{"id":192,"date":"2022-08-26T16:12:10","date_gmt":"2022-08-26T14:12:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/philosophischesatelier\/?p=192"},"modified":"2022-08-26T16:12:10","modified_gmt":"2022-08-26T14:12:10","slug":"warum-stehen-rote-rosen-fuer-liebe","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/philosophischesatelier\/2022\/08\/26\/warum-stehen-rote-rosen-fuer-liebe\/","title":{"rendered":"Warum stehen rote Rosen f\u00fcr Liebe?"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: right\">von Vivien Bauer<\/p>\n<p>Roland Barthes erm\u00f6glicht mit seinem Text \u201eDer Mythos heute\u201c einen Anhaltspunkt zur Beantwortung von Fragen dieser Art. Doch was ist dieser sogenannte \u201eMythos heute\u201c und was hat er mit Rosen zu tun?<\/p>\n<p>Roland Barthes bezieht sich mit dem Wort \u201eMythos\u201c nicht auf das eher gel\u00e4ufige Verst\u00e4ndnis dieses Wortes bezieht. Dementsprechend ist der Mythos in seinem Text nicht eine \u00fcberlieferte Erz\u00e4hlung oder \u00c4hnliches, welche irgendein Ereignis oder Ph\u00e4nomen zu erkl\u00e4ren versucht und welcher eher wenig Glauben geschenkt werden kann, sondern eine Aussage, die gleichzeitig als Mitteilungssystem und kommunizierte Botschaft fungiere (vgl. ebd., S. 85). Laut Barthes k\u00f6nne Alles Bestandteil eines Mythos werden, weil dieser nicht durch ein Objekt, sondern durch die Art und Weise, wie die Botschaft ausgesprochen wird, definiert werde (vgl. ebd., S. 85f.). Mit dieser Behauptung legt Barthes den Grundstein seiner weiteren Argumentation. Er legt nahe, dass jede Bedeutung von dem Menschen gemacht worden sei. Hier bezieht Barthes sich auch auf das Saussures bilaterales Zeichenmodell, welches auf die rein sprachliche Ebene der Bedeutungsfindung eingeht. Eine Rose (= \u201eDas Bedeutete\u201c) bietet demnach nichts, das bestimmt, dass sie auch [\u02c8\u0281o\u02d0z\u0259] (= \u201eDas Bedeutende\u201c) genannt werden muss. Es gebe dem-nach keinen nat\u00fcrlichen Ausl\u00f6ser f\u00fcr diese Bezeichnung, wodurch diese Bestimmung als arbitr\u00e4r angesehen werden m\u00fcsse (vgl. ebd., S. 86f.). Dieses bilaterale Zeichensystem erweitert Barthes um eine weitere Ebene, um die Ebene des Mythos, um die Entstehung des Mythos zu verdeutlichen. Dabei wird das Zeichen der sprachlichen Ebene, welches aus der Beziehung von Bedeutetes und Bedeutendes hervorgeht, zum Bedeutendes der mythischen Ebene. Dieses Be-deutende der zweiten Ebene verweist anschlie\u00dfend auf ein weiteres Bedeutete, wodurch erneut ein Zeichen entsteht, welches Barthes \u201eBedeutung\u201c nennt (vgl. ebd., S. 92f.).<\/p>\n<p>Als Beispiel kann wieder die Rose (= 1. Bedeutetes) angef\u00fchrt werden, welche als sch\u00f6ne Blume (= 2. Bedeutendes) angesehen werden kann. Wird sie jemandem \u00fcberreicht, den man gerne mag, so wird aus der sch\u00f6nen Blume ein Geschenk der Zuneigung (= 3. Zeichen\/ I. Be-deutendes). Zu diesem Bedeutendes l\u00e4sst sich erneut ein Bedeutetes in Beziehung setzten. Das w\u00e4re in diesem Fall zum Beispiel das Valentinsgeschenk (= II. Bedeutetes). In Beziehung zu-einander entsteht anschlie\u00dfend die Botschaft bestehend aus Liebe und\/oder Leidenschaft (= III. Zeichen\/Bedeutung). Dieses Vorgehen l\u00e4sst sich auf alles M\u00f6gliche \u00fcbertragen: Plakate, Schilder, Werbespots, Theaterst\u00fccke etc., wodurch die breite Anwendungsm\u00f6glichkeit und Aktualit\u00e4t des Konzeptes deutlich wird.<\/p>\n<p>Durch die Anwendung dieses Konzepts, also durch das Aufschl\u00fcsseln von Objekten in ihre einzelnen Bestandteile beziehungsweise Termini, k\u00f6nnen Bilder und Texte richtig analysiert werden. Dies gr\u00fcndet auf der Tatsache, dass die Objekte und die mit ihnen einhergehende Be-deutungen dadurch nicht mehr als Ganzes gesehen werden, sondern differenzierter betrachtet werden k\u00f6nnen. Zudem erm\u00f6glicht das Konzept eine distanziertere Herangehensweise und Auseinandersetzung mit den Objekten. Denn Bedeutung kann effektiver hinterfragt werden, wenn die (kulturellen, politischen, etc.) Hintergr\u00fcnde der Zuschreibungen mit einbezogen und kritisch betrachtet werden.<\/p>\n<p>Zur\u00fcckgreifend auf das Beispiel der (roten) Rose k\u00f6nnen Fragen entstehen, wie \u201eWarum wei\u00df so gut wie jeder, dass die Rose f\u00fcr die Liebe steht?\u201c, \u201eWarum werden nicht auch Disteln mit diesem Begriff in Verbindung gebracht?\u201c oder \u201eWarum werden Rosen ausgerechnet mit diesem Begriff assoziiert?\u201c. F\u00fcr diese Fragen gibt es teilweise Antworten. So findet sich beispielsweise eine Antwort auf die letzte Frage in der christlichen Symbolik: Die rote Rose werde mit dem Blut Christi in Verbindung gebracht, welches wiederum f\u00fcr die Erl\u00f6sung der S\u00fcnden durch Gottes Liebe stehe (vgl. Menzel 1854, S. 279). Kommt es also zu einer n\u00e4heren Auseinander-setzung, in dem Falle einer kulturellen beziehungsweise religi\u00f6se Auseinandersetzung mit der Rose, so k\u00f6nnen die Hintergr\u00fcnde der Bedeutung verstanden und hinterfragt werden. Dar\u00fcber hinaus k\u00f6nnen daraus weitere Fragen resultieren: \u201eWelche Erkl\u00e4rung gibt es in anderen Religionen oder Kulturen f\u00fcr die Bedeutung der Rose und weicht diese ab?\u201c, \u201eWelche weiteren gesellschaftlichen Einfl\u00fcsse pr\u00e4gen das Verst\u00e4ndnis und die Assoziationen eines Objektes?\u201c und \u201e\u00c4ndern sich die Bedeutungen eventuell auch im Laufe der Zeit?\u201c. Es entsteht demnach eine Reihe von Fragen, die die eigentlich selbstverst\u00e4ndlich erscheinende Zuschreibung von Liebe auf die Rose ergr\u00fcnden l\u00e4sst. Zudem wird anschaulich, dass Bedeutung zwar konstruiert ist, allerdings auch je nach Kulturkreis unterschiedlich ausfallen kann und sich auch innerhalb eines Kreises ver\u00e4ndern kann. Somit w\u00fcrden keine absoluten und ewigen Mythen existieren (vgl. Barthes 1956, S. 86).<\/p>\n<p>Literatur:<\/p>\n<p>Barthes, Roland (1956): Der Mythos heute. In: Ders: Mythen des Alltags. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1964, S. 85-151 [hier: Auszug S. 85-96].<br \/>\nMenzel, Wolfgang (1854): Christliche Symbolik. Zweiter Theil. Regensburg: G. Joseph Mainz.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Vivien Bauer Roland Barthes erm\u00f6glicht mit seinem Text \u201eDer Mythos heute\u201c einen Anhaltspunkt zur Beantwortung von Fragen dieser Art. Doch was ist dieser sogenannte \u201eMythos heute\u201c und was hat er mit Rosen zu tun? 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