{"id":18,"date":"2024-05-01T21:25:46","date_gmt":"2024-05-01T19:25:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/niew1\/?p=18"},"modified":"2024-05-01T21:25:46","modified_gmt":"2024-05-01T19:25:46","slug":"rv05","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/niew1\/2024\/05\/01\/rv05\/","title":{"rendered":"rv05"},"content":{"rendered":"<p>Wann haben Sie sich beim schulischen<br \/>\nFremdsprachenlernen in ihrer Individualit\u00e4t gesehen und<br \/>\nernstgenommen gef\u00fchlt?<\/p>\n<p>Im Englischunterricht in der Mittelstufe habe ich mehrmals als Arbeitsauftrag erhalten, ein englischsprachiges Medium vorzustellen, zumeist B\u00fccher, aber auch Filme. Die nur durch geringe Vorgaben eingeschr\u00e4nkte, relativ freie Wahl des Textes\/Films erlaubte mir, die Vorbereitung auf den Englischunterricht teilweise in meinen normalen Medienkonsum zu integrieren. Ich konnte die Sprache damit <strong>nutzen\u00a0<\/strong>und zwar einigerma\u00dfen so, wie es mir gefiel. Die Wahl des Mediums erlaubte mir, nach meinen Neigungen und (eingeschr\u00e4nkt) auch nach meinem Leistungsstand, Englisch zu \u00fcben. Dies schien mir eine willkommene Abwechslung zum Lernen von Vokabeln und Diskutieren von Schulbuchtexten zu sein, die sich vor allem auf die Lebenswelt von zehn Jahren vor mir jugendlich Gewesenen zu beziehen schienen.<\/p>\n<p>Reflektieren sie die St\u00e4rken und Schw\u00e4chen eines<br \/>\nhochgradig individualisierten Fremdsprachenunterrichts.<\/p>\n<p>Im individualisierten Unterricht sollen sich Sch\u00fcler*innen zum den eigenen Lernprozess steuernden Subjekt entwickeln, sie arbeiten selbst\u00e4ndig an unterschiedlichen Aufgaben, nicht an den gleichen im Klassenverband. (vgl. Tyagunova\/Raggl 2023, 136) Im regul\u00e4ren Englischunterricht stehen vor allem Aspekte der m\u00fcndlichen Kommunikation im Mittelpunkt. (vgl. Giesler\/Schuett\/Wolter 2016, 71) Eher textbezogene Kompetenzen und F\u00e4higkeiten wurden indes im regul\u00e4ren Unterricht weniger behandelt, sondern wohl zumeist in den Bereich der Hausaufgaben geschoben. (vgl. Giesler\/Schuett\/Wolter 2016, 71) Der individualisierte Fremdsprachenunterricht kann durch seine Fokussierung auf den einzelnen Sch\u00fcler Inhalte, die vornehmlich in Einzelarbeit vermittelt werden, besser vermitteln als der kommunikativer ausgelegte Klassenunterricht. Die sehr relevante m\u00fcndliche Kommunikation jedoch wird bei hochgradig individualisiertem Unterricht nahezu zwangsl\u00e4ufig vernachl\u00e4ssigt &#8211; mit wem soll der selbstst\u00e4ndig Lernende sich austauschen, wenn seine Peers ebenfalls individuelle Inhalte erarbeiten?<\/p>\n<p>Welche Entwicklungen erwarten Sie bez\u00fcglich der<br \/>\nImplementation k\u00fcnstlicher Intelligenz im<br \/>\nFremdsprachenunterricht?<\/p>\n<p>Die f\u00fcr den Sprachunterricht am geeignetsten erscheinenden, k\u00fcnstlichen Intelligenzen d\u00fcrften Large Language Models (LLM) sein. Diese Modelle k\u00f6nnen sprachliche Kommunikation simulieren, indem sie Muster und Regeln aus vorliegenden Texten ermitteln und diese anwenden. (vgl. Serpico 2023) Jedoch geraten sie inhaltlich schnell an Grenzen, wie das Beispiel der Antwort auf die Frage nach dem\u00a0<em>longest 5-letter word<\/em> zeigt, die die LLM oft mit der Nennung eines Wortes eindeutig und damit falsch beantworten. Auch eigene Versuche haben mir gezeigt, dass zumindest zur Zeit KI-Modelle oft falsche und irref\u00fchrende Antworten geben. F\u00fcr den Fremdsprachenunterrricht produktiv nutzbar k\u00f6nnte jedoch die F\u00e4higkeit sein, einen sprachlich korrekten Satz zu erzeugen, der in Bezug zum eingegebenen Befehl steht. M\u00f6glicherweise k\u00f6nnte ein f\u00fcr den Fremdsprachenunterricht spezialisiertes Modell Sch\u00fcler*innen als jederzeit erreichbarer Gespr\u00e4chspartner zur Verf\u00fcgung stehen, um kommunikative F\u00e4higkeiten zu erlernen. Die inhaltliche Ungenauigkeit der Antworten scheint hierf\u00fcr jedoch eine sehr gro\u00dfe, m\u00f6glicherweise un\u00fcberwindbare H\u00fcrde darzustellen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Tyagunova, Tanya\/Raggl, Andrea, Didaktische Formatierungen \u201aselbst\u00e4ndiger\u2018 Lernprozesse im \u201aindividualisierten\u2018 Unterricht. Zur Vereindeutigung und Stabilisierung schulischen Wissens, in: <i>ZfG<\/i>\u00a0<b>16<\/b>, 135\u2013152 (2023)<\/p>\n<p>Giesler, Tim\/Schuett, Lena\/Wolter, Fatou Julia, Wie k\u00f6nnen Lernziele und Rahmenbedingungen<br \/>\nim differenzierenden Englischunterricht (besser) aufeinander abgestimmt werden?, in: Doff, Sabine (Hg.) Heterogenit\u00e4t im Fremdsprachenunterricht. Impulse &#8211; Rahmenbedingungen &#8211; Kernfragen &#8211; Perspektiven, T\u00fcbingen 2016, S. 61-76<\/p>\n<p>Serpico, Ryan: Here\u2019s what ChatGPT gets wrong about the S.F. Bay Area \u2014 and why it matters, San Francisco Chronicle 4.9.2023<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wann haben Sie sich beim schulischen Fremdsprachenlernen in ihrer Individualit\u00e4t gesehen und ernstgenommen gef\u00fchlt? Im Englischunterricht in der Mittelstufe habe ich mehrmals als Arbeitsauftrag erhalten, ein englischsprachiges Medium vorzustellen, zumeist B\u00fccher, aber auch Filme. 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