RV 04 – „Othering“

Wir und die Anderen. Prinzipiell sind Menschen die Produkte der Gesellschaft, die sie hervorbringt. Das „Othering“ bezeichnet also auf der gesamten gesellschaftlichen Ebene eine unter Anderem von der gesellschaftlichen Norm abweichende bzw. verselbstständigte, oder individualisierte Gruppierung von Menschen bzw. Einzelpersonen. Das „Othering“ findet immer dann statt, wenn eine Gruppierung von Menschen ein bestimmtes Interesse, Verhalten, Orientierung etc. verfolgt, die eine andere Einzelperson, oder Gruppierung nicht verfolgt. Somit ist das „Othering“ in jedem sozialen Sektor des menschlichen Lebens vorstellbar. Bezugnehmend zur Grundschule findet das „Othering“ schon bei bloßer Freundschaftsschließung statt. Ich erinnere mich dabei an meinen damaligen besten Freund. Innerhalb der Klassengemeinschaft bildeten wir eine eigene kleine Gemeinschaft, zu der die Anderen im Sinne des „Otherings“ keinen Zugang hatten. Natürlich blicke ich dabei aus meiner eigenen Mikroebene auf das „Othering“.

Auch auf der Mikroebene der gesamten Klassengemeinschaft wurde das „Othering“ betrieben, was allerdings eher unbewusst geschah. Im Zusammenhang einer religiös und kulturell vielfältigen Klassengemeinschaft wurden die Kulturen zwar als „anders“ wahrgenommen, was de facto auch so ist. Eine Trennung der Kulturen in „ die Eine und die Anderen“ fand in unserer Schulgemeinschaft nicht statt, obgleich wie erwähnt, ein Unterschied spürbar war.

Dieser Umstand lag mit Sicherheit an der sehr offenen und direkten Handhabung der kulturellen Heterogenität in der Klassengemeinschaft, die sich in der gesamten Schule wiederspiegelte. Da die Lehrkraft für uns als Kinder über jeden möglichen religiösen Konflikt erhaben schien und für uns ein Vorbild war, kam uns nie in den Sinn Menschen aus anderen Kulturen in „Schubladen“ zu stecken bzw. sie auszugrenzen.

Nachdem ich die Grundschule verlassen hatte, in den Genuss einer Orientierungsstufe kommen durfte und mich ein mysteriöser Wachstumsschub katapultartig in eine pubertierende 7. Klasse beförderte, bekam das „Othering“ in meinem persönlichen Makrosystem einen weitaus tragenderen Charakter.

Religiöse Konfessionen, Herkünfte, soziale Ränge und nicht zuletzt die schulische Leistung formten die einzelnen Schüler in passgenaue Puzzlestücke, die ihre Zugehörigkeit unter Anderem bei anderen Mitschülern fanden. Nie war das „Othering“ im schulischen Kontext so präsent wie in dieser Zeit.

RV02 – Soziokulturelle Heterogenität

Zum Thema der soziokulturellen Heterogenität kann ich auf meine eigene Grundschulzeit zurückblicken, was in etwa vor 20 Jahren der Fall war. Meine Grundschulzeit fällt also in den Bereich der antirassistischen Pädagogik. Ich erinnere mich an eine gewisse positive Grundstimmung im Zusammenhang der Interkulturalität. So gab es mehrfach im Jahr verschiedene kleine Feste, die verschiedene Kulturen näherbringen sollten.  Das „Afrika“ Fest war dabei stets ein kleines Highlight und wurde von allen Beteiligten gut aufgenommen. Es wurde relativ groß aufgezogen, mit vielen Buffets, Gesangsgruppen und Spielen. Sofern ich mich weiter erinnern kann, hatten wir allerdings kaum afrikanisch-stämmige Mitschüler an der Grundschule. Wahrscheinlich war das Ziel dieser Festreihe einfach die verschiedenen Dimensionen an kultureller Vielfalt zu zeigen.

Ich kann mich auch noch gut an einen Grundschulfreund aus Russland erinnern, der regelmäßig eine Sprachförderung besucht hatte. Wir haben viel Zeit miteinander verbracht und ich konnte schon damals beobachten, wie sein Wortschatz stets größer wurde. Was mitunter zu witzigen Situationen führte.

Kinder, dessen Sprachniveau deutlich unter der Grenze der Verständlichkeit lag, wurden in der Regel gesondert gefördert. Im Allgemeinen wurden alle Kinder hingegen gleich behandelt.

Ich erkenne das Modell der „gerechten Gesellschaft“ in meiner Grundschulzeit wieder, denn es wurde an allen „Ecken“ versucht der Interkulturalität einen Normalitätscharakter zu verleihen. Rückblickend und meiner Meinung nach, durchaus erfolgreich.

RV01 – Reflexion des Spannungsfeldes Heterogenität und Homogenität

Ich möchte in diesem Beitrag das Thema Heterogenität und Homogenität aus einem anderem, meiner Meinung nach spannendem Blickwinkel betrachten und zuerst die Frage stellen, woher überhaupt der Gedanke an die Heterogenität kommt?

Ich glaube, dass die Heterogeniät eines jeden Menschen einem in die Wiege gelegtem Automatismus nach Autonomiestreben entspringt, dessen Existenz allein unter der evolutionären Bedingung eines Bewusstseins ermöglicht wird. Mit anderen Worten: “ Ich denke, also bin ich“ (René Descardes)

In diesem Zusammenhang, nach Herrn Descardes Worten, bleibt die Frage offen, was ich bin.  Und damit ist nicht gemeint du bist, was du isst. Viel eher geht es um ein essenzielles Wechselspiel von Autonomie und Anpassung in einer homogen wirkenden Gesellschaft, auch als Mainstream bekannt. Um aber das Themenfeld der Soziologie den soziologischen Tiefgang dieser Thematik zu überlassen möchte ich an dieser Stelle den Bogen mit den gleichen Gedanken in das Schulsetting spannen.

Hier, in der Schule, erwartet uns als angehende potenzielle Lehrkräfte der verschiedensten Jahrgangsstufen nun eine scheinbar homogene Masse. Jedes dieser zu beglückwünschenden Individuen, die unseren Unterricht besuchen, möchte in die Schule gehen und im besten Falle lernen. Somit bildet dieser Umstand den gemeinsamen homogenen Nenner. Die eigentliche Herausforderung einer Lehrkraft soll es aber sein einer heterogenen Schülerschaft die homogenisierten Wissensstandarts (auch KMK Beschlüsse genannt) im Durchlaufverfahren beizubringen. Hier zeichnet sich das natürlich generierte Spannungsfeld zwischen der Heterogenität, der Schülerschaft und der normativen Setzung unserer Gesellschaft in Bezug auf das Lern -und Lehrverhältnis ab. Mit einer heterogenen Schülerschaft ist gemeint, dass jedeR SchülerIn durch indivudielle Lernvoraussetzungen besticht. Mit Lernvoraussetzungen sind Umweltbezüge jeglicher Form ( Kultur, Freunde, Sozioökonomie etc.), sowie biologische Voraussetzngen gemeint. So wird deutlich, dass eine homogene Kostante für ein erfolgreiches Lernen zwingend Notwendig ist, obgleich es auf den ersten Blick unmöglich scheint einer heterogenen Masse mit individuellem Autonomiestreben homogene Normen näher zu bringen.Um diesem Widerspruch in sich entgegenzuwirken wurde die Fachdidaktik erfunden, aus dessen Methodenkiste sich jede Lehrkraft mit Freude bedient. Die Fachdidaktik, mit ihren Methoden und Kenntnissen, ermöglicht die Kommunikation zwischen den homogenen Bildungsstandarts und der heterogenen Schülerschaft.

Um es nochmal besser zu beschreiben, ist für jedes homogene Gesellschaftsphänomen eine Interessenskonstante nötig, die den Bezugspunkt zu mehreren heterogenen Individuen bildet. Werbung und Mode ist dafür ein recht plakatives, aber wirkungsvolles Beispiel.

Wir als Lehrkräfte sind in dieser Vorstellung Vermittler von Bezugspunkten, die das Interesse einer heterogenen Gruppe von Individuen bündelt.  Alle Fachdidaktiken geben die Bezugspunkte vor an denen wir uns orientieren. Dies ist der Grund für die Deklarierung nach „schlechter“ und „guter“ Didaktik. Eine Didaktik wird als „schlecht“ bezeichnet, wenn sie nicht genügend Interessensbezüge hergestellt hat, beziehungsweise sie nicht vermitteln konnte und somit kein homogenes Interesse in einer heterogenen Schülerschaft entstanden ist.

Dies ist auch der Grund, weswegen es Förderunterricht gibt, weswegen es Kinder gibt, die keine „Lust“ haben und weswegen es Kinder gibt, die ein vermeitliches Lerndefizit aufweisen. Nicht die Schüler sind es, die dieses Defizit verursachen. Sie sind es, die es tragen müssen. Es ist die Gesellschaft und stellvertretend dafür die Didaktik (implizierend der Lehrperson, die die Didaktik ausführt), dessen Bezugspunkte für eine heterogene Schülerschaft an genau diesen Punkten einen Entwicklungsbedarf aufweist.

 

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