Ich möchte in diesem Beitrag das Thema Heterogenität und Homogenität aus einem anderem, meiner Meinung nach spannendem Blickwinkel betrachten und zuerst die Frage stellen, woher überhaupt der Gedanke an die Heterogenität kommt?
Ich glaube, dass die Heterogeniät eines jeden Menschen einem in die Wiege gelegtem Automatismus nach Autonomiestreben entspringt, dessen Existenz allein unter der evolutionären Bedingung eines Bewusstseins ermöglicht wird. Mit anderen Worten: “ Ich denke, also bin ich“ (René Descardes)
In diesem Zusammenhang, nach Herrn Descardes Worten, bleibt die Frage offen, was ich bin. Und damit ist nicht gemeint du bist, was du isst. Viel eher geht es um ein essenzielles Wechselspiel von Autonomie und Anpassung in einer homogen wirkenden Gesellschaft, auch als Mainstream bekannt. Um aber das Themenfeld der Soziologie den soziologischen Tiefgang dieser Thematik zu überlassen möchte ich an dieser Stelle den Bogen mit den gleichen Gedanken in das Schulsetting spannen.
Hier, in der Schule, erwartet uns als angehende potenzielle Lehrkräfte der verschiedensten Jahrgangsstufen nun eine scheinbar homogene Masse. Jedes dieser zu beglückwünschenden Individuen, die unseren Unterricht besuchen, möchte in die Schule gehen und im besten Falle lernen. Somit bildet dieser Umstand den gemeinsamen homogenen Nenner. Die eigentliche Herausforderung einer Lehrkraft soll es aber sein einer heterogenen Schülerschaft die homogenisierten Wissensstandarts (auch KMK Beschlüsse genannt) im Durchlaufverfahren beizubringen. Hier zeichnet sich das natürlich generierte Spannungsfeld zwischen der Heterogenität, der Schülerschaft und der normativen Setzung unserer Gesellschaft in Bezug auf das Lern -und Lehrverhältnis ab. Mit einer heterogenen Schülerschaft ist gemeint, dass jedeR SchülerIn durch indivudielle Lernvoraussetzungen besticht. Mit Lernvoraussetzungen sind Umweltbezüge jeglicher Form ( Kultur, Freunde, Sozioökonomie etc.), sowie biologische Voraussetzngen gemeint. So wird deutlich, dass eine homogene Kostante für ein erfolgreiches Lernen zwingend Notwendig ist, obgleich es auf den ersten Blick unmöglich scheint einer heterogenen Masse mit individuellem Autonomiestreben homogene Normen näher zu bringen.Um diesem Widerspruch in sich entgegenzuwirken wurde die Fachdidaktik erfunden, aus dessen Methodenkiste sich jede Lehrkraft mit Freude bedient. Die Fachdidaktik, mit ihren Methoden und Kenntnissen, ermöglicht die Kommunikation zwischen den homogenen Bildungsstandarts und der heterogenen Schülerschaft.
Um es nochmal besser zu beschreiben, ist für jedes homogene Gesellschaftsphänomen eine Interessenskonstante nötig, die den Bezugspunkt zu mehreren heterogenen Individuen bildet. Werbung und Mode ist dafür ein recht plakatives, aber wirkungsvolles Beispiel.
Wir als Lehrkräfte sind in dieser Vorstellung Vermittler von Bezugspunkten, die das Interesse einer heterogenen Gruppe von Individuen bündelt. Alle Fachdidaktiken geben die Bezugspunkte vor an denen wir uns orientieren. Dies ist der Grund für die Deklarierung nach „schlechter“ und „guter“ Didaktik. Eine Didaktik wird als „schlecht“ bezeichnet, wenn sie nicht genügend Interessensbezüge hergestellt hat, beziehungsweise sie nicht vermitteln konnte und somit kein homogenes Interesse in einer heterogenen Schülerschaft entstanden ist.
Dies ist auch der Grund, weswegen es Förderunterricht gibt, weswegen es Kinder gibt, die keine „Lust“ haben und weswegen es Kinder gibt, die ein vermeitliches Lerndefizit aufweisen. Nicht die Schüler sind es, die dieses Defizit verursachen. Sie sind es, die es tragen müssen. Es ist die Gesellschaft und stellvertretend dafür die Didaktik (implizierend der Lehrperson, die die Didaktik ausführt), dessen Bezugspunkte für eine heterogene Schülerschaft an genau diesen Punkten einen Entwicklungsbedarf aufweist.