{"id":16,"date":"2024-04-23T21:46:59","date_gmt":"2024-04-23T19:46:59","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/niew1\/?p=16"},"modified":"2024-04-23T21:46:59","modified_gmt":"2024-04-23T19:46:59","slug":"rv04","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/niew1\/2024\/04\/23\/rv04\/","title":{"rendered":"rv04"},"content":{"rendered":"<p>Gessner et al. (2016) weisen auf die Gefahr hin, den Beutelsbacher Konsens fa\u0308lschlicherweise als \u201aNeutralita\u0308tsgebot\u2018 zu verstehen (Stichwort \u201eNeutralita\u0308t und politische Lethargie als Gefahr fu\u0308r politisches Leben\u201c auf Folie 13). Erla\u0308utern Sie, weshalb es sich hierbei um eine Fehlinterpretation handelt.<\/p>\n<p>Die Interpretation des Beutelsbacher Konsens als vermeintliches Neutralit\u00e4tsgebot l\u00e4uft einem grundlegenden Prinzip der politischen Bildung zuwider: die politische Bildung in der Bundesrepublik Deutschland soll B\u00fcrger*innen zum &#8222;vern\u00fcnftigen und selbstst\u00e4ndigen Denken&#8220; anregen und bef\u00e4higen. (Reheis 2014, 22, vgl. Besand 2017, 109) Wenn Lehrende in der politischen Bildung eine vermeintlich totale Neutralit\u00e4t anstreben, dann laufen sie Gefahr, kontroverse Themen nicht oder nur oberfl\u00e4chlich zu behandeln. (vgl. Besand 2017, 109) Gerade die Diskussion ist aber ein elementarer Bestandteil der politischen Bildung, die den Sch\u00fcler*innen einen angemessenen Umgang mit politisch umstrittenen Fragestellungen vermitteln soll. (vgl. Besand 2017, 109ff, Reheis 2014, 64ff.)<\/p>\n<p>Auch verlangt der Staat ein Durchbrechen der Neutralit\u00e4t, die Verfassung bindet die staatliche Gewalt und als solche auch die Angeh\u00f6rigen der Staatsinstitution Schule an den Schutz der Grundrechte. (Grotz\/Schroeder 2021, 32f.) Diskriminierende Aussagen verlangen eine Positionierung der Lehrkr\u00e4fte. (Niendorf\/Reitz 2019, 2)<\/p>\n<p>Arbeiten Sie die Bedeutung des Beutelsbacher Konsens fu\u0308r ein Thema heraus, das in einem von Ihnen studierten Unterrichtsfach verortet ist. Was gibt es bei der Durchfu\u0308hrung einer Unterrichtseinheit zu diesem Thema unter Beru\u0308cksichtigung des Beutelsbacher Konsens zu beachten?<\/p>\n<p>Die Literaturdidaktik im Fach Deutsch sieht als eines ihrer Ziele auch die Werteerziehung als Teil der Demokratieerziehung. (vgl. Dawidowski 2015, 185) Neben der methodischen Erziehung zur Literatur soll auch eine Erziehung durch Literatur stattfinden. (vgl. Dawidowski 2015, 189) Wenn in einem im Unterricht behandelten Werk f\u00fcr die Demokratieerziehung relevanten politische Themen verhandelt werden, sollten die Prinzipien des Beutelsbacher Konsens beachtet werden. Bei der Diskussion des Werks muss darauf geachtet werden, dass die Lehrkraft die Sch\u00fcer*innen nicht \u00fcberrumpelt und ihnen die M\u00f6glichkeit nimmt, ihre eigene Meinung zu bilden. (vgl. Massing 2015, 146) Auch pragmatisch betrachtet ergeben sich Probleme. In rezeptions\u00e4sthetischer Betrachtungsweise erscheint auch der Leser als wichtige Figur der Erschlie\u00dfung literarischer Texte, n\u00e4hme sich die Lehrkraft hinaus und erschiene nur als transparenter Vermittler, w\u00e4re ein angemessener Literaturunterricht nicht m\u00f6glich. (vgl. Dawidowksi 2015, 196)<\/p>\n<p>Lesen Sie sich den taz-Artikel \u201eUnterricht im Schu\u0308tzengraben\u201c durch. Erla\u0308utern Sie, warum es fu\u0308r den Unterricht wichtig ist, sich kritisch mit den verschiedenen Parteiprogrammen auseinanderzusetzen.<\/p>\n<p>Politische Bildung in der Bundesrepublik Deutschland soll Sch\u00fcler*innen zur M\u00fcndigkeit erziehen. (vgl. Reheis 2014, 22) Die Parteien, die als ma\u00dfgebliche Institution der politischen Willensbildung in der Verfassung verankert sind (Art. 21 Abs. 1 S. 2 GG), sind von zentraler Bedeutung f\u00fcr die Politik in der Bundesregierung, somit auch f\u00fcr den politischen Unterricht. Wenn die Vorstellung der Wahlprogramme &lt;neutral&gt; verlaufen w\u00fcrde, k\u00e4me dies einer Wahlveranstaltung f\u00fcr die jeweilige Partei gleich, diese findet jedoch bereits au\u00dferhalb der Institution Schule statt. Der m\u00fcndige B\u00fcrger soll jedoch in der Lage sein, das ihm pr\u00e4sentierte Angebot nicht nur aufzunehmen, sondern auch Schl\u00fcsse daraus zu ziehen. Diese Methode muss jedoch trainiert werden, was im luftleeren Raum schwer m\u00f6glich scheint. Unterricht sollte sich an der Realit\u00e4t der Sch\u00fcler*innen orientieren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Besand, Anja, Mit welcher Haltung machen wir unsere Arbeit? Drei Beobachtungen und vier Fragen an die politische Bildung \u201enach\u201c Pegida, in: Frech, Siegfried\/Richter, Dagmar, Der Beutelsbacher Konsens. Bedeutung, Wirkung, Kontroversen, Schwalbach 2015, S.104-113<\/p>\n<p>Dawidowski, Christian, Literaturdidaktik Deutsch. Eine Einf\u00fchrung, Paderborn 2015<\/p>\n<p>Grotz, Florian\/Schroeder, Wolfgang, Das politische System der Bundesrepublik Deutschland. Eine Einf\u00fchrung, Wiesbaden 2021<\/p>\n<p>Massing, Peter, Konfliktf\u00e4higkeit\u2013 Eine zentrale Voraussetzung f\u00fcr politische Handlungskompetenz, in: Frech, Siegfried\/Richter, Dagmar, Der Beutelsbacher Konsens. Bedeutung, Wirkung, Kontroversen, Schwalbach 2015, S. 146-161<\/p>\n<p>Niendorf, M., &amp; Reitz, S. (2019). Schweigen ist nicht neutral: menschenrechtliche Anforderungen an Neutralit\u00e4t und<br \/>\nKontroversit\u00e4t in der Schule. (Information \/ Deutsches Institut f\u00fcr Menschenrechte, Nr. 25). Berlin: Deutsches Institut<br \/>\nf\u00fcr Menschenrechte. https:\/\/nbn-resolving.org\/urn:nbn:de:0168-ssoar-62785-2<\/p>\n<p>Reheis, Fritz, Politische Bildung. Eine kritische Einf\u00fchrung, Wiesbaden 2014<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h1 class=\"current-issue__title\"><\/h1>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gessner et al. (2016) weisen auf die Gefahr hin, den Beutelsbacher Konsens fa\u0308lschlicherweise als \u201aNeutralita\u0308tsgebot\u2018 zu verstehen (Stichwort \u201eNeutralita\u0308t und politische Lethargie als Gefahr fu\u0308r politisches Leben\u201c auf Folie 13). Erla\u0308utern Sie, weshalb es sich hierbei um eine Fehlinterpretation handelt. 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