1.    Einleitung
Für mein Pflichtpraktikum hatte ich mir anfänglich überlegt in die Richtung Think Tank, Policy Making zu gehen, da mir in meinem ersten Semester an einer fremden Hochschule das schreiben von Policy Papers und Advisory Reports sehr viel Spaß gemacht hat. Mir gefällt das lösungsorientierte, kreative Arbeiten. Ohne ein genaue Institution oder Politikbereiche im Auge zu haben, fing ich an im Internet die Internetseiten der „renommierten“ NGOs nach Praktikumsausschreibungen zu durchstöbern. Allerdings wurde hier oft ein angefangenes Masterstudium vorausgesetzt. Gleichzeitig habe ich Bekannte kontaktiert, die auch ein Politikstudium absolviert haben, um Informationen und Tipps einzuholen was Praktikums- und Berufswahl im allgemeinen anging. Dann habe ich sehr schnell auf der Internetseite des Institutes für Politikwissenschaften die Stellenausschreibung von ETUCE (European Trade Union Committee for Education) gefunden. Ich habe mich dort beworben, da die Arbeit in einer Bildungsgewerkschaft thematisch nahtlos an meine Bachelorarbeit anschloss und ich mich somit zuvor eingehend mit dem Thema beschäftigen würde. Zum Zeitpunkt der Bewerbung hatte ich gerade mit dem schreiben der Arbeit zum Thema Bildungspolitik in Mexico und der Zusammenhang zur wirtschaftlichen (nicht) Entwicklung in dem Land angefangen. Während der Ausarbeitung meiner Bachelorarbeit wurde ich immer mehr überzeugt, dass Länder den Aspekt der Bildung in der Innenpolitik vernachlässigen, insbesondere wenn es um wirtschaftliche Entwicklung geht. Da ich sehr interessiert war an diesem Thema und mein Profil perfekt auf die Ausschreibung passte habe ich mich somit direkt mit Coverletter und Lebenslauf bei ETUCE via Mail beworben. Das Anforderungsprofil beinhaltete das Interesse für Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, Gewerkschaftspolitik und Europäischer Politik einhergehend mit sehr guten Englisch Kenntnissen (schriftlich und sprachlich) sowie Französisch Kenntnissen, die ein zusätzliches Plus darstellten. Des Weiteren waren Kenntnisse der EU Institutionen und deren Arbeitsweise gefordert und gute Informations- und Kommunikationsfähigkeiten. Nach meiner schriftlichen Bewerbung wurde ich zu einem Skype Interview eingeladen und den folgenden Tag informiert, dass sie mir eine Praktikumsstelle anbieten können. Das Praktikum wurde mit einer Aufwandsentschädigung von 600€ monatlich vergütet, wobei die Lebenshaltungskosten in Brüssel deutlich höher waren als in Bremen und das Praktikumsgehalt somit nur etwas mehr als die Hälfte meiner Lebenshaltungskosten gedeckt hat. Meine Erwartungen an das Praktikum im Vorfeld waren eher nicht sehr ausgeprägt. Ich habe natürlich erwartet, dass ich einen Einblick in die Arbeitsweise der ETUCE und in die EU Institutionen erhalte und mir ein Bild davon machen kann, ob ich mir zukünftig eine ähnliche Arbeit vorstellen kann.

2.    Beschreibung der Praktikumsinstitution
ETUCE ist der Europäische Teil von Education International (EI), welches die globale Lehrergewerkschaft darstellt. Es repräsentiert 131 Lehrergewerkschaften und 121 Millionen Lehrer in allen europäischen Staaten und 4,2 Millionen Lehrer in der Europäischen Union einschließlich aller Bildungssektoren. ETUCE ist der europäische Gewerkschaftsverband für den Bildungssektor der ETUC (European Trade Union Committee) des europäischen Gewerkschaftsbundes. ETUCE ist ein anerkannter Sozialpartner der Europäischen Union, was bedeutet, dass die EU Kommission ein zweistufiges Konsultationsverfahren mit den offiziellen Sozialpartners durchführen muss, wenn sie beabsichtig eine neue legislative Initiative zu starten. Somit repräsentiert ETUCE die Interessen der Mitglieder gegenüber den EU Institutionen, wie der Kommission und dem Parlament und setzt sich somit für bessere Bildung in Europa ein. ETUCE beschäftigt in der Regel 10 Mitarbeiter*innen und 2-3 Praktikant*innen und unterteilt sich in folgende Organe.

ETUCE Ausschuss
Zum einen gibt es den Ausschuss, welcher aus nationalen Vertreter*innen, anteilmäßig an der Größe der nationalen Mitgliedorganisation und dem ETUCE Führungspersonal besteht. Er evaluiert die Implementierung der Zielsetzung, welche während der alle 4 Jahren stattfindenden Konferenz festgelegt wurden und umgesetzt werden. Des Weiteren initiiert der Ausschuss Politiken und Aktionen in Übereinstimmung mit den Konferenzentschlüssen. Auch richtet der Ausschuss weitere ständige Ausschüsse ein, welche zu spezifischen Themen arbeiten. Im Moment bestehen der ETUCE Frauenauschuss, welcher den ETUCE Ausschuss zu Angelegenheiten von Frauen und Mädchen berät. Weiter gibt es Ausschüsse für Hochschulbildung, und Forschung sowie für Gleichberechtigung.

ETUCE Büro
Das ETUCE Büro überwacht die Implementierung zwischen den Ausschusstreffen. Das Büro bereitet die Sitzungen und Tagesordnungen der Ausschusssitzungen vor. Außerdem kann es ständige Ausschüsse, Netzwerke und Beratungsorgane einreichten.

Präsident*in und Europadirekor*in
Der bzw. die Präsident*in ist der bzw. die oberste Vertreter*in ETUCEs. Er oder sie nimmt den Vorsitz der Konferenzen ein, leitet die Sitzungen des Ausschusses und des Büros, vertritt ETUCE nach außen und stellt die Verbindung zum EI Vorstand dar.
Dem oder der Europadirektor*in steht das Sekretariat unter. Der oder die Europadirektor*in berichtet der Konferenz, dem Ausschuss und dem Büro. Er oder sie arbeitet relevante Politiken aus, über die die ETUCE Organe beraten, des Weitern stellt er oder sie die Verbindung zu den Mitgliedorganisationen, zu ETUC, dem europäischen Gewerkschaftsbund und den EU Institutionen dar. Außerdem fallen weitere administrative und finanzielle Aufgaben an.

ETUCE Sekretariat
Ich habe mein Praktikum im Sekretariat absolviert, welches an der Implementierung und Umsetzung von Beschlüssen arbeitet. Es ist wiederum in unterschiedliche Policy Bereiche eingeteilt. Neben drei Angestellten in der Administration und einem Angestellten für die Finanzen, arbeitete jeweils eine Kollegin an Frühkindlicher Bildung und Professioneller Weiterbildung von Lehrkräften, eine Kollegin an Gesundheit und Sicherheitsproblemen sowie an Gleichstellungsproblematiken und Integration von Flüchtlingen. Eine weitere Kollegin hat sich um das ‚Central Eastern European Network‘ gekümmert sowie um Solidaritäts Bekundungen für Mitgliedsorganisationen, die auch dafür genutzt wurden um Regierungen unter Druck zu setzten wenn es um die Einhaltung von Gewerkschafts- und Arbeitnehmerrechten ging. Der Koordinatorin, mit der ich zusammengearbeitet habe war für Economic Governance und den Sozialen Dialog zuständig.

3.    Tätigkeitsbereich und Aufgaben während des Praktikums
Mein Praktikum ging vom 1.9.2016 bis zum 31.01.2017, mit einer Wochenstunden Anzahl von 37 Stunden und 5 Arbeitstagen. Ich hatte keinen geregelten Anspruch auf Urlaubstage, wobei ich mir auf Anfrage einen Tag frei nehmen konnte. Insgesamt bin ich so auf 6 Urlaubstage in 5 Monaten gekommen. Meine Haupttätigkeiten haben sich hauptsächlich auf den Bereich des Sozialen Dialoges konzentriert. In diesem Zusammenhang habe ich die Umsetzung des Projektes „European Sectoral Social Partners in Educartion Promoting the Potentials of their Dialogue through Knowledge Transfer and Training“ begleitet und finalisiert. Während des Projektes wurden von den Mitgliedsorganisationen, die an diesem EU finanzierten Projekt teilgenommen haben, so genannte Round Table Meetings in 7 unterschiedlichen Mitgliedstaaten und einem EU Anwärter Staat organisiert. In die Zeit meines Praktikums fielen die Rundentische in Budapest und Belgrad. Hierfür musste ich organisatorische Aufgaben übernehmen wie die Zusammenstellung von Dokumenten und die Kommunikation mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen. Während der Konferenz vor Ort war ich dafür verantwortlich das Protokoll zu erstellen und hinterher die Nachrichtenmeldungen zu den Treffen zu schreiben, die anschließend auf der Internetseite von ETUCE veröffentlicht wurden.  Da dieses Projekt während meiner Zeit bei ETUCE in der finalen Phase war, habe ich außerdem die Projekt Reporte für die Organisation und für die EU Kommission geschrieben. Somit hatte ich die Gelegenheit einen tiefgehenden in die Projekt Arbeit, die Mechanismen und die Anforderungen der EU Kommission zu gewinnen und habe gelernt worauf es ankommt, wenn man diese Berichte schreibt.
Das Großevent während meiner Zeit bei ETUCE war die alle 4 Jahre stattfindende ETUCE Konferenz, auf der der Vorstand neu gewählt wird und auch die Politiken und Handlungen für die nächsten 4 Jahre festgelegt werden. Die Vorbereitung war sehr intensiv aber beinhaltete auch sehr langweilige Aktivitäten, wie das zusammen kopieren von Konferenzunterlagen für alle 400 Teilnehmer*innen. Allerdings war die Konferenz selber dann sehr interessant und es hat mir auch viel Freude bereitet und es war eine Erfahrung die ich nicht hätte missen mögen. Die kulturelle Vielfalt, Kooperation und Freundschaft, die sich auf der Konferenz gezeigt hat, war sehr beeindruckend, wenn man betrachtet, dass erst seit 70 Jahren in Europa Frieden herrscht. Zudem war es auch sehr Hoffnung gebend zu sehen, wie verschiedene Nationen zusammen an einem Strang ziehen um die Zukunft der Kinder in der EU zu verbessern und sich nicht von rechten Tendenzen in den letzten Jahren beeinflussen zu lassen.

Neben der Umsetzung an dem Projekt habe ich die Tätigkeiten übernommen, die institutionalisierten Treffen des Sozialen Dialoges in Bildung zu organisieren. Hierzu gehörten das „Steering Committe“ Treffen, welches dazu dienten die jährlichen Schwerpunkte mit der Arbeitgeberseite festzulegen, sowie das „Working Group Meeting“, welches eine zuvor von dem „Steering Committee“ bestimmte Thematik erarbeitet. Bei dem zweiten „Working Group Meeting“ in 2016 ging es um Integration von Flüchtlingen und die Radikalisierung von Schüler*innen und wie die EU Bildungsgewerkschaften diese Problematik bereits angehen. Während des Treffens wurden Best-Practice-Vorschläge ausgetauscht um das gegenseitige lernen und die gegenseitige Unterstützung zu verbessern. Dieses Treffen war höchst interessant, besonders die Beiträge aus Dänemark und den Niederlanden. In diesen Ländern wird sehr eng mit den Lehrern kooperiert um die Integration und die Prävention von Radikalisierung voran zu treiben. Allerdings fand ich es auch erschreckend, wie wenig in manchen Ländern getan wurde und dass nach zwei Jahren des Beginns der Flüchtlingskrise in Europa immer noch in High-level Meetings über die ersten Schritte der  Integration diskutiert wird und noch keine ausgewerteten Daten vorliegen um die bereits etablierten Integrationsmechanismen zu verbessern. Für das „Plenary Meetings“ wurden alle EU Bildungsgewerkschaftsvertreter*innen und Arbeitgeber*innen eingeladen um über Vorschritte, Problematiken, laufende Projekte und zukünftige Projekte zu beraten.
In meinen Tätigkeiten habe ich meine Koordinatorin in der Arbeit zum Sozialen Dialog im Bildungsbereich unterstützt. Dies ist die Kernarbeit einer jeden Gewerkschaft und stellt somit die Grundbedingung für Erfolg dar. Sozialer Dialog hat die Macht innerhalb der EU durch so genannte „Joint Agreements“ auf die EU Legislative einzuwirken. Daher ist ein starker und effizienter Dialog nötig um gemeinsam mit der Arbeitgeberseite Fortschritte im Bildungsbereich zu erreichen. Da der Soziale Dialog im Bildungsbereich eher schwach ist, war es hauptsächlich unsere Aufgabe die Arbeitgeber Seite zu mobilisieren und die Einbindung weiterer nationaler Arbeitgeber in die Arbeitgebervertreterorganisation durch das ETUCE Netzwerk voran zu treiben. Dies ist ein wichtiger Teil der derzeitigen Arbeit von ETUCE. Von Vorteil war, dass ich auch ohne Probleme an Treffen von Education International teilnehmen durfte, die oft in dem gleichen Gebäude abgehalten wurden. Somit konnte ich mir einen weiteren Einblick verschaffen, an welchen weiteren Themen EI arbeitet. Besonders interessant war hier das „Development Cooperation Meeting“ wo die Arbeit der weltweiten Bildungsgewerkschaften zum Thema Entwicklungsarbeit vorgestellt wurde, was mich persönlich sehr interessiert und auch Teil meiner Bachelorarbeit darstellte. Auch durfte ich an verschiedenen Workshops von ETUCE teilnehmen, die zwar nicht meinem direkten Arbeitsfeld entsprachen, aber für mich von persönlichen Interesse waren, wie zum Beispiel zum Thema  Frühkindliche Bildung.

Meine eigenen Tätigkeiten waren besonders in der Hinsicht interessant, dass der soziale Dialog ein politisch sehr sensibler Beriech ist. Ich fand besonders spannend wie taktisch vorgegangen wurde um gewisse Verhandlungsziele zu erreichen und wie diese Ziele lange im Voraus strategisch vorbereitet wurden. Es war interessant die kulturelle Vielfalt der EU zu erleben und zu verstehen welch vielfältige Initiativen die EU unterstützt, plant und implementiert. Dies hat mein Interesse an den EU Institutionen und ihrer Arbeit sehr vertieft. Allerdings haben mich meine Aufgaben, die ich tag täglich auszuführen hatte, unterfordert und waren sehr repetitiv. Etwas interessanter waren dann die Projekt Berichte und die Zusatzaufgaben wie die Umstrukturierung der ETUCE Internetseite, weil dies in Bereiche des kreativen Denkens ging, was mir immer sehr gefallen hat. Auch konnte ich hier etwas Neues lernen, wie man z.B. eine Kommunikationsstrategie schreibt. Enttäuschend war, dass man mir im Auswahlinterview in Aussicht gestellt hatte auch zum Thema ‚Economic Governance‘ zu arbeiten, was für mich der Hauptmotivationsgrund für meine Bewerbung war. Allerdings war dies dann nicht so. Leider konnte ich auch auf Anfrage keine weiteren Tätigkeiten in diesem Bereich übernehmen, da dies in den Aufgabenbereich einer anderen Praktikantin fiel. Wenn ich mein Praktikum um weitere 5 Monate verlängert hätte, wie mir angeboten wurde, hätte ich auch ihre Tätigkeiten mit abwechslungsreicheren Aufgaben übernehmen können.

4.    Reflexion des Praktikums
Die Betreuung des Praktikums war sehr gut, ich hatte ein sehr gutes Verhältnis zu meiner Koordinatorin und konnte immer Nachfragen stellen. Ich hätte mir gewünscht eine Zwischenevaluation durchzuführen, welches aber aufgrund von Zeitdruck in der Periode keinen Platz gefunden hat. Die Größe des Büros war sehr hilfreich, da so die Zusammenarbeit mit den Kolleg*innen sehr eng war und wir uns besonders zwischen den Praktikantinnen viel gegenseitig unterstützt, uns Arbeit abgenommen und koordiniert sowie uns gegenseitig weitergeholfen haben. Besonders während der sehr intensiven Zeit um die Konferenz in Belgrad konnte man den Teamgeist im Büro spüren und die Zusammenarbeit war hier am höchsten. Außerdem haben wir auch nach der Arbeit teilweise etwas zusammen unternommen, was sehr hilfreich war, da ich vorher keine Kontakte in Brüssel hatte.
Das Praktikum hat sich sehr auf den Kurs in den General Studies bezogen, den ich in Bologna zu ‚Education Policies‘ belegt hatte. Meine darauf aufbauende Bachelorarbeit bildete die perfekte Grundlage für mein Praktikum, da ich somit mich schon sehr intensiv mit gewissen Bildungsaspekten beschäftigt hatte. Mein Wissen bezog sich aber mehr auf Aspekte der Frühkindlichen Bildung, Frauen und Mädchen im Bildungsbereich, Professionelle Weiterbildung und Qualifikationen von Lehrern sowie den Zusammenhang von Wirtschaft und Bildung. Sozialer Dialog war hingegen komplettes Neuland für mich. Des Weiteren waren meine Fremdsprachenkenntnisse sehr hilfreich.

Das Praktikum ist besonders für Studenten zu empfehlen, die sich für eine Kombination von Bildungspolitik und den Arbeitsgebieten von ETUCE interessieren. Wie z.B. Sozialer Dialog, Wirtschaftsgovernance, der Migrations Thematik und Gendergleichstellung sowie Frühkindliche Bildung und Professionelle Orientierung für Lehrer. Des Weitern ist das Praktikum für Student*innen interessant, die sich für Gewerkschaftsarbeit interessieren. Auch für Lehramtsstudenten in Kombination mit Politikwissenschaften kann dies ansprechend sein, da die Arbeit in einer Bildungsgewerkschaft ein alternativer Karriereweg sein kann, wenn man erstmal etwas Berufserfahrung mitbringt.

Durch das Praktikum habe ich gelernt, wie so eine große Organisation aufgebaut ist und wie sie funktioniert, welche politischen Interessen und Hürden auch innerhalb der Organisation Entscheidungen lenken und ausschlaggebend sein können. Sowie mit der Arbeitsweise und den Problematiken von Gewerkschaften bin ich jetzt vertraut. Besonders habe ich gelernt politische Meinungen hinter Aussagen zu verstehen, wie man Interessen einer Organisation am besten durchsetzen kann und wie man seine Interessen diplomatisch formuliert. Ich denke dieser Teil, der sich auf Menschliche Beziehungen innerhalb der Politik bezieht, hat mich am meisten gelehrt. Auch habe ich sehr intensiv die Funktionsweise des Europäischen Sozialen Dialoges im Bildungsbereich kennen gelernt und kenne mich jetzt sehr gut in dieser Thematik aus. Auch habe ich mein Wissen über die EU Institutionen vertiefen können, insbesondere die Arbeit der Generaldirektionen. Ich konnte meine organisatorischen Fähigkeiten verbessern in Hinblick darauf welche Dinge alle berücksichtigt werden müssen und wie viel Zeit für die Organisation von bestimmten Events geplant werden muss. Des Weiteren konnte ich meine Französisch Kenntnisse auffrischen.

5. Fazit: Schlussfolgerungen für die weitere Studien- und Berufsplanung
Als Schlussfolgerung habe ich festgestellt, dass ich Fremdsprachen währen meines weiteren Studiums weiterhin ausbauen möchte und sollte. Insbesondere trifft dies für Französisch zu, da dies doch ein deutlicher Vorteil darstellt. Spanisch wäre interessant, wenn ich mich entscheiden sollte weiterhin mich mit Entwicklungspolitik in Latein Amerika zu beschäftigen. Italienisch hingegen ist nützlicher als man  glauben sollte, hauptsächlich da sich so sehr leicht Verbindung zu anderen italienisch Sprechenden Leuten aufnehmen lässt und einem direkt offen und hilfsbereit entgegen treten. Vielseitige Fremdsprachenkenntnisse bilden meines Erachtens ein Plus  in dem Internationalen Politischen Bereich, der doch sehr begehrt ist und die Konkurrenz sehr hoch ist. Außerdem habe ich festgestellt, dass auch psychologische Kenntnisse von nützen wären, insbesondere bei taktischen Verhandlungen ist dies nicht zu unterschätzen. Und generell kann dies nie im Umgang mit anderen Menschen schaden. Allerdings sehe ich leider meine Chancen gering Kurse in diesem Bereich wahrnehmen zu können, was ich sehr bedaure. Was eventuell von Nutzen sein könnte, wäre ein Masterstudiengang der einen Kurs mit „negotiation skills“ oder  „psychology of politics“ beinhaltet.

Aus dem Praktikum selber hat sich für mich keine neuen Einsichten in Richtung Berufswahl oder Master Wahl ergeben. Allerdings kann ich ausschließen in einer Organisation zu arbeiten, wenn sich nicht viel eigener Spielraum für Kreativität und eigener Initiative bietet. Diese Arbeit so ist nicht sehr interessant für mich und ich befürchte, dass dies in ähnlichen Institutionen sich nicht großartig ändern wird. Auch kann ich es mir nicht vorstellen 40 Stunden die Woche hinter einem PC zu sitzen und mich kaum zu bewegen. Ich konnte auch ausschließen, dass ich zwar den Bildungsbereich sehr interessant und wichtig finde, aber mich in einem Master nun nicht komplett darauf festlegen möchte, da ich der Ansicht bin, dass sich die Spezialisierung durch Berufserfahrung und Praktikums weiter vorantreiben lässt und ich einen Master machen möchte der etwas breiter angelegt ist. Die Kontakte die ich während der Zeit knüpfen konnte waren sehr hilfreich, da sie in der Lage waren mich berufsorientiert zu beraten und ich somit auch von persönlichen Erfahrungen lernen konnte. Ich werde weiterhin mit den Personen in Kontakt bleiben um mir gegebenenfalls Rat einholen zu können.

Im Moment kann ich mir für mein weiteres Studium vorstellen einen Master in Internationalen Beziehungen und Entwicklung zu machen, da dies für mich meine beiden Interessenbereiche abdeckt und ich so mich noch etwas orientieren kann. Am liebsten würde ich hierfür in eine Stadt gehen, die mir die Möglichkeit bietet nebenbei in relevanten Institutionen oder NGOs etwas Erfahrung sammeln zu können. Auch suche ich zur Zeit Praktika oder Volunteering Programme an denen ich teilnehmen könnte zwischen meinem Bachelor und Master Studium. Allerdings sollte ich, was Praktika angeht mich eventuell auch in Richtung Think Tanks umschauen oder auch im Deutschen Bundestag. Zur Zeit schrecken mich aber diese ganzen reinen Bürojobs ab und wenn würde ich einen kürzeren Zeitraum ins Auge fassen. 5 Monate sind zwar sehr lehrreich, aber um lediglich einen Einblick zu erlangen würden auch 2-3 Monate reichen. Ansonsten würde ich mich auch gerne nach kleineren, neuen NGOs umschauen, in der Hoffnung, dass diese nicht so langsam arbeiten und man interessantere Aufgaben übernehmen kann. Im Moment befinde ich mich in dem Zwiespalt, dass ich Politik super spannend und interessant finde, aber ich nicht weiß wie ich dies vereinbaren kann mit dem Wunsch nicht permanent 40 Stunden Schreibtischarbeit zu verbringen.

Alles in allem war mein Praktikum bei ETUCE eine sehr wertvolle Erfahrung, allerdings finde ich es nicht zu schade, dass ich nicht noch weitere 5 Monate geblieben bin, da die Aufgaben dann doch nicht so fordernde waren. Auch in Sachen weiterer Berufsausblicke konnte ich mir ein detaillierteres Bild erschließen, welche Aufgaben mir mehr und welche mir weniger gefallen.

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