Wenn Rentnerinnen helfen

Wenn frisch zugewanderte Kinder und Jugendliche in das deutsche Schulsystem integriert werden sollen stehen alle Beteiligten vor einer großen Aufgabe. Die SchülerInnen müssen sich in ein neues Umfeld in einer fremden Kultur und mit einer fremden Sprache integrieren. Die Lehrkräfte werden auf eine ganz andere Art und Weise gefordert als von den in Deutschland geborenen SchülerInnen.

In Bremen hält man derzeit noch am am teilintegrativen Modell fest. Im teilintegrativen Modell besuchen neu zugewanderte Schüler zwar auch einen Vorkurs, parallel dazu besuchen sie aber auch schon einige Schulfächer im Regelunterricht. In der Regel besuchen diese SuS weniger sprachintensive Fächer wie Sport, Musik und Kunst. Mit diesem System will man die zugewanderten Kinder innerhalb eines Jahres rezeptiv auf das B1-Niveau und produktiv auf das A2-Niveau bringen.

Während meiner Grundschulzeit konnte ich die Erfahrung machen, wie es ist mit neu zugewanderten SchülerInnen zusammen beschult zu werden, da in der zweiten Klasse zwei Seiteneinsteiger zu unserer Klasse stießen. Anfänglich gab es noch eine große Sprachbarriere, die aber innerhalb weniger Monate sehr klein wurde. Ganz auflösen konnten sich die sprachlichen Schwierigkeiten allerdings nur schwer. So kam es dazu, dass die beiden Zugewanderten und zwei weitere Schüler aus Migrantenfamilien, die ebenfalls sprachliche Schwierigkeiten zeigten, gezielte Förderung durch zwei Rentnerinnen erhielten. Die beiden Rentnerinnen unterrichteten die vier SchülerInnen nun in einer homogenen Kleingruppe während und außerhalb der Unterrichtszeiten um ihre Defizite so gezielt auszugleichen.

Im Nachhinein weiß ich nicht, ob es die gezielte Sprachförderung, der gemeinsame Unterricht mit Muttersprachlern oder eine Kombination aus beidem war, aber die sprachlichen Fähigkeiten aller vier SchülerInnen entwickelten sich prächtig. Einer der beiden Seiteneinsteiger machte Jahre später sogar noch sein Abitur. Wie die schulische Laufbahn der anderen Dreien verlief weiß sich leider nicht.

Zum Thema „Erfahrungen im Regelunterricht mit zugewanderten SchülerInnen“ habe ich meinen Vater, der Grundschullehrer ist, interviewt. Laut seinen Angaben kommen die zugewanderten SchülerInnen mit sehr heterogenen Leistungsniveaus an der Schule an. Die Integration innerhalb der Schule funktioniert bei allen dafür gleichermaßen gut. Außerhalb der Schule fällt die Integration dafür deutlich schwerer. Dies liegt oft daran, dass die zugewanderten SuS oft in Wohnheimen weit von der Schule entfernt leben. Zudem sprechen die Eltern oft kein Deutsch, was gerade bei SchülerInnen im Grundschulalter die Absprache mit den Eltern der SchülerInnen erschwert.

Die Lesekompetenz der SuS die einen Vorkurs besuchten ist fast immer besser, als die der SuS die keinen Vorkurs besuchten. Die SuS die den Kurs besuchten können meist schon sehr gut lesen, das Sprachverständnis hingegen ist fast immer sehr schlecht.

Diese Angaben decken sich sehr stark mit den, in der Vorlesung vorgetragenen, wissenschaftlichen Ergebnissen, wonach die zugewanderten SuS innerhalb eines Jahres sehr stark aufholten, ihre Schwächen dabei aber vor allem im Textverständnis offenbarten.