{"id":154,"date":"2020-07-12T11:27:07","date_gmt":"2020-07-12T09:27:07","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/philosophischesatelier\/?page_id=154"},"modified":"2020-07-12T11:47:09","modified_gmt":"2020-07-12T09:47:09","slug":"aphorismen-zu-spiel-und-ernst-in-der-philosophie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/philosophischesatelier\/beitraege\/aphorismen-zu-spiel-und-ernst-in-der-philosophie\/","title":{"rendered":"Aphorismen zu Spiel und Ernst in der Philosophie"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 10pt\">Mit Ironie, Witz und Leichtigkeit an philosophische Fragen heranzutreten erleichtert mit Sicherheit den Zugang zu der ein oder anderen schwerwiegenden Frage. Doch gehen Sinn und M\u00f6glichkeiten eines spielerischen, vielleicht sogar humorvollen Umgangs im und mit philosophischem Denken auch dar\u00fcber hinaus?<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\">Im Seminar <em>Spiel und Ernst in der Philosophie<\/em> reflektierten Studierende im Sommersemester 2020 mit Svantje Guinebert \u00fcber M\u00f6glichkeiten, Methoden und Grenzen des Spiels. Dabei wurde das Spiel sowohl als Inhalt der Auseinandersetzung (wie wir sie z.B. bei John Locke und Jean-Jacques Rousseau, bei Immanuel Kant und Friedrich Schiller finden) als auch hinsichtlich der Methode philosophischen Denkens diskutiert. Wieviel Spiel und Ernst sollte in unserem Denken zum Zuge kommen, damit dieses produktiv, erkenntniserweiternd, philosophisch fruchtbar sein kann? Und wie k\u00f6nnte spielend denken in der Praxis aussehen? Entstanden sind dabei unter anderem <strong>Aphorismen<\/strong>, die Studierende zum Ausdruck eigener Gedanken formuliert haben, und in denen sich ihr Einfalls- und Gedankenreichtum widerspiegelt:<\/span><strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>&#8222;denn da ist keine Stelle, die dich nicht sieht&#8220; (Rilke) \u2013 Wir haben das Sehen verlernt! Besonders die Philosophen: Die sehen \u00fcberall nur <em>Dinge<\/em>, von denen sie mal<em> geh\u00f6rt<\/em> haben.<br \/>\n<strong>Julian Brockhaus<\/strong><\/p>\n<p>Wo wir nicht frei lernen d\u00fcrfen, k\u00f6nnen wir nicht frei denken.<br \/>\nWo wir nicht frei denken d\u00fcrfen, k\u00f6nnen wir uns auch nicht frei entfalten.<br \/>\n<strong>Lia Hanslmeier<\/strong><\/p>\n<p>Der Wagen der akademischen Philosophie, auf den die jungen Denker und Denkerinnen aufsteigen, welcher ins Paradies der Freiheit, mit seinen Landschaften der Sch\u00f6nheit, seinen St\u00e4dten der Kreativit\u00e4t, seinen Gew\u00e4ssern der Gl\u00fcckseligkeit, seinen Wolken des Friedens und seinen G\u00e4rten der Weisheit f\u00fchren soll, f\u00e4hrt den von der Wissenschaft vorgegebenen Weg und an diesem Paradies vorbei; das Sch\u00f6ne wird akribisch erkl\u00e4rt, f\u00fcr die Kreativit\u00e4t wird klar strukturiert argumentiert, die Gl\u00fcckseligkeit wird zur Illusion und verneint, der Frieden als utopisch verlacht und die Weisheit gleich ganz aus dem Geiste verbannt. Anstatt ins Paradies der Freiheit zu fahren, f\u00e4hrt der Wagen der akademischen Philosophie an ihm vorbei, l\u00e4sst seine jungen Denker und Denkerinnen an ihr schnuppern, l\u00e4sst sie leise T\u00f6ne davon lauschen und fl\u00fcchtige Bilder erblicken, doch ins Paradies selbst gelangen sie nicht. Erst wenn sie sich voller Mut und Entschlossenheit vom Wagen schmei\u00dfen, vom Wege der Wissenschaft abkommen, k\u00f6nnen sie selbst ihren Weg ins Paradies der Freiheit suchen, um dort an den Blumen der Sch\u00f6nheit zu riechen, um die Freuden der Kreativit\u00e4t zu erleben, um im Wasser der Gl\u00fcckseligkeit zu schwimmen, um durch die Wolken des Friedens zu fliegen und um sich im Garten der Weisheit zu entspannen.<br \/>\n<strong>Tom Kobrow<\/strong><\/p>\n<p>Der Ironische hat f\u00fcr gew\u00f6hnlich keinen guten Ruf. Und er kann ihn auch gar nicht haben. Auf diesen Gedanken kommt allerdings schon der nicht mehr, der zu &#8222;fest im Leben steht&#8220;. Der hat so festes Wurzelwerk, dass sein Ge\u00e4st darunter verk\u00fcmmert.<br \/>\n<strong>Julian Brockhaus<\/strong><\/p>\n<p>Hell und strahlend leuchtet der Diamant der Freiheit, fasziniert den Philosophen, doch blendet er den Akademiker. Auf einen Thron stellen m\u00f6chte ihn der Philosoph, ihn betrachten aus allen Blickwinkeln, seine Lichtstrahlen auffangen in Spiegeln und sein Licht unendlich oft in diesen widerspiegeln, sodass ein Tanz des Funkelns entsteht, wie man es sonst nur vom klaren Sternenhimmel her kennt. Doch der Akademiker m\u00f6chte den Diamanten in einem Schrank haben, in Reih und Glied neben anderen Steinen. Als zu gro\u00df betrachtet muss er geschliffen werden, als zu hell betrachtet muss sein Strahlen ged\u00e4mpft werden, als unf\u00f6rmig betrachtet muss man ihm eine neue Form geben. Nur dann hat der Diamant der Freiheit f\u00fcr den Akademiker seinen rechten Platz, neben den anderen Steinen der Logik, der Naturgesetze und der Argumentationsstruktur.<br \/>\n<strong>Tom Kobrow<\/strong><\/p>\n<p>Unsere aktuellen Lehr- und Lernmethoden passen in eine einzige kleine Box. Wir m\u00fcssen den Deckel anheben und hinaussp\u00e4hen, um die Perspektiven, M\u00f6glichkeiten und Chancen zu sehen, die uns entgehen.<br \/>\n<strong>Lia Hanslmeier<\/strong><\/p>\n<p>Es war einmal eine Quelle der Weisheit. Von dieser Quelle aus floss die Weisheit durch die Natur, \u00fcber die Erde, an den B\u00e4umen vorbei, spendete Erkenntnisse und Emotionen allen Lebewesen, mit der sie in Ber\u00fchrung kam. Sie tranken so viel, wie sie durstig waren und nutzten ihren gestillten Durst, um diese Weisheit aufzusaugen, zu verarbeiten und um die Welt zu verbessern. Doch eines Tages traf die Weisheit auf ihrem Weg durch die Natur auf ein besonderes Lebewesen. Dieses Lebewesen kostete die Weisheit und konnte nicht genug bekommen. Sie leitete die Weisheit in von ihr vorgegebene Bahnen, anstatt sie einfach flie\u00dfen zu lassen. Es baute D\u00e4mme, um die Weisheit nicht an bestimmte Orte zu lassen, zw\u00e4ngte sie ein und herrschte \u00fcber sie, als ob sie diesem Lebewesen geh\u00f6ren w\u00fcrde. Doch irgendwann sprudelte so viel Weisheit aus der Quelle, dass die D\u00e4mme brachen, das Lebewesen mit sich riss und sich erneut ihren Weg durch die Natur suchte.<br \/>\n<strong>Tom Kobrow<\/strong><\/p>\n<p>Lernen ist ein aktiver Prozess, der uns von nichts und niemandem abgenommen werden kann. Neben allem \u00a0\u201eBeibringen\u201c \u2013 das Lernen ist etwas, das sich in jedem einzelnen von uns selbst vollzieht. Deshalb m\u00fcssen wir an Bildungseinrichtungen nicht nur Raum zum (passiven) Beibringen sondern auch Raum zum (aktiven) Lernen schaffen.<br \/>\n<strong>Lia Hanslmeier<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt ein Vorurteil \u00fcber den Witz: Man sagt sich, er m\u00fcsse lustig sein. Der Ironische steht auch deshalb schlecht im Kurs, weil er die Anderen l\u00e4cherlich macht. Nicht viele k\u00f6nnen ernsthaft \u00fcber sich selbst lachen!<br \/>\n<strong>Julian Brockhaus<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit Ironie, Witz und Leichtigkeit an philosophische Fragen heranzutreten erleichtert mit Sicherheit den Zugang zu der ein oder anderen schwerwiegenden Frage. Doch gehen Sinn und M\u00f6glichkeiten eines spielerischen, vielleicht sogar humorvollen Umgangs im und mit philosophischem Denken auch dar\u00fcber hinaus? 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