Manchmal kommt es anders, als man denkt…

Mein erfolgreiches Praktikum im Projektmanagement einer britischen Übersetzungsagentur habe ich einem aufregenden Weg voller unvorhersehbarer Wendungen und Herausforderungen zu verdanken und widme diesem Teil daher besonders viel Aufmerksamkeit. So wurde aus dem anfänglichen Plan, Events in London zu organisieren, ein Praktikum im Online-Marketing für Kinderspielwaren in Lincoln, welches sich zu guter Letzt glücklicherweise in eine Stelle als Projektmanagerin in einer Übersetzungsagentur in Nottingham verwandelte. Doch beginnen wir am Anfang…

Im Zuge meines Studiums der Kulturwissenschaften gilt es ein Praktikum zu absolvieren, welches ich in Verbindung mit einem obligatorischen Auslandssemester im Rahmen meines Englisch-Studiums in einem Auslandspraktikum integrieren wollte. Hochmotiviert begann ich ca. neun Monate vor geplantem Beginn des Praktikums mit der Organisation. Diese begann mit der Teilnahme an einer Info-Veranstaltung des Career Centers zum Thema “Bewerbungen auf Englisch”, in der sich auf sehr hilfreiche Weise viel Zeit für jeden von uns genommen wurde. Wir konnten unsere Vorhaben schildern und wurden sofort an die Hand genommen. Aus dieser einmaligen Veranstaltung wurden im Laufe der Planung zahlreiche Gespräche, in denen ein Ansprechpartner des Career Centers mit mir einen persönlichen englischen Lebenslauf auf die Beine stellte. Es war eine Menge Arbeit, die sich wirklich ausgezahlt hat! So brachte dieser Aufwand nicht nur einen Lebenslauf mit sich, der sich sehen lassen kann, sondern stärkte auch merklich mein Selbstbewusstsein! Also liebe Studenten, solltet ihr ein Praktikum im Ausland anstreben, wendet euch unbedingt ans Career Center und nehmt die tolle Chance wahr, euch individuell und professionell beraten zu lassen!

Als der Lebenslauf nach drei Monaten perfektioniert und bereit für die britische Arbeitswelt war, begann ich fleißig sowohl Initiativbewerbungen, als auch Bewerbungen auf ausgeschriebene Praktika in britischen Eventagenturen zu verschicken. Dass ich überwiegend Absagen bzw. nicht einmal eine Antwort erhielt, versetzte meinem Optimismus leider einen kleinen Knick. Dies lag jedoch weniger an mir und meinen Fähigkeiten, sondern viel mehr an der Auswahl der Firmen. Ich hatte mir mein Ziel sehr hoch gesetzt und mich bei sehr erfolgreichen und beliebten Betrieben in London, Edinburgh und Dublin beworben, welche leider nicht einmal die Zeit hatten, auf meine Bewerbung einzugehen. Ich musste also recht schnell erkennen, dass eine sehr viel offenere Einstellung her musste, um mir realistische Chancen in kleineren Betrieben und in kleineren Städten zu ermöglichen. Also gab ich nicht auf, sondern recherchierte ab einem gewissen Zeitpunkt nach Organisationen, welche Praktika zwischen Studenten und britischen Firmen vermitteln, um mich über meine Möglichkeiten zu informieren. Und auf einmal ging alles ganz schnell…

Dank einer Freundin wurde ich auf die kostenlose Organisation ISPO aufmerksam (Link zur Website: http://www.ispo.co.uk/students/44/about-ispo-students), welche Praktika für internationale Studenten in und um Nottingham vermittelt und organisiert. Zuerst stellte sich allerdings die Frage: Wirklich kostenlos? Das wäre ja fast zu schön, um wahr zu sein. Und die Antwort lautet: Tatsächlich kostenlos plus eine Vielzahl von britischen Firmen auf der Suche nach deutschen Studenten und eine bezahlte Unterkunft! Einzige Bedingung: Den Erhalt der Erasmus+ Förderung, da das Praktikum abgesehen von der gestellten Unterkunft nicht vergütet wird. Mehr musste ich nicht wissen, um mich dafür zu entscheiden, es mit dieser Organisation zu versuchen. Da keines der Unternehmen zu dem Zeitpunkt meiner Suche ein Praktikum im Event-Management anbot, ich aber auf eine Menge Marketing relevante Praktika stieß, welche mich ebenfalls sehr interessierten, war ich bereit, mich dieser neuen Möglichkeit freudig zu stellen. Innerhalb von zwei Wochen nach meiner Anmeldung bei ISPO hatte ich ein obligatorisches und sehr nettes Interview mit der dortigen Praktikantin hinter mich gebracht, in welchem auf mein Englisch geachtet wurde und ich einfach ein bisschen von mir, meinem Studium und meinen Erwartungen an das Praktikum erzählt habe. Im Anschluss daran bewarb ich mich auf alle angebotenen Stellen, die für mich in Frage kamen und hatte eine Woche später zum ersten Mal die Möglichkeit, ein Interview bezüglich eines sechsmonatigen Online-Marketing Praktikums mit einer Firma in Lincoln zu führen, welche Spielwaren für Kinder produziert und verkauft. Dieses verlief sehr gut und mir wurden hauptsächlich Fragen zu meinem Lebenslauf gestellt, wobei ich die Gelegenheit bekam, ausführlich von meinen Erfahrungen und Interessen zu berichten. Ich war von der Stelle hellauf begeistert und erhielt innerhalb einer Woche tatsächlich eine Zusage. Nun wurde es ernst und es galt sich um die Bewerbung für die Erasmus+ Förderung, eine Auslandsversicherung, einen Flug, andere finanzielle Förderung etc. zu kümmern. Dass mir die Suche nach einer Unterkunft dank eines Vertrags zwischen der Firma und der Organisation in Lincoln abgenommen wurde, war eine enorme Erleichterung! Einen Monat vor Beginn des Praktikums war alles organisiert, doch wie gesagt, kommt es manchmal anders, als man denkt…

In meinem Fall erreichte mich die Nachricht, dass mein Praktikum aufgrund enormer finanzieller Schwierigkeiten meines angestrebten Unternehmens, leider abgesagt werden muss, zu besagtem Monat vor Antritt des Praktikums. Aber ISPO hat mich nicht im Stich gelassen, sondern mir sofort einen Alternativ-Platz in zwei anderen Firmen und Bereichen angeboten. Zu meinem Glück überzeugte mich eine dieser Stellen aufgrund meiner Leidenschaft für Sprachen auf den ersten Blick, nämlich das Projektmanagement in einer Übersetzungsagentur. Also bewarb ich mich direkt auf dieses Praktikum, da ich die Anforderungen erfüllte, der Zeitraum passte und ich nicht bereit war aufzugeben. Im Nachhinein würde ich die Wendung all dieser Geschehnisse als Schicksal bezeichnen, weil ich sonst niemals dort gelandet wäre, wo ich es dann Gott sei Dank bin. Innerhalb einer Woche hatte sich also alles geändert und ich hatte es geschafft, mir meinen Platz in der Übersetzungsagentur in Nottingham zu sichern.

Die Mühe lohnt sich!

Einmal angekommen in Nottingham und der Übersetzungsfirma, welche meinen Arbeitsplatz für die folgenden sechs Monate darstellte, fühlte ich mich pudelwohl. Nottingham ist eine großartige Stadt und hat viel zu bieten – regelmäßige Events, zahlreiche Cafes, Restaurants und Nachtclubs, ein schönes Schloss mit interessanter Geschichte, unzählige Shopping- und Sportmöglichkeiten, zwei Universitäten mit einer Vielzahl internationaler Studenten etc. Außerdem nahm ich viele Angebote der Organisation Citylife Nottingham (Link zur Website: http://www.citylife-nottingham.com/) wahr, welche Trips und Events für internationale Studenten anbietet. Dank dieser konnte ich günstig und stets gut durchorganisiert einen Großteil von England – London, Bath, Oxford, Cambridge, Brighton, Durham, Stonehenge – sowie Edinburgh und Cardiff bereisen und bestaunen.

Mein Praktikum hat mir vom ersten Tag an gut gefallen – ich wurde von einem sehr herzlichen und offenen Team begrüßt, sofort als vollwertiges Teammitglied akzeptiert und detailliert über meine Aufgaben und Verantwortungsbereiche informiert. Die Arbeit im Projektmanagement in einer britischen Übersetzungsfirma erwies sich mit der Zeit als sehr abwechslungsreich und ich lernte eine Menge im Hinblick auf Firmenziele und -strukturen, verschiedene Arbeitsweisen, das britische positive miteinander Leben und Arbeiten und vieles mehr. Außerdem bekam ich auf meinen Wunsch hin die Möglichkeit an vielen Marketing- und Veranstaltungsprojekten mitzuarbeiten und so meine ursprünglichen Wünsche zu integrieren. Dank ISPO führte ich darüber hinaus erfolgreiche Evaluationsgespräche mit meiner Ansprechpartnerin vor Ort. Alles in allem schätze ich mich sehr glücklich ein Teil dieses Teams geworden zu sein, welches einander wertschätzt, miteinander arbeitet und sich zu Teilen auch privat gern trifft.

Und am Ende wird alles gut!

Ich habe durch und durch von dem Praktikum in einer britischen, mittelständigen Übersetzungsfirma profitiert und konnte kaum glauben, wie schnell die Zeit verflog. Nicht nur konnte ich mir ganz neues Wissen im Bezug auf den Betrieb und seine Arbeitsmethoden aneignen, ich hatte auch die Möglichkeit bereits existierende Kenntnisse anzuwenden und zu vertiefen. So arbeitete ich so intensiv wie nie zuvor mit Microsoft Office und hatte endlich die Gelegenheit, mein Englisch anzuwenden und es dank der täglichen Kommunikation mit Kollegen, Mitbewohnern und Freunden merklich zu verbessern. Ich habe tolle Menschen kennengelernt, Freundschaften geknüpft, das Land und seine Besonderheiten bestaunt, mich persönlich weiterentwickelt und viel über Kultur, Sprache und mich selbst gelernt. Natürlich verläuft das Abenteuer Ausland bei jedem unterschiedlich und ich hoffe, meine Erfahrungen schrecken nicht ab, sondern ermutigen, Herausforderungen anzunehmen, sich nicht von seinem Plan abbringen zu lassen und nicht aufzugeben. Es gehört eine Menge Arbeit, Geduld und Optimismus dazu, dieses Abenteuer zu managen, aber es lohnt sich. Denn am Ende wird doch immer alles gut! 🙂