{"id":32,"date":"2021-05-05T18:57:45","date_gmt":"2021-05-05T16:57:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/?p=32"},"modified":"2021-05-10T18:09:02","modified_gmt":"2021-05-10T16:09:02","slug":"rv04-dr-nadja-belova-chemie-kein-fach-fuer-alle-gesellschaftskritische-ansaetze-aus-der-chemiedidaktik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/2021\/05\/05\/rv04-dr-nadja-belova-chemie-kein-fach-fuer-alle-gesellschaftskritische-ansaetze-aus-der-chemiedidaktik\/","title":{"rendered":"RV04 &#8211; Dr. Nadja Belova &#8211; Chemie &#8211; Kein Fach f\u00fcr alle? Gesellschaftskritische Ans\u00e4tze aus der Chemiedidaktik"},"content":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Leserinnen und Leser, der heutige Blogbeitrag soll sich auf den Vortrag von N. Belova und auf die Frage, wie moderner Chemieunterricht optimal gestaltet werden kann, beziehen.<\/p>\n<p><strong>Punkt 1:<\/strong> <em>Formulieren Sie basierend auf den Vorlesungsinhalten drei Thesen, die f\u00fcr Sie (!) einen modernen Chemieunterricht f\u00fcr alle ausmachen. Orientieren Sie sich gerne an den Grundannahmen von STL (Scientific and Technological Literacy for All), setzen Sie jedoch eigene Schwerpunkte.<\/em><\/p>\n<ol>\n<li>Im modernen Chemieunterricht sollte der Fokus auf Zug\u00e4nglichkeit gelegt werden, um m\u00f6glichst viele Sch\u00fcler|innen an das gro\u00dfe Themengebiet der Chemie heranzuf\u00fchren. Wie in dem Vortrag von Frau Belova, durch Ihre pers\u00f6nlichen Erfahrung als Chemielehrerin deutlich wurde, resultiert der allgemein eher negativ gehaltene Eindruck vom Chemieunterricht nicht unbedingt an einem Deinteresse dem Fach gegen\u00fcber, sondern eher am Stoff, der am schwersten f\u00fcr Einsteiger zu begreifen ist.\u00a0 Dabei wurden &#8217;schlechte Kontexte&#8216; wie zum Beispiel die Teilchenvorstellungen griechischer Philosophen oder der Hochofenprozess benannt (vgl. N. Belova, Folie 19).\u00a0 Diese haben die negative Eigenschaft, sehr alltagsfern zu sein. F\u00fcr Menschen, die sich bereits mit der n\u00f6tigen Materie befasst haben und bereits ein Interesse an dem Fach besitzen, ist das Nachvollziehen dieser Zusammenh\u00e4nge einfacher, als f\u00fcr jemanden, der sich noch nie mit Chemie auseinandergesetzt hat.<\/li>\n<li>Der Chemieunterricht sollte alltagsbezogener ausgef\u00fchrt werden. Wie im Vortrag angesprochen, gibt es eine Vielzahl von spannenden Themen in der Chemie, die aus dem Alltag nicht wegzudenken sind. Beispiele daf\u00fcr w\u00e4ren Kosmetik Produkte, Medikamente oder Nahrungsmittel. Diese speziellen Themen lassen sich nicht ohne Grund so gut in den Unterricht integrieren, sondern bieten den Sch\u00fcler|innen die M\u00f6glichkeit, \u00fcber die bereits gesammelten Erfahrungen im Leben nachzudenken und mit diesen zu arbeiten. Wenn es um das Thema der richtigen Ern\u00e4hrung geht, kommen die unterschiedlichsten Meinungen auf, da verschiedene Gewohnheiten, Vorlieben und Vorstellung zu einer gro\u00dfen Vielfalt von\u00a0 Denkweisen f\u00fchren.\u00a0 Die Sicherheit, bei einem Thema mitreden zu k\u00f6nnen, ohne besondere Vorkenntnisse in dem Fach Chemie zu haben, kann es vielen Sch\u00fcler|innen erleichtern, den Anschluss am Verlauf des Unterrichts zu finden.<\/li>\n<li>Die zu starke Orientierung an und Ausrichtung auf die Dom\u00e4ne Fachwissen (vgl. N. Belova Folie 9). Diesen Punkt bezeichnet Frau Belova als das Hauptproblem des Chemieunterrichts. Und aus gutem Grund.\u00a0 Es wird viel zu viel Wert auf das schaffen von tiefgreifenden Wissen gelegt, wobei die Idee der Schaffung einer Allgemeinbildung aus den Augen verloren wird.\u00a0 Dadurch entsteht eine empfundene Irrelevanz des Fachs unter genau den Sch\u00fcler|innen, die noch kein Basiswissen in der Chemie besitzen. Ohne ein sicheres Grundwissen ist es jedoch nicht m\u00f6glich, tiefer in die Materie einzusteigen, ohne irgendwann den Faden zu verlieren. Aus diesem Grund sollte es die oberste Priorit\u00e4t des Chemieunterrichts sein, f\u00fcr die Bildung von Basiswissen bei allen Sch\u00fclern zu sorgen, damit sich jede und jeder dazu in der Lage sieht, Chemie zu verstehen.<\/li>\n<\/ol>\n<p><strong>Punkt 2: <\/strong><em>Reflektieren Sie auf Basis der Vorlesungsinhalte und des Grundlagentextes, inwieweit chemisches Wissen im Allgemeinen und naturwissenschaftliches Wissen im Speziellen aus ihrer Sicht als Teil des Allgemeinwissens (im Sinne einer \u201eScientific Literacy for All\u201c) angesehen werden kann. Beziehen Sie hier auch<\/em> ihre<em> eigenen Erfahrungen aus dem schulischen Chemieunterricht\/ Ihrem Alltag ein.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Wie Frau Belova in ihrem Vortrag ganz deutlich gemacht hat, ist die Chemie, sowohl in der Gesellschaft, als auch f\u00fcr jeden Einzelnen von essenzieller Bedeutung. Jeder der sich irgendwann mal Gedanken dar\u00fcber gemacht hat, aus was die Welt eigentlich besteht, in der wir uns bewegen, wird um die Chemie dahinter nicht herum kommen. Und selbst in anderen Fachbereichen, Beispielsweise der Astrophysik, sind chemische Prozesse von wichtiger Bedeutung um viele Zusammenh\u00e4nge und Ereignisse zu erkl\u00e4ren. Chemie ist \u00fcberall (vgl. N. Belova, Folie 4 &#8211; 5). Beim Zur\u00fcckdenken an meinen eigenen Chemieunterricht vor ca. f\u00fcnf Jahren, war mir dies damals gar nicht so richtig klar und ich bin der Meinung, meine Chemie Lehrerin hatte kein gro\u00dfes Interesse daran, diese Idee in die K\u00f6pfe der Sch\u00fcler zu bekommen. Die vereinzelten Dinge, an die ich mich pers\u00f6nlich noch erinnern kann, waren das Arbeiten mit Chemikalien, das auswendig Lernen von Fomeln und sehr viele Fragezeichen. Erst im Rahmen der Nacharbeitung einiger essenzieller Themen, f\u00fcr mein Studium in der Physik, ist mir das Spannende an der Chemie erst so richtig klar geworden. Und zwar das nichts ohne sie geht und sie sich \u00fcberall finden l\u00e4sst.<\/p>\n<p><strong>Punkt 3: <\/strong><em>In einem Interview zur Sinnhaftigkeit des Hinterfragens naturwissenschaftlicher Informationen in sozialen Medien (zum Beispiel naturwissenschaftsbasierter \u201eFakenews\u201c) sagte eine Lehrkraft: \u201eEs ist bl\u00f6d zu sagen, aber es ist im Endeffekt eine intellektuelle Grenze f\u00fcr mich; also auch-\u2026 oder Lebensumstandsgrenze, wenn die [Anm.: Die Sch\u00fcler*Innen] einfach in ihrem Lebensumfeld so anders damit umgehen und nur plakative \u00c4u\u00dferungen sozusagen verbreiten und nutzen und das auch v\u00f6llig in Ordnung ist in deren Umfeld, so\u2026., dann werden die da nicht rauskommen. Also das<\/em><em> sch<\/em><em>affen<\/em><em> dann alle nicht, das geht dann nicht, das ist dann so Kampf gegen Windm\u00fchlen.\u201c Verfassen Sie eine Antwort darauf.\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Um eine eindeutige Stellung, zu dieser Aussage zu nehmen, sollte man erst einmal wissen, dass der Gro\u00dfteil der Lehrkr\u00e4fte das Nutzen von Social Media im Unterricht in jeglicher Hinsicht, meist negativ betrachten. Dies ist das Resultat von vielen Studien, so auch die Interviewstudie von Frau Belova. Dementsprechend k\u00f6nnte eine Antwort auf die Aussage so formuliert werden: <em>&#8222;Zun\u00e4chst einmal ist die Aussage sehr grob gehalten. Es wurde sich nicht auf bestimmte Missst\u00e4nde fokussiert, sondern das Verhalten einer gro\u00dfen und vielf\u00e4ltigen Bev\u00f6lkerungsgruppe angesprochen. Es ist selbstverst\u00e4ndlich, dass unterschiedliche Individuen unterschiedlich mit dem Thema Social Media umgehen. Ich bestreite nicht einmal die Tatsache, dass es auch viele Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen gibt, denen die Verbreitungskultur auf Facebook, Instgram, etc. nicht gerade gut tut. Die rapide Verbreitung, sowie das immer essenzieller Werden, von Social Media f\u00fcr einen Gro\u00dfteil der Bev\u00f6lkerung, ist jedoch nicht zu leugnen. Deshalb muss versucht werden, sich anzupassen und nicht zu konservativ bei der Konfrontation mit Neuem zu handeln. Denn wie Frau Belova in dem Selbstexperimet mit ihrer Klasse gut gezeigt hat, ist es m\u00f6glich, Schule mit Innovation in Einklang zu bringen (vgl. N. Belova, Folie 5). Und das mit Erfolg. Auch das kritische Auseinandersetzen und der Austausch mit Anderen, im Bezug auf unterrichtsrelevante Themen, ist mit Sozial Media zu erreichen. So l\u00e4sst sich der Umgang mit &#8218;Fake News&#8216; in einem gesch\u00fctzten Umfeld diskutieren.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Ich bedanke mich sehr f\u00fcr das Durchlesen meines Blogbeitrags!<\/p>\n<p>Beste Gr\u00fc\u00dfe, Alexander Polle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehr geehrte Leserinnen und Leser, der heutige Blogbeitrag soll sich auf den Vortrag von N. Belova und auf die Frage, wie moderner Chemieunterricht optimal gestaltet werden kann, beziehen. Punkt 1: Formulieren Sie basierend auf den Vorlesungsinhalten drei Thesen, die f\u00fcr Sie (!) einen modernen Chemieunterricht f\u00fcr alle ausmachen. Orientieren Sie sich gerne an den Grundannahmen [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":13073,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[207],"tags":[23844],"class_list":["post-32","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","tag-rv04"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/users\/13073"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=32"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/32\/revisions\/35"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=32"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=32"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/polle\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=32"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}