Vorbereitung
Da ich generell gerne reise und möglichst viele verschiedene Erfahrungen sammeln möchte, habe ich direkt zugesagt, als mein Professor mich gefragt hat, ob ich nicht für meine Bachelorarbeit ins Ausland gehen wolle. Als Studentin der Meeresbiologie hoffe ich darauf, auch im späteren Berufsleben des Öfteren im Ausland unterwegs zu sein und wusste diese Gelegenheit somit zu schätzen. Die Arbeitsgruppe der Marinen Ökologie der Universität Bremen ist gerade dabei eine neue Kooperation mit dem Institut für Marine Biologie (IfmB) auf Giglio zu starten und Bachelor- sowie Masterstudenten aus dem Bereich der Meeresbiologie auf die Insel für Abschlussarbeiten zu schicken. Ich war noch nie zuvor in Italien und habe mich deswegen sehr gefreut, dass sich dass bald ändern sollte. Um die für mich anfallenden Kosten möglichst gering zu halten, habe ich mich beim IfmB außerdem als Kursassistentin beworben. Die Mitarbeiter des Institutes bekommen ihre Reisekosten erstattet und müssen vor Ort nichts für die Unterkunft zahlen. Um allerdings als Mitarbeiterin in Frage zu kommen, musste noch einiges erledigt werden. Zu den Voraussetzungen gehören neben einem Tauchschein noch der Rettungsschwimmer Silber und der Sportsbootführerschein See. Den Tauchschein hatte ich bereits, aber die anderen beiden Sachen standen noch auf dem Plan. So ein Bootsschein kostete mich ein Paar Fahrstunden, einen Wochenend-Theorie-Kurs und einen Haufen Geld. Nichts desto trotz, bin ich heute froh, dass ich ihn damals gemacht habe; schließlich ist er ein Leben lang gültig. Es stand erst sehr kurzfristig fest, dass der Rettungsschwimmer zwingend notwendig ist, weshalb ich kaum Hoffnung hatte, dass ich ihn noch vor Praktikumsantritt in der Tasche habe. Der DLRG Bremen war aber sehr hilfsbereit und hat mich kurzerhand noch in einem Kurs unterbringen können. Auch die Mitglieder haben sich viel Mühe gegeben, damit ich die zu erledigenden Aufgaben erfolgreich meistern konnte. Eine Woche vor Praktikumsbeginn hatte ich somit alle Voraussetzungen erfüllt und konnte mich ganz der Vorfreude auf mein dreimonatiges Abenteuer hingeben.

Formalitäten im Gastland
Zu meinem Glück liegt die Insel Giglio in Italien und somit in der Europäischen Union. Ich musste mich also weder um einen Handyvertrag, noch um ein ausländisches Konto kümmern, freiem Roaming und der Visa-Karte sei Dank. Auch Papiere oder ähnliches waren nicht nötig. Gut zu wissen allerdings: auf der 1,400 Einwohner-Insel bezahlt man lediglich mit Bargeld. Es gibt in jedem Ort einen Bankautomaten, allerdings können hier ohne eine Kreditkarte Kosten fürs Geld abheben anfallen.

Allgemeine Informationen zur Institution und Praktikantenaufgaben
Das Institut für Marine Biologie liegt direkt am Mittelmeer und bietet fünftägige Kurse für Schüler der deutschsprachigen Oberstufe an. An den verschiedenen Kurstagen werden den Schülern dann unterschiedlichste Lebensräume des Mittelmeeres sowohl theoretisch als auch praktisch vorgestellt. Dieses Jahr feierte das Institut 30-jähriges Jubiläum, wobei es seit zwei Jahren unter der Leitung von Jenny Tucek steht. Sie hat viel Zeit und Mühe in Renovierungsarbeiten investiert um die Kursräume vor allem technisch auf dem neusten Stand zu halten. Früher gehörte auch eine Tauchbasis zum Institut. Heute ist das Campese Diving Center (CDC) aber eigenständig, arbeitet aber noch immer sehr eng mit dem IfmB zusammen.

Das Institut ist gut ausgestattet mit Mikroskopen, Binos, inklusive Kameras hierfür, Dokumentenkameras, Beamern, Bildschirmen etc… Für Forschung eine gute Grundlage. Von April bis Ende Oktober herrscht buntes Treiben in den Gemäuern des IfmB, wobei zu Anfang der Saison erst einmal viele Arbeiten wie Aufräumen, Organisieren und Putzen anfallen. Die ersten Wochen finden dann in erster Linie italienische Kurse statt, die im Gegensatz zu den deutschen nur einen Tag, genauer gesagt 3 Stunden, andauern. Als nicht-italienisch sprechende Praktikantin versteht man diese Stunden zwar kein Wort dessen, was die Kursleiter den meist elf- bis vierzehn-jährigen Italienern erzählen, aber die üblichen Arbeiten wie Tiere vorbereiten, darauf achten, dass die Schüler pfleglich mit diesen umgehen, und sie wieder artgerecht im Hälterungsraum unterzubringen können auch ohne Sprachkenntnisse erledigt werden. Außerdem werden gegen Ende des Kurstages die erklärten Organismen unter dem Bino und unter der Dokumentenkamera vorgeführt und einzelne Details besprochen. Bei den deutschsprachigen Kursen kommt noch hinzu, dass den Schülern bei Fragen zur Artbestimmung zur Seite gestanden wird. Selbstverständlich muss auch der Kursraum stets sauber gehalten werden, was wie üblich Aufgabe der Praktikanten ist.

Hinzu kommt, dass einer der Kurstage eine geführte Schnorcheltour in der Bucht beinhaltet, die ebenfalls von Praktikanten durchgeführt wird. Hierfür ist aus versicherungstechnischen Gründen der Rettungsschwimmer nötig. Ansonsten wird mit dem insitutseigenem Schlauchboot zu den Tauchplätzen in der Bucht gefahren um dort während eines Tauchganges die Algen und Tiere für den Kurs einzusammeln. Genauso werden auch Tauchgänge ausgeführt, um diese Organismen wieder ins Meer zurück zu bringen. Auch wird mit dem Boot vor Kursbeginn Plankton gezogen, was also mal recht früh erledigt werden muss.

Während meiner Zeit vor Ort bin ich allerdings nicht Boot gefahren, da das Instituts-Boot leider den Geist aufgegeben hat und wir somit Tag täglich auf die Boote des CDCs angewiesen waren.

Das komplette Tauchequipment bekommt man als Mitarbeiter vom Institut kostenlos zur freien Verfügung gestellt. Ebenso kann man immer wenn Zeit und Platz auf den Tauchbooten ist, genauso kostenlos mit auf die Ausfahrt und tauchen gehen. Da es sich bei der Arbeit für das IfmB um Saisonarbeit handelt, sieht es jede Woche anders aus, was den Zeitplan betrifft. So gibt es Wochen, in denen man so gut wie jeden Tag Zeit fürs Tauchen findet, aber auch Wochen in denen daran nicht zu denken ist.
Unterkunft

Untergebracht sind Assistenten zusammen in einem Keller-Apartment in unmittelbarer Nähe zur Tauchbasis. Zum Institut sind es zwei Minuten Fußweg am Strand entlang, zum kleinen Lebensmittelladen eine Minute. Das Apartment hat zwei Schlafzimmer, zwei Badezimmer und eine Küche. Von Luxus muss man sich allerdings schnell verabschieden: die zwei Schlafzimmer sind mit Hochbetten ausgestattet und bieten raum für ganze acht Praktikanten, die Küche wird nicht nur von den im Apartment lebenden Assistenten benutzt, sondern ebenso von allen anderen Mitarbeitern des Instituts sowie der Tauchbasis. Zu manch einer Zeit steht sie mit ihrem einen Kühlschrank mehr als fünfzehn Leuten zur Verfügung, ebenso auch die Badezimmer. Privatsphäre und Ruhe gibt es somit für die gesamte Praktikumsdauer nicht. Schon früh morgens kann bei so vielen Leuten damit gerechnet werden, dass jemand die Eingangstür (die immer unverschlossen bleibt) laut hinter sich zu zieht oder sich laut in der Küche unterhält. Hinzu kommt, dass das komplette Apartment eher renovierungsbedürftig ist und alleine die Assistenten es sauber zu halten haben. Diese Unterkunft ist außerdem nichts für Kakerlaken-Feinde.

Nach der Rückkehr
Bereits einige Tage nach meiner Rückkehr habe ich in der Post meine Praktikumsbescheinigung erhalten, und auch meine Erasmus-Papiere wurden bereitwillig und zügig bearbeitet. Alles weitere, was nach der Beendigung des Praktikums ansteht, ist das Einsenden der Reisebelege, um eine Reisekostenrückerstattung zu bewirken.

Fazit
Ich würde jeder Zeit wieder ein Praktikum am IfmB absolvieren wollen. Auch wenn man sich erst an Land, Leute und Umgebung gewöhnen musste, so waren es doch drei wunderschöne Monate, in denen ich viel gelernt habe. Nicht nur fachlich auf dem Gebiet der Meeresbiologie habe ich mich weiterentwickeln können, sondern ebenso auch menschlich. Es gab viele Situationen, in denen man sich anpassen musste oder behaupten, aber auch genauso viele in denen man angehört wurde. Die Unterkunft lässt zu wünschen übrig, aber da sie mich nichts gekostet hat, war mir auch dass schnell egal. Außerdem hält man sich sowieso viel mehr am Strand oder im Institut auf, als sonst wo. Ich bin für diese Chance sehr dankbar und freue mich schon auf ein Wiedersehen.

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