{"id":18,"date":"2015-06-03T10:56:32","date_gmt":"2015-06-03T08:56:32","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/otersen\/?p=18"},"modified":"2015-06-03T10:56:32","modified_gmt":"2015-06-03T08:56:32","slug":"veraenderung-des-berufsbildes-lehrer-durch-die-inklusion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/otersen\/2015\/06\/03\/veraenderung-des-berufsbildes-lehrer-durch-die-inklusion\/","title":{"rendered":"Ver\u00e4nderung des Berufsbildes Lehrer durch die Inklusion"},"content":{"rendered":"<p>Die neue Ideologie, die durch die deutsche Schullandschaft geistert, nennt sich Inklusion. Von der Politik gefordert und \u00fcber die UN-Konvention legitimiert, muss nun ein inklusives Bildungssystem in Deutschland installiert werden. Dabei steht nicht unbedingt die Lernentwicklung der Kinder im Mittelpunkt, sondern die Erf\u00fcllung der Vorgaben der Gesellschaft. F\u00fcr die Politik ist das ganze Thema nat\u00fcrlich ein Segen, denn hier k\u00f6nnen erst einmal enorme Kosten eingespart werden, durch die Schlie\u00dfung der F\u00f6rderschulen und Zusammenf\u00fchrung von Gymnasien und Oberschulen zu Gesamtschulen. Die Infrastruktur (personell wie auch Geb\u00e4ude) kann dann nach und nach angepa\u00dft werden, da kommt es denn auch nicht darauf an, wenn Einzelpersonen dadurch benachteiligt werden. In Niedersachsen geht man sogar so weit in einer Gesetzesvorlage, dass Eltern mehr oder weniger gezwungen werden sollen, ihre Kinder auf Gesamtschulen zu schicken, die Buskosten f\u00fcr Gymnasien sollen dann nicht mehr vom Staat \u00fcbernommen werden.<\/p>\n<p>Was bedeutet das nun f\u00fcr den Lehrer? Er muss sich darauf einstellen, eine heterogene Gruppe vor sich zu haben und damit die didaktischen Mittel sehr unterschiedlich einsetzen. Ein einheitliches Lernniveau ist nicht mehr vorhanden, jeder einzelne Sch\u00fcler muss gefordert oder gef\u00f6rdert werden. Daraus ergeben sich weitreichende neue Aufgaben in p\u00e4dagogischer Sicht, denn Kinder mit geistiger und k\u00f6rperlicher Behinderung sind teilweise mit sehr viel Hingabe und Geduld zu unterrichten, dies kann man mit einem &#8222;normalen&#8220; Schulkind gar nicht vergleichen.<\/p>\n<p>Doch wie sieht die Realit\u00e4t aus? Die Verfechter und F\u00f6rderer der Inklusion leben meiner Meinung nach in einer Traumwelt: Kinder, die vorher in F\u00f6rderschulen eine individuelle (Vollzeit-) Betreuung erhalten haben, werden nun in den normalen Schulalltag integriert und bekommen nur noch einen Bruchteil an F\u00f6rderung. Das gesamte Lerntempo wird verlangsamt und an alle Bed\u00fcrfnisse angepa\u00dft, der Lernplan ist aber nach wie vor der alte, die Vorgaben wurden nicht erneuert. Die meisten Lehrkr\u00e4fte sind auf Inklusion genauso wenig vorbereitet wie eine kleine Autowerkstatt, die pl\u00f6tzlich LKW reparieren soll. Es gibt nur marginale Schulungen (die zun\u00e4chst zu Unterrrichtsausf\u00e4llen f\u00fchren) und nach ein Workshops ist soll man dann bereit sein f\u00fcr die Inklusion. Die Lehrkr\u00e4fte an F\u00f6rderschulen haben eine andere Ausbildung genossen, mutieren jedoch nun zum &#8222;fahrenden Volk&#8220; und werden stundenweise an den Schulen zur F\u00f6rderung eingesetzt. Befragt man Eltern behinderter Kinder zum Thema Inklusion, winken diese oftmals ab und sind eher frustriert, denn nun werden massenweise F\u00f6rderschulen geschlossen und die Kinder in unvorbereitete Regelschulen zwangsintegriert. Zwar bin ich kein prinzpieller Gegner der Inklusion, doch die Umsetzung ist meiner Meinung nach mehr als mangelhaft, was zu Folge hat, dass das Lernniveau allgemein sinkt und die integrierten Kinder sich weder wohlf\u00fchlen noch selbst dazugeh\u00f6rig f\u00fchlen. In l\u00e4ndlichen Gegenden, wo oft Inklusion noch nicht wirklich ein gro\u00dfes Thema ist, werden teilweise Schulen f\u00fcr mehrere hunderttausend Euro umgebaut, um ein (!) Inklusionskind aufnehmen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>F\u00fcr mich ist die Inklusion schlichtweg eine Fehlinterpretation der Behindertenrechtskonvention, die Einf\u00fchrung wird mehr oder weniger &#8222;durchgepr\u00fcgelt&#8220;, Erfahrungswerte existieren dabei nicht. Wir experimentieren also mit einer neuen Bildungsform (ich vermeide hier bewu\u00dft das Wort Reform, denn das trifft es meiner Meinung nach \u00fcberhaupt nicht) ohne zu wissen, welche Ergebnisse sie liefern wird. Erst in ein paar Jahren wundert man sich dann \u00fcber das schlechte Abschneiden der deutschen Bildung im europ\u00e4ischen Vergleich. H\u00e4tte man vielmehr darauf geachtet, das Schulsystem behutsam und nachhaltig zu ver\u00e4ndern, w\u00fcrde man sicherlich nicht auf so hohe Skepsis sto\u00dfen bei Eltern wie Lehrerschaft und k\u00f6nnte dann anhand der Ergebnisse dies weiter entwickeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die neue Ideologie, die durch die deutsche Schullandschaft geistert, nennt sich Inklusion. Von der Politik gefordert und \u00fcber die UN-Konvention legitimiert, muss nun ein inklusives Bildungssystem in Deutschland installiert werden. Dabei steht nicht unbedingt die Lernentwicklung der Kinder im Mittelpunkt, sondern die Erf\u00fcllung der Vorgaben der Gesellschaft. 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