{"id":50,"date":"2025-09-10T18:00:22","date_gmt":"2025-09-10T16:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/?p=50"},"modified":"2025-09-15T19:23:33","modified_gmt":"2025-09-15T17:23:33","slug":"warum-gibt-es-hier-keine-kasse-mehr-interview","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/2025\/09\/10\/warum-gibt-es-hier-keine-kasse-mehr-interview\/","title":{"rendered":"&#8222;Warum gibt es hier keine Kasse mehr?&#8220; &#8211; Interview mit Paul W."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: center\"><span style=\"font-size: 18pt\"><strong>Schriftliches Interview mit Paul Wegener (Betriebsleitung im Cinespace)<\/strong><\/span><\/p>\n<p style=\"text-align: center\">Frage 1: Was waren die Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr, Bestellautomaten im Kino einzuf\u00fchren?<\/p>\n<p>Paul W. : Zwei Gr\u00fcnde sind hier ausschlaggebend: Zum einen sind die Bestellautomaten ein grundlegender Schritt in der Digitalisierung der Systemgastronomie und des Bargeldlosen Zahlens. Zum anderen reduziert es den Personalaufwand, wobei die Automaten nat\u00fcrlich kein vollwertiger Personalersatz sind.<\/p>\n<p>Frage 2: Wie haben sich die Arbeitsverl\u00e4ufe und die Rolle des Personals seitdem ver\u00e4ndert?<\/p>\n<p>Paul W. : Es gibt nun eine eigene Theke und Personalrolle f\u00fcr die Bestellungen an den Automaten. Diese ist losgel\u00f6st von der Kasse an der bei einer Person bestellt und auch bar gezahlt werden kann. Bis auf die Bestellungsabwicklung und das Ausrufen der Abholung bleiben die Prozesse gleich.<\/p>\n<p>Frage\u00a0 3: Welche R\u00fcckmeldung erhalten Sie von Ihren Mitarbeiter*innen zur Umstellung?<\/p>\n<p>Paul W. : Es gab gemischte Resonanz. Einigen fehlt der pers\u00f6nliche Kundenkontakt und die M\u00f6glichkeit Kunden zu beraten. Au\u00dferdem kam auch der Vergleich zu Fast Food ketten, mit denen man uns auf einer Stufe sehen w\u00fcrde. Anderen wiederum gefiel irgendwann der reduzierte Kundenkontakt und, dass man nun keine Vollst\u00e4ndige Abrechnung mehr machen muss. In jedem Fall war es aber eine Umstellung f\u00fcr alle.<\/p>\n<p>Frage 4: Wie reagieren die Besucher*innen auf die Automaten? Gibt es bestimmte Gruppen die Schwierigkeiten haben?<\/p>\n<p>Paul W. : Die Besucher*innen mussten sich anfangs ebenfalls damit auf etwas Neues einstellen und wir mussten uns etwas M\u00fche geben die Automaten aktiv zu bewerben. Inzwischen ist die Aufteilung Automaten-Bezahlkasse gleich 50-50. Ein gro\u00dfer lokaler Vorteil den wir haben ist die Bremer Freikarte, welche ein j\u00e4hrliches Guthaben von 60\u20ac f\u00fcr Kinder und Jugendliche u. A. f\u00fcr Kinotickets beinhaltet und an unseren Automaten als Zahlungsmittel g\u00fcltig ist.<\/p>\n<p>Probleme haben wenn dann Personen fortgeschrittenen Alters (50-65 J\u00e4hrige) was dazu f\u00fchrt, dass diese Personengruppe die Automaten eher meidet. Dies ist vor allem auf die Selbstbedienung und das selbstst\u00e4ndige digitale Zahlen zur\u00fcckzuf\u00fchren.<\/p>\n<p>Frage 5: Beobachten Sie eine Ver\u00e4nderung im Bestellverhalten &#8211; etwa in der Art und Menge der K\u00e4ufe?<\/p>\n<p>Paul W. : Die Besucher*innen bestellen auf jeden Fall gr\u00f6\u00dfere Mengen an den Automaten und geben auch tendenziell mehr Geld aus, als bei einer Kasse mit einer Person. Zum einen, weil es anonymer ist und die Hemmschwelle zum \u00dcberkonsum damit niedriger und man weniger nachfragen muss und nach dem Amazon Prinzip einfach per 1-Click bestellen kann. Zum anderen kennen die Leute auch, da die pers\u00f6nliche Beratung wegf\u00e4llt, nicht die Ideale Preiskombi oder Men\u00fcs f\u00fcr ihre Bed\u00fcrfnisse, weswegen ein h\u00f6herer Preis zustande kommt.<\/p>\n<p>Frage 6: Kritisch gefragt: Geht durch die Automaten auch ein St\u00fcck pers\u00f6nliche Atmosph\u00e4re verloren?<\/p>\n<p>Paul W. : Ja unweigerlich. Nicht nur der finanzielle Aspekt, wie zuvor erw\u00e4hnt, des Kinobesuchs leidet f\u00fcr unsere Besucher*innen darunter, auch der pers\u00f6nliche Austausch mit dem Personal an der Kasse. Letzteres muss nicht zwingend etwas Negatives sein, viele sch\u00e4tzen auch den geringen Menschenkontakt, aber es macht das ganze mehr zu einem anonymen Gesch\u00e4ftsprozess als vorher.<\/p>\n<p>Frage 7: Glauben Sie, dass wir uns als Gesellschaft durch solche Technologien auch ein St\u00fcck weit bewusst voneinander distanzieren?<\/p>\n<p>Paul W. : An der These mag etwas dran sein, sie ist jedoch meiner Einsch\u00e4tzung nach nur ein marginaler Entscheidungsfaktor hinter der kapitalistischen Hauptentscheidung f\u00fcr solche Formen der Digitalisierung. Immerhin ist es f\u00fcr einen Betrieb profitabler digitale Zahlungen abzuwickeln und so gleichzeitig eine Personallast auf eine Maschine zu \u00fcbertragen. Aus der Kunden Perspektive ist es dann h\u00f6chstens ein netter Nebeneffekt, bei der Entscheidung f\u00fcr eine solche Technologie, nicht mit einem Menschen Reden zu &#8222;m\u00fcssen&#8220;. Von bewusster, sozialer Distanzierung kann daher kaum die Rede sein.<\/p>\n<p>Frage 8: Wie sehen Sie die Zukunft: Wird der Einsatz von Automaten weiter ausgebaut &#8211; oder sollte es eine Balance mit pers\u00f6nlichen Service geben?<\/p>\n<p>Paul W. : Meiner Meinung nach ist eine pers\u00f6nliche Serviceinstanz unabdingbar und sollte immer in der Balance mit technologischen Fortschritten stehen. Gerade hierzulande ist die Technologie noch zu anf\u00e4llig f\u00fcr Fehler und Ausf\u00e4lle, weswegen wir bspw. immer genug Personal haben um einen Ausfall auffangen zu k\u00f6nnen. \u00dcber den Gastrobereich hinaus sehe ich einen Ausbau als durchaus sinnvoll, gerade in zu automatisierenden Prozessen wie B\u00fcrokratie oder dem medizinischen Sektor z.B. Apotheke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schriftliches Interview mit Paul Wegener (Betriebsleitung im Cinespace) Frage 1: Was waren die Hauptgr\u00fcnde daf\u00fcr, Bestellautomaten im Kino einzuf\u00fchren? Paul W. : Zwei Gr\u00fcnde sind hier ausschlaggebend: Zum einen sind die Bestellautomaten ein grundlegender Schritt in der Digitalisierung der Systemgastronomie und des Bargeldlosen Zahlens. Zum anderen reduziert es den Personalaufwand, wobei die Automaten nat\u00fcrlich kein [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":10357,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-50","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/users\/10357"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=50"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":74,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/50\/revisions\/74"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=50"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=50"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/orderpoint\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=50"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}