehen als ich in Valencia angekommen bin. Sie waren freundlich und sehr entspannt, ich durfte die Kaution und Miete erst zwei Tage nach meinem Einzug bezahlen. Obwohl es sich um eine gro\u00dfe Stadt handelt, ist die Miete in Valencia allgemein viel g\u00fcnstiger als im Bremen. Ich habe 240\u20ac warm f\u00fcr ein 16m<sup>2<\/sup> Zimmer bezahlt. In meiner WG habe ich mit einer Italienerin, einer Rum\u00e4nin, einer Deutschen und einem Spanier gewohnt. Leider hatten wir kaum Kontakt mit dem Spanier, aber ich habe viel von der Italienerin gelernt; \u00fcber die italienische Kultur, Geschichte, K\u00fcche und Sprache. Ich wurde sofort in ihre Freundesgruppe inkludiert und wir haben fast jeden Tag etwas nach der Arbeit zusammen unternommen.<\/p>\n<p><strong>Das Unternehmen:<\/strong><\/p>\n<p>Aquaservice ist der erste Lieferant f\u00fcr abgef\u00fclltes Wasser in Spanien. Das Unternehmen wurde 1997 gegr\u00fcndet und ist Teil des multinationalen Konzerns American Liquid Packing Systems (ALPS). Aktuell ist dieses Unternehmen der gr\u00f6\u00dfte Lieferant f\u00fcr abgef\u00fclltes Wasser in Spanien und bietet sowohl nat\u00fcrliches Mineralwasser, als auch aufbereitetes Trinkwasser an. Es gibt vier Abf\u00fcllbetriebe, wo das Wasser f\u00fcr 200.000 Kunden vorbereitet wird. Mein Praktikum hat im \u00e4ltesten Betrieb stattgefunden. Dort wurden pro Stunde 1000 Wasserflaschen abgef\u00fcllt. Hier wurde nur aufbereitetes Mineralwasser produziert. Das Wasser wurde mit Aktivkohle gefiltert und mit einer Umkehrosmoseanlage aufbereitet. Um den Geschmack zu perfektionieren wurde danach der pH-Wert mit CO<sub>2<\/sub> und Mineralien modifiziert. Auf Grund steigender Kundenzahlen hat Aquaservice im M\u00e4rz diesen Jahres einen neuen Betrieb er\u00f6ffnet und ein neues Projekt im Bereich Produktqualit\u00e4t gestartet. Im Gegensatz zu den meisten spanischen Unternehmen, ist Aquaservice w\u00e4hrend der \u00f6konomischen Krise weitergewachsen. Aus diesem Grund wurden im Unternehmen kontinuierlich Vorstellungsgespr\u00e4che durchgef\u00fchrt und neue Mitarbeiter engagiert.<\/p>\n<p><strong>Meine Aufgaben:<\/strong><\/p>\n<p>Im Unternehmen habe ich die Aufgabe bekommen beschleunigte Haltbarkeitstests f\u00fcr Trinkwasser auszulegen und durchzuf\u00fchren. Am Anfang habe ich mich intensiv mit der Literaturrecherche besch\u00e4ftigt. Ich wollte verstehen wie Haltbarkeitstests bei der Ern\u00e4hrungsindustrie durchgef\u00fchrt werden und damit einen Plan f\u00fcr mein Projekt entwickeln. Ich konnte selbst\u00e4ndig arbeiten und hatte viel Freiheit. Ende der zweiten Woche hatte ich einen detaillierten Plan f\u00fcr das Projekt ausgelegt und konnte mit den ersten Berechnungen anfangen. Der Hauptteil meines Projekts war der Aufbau der Versuchsanlage, die die Wasserproben kontinuierlich auf erh\u00f6hten Temperaturen halten w\u00fcrde. Laut der Literatur sind die Reaktionen, die der plastische Geschmack von Ern\u00e4hrungsmitteln in Verpackungen aus Polyethylen verursachen, endotherm. Das hei\u00dft, dass bei h\u00f6heren Temperaturen diese Reaktionen beschleunigt werden. W\u00e4hrend des Aufbaus meiner Versuchsanlage hatte ich, zum Gl\u00fcck, die Betreuung der Mechatroniker des Unternehmens. Er hat mir mit der Programmierung der Speicherprogrammierbaren Steuerung und dem Elektrischen Aufbau geholfen. Leider war meine Praktikumszeit zu kurz um die gesamten Tests durchzuf\u00fchren und ich musste das Projekt zu meinen Kollegen in der Produktqualit\u00e4t weitergeben, damit sie die restlichen Proben auf erh\u00f6hten Temperaturen aussetzen k\u00f6nnten. Die letzte Woche habe ich einen Vortrag \u00fcber meine Arbeit gehalten und habe erkl\u00e4rt welche Schritte in der Zukunft weiterverarbeitet werden sollten.<\/p>\n<p><strong>Das Arbeitsklima:<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe leider nicht so viel Kontakt mit meinen Kollegen gehabt, da mein B\u00fcro in der ersten Etage war und alle andere im Erdgeschoss gearbeitet haben. Allerdings sind wir zusammen Mittagessen gegangen und haben sogar im selben Fitnessstudio trainiert. In dieser kurzen Zeit konnte ich viele \u00c4hnlichkeiten zwischen der spanischen und kolumbianischen Kultur sehen. Als ich mit dem Aufbau der Versuchsanlage angefangen habe, hatte ich viel mehr Kontakt mit den anderen Mitarbeitern. Ich fand es angenehmen mit den Mitarbeitern im Werkstatt zu arbeiten, sie waren sehr freundlich und haben viel von ihren Erfahrungen mitgeteilt. Sie haben sich auch die Zeit genommen um zu h\u00f6ren woran ich gearbeitet habe und haben Interesse gezeigt an was ich gemacht habe. Deswegen habe ich mich willkommen gef\u00fchlt und habe mich gefreut dort zu arbeiten.<\/p>\n<p><strong>Spanien:<\/strong><\/p>\n<p>Einer der gr\u00f6\u00dften kulturelle Schocks, die ich in Spanien erlebt habe, war mit den Essenszeiten. In Spanien wird sehr sp\u00e4t mittags und abends gegessen. Bei der Arbeit haben wir erst um 16 Uhr mittagsgegessen, das fand ich besonders ung\u00fcnstig. Danach habe ich mich entschieden eine kleine Pause um 12 Uhr zu machen, um Obst und einen Snack zu essen damit ich bis 16 Uhr aushalten konnte. Oft nahm ich das Essen um 16 Uhr als mein Abendessen, da es so viel war. Ein anderer Unterschied den ich gesehen habe, war wie Laut das Leben in Valencia ist. Als ich einkaufen gegangen bin war ich schockiert davon, wie laut die Leute im Supermarkt geredet haben, ich hatte das Gef\u00fchl in die Mensa reingegangen zu sein. Es war ein Samstag um 21 Uhr und trotzdem war der Supermarkt voll. Ich h\u00f6rte Leute oft abends oder morgens (bis drei oder vier Uhr morgens), die an der Stra\u00dfe vorbeigelaufen sind, als sie betrunken geredet oder gesungen haben.<\/p>\n<p>Da ich im Praktikum, au\u00dfer dem von Erasmus, ein weiteres Stipendium von meinem Arbeitgeber bekommen habe und die Miete in Spanien g\u00fcnstiger als in Deutschland war, konnte ich viel Reisen und war jedes zweite Wochenende in einer anderen Stadt. Ich war drei Wochenende in Andalusien: in Sevilla, C\u00f3rdoba und Granada. Diese drei St\u00e4dte finde ich ein Highlight in Spanien, die Architektur und Essen waren beeindruckend und ich konnte g\u00fcnstige Unterk\u00fcnfte in Hostels finden. Au\u00dferdem durfte ich nach Lanzarote, Menorca und Mallorca reisen. Ich fand die Zeit, die ich dort verbringen k\u00f6nnte, zu knapp um alles zu sehen aber ich bin sehr gl\u00fccklich, dass ich das erleben k\u00f6nnte. Spanien hat vieles anzubieten und ich hoffe, dass ich mit mehr Zeit diese Reisen erweitern kann.<\/p>\n<p><strong>Schwierigkeiten:<\/strong><\/p>\n<p>Ich musste Vieles alleine machen insbesondre bei der Beantragung meiner spanischen Sozialversicherungsnummer und des ausl\u00e4ndischen Ausweises, die von mir verlangt wurden. Im Fall, dass Spanisch nicht meiner Muttersprache w\u00e4re, w\u00e4re alles unm\u00f6glich gewesen, da ich selber Dokumente \u00fcbersetzen musste und durch viel B\u00fcrokratie gehen musste. Vielleicht ist das f\u00fcr europ\u00e4ischen Studenten anders. Wenn nicht, dann m\u00fcsste das Unternehmen viel mehr machen um den Studenten zu unterst\u00fctzen. Die andere Schwierigkeit, die ich aushalten musste, war mit einigen den \u00e4lteren Mittarbeiter. Ich hatte das Gef\u00fchl, dass ich nicht gleichberechtigt gehandelt w\u00fcrde und meine Arbeit nicht Respektiert wurde. Das hat meinen Augen ge\u00f6ffnet und gezeigt, dass im Zukunft auch solche Schwierigkeiten auftreten k\u00f6nnen und deswegen habe ich auch lange nachgedacht wie ich solchen Situationen umgehen kann.<\/p>\n<p><strong>Fazit:<\/strong><\/p>\n<p>Allgemein fand ich mein Aufenthalt in Spanien toll, ich habe vieles bei meinem Praktikum gelernt und durfte sehr viel Reisen. Ich habe das Gl\u00fcck gehabt sehr gute Freunde zu finden und habe mich privat und beruflich weiterentwickelt. Ich w\u00fcnschte, ich h\u00e4tte mehr Betreuung im Unternehmen gehabt, da die Person die mir geholfen hat war nicht mein offizieller Betreuer und ohne seine Hilfe h\u00e4tte ich nicht so viel gelernt. Trotzdem fand ich die Arbeit im Unternehmen sehr angehnehmen und habe mich gefreut dort arbeiten zu k\u00f6nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Praktikumssuche: Seit Anfang meines Studiums wusste ich, dass ich wieder eine Auslandserfahrung sammeln wollte. 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