{"id":2573,"date":"2016-09-19T16:24:43","date_gmt":"2016-09-19T14:24:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/?p=2573"},"modified":"2022-06-14T22:57:49","modified_gmt":"2022-06-14T20:57:49","slug":"erasmus-praktikum-an-einer-grundschule-in-schweden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/2016\/09\/19\/erasmus-praktikum-an-einer-grundschule-in-schweden\/","title":{"rendered":"Erasmus-Praktikum an einer Grundschule in Schweden"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Dieser Bericht soll einen kleinen Einblick in meine Motivation f\u00fcr ein Erasmus-Praktikum, meine Suche nach einem Praktikumsplatz, mein Leben in Schweden und meine Arbeit in der Schule sowie meine Gedanken nach Abschluss des Praktikums geben und hoffentlich Einige f\u00fcr ein Praktikum im Ausland motivieren.<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p><strong>Vor dem Praktikum<\/strong><\/p>\n<p>Ich habe mich f\u00fcr ein Praktikum an einer Grundschule\/F\u00f6rderschule in Schweden entschieden, einerseits, weil ich noch einmal eine neue Sprache lernen und ein neues Land kennen lernen wollte und andererseits, weil ich mir in der Wahl meines Studienfaches (Grundschullehramt mit Sonderp\u00e4dagogik) etwas unsicher war und mir durch mehr Praxiserfahrung darin sicherer werden wollte.<\/p>\n<p>Die Suche nach einem Praktikumsplatz hat sich zuerst als etwas schwieriger herausgestellt und ich erinnere mich, dass ich mich zeitweise wirklich gefragt habe, ob ich jemals einen Platz finden werde. Es gab zu Beginn von Erasmus+ noch keinen Online-Pool f\u00fcr Praktikumspl\u00e4tze (wie jetzt z.B. erasmusintern.org). Ich habe stattdessen gesucht, indem ich zuerst bestimmte Schulen angeschrieben habe, die auf ihrer Internetseite mein Interesse geweckt hatten.<\/p>\n<p>Schnell merkte ich, dass diese Herangehensweise sehr zeitaufw\u00e4ndig war und man oft sp\u00e4t oder gar keine Antworten erhielt. Da die Schulen ja nicht von sich aus gesucht haben, wusste ich nat\u00fcrlich auch nie ob die Schule \u00fcberhaupt Interesse an einem\/einer PraktikantIn haben k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Deswegen habe ich meine Suche schnell ausgeweitet und mit Hilfe einer Liste des schwedischen Schulwerks, in der alle Schulen in Schweden aufgelistet waren, diejenigen Grundschulen ausgew\u00e4hlt, die mit einer F\u00f6rderschule zusammen arbeiteten. Dann habe ich eine riesige Gruppenmail an alle diese Schulen geschrieben \u2013 sicher 500 Schulen. Von diesen haben sich dann ca. 15 zur\u00fcck gemeldet (bei den anderen bin ich bestimmt im Spam-Ordner gelandet \ud83d\ude09 ) und zwei Schulen haben mir dann tats\u00e4chlich einen Praktikumsplatz angeboten. Beide in Nordschweden, kurz unter dem Polarkreis. Ich entschied mich f\u00fcr die Schule in der Stadt, in der es auch eine Uni gab, da ich hoffte dadurch leichter Anschluss zu finden.<\/p>\n<p><strong>W\u00e4hrend des Praktikums<\/strong><\/p>\n<p>Ich hatte vor dem Praktikum zwei Schwedischkurse beim Fremdsprachenzentrum belegt, aber dadurch, dass zwischen dem Ende des Kurses und dem Beginn des Praktikums drei Monate lagen, hatte ich Einiges schon wieder vergessen. Dementsprechend wenig Schwedisch konnte ich dann zu Anfang des Praktikums im September auch anwenden. Aber alle waren sehr verst\u00e4ndnisvoll und haben so gut sie konnten Englisch mit mir gesprochen. Nach einer Weile hatte ich mich dann besser in die Sprache eingefunden und wir sind dann mehr und mehr auf Schwedisch umgestiegen und nach etwa einem Monat haben wir bis auf ein paar W\u00f6rter nur noch Schwedisch gesprochen. Allein schon, weil die Kinder kein oder nur sehr wenig Englisch konnten.<\/p>\n<p>Die ersten drei Monate habe ich in zwei jahrgangsgemischten Klassen (3.-5. Jahrgang) der F\u00f6rderschule, die aber \u00f6rtlich in die Grundschule integriert war, verbracht. In jeder Klasse waren vier Kinder mit Beeintr\u00e4chtigungen im Bereich der geistigen Entwicklung, emotional-sozialen Entwicklung und des Lernens. Jede Klasse wurde von einer Sonderp\u00e4dagogin geleitet und diese wurde durch je drei ErzieherInnen unterst\u00fctzt. Das wirkte zun\u00e4chst sehr viel, aber da nicht immer alle gleichzeitig arbeiteten und Kinder teilweise beim Arbeiten jeweils eine Person zur Unterst\u00fctzung brauchten, wurde schnell deutlich, dass die hohe Anzahl notwendig war.<\/p>\n<p>Die ersten Wochen war ich \u00fcberwiegend damit besch\u00e4ftigt, mich an Land, Sprache, Schule und die Arbeitsweisen zu gew\u00f6hnen und danach habe ich immer mehr auch selbst Aufgaben und Verantwortung \u00fcbernommen, vor allem, wenn wie in der Nachmittagsbetreuung weniger Personal anwesend war.<\/p>\n<p>Die Zeit in der F\u00f6rderschule war sehr spannend und die am Individuum orientierte Arbeitsweise mit den Kindern sowie die famili\u00e4re Atmosph\u00e4re haben mir besonders gut gefallen und ich habe mich in den Klassen sehr wohl gef\u00fchlt.<\/p>\n<p>Zus\u00e4tzlich erhielt ich auch einen Einblick in die Kooperationsbereiche der F\u00f6rderschule mit der Grundschule. Pausen und Mittagessen wurden beispielsweise immer zusammen verbracht und es gab gemeinsame Projekte im Nachmittagsbereich oder zu bestimmten Themen. Die 3.-5. Klasse der F\u00f6rderschule kooperierte dabei vor allem mit den 1. Klassen der Grundschule. Alle Lehrkr\u00e4fte bem\u00fchten sich sehr, die Zusammenarbeit voranzubringen und sahen, wie diese sich positiv auf alle Sch\u00fclerInnen auswirken konnte.<\/p>\n<p>Zu Beginn des neuen Jahres, arbeitete ich in dann nacheinander in zwei der 1. Klassen, weil ich gerne verschiedene Bereiche in der Schule kennen lernen wollte. In den 1. Klassen hatte ich sofort deutlich mehr zu tun, da es immer nur eine Lehrkraft pro Klasse gab und diese genau wussten, wo und wie sie mich einsetzen konnten. Ich habe z.B. Einheiten in englischer Sprache, Einzelf\u00f6rderung (Lesen und Mathe) und die Hausaufgaben-Kontrolle \u00fcbernommen und teilweise auch bei Krankheit der Lehrkr\u00e4fte die Vertretung gemacht. Die Arbeit in den 1. Klassen hat mir viel Spa\u00df gemacht und ich habe mich sehr n\u00fctzlich gef\u00fchlt. Besonders gefallen hat mir die Einzelf\u00f6rderung mit den Kindern au\u00dferhalb des Klassenunterrichts, bei der man sehr individuell auf Bed\u00fcrfnisse und St\u00e4rken der einzelnen Kinder eingehen konnte und genau gesehen hat, wo und wie sie Fortschritte machten.<\/p>\n<p>Betreut wurde ich an der Schule von der Schulleiterin der F\u00f6rderschule und den Klassenlehrerinnen, mit denen ich jeweils zusammen gearbeitet habe. Ich habe von ihnen unglaublich viel Unterst\u00fctzung bekommen und sie hatten immer ein offenes Ohr f\u00fcr mich. Auch wenn es um meine Freizeitgestaltung oder Feiertage ging. Ich habe z.B. Weihnachten bei der Familie der Schulleiterin und einer Lehrerin verbracht.<\/p>\n<p>Ich hatte auch eine Betreuerin au\u00dferhalb der Schule, die ich etwa alle 1-2 Monate getroffen habe und die sich im Rathaus um die Internationalen Beziehungen der Gemeinde gek\u00fcmmert hat. Sie hat f\u00fcr mich auch das Zimmer im Studentenwohnheim organisiert. Zusammen mit der Schulleiterin hat sie sich immer sehr darum bem\u00fcht, mir die Chance zu so vielen spannenden Erfahrungen wie m\u00f6glich zu geben. Beispielsweise habe ich mir eine Woche lang die Arbeit in einem Theaterprojekt f\u00fcr Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen angeschaut und zwei Wochen eine Deutschlehrerin an einer weiterf\u00fchrenden Schule im Unterricht begleitet. Au\u00dferdem durfte ich einen Vortrag f\u00fcr Lehramtsstudierende an der Uni Ume\u00e5 \u00fcber meine Motivation f\u00fcr ein Auslandspraktikum halten.<\/p>\n<p><strong>Leben neben dem Praktikum<\/strong><\/p>\n<p>Ich glaube ich hatte wirklich Gl\u00fcck, dass ich die erste Praktikantin aus dem Ausland in der Gemeinde Skellefte\u00e5 war, denn so haben sich alle wirklich sehr angestrengt, damit es mir gef\u00e4llt und ich mich wohl f\u00fchle. Deshalb durfte ich, obwohl ich dort nicht studiert habe, trotzdem im Studentenheim wohnen. Hier habe ich dann fast alle kennen gelernt, mit denen ich in meiner Freizeit etwas unternommen habe. Es ist nicht ganz einfach, Gleichaltrige kennen zu lernen wenn man ein Erasmus-Praktikum und kein Erasmus-Studium macht. Man hat eben nicht direkt eine Gruppe, zu der man sofort dazu geh\u00f6rt. Davon sollte man sich aber auf keinen Fall abschrecken lassen, denn ich glaube ich habe dadurch Land und Leute viel besser kennen gelernt und mich auch fr\u00fcher auf Schwedisch verst\u00e4ndigt.<\/p>\n<p>In meiner Freizeit neben dem Praktikum habe ich angefangen, im \u00f6rtlichen Fitnessstudio \u201eFriskis&amp;Svettis\u201c zu arbeiten. Zu Beginn als Unterst\u00fctzung im Kurs f\u00fcr Kinder, dann auch im Kurs f\u00fcr Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen und schlie\u00dflich auch alle zwei Wochen einmal an der Rezeption. Ich habe durch diese Arbeit viele neue Menschen getroffen und durch die freundliche und freundschaftliche Atmosph\u00e4re dort hat mir die Arbeit richtig Spa\u00df gemacht.<\/p>\n<p>An der Uni gab es dann auch ein Sprachcaf\u00e9, in dem man mit anderen Schwedisch-Lernenden und Muttersprachlern seine Sprachf\u00e4higkeiten verbessern konnte. Die Initiative, die diese Caf\u00e9 organisierte, veranstaltete auch weitere internationale Begegnungen, wie z.B. den Interkulturellen Tag auf dem Marktplatz, wo Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern selbstgebackenes landestypisches Brot verteilten.<\/p>\n<p>Mein Fazit ist, dass man auch ohne zu studieren, interessante neue Menschen kennen lernen kann. Man muss sich vielleicht selbst etwas mehr anstrengen, aber es lohnt sich auf jeden Fall.<\/p>\n<p><strong>Nach dem Praktikum<\/strong><\/p>\n<p>Ich finde das Beste an Auslandsaufenthalten ist, dass man noch einmal die Chance hat alles neu und anders zu machen sowie neue Menschen, Kulturen und Lebensweisen kennen zu lernen. Ich habe zum Beispiel Dinge ausprobiert, die ich in Deutschland wahrscheinlich nie angefangen h\u00e4tte: einen Bauchtanzkurs (den meine Mitbewohnerin aus dem Studentenwohnheim geleitet hat), Ski fahren oder aber einfach den Winter genie\u00dfen (und das bei bis zu -32\u00b0C und Dauerschnee von November bis April).<\/p>\n<p>Im Praktikum habe ich sehr viel dar\u00fcber herausgefunden, wie Schule in Schweden (oder zumindest in Skellefte\u00e5) funktioniert und welches Bild vom Kind der p\u00e4dagogischen Arbeit zugrunde liegt. Ich habe aber auch eine ganze Menge \u00fcber mich selbst und meine Rolle als Lehrkraft gelernt. Ich habe beispielsweise meine St\u00e4rken und f\u00fcr den Beruf hilfreichen Eigenschaften deutlicher gemerkt, aber auch Bereiche erkannt, in denen ich noch Verbesserungspotenzial bei mir sehe. Das Praktikum hat mir auf jeden Fall neue Motivation f\u00fcr das Studium gegeben und ich kann mir gut vorstellen, dass ich in den Theorieteilen des Studiums oft von der Praxiserfahrung profitieren werde.<\/p>\n<p>Insgesamt kann ich wirklich nur jedem empfehlen, den Mut zu finden und die eventuellen Anfangsschwierigkeiten zu \u00fcberwinden und ein Praktikum im Ausland zu machen. Es hat mich sowohl im pers\u00f6nlichen als auch professionellen Bereich ein gro\u00dfes St\u00fcck weiter gebracht und ich bin mit so vielen tollen Erfahrungen (die ich jetzt hier gar nicht alle aufz\u00e4hlen konnte) und Erinnerungen wieder nach Hause gekommen.<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_map_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_pb_map_container\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_map\" data-center-lat=\"64.24889977189726\" data-center-lng=\"19.83031153125001\" data-zoom=\"6\" data-mouse-wheel=\"on\" data-mobile-dragging=\"on\"><\/div>\n\t\t\t\t <div class=\"et_pb_map_pin\" data-lat=\"64.750244\" data-lng=\"20.950917000000004\" data-title=\"\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"infowindow\"> <\/div>\n\t\t\t<\/div> \n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_post_nav_0 et_pb_posts_nav nav-single et_block_module\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":9117,"featured_media":2579,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"<p>Dieser Bericht soll einen kleinen Einblick in meine Motivation f\u00fcr ein Erasmus-Praktikum, meine Suche nach einem Praktikumsplatz, mein Leben in Schweden und meine Arbeit in der Schule sowie meine Gedanken nach Abschluss des Praktikums geben und hoffentlich Einige f\u00fcr ein Praktikum im Ausland motivieren.<strong><br \/> <\/strong><\/p><p><strong>Vor dem Praktikum<\/strong><\/p><p>Ich habe mich f\u00fcr ein Praktikum an einer Grundschule\/F\u00f6rderschule in Schweden entschieden, einerseits, weil ich noch einmal eine neue Sprache lernen und ein neues Land kennen lernen wollte und andererseits, weil ich mir in der Wahl meines Studienfaches (Grundschullehramt mit Sonderp\u00e4dagogik) etwas unsicher war und mir durch mehr Praxiserfahrung darin sicherer werden wollte.<\/p><p>Die Suche nach einem Praktikumsplatz hat sich zuerst als etwas schwieriger herausgestellt und ich erinnere mich, dass ich mich zeitweise wirklich gefragt habe, ob ich jemals einen Platz finden werde. Es gab zu Beginn von Erasmus+ noch keinen Online-Pool f\u00fcr Praktikumspl\u00e4tze (wie jetzt z.B. erasmusintern.org). Ich habe stattdessen gesucht, indem ich zuerst bestimmte Schulen angeschrieben habe, die auf ihrer Internetseite mein Interesse geweckt hatten.<\/p><p>Schnell merkte ich, dass diese Herangehensweise sehr zeitaufw\u00e4ndig war und man oft sp\u00e4t oder gar keine Antworten erhielt. Da die Schulen ja nicht von sich aus gesucht haben, wusste ich nat\u00fcrlich auch nie ob die Schule \u00fcberhaupt Interesse an einem\/einer PraktikantIn haben k\u00f6nnte.<\/p><p>Deswegen habe ich meine Suche schnell ausgeweitet und mit Hilfe einer Liste des schwedischen Schulwerks, in der alle Schulen in Schweden aufgelistet waren, diejenigen Grundschulen ausgew\u00e4hlt, die mit einer F\u00f6rderschule zusammen arbeiteten. Dann habe ich eine riesige Gruppenmail an alle diese Schulen geschrieben \u2013 sicher 500 Schulen. Von diesen haben sich dann ca. 15 zur\u00fcck gemeldet (bei den anderen bin ich bestimmt im Spam-Ordner gelandet ;-) ) und zwei Schulen haben mir dann tats\u00e4chlich einen Praktikumsplatz angeboten. Beide in Nordschweden, kurz unter dem Polarkreis. Ich entschied mich f\u00fcr die Schule in der Stadt, in der es auch eine Uni gab, da ich hoffte dadurch leichter Anschluss zu finden.<\/p><p><strong>W\u00e4hrend des Praktikums<\/strong><\/p><p>Ich hatte vor dem Praktikum zwei Schwedischkurse beim Fremdsprachenzentrum belegt, aber dadurch, dass zwischen dem Ende des Kurses und dem Beginn des Praktikums drei Monate lagen, hatte ich Einiges schon wieder vergessen. Dementsprechend wenig Schwedisch konnte ich dann zu Anfang des Praktikums im September auch anwenden. Aber alle waren sehr verst\u00e4ndnisvoll und haben so gut sie konnten Englisch mit mir gesprochen. Nach einer Weile hatte ich mich dann besser in die Sprache eingefunden und wir sind dann mehr und mehr auf Schwedisch umgestiegen und nach etwa einem Monat haben wir bis auf ein paar W\u00f6rter nur noch Schwedisch gesprochen. Allein schon, weil die Kinder kein oder nur sehr wenig Englisch konnten.<\/p><p>Die ersten drei Monate habe ich in zwei jahrgangsgemischten Klassen (3.-5. Jahrgang) der F\u00f6rderschule, die aber \u00f6rtlich in die Grundschule integriert war, verbracht. In jeder Klasse waren vier Kinder mit Beeintr\u00e4chtigungen im Bereich der geistigen Entwicklung, emotional-sozialen Entwicklung und des Lernens. Jede Klasse wurde von einer Sonderp\u00e4dagogin geleitet und diese wurde durch je drei ErzieherInnen unterst\u00fctzt. Das wirkte zun\u00e4chst sehr viel, aber da nicht immer alle gleichzeitig arbeiteten und Kinder teilweise beim Arbeiten jeweils eine Person zur Unterst\u00fctzung brauchten, wurde schnell deutlich, dass die hohe Anzahl notwendig war.<\/p><p>Die ersten Wochen war ich \u00fcberwiegend damit besch\u00e4ftigt, mich an Land, Sprache, Schule und die Arbeitsweisen zu gew\u00f6hnen und danach habe ich immer mehr auch selbst Aufgaben und Verantwortung \u00fcbernommen, vor allem, wenn wie in der Nachmittagsbetreuung weniger Personal anwesend war.<\/p><p>Die Zeit in der F\u00f6rderschule war sehr spannend und die am Individuum orientierte Arbeitsweise mit den Kindern sowie die famili\u00e4re Atmosph\u00e4re haben mir besonders gut gefallen und ich habe mich in den Klassen sehr wohl gef\u00fchlt.<\/p><p>Zus\u00e4tzlich erhielt ich auch einen Einblick in die Kooperationsbereiche der F\u00f6rderschule mit der Grundschule. Pausen und Mittagessen wurden beispielsweise immer zusammen verbracht und es gab gemeinsame Projekte im Nachmittagsbereich oder zu bestimmten Themen. Die 3.-5. Klasse der F\u00f6rderschule kooperierte dabei vor allem mit den 1. Klassen der Grundschule. Alle Lehrkr\u00e4fte bem\u00fchten sich sehr, die Zusammenarbeit voranzubringen und sahen, wie diese sich positiv auf alle Sch\u00fclerInnen auswirken konnte.<\/p><p>Zu Beginn des neuen Jahres, arbeitete ich in dann nacheinander in zwei der 1. Klassen, weil ich gerne verschiedene Bereiche in der Schule kennen lernen wollte. In den 1. Klassen hatte ich sofort deutlich mehr zu tun, da es immer nur eine Lehrkraft pro Klasse gab und diese genau wussten, wo und wie sie mich einsetzen konnten. Ich habe z.B. Einheiten in englischer Sprache, Einzelf\u00f6rderung (Lesen und Mathe) und die Hausaufgaben-Kontrolle \u00fcbernommen und teilweise auch bei Krankheit der Lehrkr\u00e4fte die Vertretung gemacht. Die Arbeit in den 1. Klassen hat mir viel Spa\u00df gemacht und ich habe mich sehr n\u00fctzlich gef\u00fchlt. Besonders gefallen hat mir die Einzelf\u00f6rderung mit den Kindern au\u00dferhalb des Klassenunterrichts, bei der man sehr individuell auf Bed\u00fcrfnisse und St\u00e4rken der einzelnen Kinder eingehen konnte und genau gesehen hat, wo und wie sie Fortschritte machten.<\/p><p>Betreut wurde ich an der Schule von der Schulleiterin der F\u00f6rderschule und den Klassenlehrerinnen, mit denen ich jeweils zusammen gearbeitet habe. Ich habe von ihnen unglaublich viel Unterst\u00fctzung bekommen und sie hatten immer ein offenes Ohr f\u00fcr mich. Auch wenn es um meine Freizeitgestaltung oder Feiertage ging. Ich habe z.B. Weihnachten bei der Familie der Schulleiterin und einer Lehrerin verbracht.<\/p><p>Ich hatte auch eine Betreuerin au\u00dferhalb der Schule, die ich etwa alle 1-2 Monate getroffen habe und die sich im Rathaus um die Internationalen Beziehungen der Gemeinde gek\u00fcmmert hat. Sie hat f\u00fcr mich auch das Zimmer im Studentenwohnheim organisiert. Zusammen mit der Schulleiterin hat sie sich immer sehr darum bem\u00fcht, mir die Chance zu so vielen spannenden Erfahrungen wie m\u00f6glich zu geben. Beispielsweise habe ich mir eine Woche lang die Arbeit in einem Theaterprojekt f\u00fcr Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen angeschaut und zwei Wochen eine Deutschlehrerin an einer weiterf\u00fchrenden Schule im Unterricht begleitet. Au\u00dferdem durfte ich einen Vortrag f\u00fcr Lehramtsstudierende an der Uni Ume\u00e5 \u00fcber meine Motivation f\u00fcr ein Auslandspraktikum halten.<\/p><p><strong>Leben neben dem Praktikum<\/strong><\/p><p>Ich glaube ich hatte wirklich Gl\u00fcck, dass ich die erste Praktikantin aus dem Ausland in der Gemeinde Skellefte\u00e5 war, denn so haben sich alle wirklich sehr angestrengt, damit es mir gef\u00e4llt und ich mich wohl f\u00fchle. Deshalb durfte ich, obwohl ich dort nicht studiert habe, trotzdem im Studentenheim wohnen. Hier habe ich dann fast alle kennen gelernt, mit denen ich in meiner Freizeit etwas unternommen habe. Es ist nicht ganz einfach, Gleichaltrige kennen zu lernen wenn man ein Erasmus-Praktikum und kein Erasmus-Studium macht. Man hat eben nicht direkt eine Gruppe, zu der man sofort dazu geh\u00f6rt. Davon sollte man sich aber auf keinen Fall abschrecken lassen, denn ich glaube ich habe dadurch Land und Leute viel besser kennen gelernt und mich auch fr\u00fcher auf Schwedisch verst\u00e4ndigt.<\/p><p>In meiner Freizeit neben dem Praktikum habe ich angefangen, im \u00f6rtlichen Fitnessstudio \u201eFriskis&Svettis\u201c zu arbeiten. Zu Beginn als Unterst\u00fctzung im Kurs f\u00fcr Kinder, dann auch im Kurs f\u00fcr Menschen mit Beeintr\u00e4chtigungen und schlie\u00dflich auch alle zwei Wochen einmal an der Rezeption. Ich habe durch diese Arbeit viele neue Menschen getroffen und durch die freundliche und freundschaftliche Atmosph\u00e4re dort hat mir die Arbeit richtig Spa\u00df gemacht.<\/p><p>An der Uni gab es dann auch ein Sprachcaf\u00e9, in dem man mit anderen Schwedisch-Lernenden und Muttersprachlern seine Sprachf\u00e4higkeiten verbessern konnte. Die Initiative, die diese Caf\u00e9 organisierte, veranstaltete auch weitere internationale Begegnungen, wie z.B. den Interkulturellen Tag auf dem Marktplatz, wo Menschen aus verschiedenen L\u00e4ndern selbstgebackenes landestypisches Brot verteilten.<\/p><p>Mein Fazit ist, dass man auch ohne zu studieren, interessante neue Menschen kennen lernen kann. Man muss sich vielleicht selbst etwas mehr anstrengen, aber es lohnt sich auf jeden Fall.<\/p><p><strong>Nach dem Praktikum<\/strong><\/p><p>Ich finde das Beste an Auslandsaufenthalten ist, dass man noch einmal die Chance hat alles neu und anders zu machen sowie neue Menschen, Kulturen und Lebensweisen kennen zu lernen. Ich habe zum Beispiel Dinge ausprobiert, die ich in Deutschland wahrscheinlich nie angefangen h\u00e4tte: einen Bauchtanzkurs (den meine Mitbewohnerin aus dem Studentenwohnheim geleitet hat), Ski fahren oder aber einfach den Winter genie\u00dfen (und das bei bis zu -32\u00b0C und Dauerschnee von November bis April).<\/p><p>Im Praktikum habe ich sehr viel dar\u00fcber herausgefunden, wie Schule in Schweden (oder zumindest in Skellefte\u00e5) funktioniert und welches Bild vom Kind der p\u00e4dagogischen Arbeit zugrunde liegt. Ich habe aber auch eine ganze Menge \u00fcber mich selbst und meine Rolle als Lehrkraft gelernt. Ich habe beispielsweise meine St\u00e4rken und f\u00fcr den Beruf hilfreichen Eigenschaften deutlicher gemerkt, aber auch Bereiche erkannt, in denen ich noch Verbesserungspotenzial bei mir sehe. Das Praktikum hat mir auf jeden Fall neue Motivation f\u00fcr das Studium gegeben und ich kann mir gut vorstellen, dass ich in den Theorieteilen des Studiums oft von der Praxiserfahrung profitieren werde.<\/p><p>Insgesamt kann ich wirklich nur jedem empfehlen, den Mut zu finden und die eventuellen Anfangsschwierigkeiten zu \u00fcberwinden und ein Praktikum im Ausland zu machen. Es hat mich sowohl im pers\u00f6nlichen als auch professionellen Bereich ein gro\u00dfes St\u00fcck weiter gebracht und ich bin mit so vielen tollen Erfahrungen (die ich jetzt hier gar nicht alle aufz\u00e4hlen konnte) und Erinnerungen wieder nach Hause gekommen.<\/p>","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[207,342721,356669,49297,368865,653,72822],"tags":[125659,68174,49297,72822],"class_list":["post-2573","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein","category-berichte","category-laender","category-lehramt","category-outgoing","category-praktikum","category-schweden","tag-erfahrungsbericht","tag-grundschule","tag-lehramt","tag-schweden"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2573","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/users\/9117"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2573"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2573\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":3545,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2573\/revisions\/3545"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media\/2579"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2573"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2573"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/praxisschock\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2573"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}