Vorbereitung:
Nachdem ich bereits ein Semester in Italien, Ancona, studiert hatte und dabei von positiven Erfahrungen überflutet wurde, war ich mir sicher, meine Erasmus Erfahrungen durften noch nicht zu Ende sein. Überzeugt davon suchte ich nach einem Praktikumsplatz, bestenfalls natürlich auch in Italien, um meine neu gewonnenen Sprachkenntnisse weiter ausbauen zu können. In Casal Velino, Süditalien, wurde ich dann letztendlich über eine Internetanzeige fündig. Nun stand das Bewerbungsverfahren für das Stipendium vor der Tür. Glücklicherweise war ich mit den Formalitäten Erasmus bereits etwas vertraut. Zudem erhielt ich wann immer nötig Unterstützung des International Office, sowie von meinem Fachbereich (Fachbereich 9). So konnte ich alle Formalitäten wie Praktikumsvertrag, Learning Agreement oder Grant Agreement relativ schnell erledigen. Gleichzeitig sollte auch nicht vergessen werden, dass man auch einen Antrag für den Auslandsaufenthalt bei der Uni einreichen muss, gegebenenfalls auch Auslandsbafög beantragen sollte, sowie sich Gedanken über eine europäische Kreditkarte oder Krankenversicherung (wenn diese nicht durch den Arbeitgeber geregelt ist) machen und Verträge wie den Handyvertrag oder fürs Fitnessstudio pausieren, beenden oder erweitern sollte. Ich persönlich hatte bereits eine europäische Krankenversicherung, habe ein Konto bei der DKB Bank (Studenten bekommen hier eine kostenlose internationale Kreditkarte) und mein Handyvertrag war dank des neuen EU Gesetzes auch in Italien gültig (hier solltet ihr aber definitiv nachfragen). Neben all diesen Formalitäten muss nun eine Wohnung gefunden werden, sowie die Anreise organisiert werden.

Das Praktikum:
Mit Ryan Air ging es dann für mich direkt Richtung Neapel, von wo ich dann mit dem Zug zwei weitere Stunden Richtung Süditalien gefahren bin. Die App „Trenitalia“ war bereits auf meinem Handy installiert, weshalb ich easy die Züge checken und dort direkt auch buchen konnte. Während der Fahrt war ich bereits fasziniert von der umwerfenden Natur um mich herum und wurde auch bei meiner Ankunft nicht enttäuscht. Noch zwei Tage blieben mir um die Umgebung zu erkunden, bevor es dann losging. Nach wenigen Einführungstagen hatte ich mein eigenes Projekt auszuarbeiten. Von Marktsegmentanalyse bis zur Durchführung der eigenen Planungen, bedeutet Umsetzung von Imagefilmen, schreiben von Content etc. wurde mir relativ viel Freiraum gelassen. Am meisten begeistert hat mich hierbei, dass ich teilweise im direkten Kontakt mit dem Endkunden stand, weshalb ich direkt sehen konnte, wo sind Defizite die ich in meinem Projekt verbessern kann, wo sind tatsächliche Bedürfnisse und was kommt bereits gut an und könnte weiterhin Teil meines Projektes sein?

Leben in Süditalien:
Land, Leute, Kultur und Sprache hatten mich ja bereits in Ancona verzaubert. Cilento konnte dies aber noch einmal toppen. Schnell habe ich mich daran gewöhnt, stehend an der Bar Espresso und Croissant zu frühstücken bevor es an den Schreibtisch geht, Obst und Gemüse nicht im Supermarkt sondern frisch beim Bauern an der Straße zu kaufen oder den Sonnenuntergang in einem der unzähligen Lidos zu genießen. Besonders fasziniert hat mich die atemberaubende Landschaft geprägt durch Landwirtschaft, überwiegend Olivenbäume und Weinanbau, wunderschönes klares Wasser und bilderbuchartige Bergdörfer. Englischsprechende Süditaliener sind definitiv rar aber genau das hat mich motiviert weiter an meinen Sprachkenntnissen zu arbeiten. Trotzdem habe ich einige Freundschaften mit Italienern schließen können, weshalb ich Kultur und Traditionen noch einmal ganz anders erleben konnte. Besonders positiv fand ich die kleinen italienischen Dorfbergfeste mit allen regionalen Köstlichkeiten, das Mittagessen mit den Familien oder auch die kleinen Strandpartys. An das viele unnötige Hupen, die ewige Siesta, Strände voller Sonnenschirme und auch den vielen Müll werde ich mich allerdings nie gewöhnen können.

Nach der Rückkehr:
Die Zeit verflog leider wie im Flug und Ende August hieß es dann Koffer packen und Abschied nehmen. Bevor der Abreise sollte man definitiv sicherstellen, dass alle Dokumente wie das Assessment Formular, das Trainship Certificate, der Europass oder auch das Praktikumszeugnis von der Gasteinrichtung ausgefüllt werden. So kann sich dann im Anschluss ganz entspannt um die abschließenden Formalitäten des Erasmus Stipendium kümmern ohne permanent irgendwelchen Dokumenten hinterherrennen zu müssen. Nicht zu vergessen sind das EU-Survey und der OLS-Sprachtest.
Auch diese letzten Formalitäten sind schnell erledigt und so bleibt einem nur noch das Zurückschauen auf eine wunderbare Zeit in der man nicht nur eine fremde Kultur kennenlernen durfte, sondern auch viele Eigenschaften für sich persönlich und definitiv auch für die Zukunft, sei es aus beruflicher oder zwischenmenschlicher Perspektive, mitnehmen konnte.