{"id":36,"date":"2019-08-05T12:24:41","date_gmt":"2019-08-05T10:24:41","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/pabue\/?p=36"},"modified":"2019-08-05T12:24:41","modified_gmt":"2019-08-05T10:24:41","slug":"abschlussreflexion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/pabue\/2019\/08\/05\/abschlussreflexion\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li><strong>Zentrale theoretische Erkenntnisse der Ringvorlesung<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>R\u00fcckblickend auf die Ringvorlesung stelle ich fest, dass f\u00fcr mich als ein zentrales und in vielen einzelnen Beitr\u00e4gen wiederkehrendes Element die Individualisierung von Unterricht zu nennen ist.<\/p>\n<p>Professor Idel hat in seinem Vortrag von \u201eIndividualisierung als auf Heterogenit\u00e4t reagierendes didaktisches Prinzip\u201c gesprochen. Dieser Satz ist f\u00fcr mich zu einem Leitsatz geworden, weil er aus meiner Sicht bei der Planung und Durchf\u00fchrung von Unterricht immer eine zentrale Rolle spielt. Dabei ist es ganz egal, an welcher Schule, in welcher Klassenstufe und welches Fach unterrichtet wird. In jeder Klassen finden sich sehr unterschiedliche Kinder, mit unterschiedlichen Begabungen, unterschiedlichen Sprachkenntnissen und unterschiedlichem sozialen Hintergrund. Da liegt es eigentlich auf der Hand, dass eine sehr heterogene Gruppe nur schlecht einheitliche Aufgaben gleich gut bearbeiten kann.<\/p>\n<p>Was in der Theorie einleuchtend und notwendig erscheint, ist in der praktischen Umsetzung allerdings eine gro\u00dfe Herausforderung und gelingt nicht immer. Ich fand es sehr interessant, dass in der Vorlesungsreihe neben der der theoretischen Herleitung auch fachdidaktische und methodische M\u00f6glichkeiten zur Umsetzung aufgezeigt wurden. Mir ist klar geworden, dass ich zun\u00e4chst ein Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Lernausgangslage der einzelnen Kinder entwickeln muss (. Z.B. \u00fcber verschiedene Diagnostikverfahren), bevor die tats\u00e4chliche inhaltliche Unterrichtplanung beginnen kann. Spannend finde ich auch, die Idee, den Klassenraum unter bestimmten sozialen Aspekten zu gestalten. Das Thema \u201eClassroom Management\u201c interessiert mich sehr, da ich zu der \u00dcberzeugung gelangt bin, dass eine klug durchdachte r\u00e4umliche Gestaltung die Lernatmosph\u00e4re verbessern kann.<\/p>\n<p><strong>1a. Fachdidaktische Aspekte<\/strong><\/p>\n<p>Meine gew\u00e4hlten F\u00e4cher sind Chemie und Deutsch. Da ich noch keine Unterrichtserfahrung habe und auch noch kein Praktikum absolviert habe, basieren meine Ausf\u00fchrungen hier auf der Theorie, bzw. auf den Erfahrungen aus der eigenen Schulzeit.<\/p>\n<p>Eine erstaunliche Erkenntnis f\u00fcr das Fach Chemie geht zur\u00fcck auf den Vortrag von Herrn Kulgemeyer, der eine TIMSS\/PISA E Studie vorgestellt hat, aus der hervorgeht, dass Sch\u00fcler bessere Ergebnisse in Physik und Chemie erreichen als Sch\u00fclerinnen, obwohl grunds\u00e4tzlich die Lernerfolge von M\u00e4dchen in allen F\u00e4chern besser sind als die der Jungen. Das Ergebnis der Studie zeigt, dass offensichtlich geschlechtsspezifische Interessenslagen Auswirkungen auf die Lernmotivation haben. M\u00e4dchen sind scheinbar an den klassischen Fragestellungen in den F\u00e4chern Chemie und Physik weniger interessiert als Jungen. Daraus ergibt sich ein spannendes didaktisches Arbeitsfeld: wie kann es gelingen, im Rahmen der curricularen Vorgaben Aufgaben zu entwickeln, die M\u00e4dchen st\u00e4rker ansprechen und motivieren. Entscheidend ist wohl auch, diese \u201eJungen- M\u00e4dchen Problematik\u201c in der Unterrichtsplanung immer mitzudenken.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Fach Deutsch besch\u00e4ftigt mich das von Herrn Kesper vorgestellte Konzept der \u201eSprachaufmerksamkeit\u201c (language awareness)., weil es davon ausgeht, dass in einer Schulklasse die Sprachvielfalt nicht die Ausnahme, sondern die Normalit\u00e4t ist. Es ist f\u00fcr den Deutschunterricht eine gro\u00dfe Herausforderung, wenn in einer Lerngruppe Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sitzen, die Deutsch als Erst-, Zweit- oder Drittsprache auf unterschiedlichem Niveau sprechen. Das Ziel muss ja sein, einen Lernzuwachs f\u00fcr alle zu erm\u00f6glichen. Den Ansatz, zun\u00e4chst zu pr\u00fcfen, was an Kenntnissen bereits da ist, und wie Kommunikation auch ohne vollst\u00e4ndigen Wortschatz und ohne korrekte Grammatik funktioniert, finde ich gut und motivierend, weil nicht zuerst die Defizite herausgestellt werden. Skeptisch bin ich allerdings, ob die Sprachentwicklung sich tats\u00e4chlich verbessert, wenn klar ist, dass man auch mit Halbs\u00e4tzen wie \u201eIch geh Edeka\u201c oder \u201eGeb Trinken\u201c verstanden wird .<\/p>\n<p>Grunds\u00e4tzlich bin ich aber \u00fcberzeugt, dass ein sensibler Umgang mit Sprache und auch mit Fachsprache in allen F\u00e4chern n\u00f6tig ist, wenn man den verschiedenen Sprachniveaus gerecht werden will. In einer Untersuchung von Mathepr\u00fcfungsleistungen ist herausgekommen, dass die Ergebnisse nicht schlecht waren, weil die Sch\u00fcler die Probleme nicht mathematisch l\u00f6sen konnten, sondern weil sie die Aufgabenstellung sprachlich nicht richtig erfassen konnten.<\/p>\n<p><strong>1b. Generelle erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>F\u00fcr die Planung von Unterricht sind neben den fachwissenschaftlichen und fachdidaktischen Kenntnissen eine Reihe von Faktoren (z. B. Zusammensetzung der Lerngruppe, Wahl der Methode) zu ber\u00fccksichtigen.<\/li>\n<li>In stark heterogenen Lerngruppen ist es wichtig, auch kulturelle, geschlechtsspezifische, religi\u00f6se und soziale Aspekte bei der Wahl von Unterrichtsthemen und Materialen zu ber\u00fccksichtigen.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>3.Zu welchen Fragestellungen m\u00f6chte ich mehr erfahren?<\/strong><\/p>\n<p>Ein gro\u00dfes Themenfeld, wo f\u00fcr mich noch Fragen offen sind, ist der Bereich der Inklusion. In den Vorlesungen wurde \u00fcber die rechtlichen Grundlagen und auch \u00fcber einzelne Verfahrensschritte der Sonderp\u00e4dagogischen Testung informiert.<\/p>\n<p>Meine offene Frage hat Herr Fischer in seinem Beitrag gestellt: <em>\u201eGibt es eine Grenze f\u00fcr den<\/em> <em>gemeinsamen Unterricht?\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Diese Frage ist f\u00fcr mich nicht beantwortet, insbesondere\u00a0 nicht f\u00fcr den Unterricht an Gymnasien, wo die Sch\u00fcler unter gro\u00dfem Zeitdruck (G8) viele Inhalte lernen m\u00fcssen, die in zentralen Pr\u00fcfungen abgefragt werden. Zudem wird an Gymnasien explizit auf \u201eeinen erh\u00f6hten Niveau\u201c unterrichtet, selbst Binnendifferenzierung kommt nur in geringem Ma\u00df vor.<\/p>\n<p>Ich bin auch nicht sicher, ob \u201eeine Schule f\u00fcr alle\u201c immer im Sinn gehandicapter Sch\u00fcler ist. Aus meiner eigenen Schulzeit kenne ich den Fall eines Autisten, der mit seiner pers\u00f6nlichen Assistenz mehr Zeit auf dem Schulhof oder in stillen Ecken auf dem Flur verbracht hat als in seiner Klasse, weil er die Unruhe und den L\u00e4rmpegel im Klassenraum nicht ausgehalten hat. Au\u00dferdem musste sein Tisch h\u00e4ufig in einer Ecke mit dem Blick zur Wand stehen, um eine Reiz\u00fcberflutung zu vermeiden und dem Neonlicht der Deckenbeleuchtung auszuweichen.<\/p>\n<p>Daraus ergibt sich ein weiterer offener Themenkomplex.: inwieweit werde ich als Fachlehrerin auf die Arbeit in inklusiven Klassen, bzw. mit inklusiven Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern vorbereitet? F\u00fcr mich w\u00e4re es auch interessant zu erfahren, wie in einem konkreten Fall die Zusammenarbeit von Sonderp\u00e4dagogen, pers\u00f6nlicher Assistenz und Fachlehrerin idealerweise aussehen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><strong>4.Pers\u00f6nliche Herausforderungen<\/strong><\/p>\n<p>Auf der theoretischen Grundlage der Ringvorlesung sehe ich eine gro\u00dfe Herausforderung f\u00fcr mich t\u00e4glich einen sinnhaften binnendifferenzierten Unterricht auf verschiedenen Niveaustufen zu planen und in der Durchf\u00fchrung jeden Sch\u00fcler zu begleiten.<\/p>\n<p>In einer inklusiven Oberschulklasse finden sich theoretisch Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler auf vier Lernniveaus, die alle individualisierte Lernpakete bekommen sollten. Das ist f\u00fcr mich in der Praxis im Augenblick nur schwer vorstellbar und ich habe diesbez\u00fcglich auch keine eigenen Schulerfahrungen.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Schulpraktika m\u00f6chte ich m\u00f6glichst viel Unterricht anschauen um methodische und praktische Ideen zu entwickeln oder diese kritisch zu verwerfen.<\/p>\n<p>Im Rahmen der universit\u00e4ren Ausbildung denke ich, dass ich mir \u00fcber fachdidaktische Seminare und erziehungswissenschaftliche Veranstaltungen zu Unterrichtmodellen, Konzepten oder Methoden einen pers\u00f6nlichen Fundus zur Unterrichtsgestaltung erarbeiten kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zentrale theoretische Erkenntnisse der Ringvorlesung R\u00fcckblickend auf die Ringvorlesung stelle ich fest, dass f\u00fcr mich als ein zentrales und in vielen einzelnen Beitr\u00e4gen wiederkehrendes Element die Individualisierung von Unterricht zu nennen ist. 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