{"id":66,"date":"2026-03-10T12:58:45","date_gmt":"2026-03-10T11:58:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/portfoliofd3\/?p=66"},"modified":"2026-03-17T19:40:57","modified_gmt":"2026-03-17T18:40:57","slug":"1-ideenfindung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/portfoliofd3\/2026\/03\/10\/1-ideenfindung\/","title":{"rendered":"Ideenfindung"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"color: #339966\"><strong>Ausgangspunkt und thematische Entscheidung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Um ganz ehrlich zu sein, hat mich der Titel des Seminars zun\u00e4chst verunsichert. Der Begriff \u201eKI\u201d hat mich nicht spontan begeistert, sondern sogar eine gewisse Zur\u00fcckhaltung ausgel\u00f6st. Ich bin in den 1990er Jahren bis 2010 in einem noch weitgehend analogen Umfeld aufgewachsen und zur Schule gegangen. Ich habe mein erstes Studium ohne dieses Werkzeug abgeschlossen und mich lange Zeit gegen die Digitalisierung gewehrt, die ich f\u00fcr unn\u00f6tig hielt. Die Idee, k\u00fcnstliche Intelligenz in einen Sprachkurs zu integrieren, gab mir daher das Gef\u00fchl, \u00fcberfordert zu sein.<\/p>\n<p>Als ich begriff, dass ich im Rahmen einer Lehrprobe einen Unterricht mit KI entwickeln sollte, war ich zun\u00e4chst etwas unsicher. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, da mich das Tool nicht interessierte und ich es zudem f\u00fcr gef\u00e4hrlich hielt. Also beschloss ich, mit einer Frage zu beginnen, die mir lag: wie kann man die Sch\u00fcler:innen zu einem reflektierten Umgang mit KI anleiten? Wie kann man ihnen helfen, KI nicht als Ersatzwerkzeug zu betrachten oder sie nicht zum Schummeln zu verwenden, sondern als Begleitinstrument, das es zu verstehen und zu begleiten gilt? Schlie\u00dflich w\u00fcrde diese Frage auch mir helfen, klarer zu sehen.<\/p>\n<p>Aus diesen \u00dcberlegungen entstand die Idee einer Mini-Sensibilisierungskampagne rund um Fake News und KI-generierte oder -beeinflusste Instagram-Beitr\u00e4ge f\u00fcr meine Lehrprobe. Der Titel \u201e<em>Vrai ou faux? L\u2019IA invente l\u2019info.<\/em>\u201d bot sich ohne langes \u00dcberlegen als Ausgangspunkt an. Schlie\u00dflich ist das Ph\u00e4nomen der Fake News ein zentraler Bestandteil der digitalen Welt der Sch\u00fcler:innen. Durch die Verbindung der Sprache Moli\u00e8res, Instagram und KI konnte das Lernen in ihren Alltag integriert und gleichzeitig eine kritische Distanz zu digitalen Inhalten entwickelt werden. Und auch ich w\u00fcrde dabei lernen.<\/p>\n<p>Das Ziel bestand also nicht nur darin, bestehende Instagram-Beitr\u00e4ge zu analysieren, sondern die Sch\u00fcler:innen dazu zu bringen, selbst Franz\u00f6sisch in einem zeitgen\u00f6ssischen Medienkontext zu produzieren. Die Produktion und Pr\u00e4sentation von Fake News bot somit einen idealen Rahmen, um die produktive Kompetenz zu trainieren, die f\u00fcr unsere Lehrprobe vorgeschrieben war.<\/p>\n<p>Ich habe mich daher mit den Bildungspl\u00e4nen des Landes Bremen befasst. Im Bremer Bildungsplan f\u00fcr Fremdsprachen (Sekundarstufe II) finden wir die produktiven Kompetenzen Sprechen und Schreiben f\u00fcr eine Klasse (vgl. LIS 2008: 11-12). Ich war mir aber erstmal nicht sicher, ob ich mich auf die m\u00fcndliche oder die schriftliche Produktion konzentrieren sollte.<\/p>\n<p>Gleichzeitig sollte die Unterrichtseinheit auch auf die Entwicklung kritischer Medienkompetenz abzielen: die Sch\u00fcler:innen arbeiten aktiv mit KI, analysieren die produzierten Inhalte und reflektieren \u00fcber Manipulationsmechanismen. Dabei st\u00fctzte ich mich auf die Forschungen des Digcompedu (vgl. Redecker 2019) und dir Forschung von Alles et al. (2025).<\/p>\n<p><span style=\"color: #339966\"><strong>Zielgruppe und Lernvoraussetzungen<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Ich wusste, dass ich in einer 10. Klasse unterrichten w\u00fcrde, aber ich kannte das Sprachniveau der Gruppe nicht genau. Nachdem ich das Thema festgelegt hatte, nahm ich Kontakt mit dem verantwortlichen Lehrer, Herrn Nicolas Michel, auf, um die Relevanz meines Projekts zu \u00fcberpr\u00fcfen. Seine R\u00fcckmeldung war sofort ermutigend: das Thema schien ihm geeignet, und die Mehrheit der Sch\u00fcler:innen waren Muttersprachler:innen. Wir vereinbarten ein Treffen, damit ich mir ein konkreteres Bild von der Gruppe machen konnte.<\/p>\n<p>Vor diesem ersten Besuch hatte ich mich auf die Kompetenzen des LIS Bildungsplan (2008) f\u00fcr die 10. Klasse gest\u00fctzt, um meinen Inhalt auszurichten. Vor Ort stellte ich fest, dass sich die Sch\u00fcler:innen in der E-Phase befanden und bereits den Lehrplan der 11. Klasse absolvierten. Alle waren zweisprachig und beherrschten die franz\u00f6sische Sprache quasi perfekt oder sogar perfekt.Diese Entdeckung veranlasste mich, meinen urspr\u00fcnglichen Kurzentwurf anzupassen, der sprachlich gesehen letztlich noch etwas zu einfach war.<\/p>\n<p>Als Muttersprachlerin habe ich manchmal Bedenken hinsichtlich meiner Sprechgeschwindigkeit oder meines Wortschatzes, wenn ich vor einer anspruchsvollen Gruppe stehe. Diese Bef\u00fcrchtungen zerstreuten sich jedoch schnell: das Niveau war hoch, und der Lehrer sprach zu etwa 95 % auf Franz\u00f6sisch mit den Sch\u00fclern:innen. Das sprachliche Umfeld erm\u00f6glichte es mir also, die gleichen Anforderungen zu stellen.<\/p>\n<p>Was die Voraussetzungen angeht, so beherrschen die Sch\u00fcler:innen dieses Alters nicht nur bereits die Sprache, sondern kennen sich im Allgemeinen auch bestens mit Instagram und seinen Mechanismen aus und bewegen sich in einer Informationswelt, die von Nachrichten, aber leider auch von Fake News gepr\u00e4gt ist. Sie sind KI-generierten Inhalten ausgesetzt, ohne unbedingt \u00fcber die kritischen Werkzeuge zu verf\u00fcgen, um diese zu analysieren, und wissen leider nicht unbedingt, wie sie echte von gef\u00e4lschten Nachrichten unterscheiden k\u00f6nnen. (vgl. Unesco 2026: online).<\/p>\n<p>Da ihre Motivation weitgehend digital gepr\u00e4gt ist, erschien es mir sinnvoll, eine Sensibilisierungsbotschaft zu KI und Fake News in einem vertrauten Format zu vermitteln, das Linguistik, kritisches Denken, aber auch eine spielerische Dimension kombiniert. So waren meine ersten \u00dcberlegungen.<\/p>\n<p><span style=\"color: #339966\"><strong>Erste Kompetenz\u00fcberlegungen und Schwerpunktsetzung<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Auch wenn ich sie zu Beginn nicht explizit formuliert hatte, lagen meiner Idee (nicht wirklich bewusst) mehrere didaktische Konzepte zugrunde. Die Unterrichtstunde folgte einem kompetenzorientierten Ansatz mit dem Schwerpunkt Fake News anhand eines vorgegebenen Prompts zu verfassen und Fake News zu erkennen. Ich musste also herausfinden, wie man dieses Thema bearbeiten konnte. Meine Idee war es, Kommunikations- und Medienkompetenzen zu entwickeln, die die Sch\u00fcler:innen in einer konkreten Situation anwenden konnten. Diese Ausrichtung entspricht den Prinzipien des kompetenzorientierten Fremdsprachenunterrichts (vgl. Nieweler 2017), wonach der Sprachunterricht den Lernenden erm\u00f6glichen soll, sprachliche Strukturen zu entdecken, sie auf vielf\u00e4ltige Weise zu \u00fcben und vor allem in einem sinnvollen Kontext anzuwenden: \u201eDer fremdsprachliche Unterricht soll den Lernenden erm\u00f6glichen sprachliche Strukturen kennenzulernen, diese vielf\u00e4ltig zu \u00fcben und schlie\u00dflich in einem interessanten Kontext anzuwenden.\u201c<\/p>\n<p>Das Ziel des kompetenzorientierten Fremdsprachenunterrichts ist \u201c<em>learning to use the language rather than just learning about the language (as a subject)\u201c.<\/em> (vgl. Council of Europe 2018: 27 in Zebis o.j: online), und das ist genau das, worauf ich in meiner Unterrichtstunde hinaus wollte.<\/p>\n<p>In Fortf\u00fchrung dieser auf den effektiven Sprachgebrauch ausgerichteten Logik folgt die Planung auch einem aufgabenorientierten Ansatz (vgl. Nieweler 2017 und Dorner 2022), der ebenfalls die Planung strukturiert: die Sch\u00fcler:innen erf\u00fcllen eine oder mehrere bedeutungsvolle Aufgaben: erstellen, pr\u00e4sentieren und diskutieren (in meinem Fall eine Fake News), was dem Sprachgebrauch einen Sinn gibt.<\/p>\n<p>Diese Ausrichtung entspricht diesmal den Prinzipien der Aufgabenorientierung, die unter anderem von Dorner (2022) untersucht wurden. Er hat dort das Folgende festgestellt: \u201eIm Mittelpunkt steht bei aufgabenorientiertem Unterricht [\u2026] die Aufgabe. [\u2026] Es sollen also Aufgaben sein, die deine Sch\u00fcler:innen zur praktischen Anwendung des Lernstoffs au\u00dferhalb des Klassenzimmers animieren. Besonders wichtig ist dabei, dass die Aufgaben einen pers\u00f6nlichen Bezug zu den Lernenden haben.\u201c (vgl. Dorner 2022: online). Mit anderen Worten: der Schwerpunkt liegt nicht auf einer Liste grammatikalischer Punkte, sondern auf einer oder mehreren bedeutungsvollen Aufgaben, die in einem personalisierten Kontext zu erledigen sind und die Sch\u00fcler:innen motivieren. Das war f\u00fcr mich genau das Richtige. In meiner Unterrichtstunde erf\u00fcllen die Erstellung, Pr\u00e4sentation und Diskussion einer Fake News diese Anforderung: sie geben dem Sprachgebrauch einen Sinn, indem sie ihn in eine Realit\u00e4t einbetten, die dem Alltag der Sch\u00fcler:innen nahe ist.<\/p>\n<p>Zu Beginn der Planung dachte ich daher, dass sich die Sch\u00fcler:innen auf die Kompetenz \u201eSchreiben\u201d konzentrieren m\u00fcssten, da ich davon ausging, dass sie mit Hilfe der KI selbst eine Fake News schreiben m\u00fcssten. Naiverweise, sagte ich mir, dass dies die richtige Kompetenz sei, ohne gro\u00df dar\u00fcber nachzudenken, ob sie in meiner Unterrichtsstunde \u00fcberhaupt einsetzbar w\u00e4re. Ich hatte in den Forschungen von Nieweler, S. 127 (2017), gelesen, dass das Schreiben ein sehr guter produktiver und kommunikativer Prozess f\u00fcr die Sch\u00fcler:innen sei, da es ihnen Zeit f\u00fcr Korrekturen und \u00c4nderungen lasse, jedenfalls mehr als die Kompetenz \u201eSprechen\u201d, und ich hatte Angst, sie mit meinem Niveau in meiner Muttersprache Franz\u00f6sisch zu \u00fcberfordern. (Aber tats\u00e4chlich wurde mir nach meiner ersten Erprobung an der Universit\u00e4t klar, dass dieser Schwerpunkt nicht der richtige war.)<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus stand die Sitzung im Einklang mit den Leitlinien der KMK (2016) zur \u201eBildung in der digitalen Welt\u201d. KI-Kompetenz im Sprachunterricht bedeutet, dass die Sch\u00fcler:innen lernen, KI kritisch, reflektiert und verantwortungsbewusst einzusetzen.<\/p>\n<p>Im Seminar FD3 gab einen Satz, den wir ganz am Anfang besprochen hatten: \u201eKI ist nicht als Ersatz f\u00fcr sprachliche Anstrengungen gedacht, sondern als begleitendes Werkzeug, dessen Funktionsweise und Grenzen es zu verstehen gilt.\u201c Ich wusste noch nicht genau, wie ich diese Idee in die Praxis umsetzen sollte, aber die KI-Kompetenztabelle f\u00fcr Lehrende und Lernende von Alles et all (2025) halfen mir dabei: der Kompetenzbereich \u201eReflektieren\u201d der Tabelle entsprach genau meinem Ansatz: Niveaustufe I \u201eFalschinformationen in KI-Output und Auswirkungen (Fake News &#8211; Deepfakes) erkennen\u201d und Niveaustufe II: \u201eKI-generierte Inhalte hinsichtlich Verzerrungen und Qualit\u00e4t kritisch pr\u00fcfen und Ursachen untersuchen\u201d (vgl. Alles et al. 2025: 5).<\/p>\n<p><span style=\"color: #339966\"><strong>Theoretische Fundierung der Idee<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Um meine Gedanken zu ordnen, fasse ich sie immer gerne in Tabellen zusammen. Hier ist eine Tabelle, die aus meinen pers\u00f6nlichen \u00dcberlegungen entstanden ist und mir bei der Konzeption meines Kurses geholfen hat:<\/p>\n<p>Hinweis: Ich habe die Tabelle bewusst auf Franz\u00f6sisch belassen, da sie aus meinen vorab gemachten \u00dcberlegungen stammt.<\/p>\n<table style=\"width: 109.244%;height: 561px\">\n<thead>\n<tr>\n<td><strong>Ce que je voulais faire spontan\u00e9ment<\/strong><\/p>\n<p>Les \u00e9l\u00e8ves doivent r\u00e9agir \u00e0 l\u2019oral \u00e0 des fake news donn\u00e9es<\/td>\n<td><strong>Le concept didactique correspondant<\/strong><\/p>\n<p>Approche par comp\u00e9tences (<em>Kompetenzorientierung<\/em>)<\/td>\n<td><strong>Ce que cela signifie dans ma s\u00e9ance<\/strong><\/p>\n<p>Les \u00e9l\u00e8ves participent \u00e0 l\u2019oral activement et r\u00e9agissent aux Fake news<\/td>\n<\/tr>\n<\/thead>\n<tbody>\n<tr>\n<td>Les \u00e9l\u00e8ves doivent produire un texte en fran\u00e7ais, avec l\u2019aide d\u2019un prompt.<\/td>\n<td>Approche par comp\u00e9tences (<em>Kompetenzorientierung<\/em>)<\/td>\n<td>Les \u00e9l\u00e8ves \u00e9crivent sur Fobizz Chat un Prompt pour cr\u00e9er une Fake News.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>La s\u00e9ance repose sur une mission concr\u00e8te : cr\u00e9er un post Instagram cr\u00e9dible<\/td>\n<td>Approche par t\u00e2ches (<em>Aufgabenorientierung<\/em>)<\/td>\n<td>Les \u00e9l\u00e8ves r\u00e9alisent un post Instagram \u00e0 l\u2019aide de Fobizz et Zeoob.<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Relier le cours de fran\u00e7ais \u00e0 leur univers num\u00e9rique quotidien<\/td>\n<td>Strat\u00e9gie KMK \u00ab \u00c9duquer dans le monde num\u00e9rique \u00bb (<em>Bildung in der digitalen Welt<\/em>)<\/td>\n<td>Instagram, fake news et IA sont int\u00e9gr\u00e9s comme objets d\u2019apprentissage pertinents<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Faire utiliser l\u2019IA par les \u00e9l\u00e8ves de mani\u00e8re critique et r\u00e9fl\u00e9chie<\/td>\n<td>Dig com Edu (Ki Kompetenz &#8211; Anwenden)<\/td>\n<td>Les \u00e9l\u00e8ves apprennent \u00e0 questionner, adapter et analyser des contenus sur les r\u00e9seaux sociaux, et remette en question ce qu\u2019ils lisent<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Amener les \u00e9l\u00e8ves \u00e0 r\u00e9fl\u00e9chir aux m\u00e9canismes de manipulation de l\u2019information<\/td>\n<td>Comp\u00e9tence m\u00e9diatique (<em>Medienkompetenz<\/em>)<\/td>\n<td>Les \u00e9l\u00e8ves analysent la cr\u00e9dibilit\u00e9, les dangers et les effets des fake news<\/td>\n<\/tr>\n<tr>\n<td>Mettre l\u2019accent sur l\u2019\u00e9change, la discussion et l\u2019argumentation<\/td>\n<td>Comp\u00e9tence communicative<\/p>\n<p>Sprechen (LIS Bildungsplan)<\/td>\n<td>Les pr\u00e9sentations sont en fin de s\u00e9ance<\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Die Gestaltung der Unterrichtsstunde basiert daher auf mehreren theoretischen Aspekten, die Teil didaktischer Rahmenbedingungen sind, auf die wir hier n\u00e4her eingehen werden:<\/p>\n<p>&#8211; Zun\u00e4chst wollte ich, dass die Sch\u00fcler:innen zu Beginn der Unterrichtsstunde als Aufw\u00e4rm\u00fcbung m\u00fcndlich auf gef\u00e4lschte Nachrichten reagieren. Dieser Wunsch entspricht einem kompetenzorientierten Ansatz (Kompetenzorientierung), bei dem das Ziel nicht die Anh\u00e4ufung von Wissen zu einem Thema ist, sondern die F\u00e4higkeit, erworbenes Sprachwissen in einer konkreten Situation anzuwenden. Ein Zitat, das Nieweler (2017) in seinen Forschungen aufgreift, passt meiner Meinung nach perfekt, um meine Ausf\u00fchrungen zu veranschaulichen: \u201e[\u2026] verstehen wir unter Kompetenzen die bei Individuen verf\u00fcgbaren oder von Ihnen erlernbaren kognitiven F\u00e4higkeiten und Fertigkeiten, bestimmte Probleme zu l\u00f6sen [\u2026] die Probleml\u00f6sungen in variablen Situationen erfolgreich und verantwortungsvoll nutzen zu k\u00f6nnen.\u201c. (vgl. Klieme 2007: 72 in Nieweler 2017: 85).\u00a0 In meinem Unterricht bedeutet dies, dass die Sch\u00fcler:innen aktiv m\u00fcndlich teilnehmen, Stellung beziehen und auf die pr\u00e4sentierten Inhalte reagieren, indem sie ihr Wissen aktivieren. Das \u201eSprechen\u201c ist keine einfache formale \u00dcbung, sondern ein Kommunikationsakt, der in einer bestimmten Situation verankert ist und ein wichtiger Bestandteil des Fremdsprachenunterrichts bleiben muss, wie Dr. Kieweg in seinen Forschungen feststellt: \u201eEine Erh\u00f6hung der im Fremdsprachenunterricht (FU) erworbenen Sprechkompetenz ist unumg\u00e4nglich.\u201c (vgl. Kieweg o.j: 1).<\/p>\n<p>Ebenso entspricht die Idee, dass die Sch\u00fcler:innen mithilfe einer Eingabeaufforderung einen Text auf Franz\u00f6sisch verfassen, einer kompetenzorientierten Logik, diesmal im Bereich des Schreibens, was ebenfalls im Rahmen des LIS-Bildungsplans vorgesehen ist. (vgl. Lisbildungsplan 2008). Genauer gesagt ging es nicht nur darum, einen von KI generierten Text zu verstehen, sondern selbst eine Anweisung auf Franz\u00f6sisch zu formulieren, um das von Fobizz Chat erzeugte Ergebnis zu beeinflussen. Ich hatte in einem Artikel von Elisabeth Helm mit dem Titel \u201e<em>le bon choix professionnel<\/em>\u201c, dass KI dazu beitragen kann, die schriftliche Kompetenz zu verbessern. (vgl. Helm 2025: 22). So wurde das Schreiben f\u00fcr das Lernszenario zu einer strategischen Handlung: die Sch\u00fcler:innen mussten mit Hilfe einer Eingabeaufforderung eine Fake News umschreiben. F\u00fcr diese Kompetenz st\u00fctzte ich mich auf folgende Forschungsergebnisse: \u201e \u201aSchreiben\u2018 d. h. schriftlich kommunizieren &#8211; muss im Fremdsprachenunterricht gezielt ge\u00fcbt werden, um die Lernenden zu bef\u00e4higen, verschiedene Schreibanl\u00e4sse im privaten und sp\u00e4ter im beruflichen Bereich situations-, adressaten- und textsortengerecht zu meistern\u201c (vgl. Bundesminesterirum 2021: 5).<\/p>\n<p>Die Sitzung basiert au\u00dferdem auf einer konkreten Abschlussaufgabe: der Erstellung eines glaubw\u00fcrdigen Instagram-Posts. Diese Strukturierung entspricht dem aufgabenorientierten Ansatz, den man in den Arbeiten von Nieweler (2017) findet. Zur Erinnerung: \u201edas aufgabenorientierte Sprachlernen [\u2026] verbalisiert entweder die Auseinandersetzung mit Wirklichkeitsausschnitt\u201c. (vgl. Nieweler 2017: 80). Die Sprache wird tats\u00e4chlich verwendet, um eine identifizierbare Handlung auszuf\u00fchren, die ein klares Ziel und ein Endergebnis hat. In meiner Unterrichtstunde erstellen die Sch\u00fcler:innen mit Hilfe von Fobizz und Zeoob einen Instagram-Post, der echt aussieht, was der Aktivit\u00e4t einen authentischen und abgeschlossenen Charakter verleiht.<\/p>\n<p>Die Entscheidung, den Franz\u00f6sischunterricht mit der digitalen Alltagswelt der Sch\u00fcler:innen zu verbinden, basiert auf den strategischen Leitlinien von Alles et all (2025): Instagram, Fake News und k\u00fcnstliche Intelligenz werden nicht als nebens\u00e4chliche Elemente behandelt, sondern als relevante Lerninhalte. Der Sprachunterricht f\u00fcgt sich somit in die digitale Realit\u00e4t der Sch\u00fcler:innen ein: \u201eDigitale Medien k\u00f6nnen genutzt werden, um die aktive Beteiligung der Lernenden zu f\u00f6rdern, z. B. bei der Erforschung eines Themas, beim Experimentieren mit verschiedenen Optionen oder L\u00f6sungen, beim Erschlie\u00dfen von Verkn\u00fcpfungen und beim Finden von kreativen L\u00f6sungen oder der Erarbeitung eines Produkts und des dar\u00fcber Reflektierens\u201c (vgl. Redecker \/ DigCompEdu 2019:18).<\/p>\n<p>Die Integration der KI ist auch Teil der Forschungen von Alles et al., insbesondere im Hinblick auf den bewussten Einsatz digitaler Tools. Die Sch\u00fcler:innen begn\u00fcgen sich nicht damit, KI zu nutzen, sondern lernen, Prompts anzupassen, generierte Inhalte zu analysieren und das, was sie in sozialen Netzwerken lesen, zu hinterfragen. Die Nutzung wird kritisch und nicht rein technisch. (vgl. Alles et al. 2025: 5).<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus bezieht sich die Reflexion \u00fcber die Mechanismen der Informationsmanipulation auf die Medienkompetenz. Die Sch\u00fcler:innen analysieren die Glaubw\u00fcrdigkeit einer Information, identifizieren die Gefahren von Fake News und diskutieren deren m\u00f6gliche Auswirkungen. (vgl. Alles et al. 2025: 5).<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich entspricht die Betonung des Austauschs, der Diskussion und der Argumentation direkt der im LIS-Bildungsplan (2008) definierten Kommunikationskompetenz. Die Pr\u00e4sentationsphase am Ende der Sitzung stellt das m\u00fcndliche Ausdrucksverm\u00f6gen \u201eSprechen\u201c in den Mittelpunkt des Unterrichts. Die Sch\u00fcler:innen produzieren nicht nur Inhalte, sondern pr\u00e4sentieren und begr\u00fcnden diese und reagieren auf die Beitr\u00e4ge der anderen.<\/p>\n<p>So zeichnet sich hinter den urspr\u00fcnglich intuitiven p\u00e4dagogischen Absichten eine koh\u00e4rente Struktur ab, die Kommunikationskompetenz, Medienkompetenz und den kontrollierten Einsatz k\u00fcnstlicher Intelligenz in einem sinnvollen Lernkontext miteinander verbindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ausgangspunkt und thematische Entscheidung Um ganz ehrlich zu sein, hat mich der Titel des Seminars zun\u00e4chst verunsichert. Der Begriff \u201eKI\u201d hat mich nicht spontan begeistert, sondern sogar eine gewisse Zur\u00fcckhaltung ausgel\u00f6st. Ich bin in den 1990er Jahren bis 2010 in einem noch weitgehend analogen Umfeld aufgewachsen und zur Schule gegangen. 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