Freiwilligenarbeit in einem Kindergarten in Kapstadt

2016 verbrachte ich zwei Monate in einem Kindergarten in Südafrika, in Kapstadt. Diesen Kindergarten besuchten Kinder aus relativ armen Verhältnissen. In diesem Kindergarten gab es kein inklusives System, jedoch gab es dennoch Kinder, welche eine Behinderung hatten. Für diese Kinder gab es keine besondere Förderung, im Gegenteil diese Kinder wurden eher als lästig und behindernd angesehen und auch dementsprechend schlecht behandelt. Allgemein war das System in diesem Kindergarten nicht wirklich fortschrittlich. Außerdem gab es nicht genügend Mittel und Materialen die zu einer individuellen Förderung beitragen könnten, da der Kindergarten sehr auf Spenden angewiesen ist. Zudem pflegten die meisten Lehrkräfte eine sehr veraltete Lehrweise und bestraften die Kinder teilweise auch durch Schläge. Im Endeffekt hat die Mehrheit der Lehrkräfte wirklich gegen jegliche pädagogischen Grundsätze verstoßen und die Kinder relativ herablassend und hierarchisch behandelt. In der Kindergartengruppe, in der die ältesten Kinder waren (5 Jahre alt) wurde sogar schon Unterricht gegeben, wie wir ihn eher aus der 1. Klasse kennen. Die Kinder haben hier Frontalunterricht erlebt in dem die Lehrkraft vor der Klasse stand und Aufgaben angeleitet hat. Zwischendurch gab es kurze Spielsequenzen. Eine besondere Förderung oder Aufsicht für Kinder mit besonderen Bedürfnissen gab es hier nicht. Die Lehrkraft schenkte diesen Kindern nicht wirklich viel Aufmerksamkeit. Für solche Aufgaben waren dann eher die „Volunteers“ zuständig.

Es ist sehr schade so etwas mit anzusehen und vor allem zu sehen, dass die Lehrkräfte nicht wirklich für Feedback und Verbesserungsvorschläge offen sind, da die meisten Lehrkräfte eher eine negative Einstellung gegenüber den freiwilligen Kräften haben. Außerdem ist es wirklich traurig und es ist schwer sich vorzustellen, dass manche Praktiken immer noch in unserer Zeit existieren und immer noch sehr altertümliche „Lehrweisen“ vermittelt werden.

Man sollte sich dies immer wieder bewusst machen und die Mittel, welche wir bei uns haben, zu schätzen wissen. Ich wünsche mir, dass das Bildungssystem in Ländern wie Südafrika verbessert wird und eine angemessene Bildung als Grundlage für das weiterführende Leben in Zukunft keine Besonderheit mehr darstellt.

2 Gedanken zu „Freiwilligenarbeit in einem Kindergarten in Kapstadt“

  1. Liebe Nina,

    danke für deinen Beitrag. Es ist erschreckend zu sehen, wie Menschen mit einer Beeinträchtigung aktuell noch immer gesehen und behandelt werden. Es ist kaum vorstellbar, dass so etwas noch möglich ist. Ich finde deinen Beitrag sehr spannend und hoffe, dass Inklusion irgendwann überall auf der Welt verstanden wird.

  2. Hallo Nina,

    es wirklich sehr bedrückend, worüber du in deinem Beitrag berichtest.
    Jedoch möchte ich dich zunächst für deinen Einsatz und dein Durchhaltevermögen in einer solchen Situation loben. Ich bin mir sicher, du warst den Kindern eine Hilfe.
    Ich muss dir voll und ganz Recht geben, dass es erschütternd und traurig ist zu hören, dass weiterhin derartige Lernmethoden angewendet werden und dass das Vernachlässigen von Kindern mit Behinderung in einer derartigen Art und Weise zu verurteilen ist.
    Deinem Appell zum Schluss stimme ich voll und ganz zu.

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