Vorbereitung
Da ich bereits seit langem den Wunsch danach hegte, mein vorgeschriebenes Praktikum im Ausland zu verbringen, bildete meine erste Anlaufstelle das Career Center.  Dort bekam ich schnell erste Informationen rund um das Auslandspraktikum und mit Thomas Obieglo einen sehr hilfsbereiten Ansprechpartner. Nachdem ich mich weitläufig informiert habe, begann ich explizit auf Praktikumsplatzsuche zu gehen. Nachdem ich genug (dies waren auf Anraten um die 40 bis 50 Stück) brauchbare Adressen und Namen der Verantwortlichen zusammengeschrieben hatte, begann ich aktiv mit dem Schreiben der Bewerbung. Aus einem ersten Rohentwurf wurde dank fachspezifischer Hilfe seitens des Career Centers eine adäquate Bewerbung. Da ich mich ausschließlich initiativ bewarb, gab es keine einzuhaltenden Fristen. In meinem Fall versendete ich eine Hälfte der Bewerbungen an Universitäten, die andere an Charity Organisationen.  Weder von Absagen, noch von mangelnden Rückmeldungen sollte man sich entmutigen lassen, in meinem Fall hat das erste Skype Interview direkt zum erwünschten Erfolg geführt. Meine Zusage bekam ich circa sechs Wochen vor meinem Praktikumsbeginn, woraufhin meine Zeit vor Abflug aus viel Bürokratie, Kontakt zu meiner zuständigen Professorin an der irischen Universität und Organisation bestand.

Formalitäten im Gastland
Da ich mich mit Irland für ein EU-Mitgliedsstaat entschieden habe, entfiel die Notwendigkeit eines Visums. Sobald ich die mündliche Zusage erhalten hatte, begann ich mich dem Übersenden der erforderten Formalitäten. Um sicherzugehen, dass man alle Dokumente berücksichtigt und ordentlich ausgefüllt hat, empfand ich das Gespräch mit dem fachbereichseigenen Praxisbüro sinnvoll und hilfreich. Auch für die Anerkennung und erforderlichen Unterschriften ist der Fachbereich zuständig. Zu der Anerkennung durch die eigene Universität sowie die damit verbundene Bürokratie kam die Bewerbung auf die ERASMUS+-Förderung sowie, in meinem Fall, das Auslandsbafög. Da dies etwas Zeit in Anspruch nehmen kann, würde ich eine frühzeitige Organisation dessen empfehlen und die Antrage schnellstmöglich einreichen, damit die erste Zahlung rechtzeitig erfolgen kann. Meine ERASMUS+-Förderung (Irland ist unter der höchsten Stufe gelistet, wonach die Förderung 350 Euro beträgt) kam trotz knapper Beantragung gerade rechtzeitig, die erste BaföG-Zahlung erhielt ich jedoch erst nach zwei Monaten im Gastland. Ein Bankkonto habe ich mir in Irland nicht erstellt, sondern immer von üblichen Geldautomaten abgehoben (gegen Transaktionskosten von fünf Euro). Mit einer gängigen Maestro-Card kann man jedoch reibungslos und ohne Gebühr in jedem beliebigen Geschäft bezahlen. Nachdem ich mein Praktikum begonnen hatte, musste ich mich während meines Aufenthaltes um keine weiteren Unterlagen kümmern.

Allgemeine Informationen zur Partnerhochschule
Mein Praktikum absolvierte ich an dem UCD, dem University College Dublin. Es befindet sich südwestlich von dem Stadtzentrum, welches man durch eine 15 bis 20-Minütige Bus- oder Fahrradfahrt einfach und bequem erreichen kann. Generell ist die Universität mit einer sehr guten Infrastruktur ausgestattet, weshalb sie sich aus verschiedensten Stadtteilen gut erreichen lässt. An meinem ersten Tag wurde mir von einer meiner zukünftigen Kolleginnen der sehr große und komplexe Campus gezeigt sowie die Mitarbeiter der „School of Public Health, Physiotherapy and Sport Sciences“ vorgestellt. Ich hatte das Glück, meinen eigenen Schreibtisch in einem mittelgroßen Büro mit mehreren Doktoranden bekommen zu haben. Meine Betreuerin sowie Ansprechpartnerin bildete hauptsächlich meine dort zuständige Professorin, jedoch variierte dies je nach Projekt und Aufgaben.  Da ich kurz vor Ende des akademischen Jahres begann, konnte ich die MPH (Master of Public Health) nur kurzzeitig kennenlernen. Wie auch in deutschen Universtäten, war der Campus während der Semesterferien deutlicher leerer, da die meisten Studenten während der Semesterferien verreisten. Von großer Freude war jedoch das breite Angebot für Erasmus-Studierende. Es gab internationale Treffen (innerhalb und außerhalb der Universität), Veranstaltungen, Partys, Sprachkurse und vieles mehr. Die Bandbreite an Sportmöglichkeiten sowie das generelle Sportangebot hat mich am UCD am meisten begeistert. Es gab eine Vielzahl von Sportarten,-kursen, -clubs und -events von hervorragender Qualität und enormem Engagement, welche für die Studenten alle kostenlos zugänglich sind. Doch auch neben dem Sportangebot gab es verschiedene Societies und Clubs, die unterschiedlichste Themen und Veranstaltungen im Angebot hatten. Mein Tipp an dieser Stelle ist definitiv diesen Clubs beizutreten. Spaß, Kontakte und sprachlicher Lernerfolg garantiert!

Kurswahl /Kursangebot/ -beschränkungen für ERASMUS-Studierende
Ich hatte das Glück, dass meine Professorin mir anbot, für die verbleibenden vier Wochen des Sommersemesters ausgewählte Vorlesungen und Seminare des Master of Public Health-Studiengangs zu besuchen. So durfte ich für diese Zeit zwei Mal die Woche an geeigneten Kursen teilnehmen, wodurch ich wertvolle Eindrücke in Bezug auf das Studium auf Masterniveau sowie in der englischen Sprache sammeln konnte.  Da dies intern mit den betreffenden Dozenten und Professoren abgesprochen wurde, musste ich mich für diese Kurse nicht anmelden oder einschreiben.

Unterkunft
Die Wohnungssuche gestaltet sich bei Weitem als das wohl größte Problem, wenn man seinen Ausaufenthalt in Dublin verbringen möchte. Die Mietpreise sind unglaublich hoch und liegen meist zwischen 500 und 800 Euro, je nach Lage und Zustand. Da dies hier ein allbekanntes Problem ist, sollte man vorab genug Zeit und Ausdauer für die Wohnungssuche einplanen. Mein eigentlicher Wunsch war es, in einem Studentenwohnheim auf dem Campus zu wohnen, welcher sich bei Anbetracht der hohen Preise jedoch schnell zerschlagen haben. Darüber hinaus waren diese auch durchweg belegt, da das Semester zu diesem Zeitpunkt noch nicht beendet war. Ich begann also, von Deutschland aus, im Internet nach WG-Zimmern zu suchen, die bezahlbar waren. Da sich selbst dies als schwierig erwies und ich auf meine Anfragen keine Antwort erhielte, versuchte ich es über diverse Gruppen auf Facebook. Obwohl dort immer wieder neue Zimmer inseriert wurden, gab es einen unglaublichen Wettbewerb zwischen den unzähligen Interessenten. Glücklicherweise bot sich meine Betreuerin an, mir bei der Zimmersuche zu unterstützen. Sie fragte bei der Universität an und bekam daraufhin eine Liste von geeigneten Unterkünften in Universitätsnähe übersandt.  Es ergab sich ein Home-Stay in unmittelbarer Universitätsnähe und guter Anbindung, jedoch auch leider mit einer sehr hohen Miete (circa 800 Euro/Monat). Home-Stay in meinem Fall bedeutete, dass ich zusammen mit zwei weiteren Studenten in einem Haus wohnte, welches wir mit dem darin lebenden Ehepaar teilten. Wer Probleme mit dem Finden einer Unterkunft hat, dem kann ich sagen, dass man durch Bekanntschaften und Freunde am besten an Wohnungsmöglichkeiten kommt. Oft braucht es etwas Glück, doch das Herumfragen lohnt sich immer. Dublin ist sehr international, was gleichzeitig bedeutet, dass viele der (Erasmus)Studenten und Praktikanten nur temporär an der Universität sind und ihre Zimmer wieder frei werden. Wenn man sich nach Zimmern umschaut, macht es Sinn, auf die Infrastruktur zu achten. Da man sich besonders in den Morgenstunden nicht auf die Pünktlichkeit der Buslinien verlassen kann, sollte man versuchen, entweder in der Nähe der Uni zu wohnen oder sich ein Fahrrad zu beschaffen.

Sonstiges
Grundsätzlich würde ich auf jeden Fall zu der Anschaffung eines Fahrrads raten (am Schwarzen Brett der Uni, Facebook, Bekanntschaften, Herumfragen). Das Fahren hier ist angenehm, erspart einem das Bus fahren und es gibt viele schöne Routen in Dublin und ganz Irland. Für den Bus- und Darttransfer gibt es eine sogenannte „Leap Card“, eine Karte die man sich als Student (auch Mitarbeiter) für wenig Geld auf dem Campus ausstellen lassen kann und sollte. Sie dient als Busfahrkarte, kann jederzeit mit bestimmten Beträgen aufgeladen werden und lässt einen zu Studententarifen fahren. Für Trips durch Irland (ein unbedingtes Muss) kann man sich einfach und bequem einen Mietwagen für teilweise sogar relativ wenig Geld mieten. Da Irland nicht allzu groß ist, eignen sich Roadtrips am Wochenende wunderbar, um die Insel zu erkunden. Was man trotz alle dem nicht vergessen sollte: Das Wetter ist und bleibt unbeständig. Nicht umsonst sagt man hier, dass das irische Wetter alle vier Jahreszeiten an einem Tag bietet und wirklich nicht vorhersagbar ist. Es wird nie richtig kalt, es gibt ein paar Tage Sommer (und an diesen brennt die Sonne dann auch so richtig), doch Regen gibt es ständig. Es hat sich bewahrheitet, nie ohne Regenjacke aus dem Haus zu gehen!

 

Fazit
Nach fünf Monaten muss ich sagen: Irland ist ein wunderschönes Fleckchen Erde und ohne Zweifel jede Reise wert. Die Bilder, die einem bei dem Gedanken an Irland in den Kopf kommen, sind genauso dort wiederzufinden. Es ist unfassbar grün und herrlich natürlich. Man findet Pubs mit echter, authentischer und wundervoller irischer Live-Musik an jeder Ecke, geschmückte kleine Gassen, das beste Guiness, Musiker in den Straßen, hunderte von Schafen auf den endlos grünen Feldern. Dublin hat wirklich viel zu bieten und stellt von Nachtschwärmer bis kunstinteressierten Museumsliebhaber jeden zufrieden. Besonders begeistern wird die Insel jedoch Outdoorliebhaber und Sportbegeisterte. Ob Wandern, Klettern, Schwimmen, Radfahren, Laufen, Trailrunning, Kanu fahren, für alles eignet sich Irland fantastisch. Doch eines hat meine Zeit wirklich bereichert: die Mentalität der Iren! Noch nie bin ich auf so ein angenehmes, freundliches, offenes, geselliges, höfliches und entspanntes Volk gestoßen. Die Warmherzigkeit meiner Vermieter, meiner Betreuerin, meiner Arbeitskollegen sowie jedem anderen verdanke ich es, dass ich mich hier sofort zuhause fühlen konnte. Dies gilt jedoch nicht nur für die Iren, sondern genauso für die vielen internationalen Freunde und Bekannte, die ich hier kennenlernen durfte.

Jedem, der darüber nachdenkt, seinen Auslandsaufenthalt in Irland zu verbringen, dem kann ich nur sagen: Absolutely! Der irische Charme zieht einen sofort in seinen Bann und wird, zumindest mich, so schnell nicht wieder loslassen.

 

 

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