Vorgeschichte:
Schon während meines Masterstudiums stand für mich fest, dass ich unbedingt nach Großbritannien möchte, um mein Englisch zu verbessern. Daher startete die Suche nach einem Praktikumsplatz  bereits zu Beginn meines Masterstudiums. Allerdings erwies es sich als nicht so einfach,  eine geeignete  Stelle zu finden. Nach langer Suche entschied ich mich dann zunächst, meine Masterarbeit anzufertigen und daraufhin noch einmal  die  Suche fortzusetzen. Noch während ich meine Masterarbeit schrieb, erhielt ich Rückmeldung von Rolls-Royce, durchlief den Bewerbungsprozess und erhielt die Zusage für August 2015 bis August 2016. Ich reichte meine Masterarbeit ein und bereitete mich einen Monat lang auf das Praktikum vor, vermietete meine Wohnung für den geplanten Zeitraum unter und suchte gleichzeitig eine Unterkunft in Großbritannien.

Wohnung:
Erst wenige Tage bevor ich nach GB fuhr, erhielt ich die Zusage für ein Zimmer in einer Zweizimmer-WG. Die Bilder, die ich gesehen hatte, waren nicht wirklich ansprechend, aber ich war froh, etwas gefunden zu haben. Am heißesten Tag des Jahres ging es nach GB. Als ich an dem Haus, in dem sich die Wohnung befand, ankam, hatte ich bereits ein schlechtes Gefühl; als ich dann in die Wohnung eintrat, bestätigte sich das schlechte Gefühl. Super dreckig und überall kaputte Gegenstände. Die Vermieterin ließ sich natürlich die ersten Tage nicht blicken. Stattdessen lernte ich meinen neuen Mitbewohner kennen, dann den Strand, wo tausende Briten tatsächlich schwimmen gingen trotz eisigen Windes, und daraufhin die schöne Stadt Chichester.
Aufgrund von immer größer werdenden Schwierigkeiten mit der Vermieterin wechselte ich nach zwei Monaten die Wohnung. Daraufhin bezahlte ich zwar noch mehr als vorher, aber immerhin war die neue Wohnung top.

Arbeit:
An meinem ersten Arbeitstag bei RR erhielt ich eine Einführung und lernte dann meine neuen Arbeitskollegen kennen. Ich hatte mir zuvor extra zwei neue Anzüge gekauft und stellte dann aber schnell fest, dass die Abteilung in der ich arbeitete bzw. fast alle Mitarbeiter mit Ausnahme des Vertriebs und Marketings,  eine Unternehmensuniform trugen. Dementsprechend hingen die beiden neuen Anzüge für lange Zeit im Kleiderschrank.

Schon von Beginn an wurde ich miteinbezogen und mit neuen Aufgaben betraut.  Überraschend war, wie viele Deutsche, insbesondere Süddeutsche (BMW), dort tätig sind. Vorteilhafterweise arbeitete ich in einem englischen Team, so dass ich ca. 90 Prozent des Tages Englisch sprach. Die Arbeit machte Spaß, war oftmals stressig, und unbezahlte Überstunden wurden von den Praktikanten erwartet. Nach einigen Monaten war ich vollends in die Abteilung integriert, kannte die Abläufe, kommunizierte mit Lieferanten, war für einen Produktionsbereich zuständig, kaufte Equipment und Vorrichtungen ein und konnte, dank meiner direkten Ansprechperson, immer wieder eigenverantwortlich Ideen nachgehen und diese umsetzen.
Im April 2016 entschied ich mich, mein Praktikum vorzeitig Ende Mai zu beenden, da ich das Gefühl hatte, nicht mehr als Praktikant weiterarbeiten zu wollen. Nachdem ich dies meinem Ansprechpartner und dem Abteilungsleiter mitgeteilt hatte, wurde mir eine feste Position in der Abteilung angeboten, allerdings lehnte ich nach reichlich Überlegung und Abwägung ab.

Freizeit:

Tag für Tag lernte ich mehr von Südengland kennen: Bath, Bristol, Brighton, Oxford, Durdle Door, Portsmouth. Aber auch die nähere Umgebung mit Kingsley Vale, Fishboune und weiteren Fischerdörfern, New Forest und West Whittering war sehr schön.
Am Wochenende ging es oftmals mit Freunden  in Pubs, Bands spielten dort zumeist live und um 24 Uhr war Schluss, ausnahmeweise 24.30 Uhr. Aber das war garnicht so schlimm, da man einfach bereits um 18, 19 oder 20  Uhr anfing. Die ganze Stadt war an den Wochenenden unterwegs. Zahlreiche Menschen von außerhalb kamen nach Chichester, sodass diese kleine 25.000 Einwohnerstadt komplett überfüllt war. Rugby wurde geguckt. Badminton mit Arbeitskollegen gespielt. Überall gab es Flohmärkte. Diese kleine Stadt hat sehr viel zu bieten.

Abschluss:
Ich bin sehr froh, dass ich mich dafür entschieden habe, ein Praktikum nach meinem Studium in GB bei RR zu machen. Ich konnte die Menschen und die Kultur der Engländer kennenlernen, beweisen, dass ich auch dort zurechtkomme und mich integriere kann. Außerdem konnte ich mein Englisch deutlich verbessern, was für mich noch immer das Wichtigste von allem ist.
Rückblickend kann ich sagen, dass ich wieder ins Ausland gehen würde, dann aber nicht mehr nach GB. Ich habe tolle Erfahrungen gesammelt, einige sehr gute Freunde gewonnen, mich persönlich weiterentwickelt und viel Englisch gelernt!