Als ich im Sommer 2017 nach meinem neunmonatigen Erasmus-Studium Istanbul verließ, wusste ich bereits, dass ich auf jeden Fall so schnell wie möglich wiederkommen wollte. Und das nicht nur als Tourist, sondern für ein paar Monate, um mich noch einmal tiefer mit der Kultur auseinander zu setzen und mein Türkisch weiter zu verbessern. Während des ersten Auslandsaufenthaltes war mir außerdem klar geworden, dass ich später im Bereich Internationale Beziehungen arbeiten möchte, natürlich gerne im Bereich der deutsch-türkischen Beziehungen.

Daher beschloss ich, mich bei einigen deutsch-türkischen Stiftungen zu bewerben, die sich hauptsächlich mit Demokratieförderung, Menschenrechten und Migration beschäftigen. Da sich zum Zeitpunkt der Bewerbung die deutsch-türkischen Beziehungen jedoch auf einem Tiefpunkt befanden, bekam ich hauptsächlich die Antwort, dass derzeit keine ausländischen Praktikanten aufgenommen werden können.

Eine Stiftung leitete mich jedoch an ihre Partnerorganisation weiter, das Istanbul Policy Center, wo ich dann auch letztendlich mein Praktikum absolvierte. Nachdem ich meinen Lebenslauf und ein Motivationsschreiben geschickt hatte, folgte ein kurzes Interview über Skype, an dessen Ende ich die Zusage erhielt. Sämtliche Erasmus-Unterlagen wurden mir übrigens jedes Mal direkt am nächsten Tag wieder ausgefüllt zurückgeschickt, weswegen die gesamte Erasmus-Prozedur von Seiten der Organisation völlig problemlos ablief.

Das Istanbul Policy Center (Ästanbul Politikalar Merkezi) ist ein Researchcenter, das mit der deutschen Mercator-Stiftung zusammenarbeitet und zu der türkischen SabancÄ Universität in Istanbul gehört. Dort forschen Professoren und Stipendiaten eines eigenen Stipendien-Programms zu den Themen German/EU-Turkish Relations, Democratization and Conflict Mediation und Climate Change. Dazu schreiben sie regelmäßig Policy Briefs, veranstalten Workshops und organisieren Konferenzen.

Zusammen mit den anderen Praktikanten habe ich die Professoren bei der Forschung zu den verschiedenen Themen unterstützt. Das Projekt, bei dem während meiner Zeit am meisten mitgeholfen war, hieß “Healthcare Access for Syrian Refugees in Turkey – A gender-sensitive perspective”. Konkret ging es um die gesundheitliche Versorgung von Flüchtlingsfrauen und die bestehenden Probleme. Dazu recherchierte ich zunächst die Gesetzeslage in der Türkei und half dabei diese Informationen übersichtlich darzustellen. Anschließend veranstalteten die Mitwirkenden einen Workshop, zu dem Vertreter der UN und verschiedener Flüchtlingsorganisationen in Istanbul eingeladen wurden. Dort wurden die bestehenden Probleme diskutiert, sowie verschiedene Lösungsansätze. Insgesamt zeichnete sich jedoch eine hohe Frustration aller Teilnehmer ab und der Wunsch nach besserer Unterstützung durch die Regierung.

Bei dieser und vielen anderen Workshops und Konferenzen waren wir Praktikanten für Notizen und Fotos verantwortlich, sowie für die Registrierung der Teilnehmer und alles andere, was nebenbei anfiel. Anschließend mussten wir die Aufnahmen der Konferenz transkribieren, was wohl insgesamt die unbeliebteste Aufgabe war. Zusätzlich habe ich oft Artikel und Aufsätze der Professoren Korrektur gelesen, die Webseite aktualisiert und andere administrative Aufgaben übernommen. Obwohl das Praktikum auf Englisch stattfand, war es sehr praktisch, dass ich Türkisch spreche, da immer mal wieder Dokumente nur auf Türkisch vorhanden waren und auch die türkischsprachigen Medien für Recherchen genutzt wurden.

Leider gab es an manchen Tagen etwas zu wenig zu tun, wobei ich die Zeit genutzt habe um Türkisch zu lernen oder über relevante Themen zu lesen. Ansonsten war ich mit dem Praktikum sehr zufrieden. Alle Mitarbeiter waren sehr hilfsbereit und die Arbeiten der Praktikant/innen wurden stets gewürdigt und unsere Ideen mit einbezogen.

Das beste Frühstück der Welt

Das Praktikum war unvergütet, wir haben jedoch “Ticket-Cards” bekommen. Diese Karten können mit einem Guthaben aufgeladen werden und anschließend wie eine Kreditkarte in den meisten Restaurants verwendet werden. Dadurch haben wir das Mittagessen umsonst bekommen und da die Ausgaben sehr großzügig berechnet wurden, blieb meist noch genug übrig um auch mal abends oder am Wochenende essen zu gehen. Zusammen mit der Erasmus-Förderung und ein bisschen Erspartem, konnte ich daher (auch dank des Wechselkurses) sehr gut leben und musste kaum auf mein Geld achten.

Ich hatte den Vorteil, dass ich durch meinen vorherigen Aufenthalt bereits viele Freunde in Istanbul hatte und mich schon nach dem zweiten Tag wieder wie zuhause gefühlt habe. Auch meine Wohnung hatte ich über Freunde gefunden und keine Probleme, was das Leben in Istanbul anging. Gleichzeitig konnte ich auch mein Türkisch weiter verbessern und das Arbeitsleben in der Türkei kennen lernen.

Insgesamt bin ich sehr glücklich, dass ich eine erneute Chance bekommen habe, in dieser wunderbaren Stadt zu leben und in die türkische Kultur eintauchen zu können. Trotz aller politischen Schwierigkeiten ist Istanbul meine absolute Lieblingsstadt und die Menschen sind unglaublich gastfreundlich und freuen sich über Besucher, die Interesse an der türkischen Kultur zeigen. Der nächste Flug ist bereits gebucht…