Begegnungspädagogik und Othering

Begegnungspädagogik hat, vereinfacht gesagt, das Ziel, die eigene Lebensform von der Anderer zu  unterscheiden und die anderen Lebensformen akzeptieren zu lernen.

Als mögliche probleme, die zu einem Othering führen könnten, könnte ich mir vorstellen, dass Unterschiede überspitzt werden, ihre Bedeutung überbetont wird und somit Abgrenzungen geschürt werden in Gruppen und bei Personen, denen das anders sein nicht so wichtig ist, die möglicherweise ihr Anderssein gar nicht betonen wollen, die sich vielleicht erstmal über ein gemeinsames Alter oder Stellung im gemeinsamen sozialen Rahmen definieren.

Aus meiner eigenen Schulzeit kann ich von keinen ergebnispädagogischen Konzepten berichten, allerdings erinnere ich mich noch sehr gut, welche Folgen ein ‚Othering’ haben kann.

Othering beschreibt einen Prozess der Distanzierung und Differenzierung gegenüber anderen Menschen bzw. Gruppen. Es geht darum, sich und seine Persönlichkeit besser darzustellen, indem man Menschen die anders sind, als fremdartig einstuft. Es werden Unterschiede in Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Religion, Sexualität, politischer Gesinnung, sozialer Stellung etc. gesucht und diese hervorgehoben. Man versucht sich gezielt abzugrenzen und als etwas Besseres darzustellen. Das kann zu Vorurteilen, Misstrauen bis hin zu Fremdenfeindlichkeit oder gar Fremdenhass führen.

In der Schule kann es durch fehlende oder fehlerhafte Aufklärung zu Othering kommen. Wird dagegen nichts unternommen, kann dieses in den Köpfen stattfindende Othering in aktive Handlungen, zum Beispiel dem Mobbing, ausarten. Es kommt zu einer aktiven Ausgrenzung oder einer feindlichen Stimmung der Gruppe gegenüber einem Mitglied oder einigen wenigen Mitgliedern in einer Klassengemeinschaft. Auch das Einordnen der Schüler in verschiedene Gruppen durch die Lehrkräfte kann diesen Prozess fördern.

 

Ich kann mich in meiner Schulzeit an ein Beispiel erinnern:

In der 8-9 Klasse war in meiner Parallelklasse ein Schüler, dessen Vater ein in ganz Bremen und sogar bundesweit bekannter, aktiver Neonazi war. Nachdem dies in der Schule langsam bekannt wurde, führte es, besonders in seiner Klasse, zu Abgrenzung und Distanzierung bzw. Othering. Der Anlass waren zunächst nur die Werte und Ansichten, die sein Vater vertrat.

 

Die immer deutlicher werdende rechtsradikale Gesinnung des Schülers selber, führte dazu, dass die Einstellung der Mitschüler von Othering in eine immer feindlicher werdende Gesinnung dem Schüler allgemein gegenüber umschlug, und sich dies dann auch in aktiven Handlungen der Abgrenzung und Schikanierung äußerte.

 

Sie haben sich zunächst nur mit seinem politischen Denken und dem seines Vaters auseinander gesetzt und beschlossen, dass nationalsozialistisches Gedankengut nichts in der Gesellschaft verloren hat.

Ohne das jetzt im Einzelnen belegt zu haben, finde ich, dass die Mitschüler damals zwischen einer unbedingt notwendigen politischen Auseinandersetzung mit den Ansichten ihres Mitschülers und den die Persönlichkeit allgemein verletzenden Handlungen nicht genügend getrennt haben.

In welcher Form sie später gegen den Schüler persönlich vorgegangen sind ist eben nicht akzeptabel.

Dies Beispiel zeigt aber auch, wie aus Othering, also dem Gedanken des Anderssein und der Selbstprofilierung durch das schlecht machen Anderer, aktive Handlungen, Ausgrenzung und Schikanierung, werden können.

Mobbing als aktives Handeln muss im Nachhinein aufgearbeitet werden, Othering als meist vorausgehendes Denken und Gruppenhaltung muss präventiv entgegengetreten werden durch die Arbeit des Lehrers mit der Schülergruppe.

Innere Differenzierung

 

Skizzieren Sie für eines Ihrer Unterrichtsfächer ein Beispiel für innere Differenzierung genauer, das Sie auf drei (von Ihnen zu wählende) Felder von Thaler anwenden. Diskutieren Sie im Anschluss, welchen Arten von Heterogenität durch die gewählten Felder der Differenzierung auf welche Weise in besonderem Maße Rechnung getragen wird.

 

Kursiv: Bezug zu ‚Felder nach Thaler’

 

Mit dem sprachlich und kulturell immer heterogener werdenden Klassenbild in deutschen Schulen wird auch  die Leistungsfähigkeit der Schüler immer heterogener, hauptsächlich bedingt durch sprachliche Probleme und unterschiedliche Bildungshintergründe. Um Schüler mit verschiedenen Leistungsstärken auf das gleiche Mindestniveau zu heben (beispielsweise Zentral-Abitur, oder ähnliche Abschlüsse), bedarf es einer inneren Differenzierung.

In der Chemie kann zum Beispiel mit  verschiedenen Schwierigkeitsgraden  differenziert werden. Sollen die Schüler  lernen, wie etwa chemische Reaktionsgleichungen aufgestellt werden, so könnte dies mit Hilfe von Aufgaben geschehen. Verschiedene Niveaustufen der Aufgaben könnten für lernstarke Schüler  als auch für lernschwache Schüler angeboten werden. So hat jeder Schüler zwar unterschiedliche Aufgaben, was das Niveau angeht, aber das Ziel, das Aufstellen von chemischen Reaktionsgleichungen zu erlernen, ist für alle erreichbar.

In diesem Beispiel geht es hauptsächlich darum, der Leistungsheterogenität Rechnung zu tragen.

Innere Differenzierung lässt sich auch durch Gruppenarbeiten herstellen, indem bei Schülerexperimenten, leistungsstarke Schüler mit leistungsschwachen Schülern Gruppen bilden, um die einzelnen Experimente gemeinsam durchzuführen. Sie können sich gegenseitig unterstützen und können vielleicht bestimmte Sachverhalte ihren Team-Mitgliedern besser vermitteln als der Lehrer der gesamten Klasse.

Neben der Leistungsheterogenität, soll hierbei vor allem die sprachliche Heterogenität überwunden werden. Schon das Verstehen von Anweisungen zu chemischen Experimenten, die zwar sowieso präzise aber allgemeinverständlich gehalten sein müssen, kann bei Nicht-Muttersprachlern Probleme bereiten. Hier können Muttersprachler andere Schüler unterstützen, was insgesamt auch die sprachliche Kompetenz aller erhöht. Zu diesem Zweck wären hier sprachlich heterogene Gruppen erwünscht, aber nicht unbedingt notwendig.

Eine weitere Innere Differenzierung lässt sich durch die Zeit gestalten, zum Bespiel in Form von Wochenaufgaben. Jede Woche gibt es eine gewisse Anzahl von Aufgaben, die jeder Schüler bis Ende der Woche erledigt haben muss. Wie viel Zeit jeder Schüler dafür aufbringt, bleibt ihm selbst überlassen. Allerdings muss auch hier darauf geachtet werden, das Niveau der Aufgaben individuell für jeden Schüler anzupassen.