{"id":21,"date":"2015-06-18T17:56:09","date_gmt":"2015-06-18T15:56:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/otersen\/?p=21"},"modified":"2015-06-18T17:59:12","modified_gmt":"2015-06-18T15:59:12","slug":"warum-fuehlen-sich-jungen-in-der-grundschule-nicht-wohl","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/otersen\/2015\/06\/18\/warum-fuehlen-sich-jungen-in-der-grundschule-nicht-wohl\/","title":{"rendered":"Warum f\u00fchlen sich Jungen in der Grundschule nicht wohl?"},"content":{"rendered":"<p>Die von mir gestellte Frage ist sicherlich ein wenig provokativ und pauschalisierend. Aber sie trifft leider auch immer wieder zu, die IGLU-Studie von Wilfried Bos hat ja eindeutige Aussagen dahingehend getroffen, dass sich Jungen im Gegensatz zu den gleichaltrigen M\u00e4dchen weniger sicher f\u00fchlen, weniger gerne zur Schule gehen und sich von den Lehrkr\u00e4ften nicht so gut betreut f\u00fchlen. Die Gr\u00fcnde daf\u00fcr eindeutig festzulegen sind eher spekulativer Natur, daher werde ich an dieser Stelle lediglich ein paar Erkl\u00e4rungsversuche in Angriff nehmen:<\/p>\n<p><strong>&#8222;Jungen und M\u00e4dchen haben zwar das gleiche Alter in der Grundschule, befinden sich aber auf verschiedenen Entwicklungsstufen&#8220;<\/strong><br \/>\nDieser Satz ist keine These, sondern Fakt. Jeder, der schon einmal eine Grundschulklasse besucht hat, kann schnell feststellen, dass die Jungen in der Entwicklung weiter zur\u00fcckliegen. Der einfachste Test ist dabei der &#8222;Maltest&#8220;: Jungen haben oft noch gar nicht das Vorstellungsverm\u00f6gen, Fahrzeuge und Menschen detailliert darzustellen, sie befinden sich noch in der Strichm\u00e4nnchenphase, M\u00e4dchen k\u00f6nnen dann schon viel komplexere Dinge auf das Papier bringen. Nun w\u00e4re es nat\u00fcrlich der falsche Weg, beide Geschlechter zu trennen und somit homogen zu f\u00f6rdern, vielmehr ist auch hier wieder die Lehrkraft gefordert, die heterogenen Voraussetzungen zu nutzen, zumal die Entwicklungsunterschiede im Laufe der Zeit immer geringer werden. Trotzdem ist es kein Wunder, dass sich die Jungen nicht wohl f\u00fchlen werden, wenn sie feststellen, dass sie den gleichaltrigen M\u00e4dchen immer unterlegen sind.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Wo sind die M\u00e4nner?&#8220;<\/strong><br \/>\nIm Kindergarten sind sie so gut wie nicht vorhanden, auch in den meisten Grundschulen Mangelware. Das hei\u00dft die meisten Kontaktpersonen von Jungen im Grunschulalter sind und waren: Frauen. Zu Hause die Mutter, im Kindergarten die Erzieherin und in der Schule die Lehrerin. Immer nur Frauen, m\u00e4nnliche Impulse sind Mangelware und die Jungen k\u00f6nnen ihre Beobachtungen am Verhalten immer nur feminin zuordnen. Von dieser (anderen) Seite betrachtet haben wir statt Heterogenit\u00e4t vielmehr Homogenit\u00e4t in Reinform. Und dabei ist es so wichtig, dass Kinder beide Seiten kennenlernen m\u00fcssen und sollen, Mann und Frau. Ich habe auch schon mehrfach bei Grundschullehrerinnen beobachtet, dass sie gerne eine gr\u00f6\u00dfere Distanz zu den Jungen haben als die M\u00e4dchen, weil sie nicht die (m\u00fctterliche) Bezugspersonenrolle \u00fcbernehmen wollen. Alles in allem ist es sehr problematisch, immer nur eine Seite der Medaille zu sehen.<\/p>\n<p><strong>&#8222;Spielen ist wertvoll, Sport ist aber Mord!&#8220;<\/strong><br \/>\nJungen treiben gerne Sport, Fussball steht oft an erster Stelle. Auch das Austoben wird in maskuliner Reinform gerne ausgelebt, ebenso wie Raufereien. Das geh\u00f6rt zum Entwicklungsalltag einfach dazu, wird aber in den Erziehungs- und Bildungseinrichtungen nicht gerne gesehen. Viele Lehrer wollen in der Pause ihre Ruhe, ein v\u00f6llig falscher Ansatz, von den Kindern zu erwarten, innerhalb der Lernstunden still zu sein und in den Pausen ebenso. Und beim Sport soll es auch wenn m\u00f6glich gesittet zugehen, die Jungen haben folglich kaum M\u00f6glichkeiten, sich auszutoben und ihre aufkommende M\u00e4nnlichkeit zu pr\u00e4sentieren. Wenn dies aber unterdr\u00fcckt wird, sind Komplikationen vorprogrammiert, unter anderem, dass die Motivation der Kinder in den Keller rutscht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong>: Wir brauchen mehr M\u00e4nner in den Schulen und Kinderg\u00e4rten, was aber nur erreicht werden kann, wenn dieser Beruf zum einen mehr anerkannt und zum anderen auch entsprechend entlohnt wird. Aber genau bei diesen Aspekten ist noch eine Menge Pionierarbeit zu leisten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die von mir gestellte Frage ist sicherlich ein wenig provokativ und pauschalisierend. 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