Während meines Praktikums an der Coláiste Bríde Secondary School habe ich viele Erfahrungen gemacht und Eindrücke gesammelt, die ich hier, neben allgemeinen Angaben zu meinem Auslandspraktikum, schildern werde. Dieser Erfahrungsbericht versteht sich als persönliche Erlebnisschilderung, für Studierende, welche zukünftig ein Auslandspraktikum in Irland absolvieren wollen.

Vorbereitung
Sich frühzeitig vorzubereiten ist immer eine gute und sinnvolle Entscheidung, die einem später viele Sorgen und Stress ersparen kann. Man sollte sich also früh genug darüber informieren, was alles gebraucht wird und was vor dem Antritt des Auslandsaufenthaltes alles erledigt sein will.  Aber wann ist früh genug?

Bei mir war es über ein Jahr, bevor ich tatsächlich nach Irland ging. Es kommt eher seltener vor, dass jemand ein Auslandspraktikum statt eines Studienaufenthaltes als English-Speaking Cultures Studierende/r machen möchte. Aufgrund einer Regelung in der Prüfungsordnung für Studierende von zwei Fremdsprachen und zwei obligatorischen Auslandsaufenthalten, hatte ich die Option ohne einen Antrag ein Praktikum in Englischsprachigen Ausland zu machen. Ich habe zunächst mit Frau Wachsmuth gesprochen, die mich darauf hinwies, dass ich in vielen Branchen ein Praktikum absolvieren könnte. Unter anderem waren Verlage, Redaktionen, Übersetzungsbüros, aber auch Schulen, Kindergärten und private Sprachschulen dabei.

Meine Wahl fiel mir nicht schwer. Da ich auf Lehramt studiere, hatte ich mich für ein Schulpraktikum entschieden. Leider gestaltete sich das Finden eines Praktikumsplatztes nicht so einfach und ich habe sehr lange nach einem gesucht. Die Suche dauerte so lange, dass ich das Praktikum erst wesentlich später absolvieren konnte, als ich es eigentlich wollte. Deswegen lohnt es sich frühzeitig mit der Suche zu beginnen. Kurz bevor ich einen Platz fand, war ich so verzweifelt, dass ich mich fast bei einer Agentur angemeldet hätte, die einem dann eine Praktikumsplatz vermittelt. Das aber natürlich nur gegen eine horrend hohe Vermittlungsgebühr. Dies ist natürlich ein etwas einfacherer Weg, als sich den Platz selbst zu suchen aber sicherlich kann sich nicht jeder den Dienst einer solchen Agentur leisten.

Die typischen Steinmauern auf dem Land

Über Dr. Nittel kam ich schließlich zu ein paar Adressen von Schulen, bei denen ich mich direkt bewarb. Zur Sicherheit fragte ich auch noch ein paar Freunde aus dem englischsprachigen Ausland, wo sie zur Schule gegangen sind und ob sie meinen ob ein Praktikum dort Spaß machen würde. Nach eifriger Bewerbungsschreiberei im Dezember 2018, einer Absage und ansonsten nur Funkstille wurde ich ungeduldig. Also fing ich an bei den Schulen nachzufragen, ob meine Unterlagen denn angekommen seien. Mir wurde von allen Seiten versichert, dass sie weitergeleitet werden würden aber bei einer Schule klang die Sekretärin doch weniger geschäftsmäßig und unheimlich aufgeschlossen.

Im Januar 2019 bekam ich dann endlich eine Rückmeldung, nebenbei auch meine einzige neben der ersten Absage. Die Schule an die letztendlich ging war die ehemalige Sekundarschule einer Freundin aus Irland – Colaíste Bríde. Man sollte also einen langen Atem bei der Praktikumsplatzsuche mitbringen, wenn man nicht zu viel Geld für eine Agentur ausgeben will. Mir war nach der Zusage sofort klar, dass ich mich für Erasmusförderung bewerben wollte, was auch sehr reibungslos und schnell ablief. Das war für mich besonders von Vorteil, weil mein Praktikum schon viel eher beginnen sollte, als ich es eigentlich geplant hatte. So saß ich dann am 26. Februar, gerade mal etwas über einen Monat nach der Zusage schon im Flieger von Hamburg nach Dublin. Es ist einfach super, dass man sich ohne Frist für die Erasmusförderung im Praktikum noch bewerben kann.

Allgemeine Informationen zum Praktikumsplatz

Frontfassade von Coláiste Bride

Meine Stelle an der Coláiste Bríde wurde als Language Assistant bezeichnet. Ich unterrichtete also meine Muttersprache an der Sekundarschule, was ich sehr interessant fand, da für mich später auch in Frage kommt in Deutschland Deutsch als Zweit- oder Fremdsprache (DaZ/DaF) zu unterrichten.

Was außerdem super interessant für mich war ist, dass es sich bei Coláiste Bríde um eine reine Mädchenschule handelt. Diese gibt es in meiner Umgebung nicht sehr häufig und sie sind in ganz Deutschland eher selten. Ungefähr 700 Mädchen im Alter von zwölf bis 18 besuchen diese Schule, die durch ihre Teilnahme an CEIST – Catholic Education, an Irish Schools Trust als katholische Schule gilt, aber auch Schülerinnen anderer oder keiner Religion aufnimmt.

Das Kollegium besteht aus ca. 75 Lehrkräften, von denen viele nur ein Fach unterrichten. Eine Sache, die mich im Besonderen begeistert hat, war das Lehrerraumsystem, was im englischsprachigen Ausland sehr beliebt ist. Hierbei hat die Lehrkraft ihren eigenen Fachraum und die Schülerinnen wechseln nach jeder Unterrichtsstunde den Raum. Somit kann ein Fachraum sehr individuell durch de Lehrkraft gestaltet werden und oft ist das Fach im ganzen Raum regelrecht spürbar, wie es der Fall im Deutschraum meiner Mentorin war. Das Kollegium war unheimlich freundlich und aufgeschlossen. Ich hatte eine tolle Zeit dort!

Haupteingangsberiech für Lehrkräfte und Eltern

 Leben und Unterkunft
Zur Wohnungssuche kann ich tatsächlich nicht allzu viel sagen, weil ich das Glück hatte, dass mir meine Mentorin, mit der ich bevor ich nach Irland kam schon Email Kontakt hatte, anbot bei ihr auf dem Grundstück zu wohnen. Die Wohnungspreise sind in Irland sehr hoch. Für ein Zimmer mit eigenem Bad, aber ansonsten Gemeinschaftsräumlichkeiten, kann man mit mindestens 400 bis 500€ rechnen. Mir hat das Leben und die Energie der Iren sehr gut gefallen. Auf mich machten die Leute stets einen offenen und entspannten Eindruck, was ich schon so manches mal in Deutschland nach meiner Rückkehr vermisst habe. Ansonsten ist die Kultur, wenn man sie direkt mit der deutschen vergleicht nicht allzu unterschiedlich und wenn man selbst auch offen für Neues ist, wird es einem nicht schwer fallen Anschluss zu finden und sich schnell heimisch zu fühlen.

 Nach der Rückkehr
Zur Anerkennung meiner Leistung kann ich zum jetzigen Zeitpunkt leider noch nicht viel sagen, ich bin aber sehr zuversichtlich, dass alle erbrachten Leistungen anerkannt werden können.

Fazit
Für meinen Studiengang ist der Auslandsaufenthalt zwar obligatorisch, aber im Nachhinein kann ich sagen, dass ich mich auch freiwillig dazu entschieden hätte den Schritt ins Ausland zu wagen. Ich konnte viele tolle Erfahrungen sammeln und habe neue Freundschaften geschlossen, bei denen ich mir sicher bin, dass sie noch sehr lange halten werden. Auch für meine Persönlichkeitsentwicklung hat diese Zeit sehr viel Gutes getan. Ich fühle mich selbstsicherer, selbstständiger und habe mir bewiesen, dass ich alles schaffen kann, was ich mir vornehme. Ich wurde durch das Praktikum in meinem Berufswunsch bestärkt und es hat mir neue Motivation gegeben, in meinem Studium weiterhin mein Bestes zu geben. Ich kann nur jedem empfehlen ein Auslandspraktikum zu machen, wenn man die Möglichkeit dazu hat.

 

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