{"id":9,"date":"2024-06-05T22:59:23","date_gmt":"2024-06-05T20:59:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/niew\/?p=9"},"modified":"2024-06-05T22:59:23","modified_gmt":"2024-06-05T20:59:23","slug":"rv10","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/niew\/2024\/06\/05\/rv10\/","title":{"rendered":"rv10"},"content":{"rendered":"<ol>\n<li>Benennen Sie auf Grundlage des Textes von Debus\/Laumann 2018 die verschiedenen Ebenen auf denen<br \/>\na) Geschlechtliche Vielfalt und<br \/>\nb) sexuelle und romantische Orientierungen differenziert werden k\u00f6nnen.<br \/>\nRecherchieren Sie als Gegensatz dazu, das Konzept der Heteronormativit\u00e4t und beschreiben Sie kurz, was damit gemeint ist.<br \/>\nArbeiten Sie heraus, inwiefern die geschlechtliche und sexuelle Vielfalt von Menschen auch im Rahmen Ihres eigenen Berufs als Lehrer*in relevant sein k\u00f6nnte in Bezug auf die Lehrinhalte, die Lehrb\u00fccher, die Beziehung zu den Sch\u00fcler*innen und Kolleg*innen.<br \/>\nNennen Sie dazu mindestens zwei konkrete Beispiele.<\/li>\n<\/ol>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Debus und Laumann zeigen drei Ebenen auf, in die geschlechtliche Vielfalt differenziert werden kann (2018). Geschlechtliche Vielfalt kann auftreten als &#8222;Vielfalt von K\u00f6rpern&#8220;, &#8222;Vielfalt von Ausdrucksweisen&#8220; und &#8222;Vielfalt von Identit\u00e4ten&#8220; (Debus\/Laumann 2018, 14f.).<\/p>\n<p>Vielfalt von K\u00f6rpern meint hierbei Unterschiede im K\u00f6rperbau, diese k\u00f6nnen f\u00fcr einige Personen mit Geschlechtsidentit\u00e4t verbunden sein, f\u00fcr andere wiederum nicht (Debus\/Laumann 2018, 15f.).<\/p>\n<p>Geschlechtsidentit\u00e4t beschreiben Debus und Laumann als &#8222;das Wissen eines Menschen \u00fcber das eigene Geschlecht&#8220;(2018, 16). Dieses Wissen ist jedoch kein Ausdruck einer Beliebigkeit der Zuordnung, sondern einer im Empfinden der einzelnen Person verorteten Identit\u00e4t(Debus\/Laumann 2018). Diese Identit\u00e4ten sind nicht beschr\u00e4nkt auf eine (vermeintliche) Binarit\u00e4t der Geschlechter, sondern k\u00f6nnen sich auch zwischen dieser, au\u00dferhalb dieser, changierend oder v\u00f6llig gel\u00f6st von der Kategorie Geschlecht konkretisieren (Debus\/Laumann 2018).<\/p>\n<p>Der Ausdruck der Pers\u00f6nlichkeit eines Menschen kann auch Ausdruck seines Geschlechts sein, muss es aber nicht (Debus\/Laumann 2018). Oft werden pers\u00f6nliche Pr\u00e4ferenzen als Ausdruck des (wahrgenommenen, zugewiesenen) Geschlechts angesehen, auch wenn sie grunds\u00e4tzlich nicht in Verbindung stehen m\u00fcssen (Debus\/Laumann 2018).<\/p>\n<p>Diese Formen der geschlechtlichen Vielfalt k\u00f6nnen miteinander in einem Zusammenhang stehen, m\u00fcssen das aber nicht (Debus\/Laumann 2018).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sexuelle und romantische Orientierung beschreiben Debus und Laumann als &#8222;sexuelle Vielfalt im engeren Sinne&#8220; (2018, 38). Diese unterteilt sich zuerst durch die grunds\u00e4tzliche Unterscheidung, ob eine Person \u00fcberhaupt physische oder romantische Anziehung empfindet (Debus\/Laumann 2018). Weiter differenziert werden kann dann nach der Frage, welche Geschlechtskategorien anziehend auf die Person wirken, jeweils auf k\u00f6rperlicher und emotionaler Ebene und ob die Person diese Anziehung realisieren m\u00f6chte (Debus\/Laumann 2018).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Heteronormativit\u00e4t meint die Vorherrschaft einer heterosexuellen, bin\u00e4ren Auffassung von Sexualit\u00e4t und Geschlechtlichkeit (Hartmann\/Klesse 2007). Diese Vorstellung wird als nat\u00fcrlich gegeben angesehen und als Normalzustand wahrgenommen, von dem andere Identit\u00e4ten und Orientierungen negativ abweichen (Hartmann\/Klesse 2007).<\/p>\n<p>Die Schule pr\u00e4gt das (soziale) Leben jugendlicher Menschen auch in der Pubert\u00e4t, der Zeit der sexuellen Entwicklung und der von Identit\u00e4t (Brisch 2019). Die Entwicklung der Sexualit\u00e4t zeigt sich beispielsweise im k\u00f6rperbetonenden Sportunterricht (B\u00f6hlke\/Zander 2021). Die Autor*innen kommen zu dem Schluss, dass Schule kein &#8222;asexueller Sozialraum&#8220; sei und verweisen auf den auf die Sch\u00fcler*innen wirkenden Zwang, sich mit dem eigenen K\u00f6rper und der eigenen Sexualit\u00e4t sowie der Wechselwirkung mit anderen Sch\u00fcler*innen auseinanderzusetzen (B\u00f6hlke\/Zander 2021, 531). Wenn die Schule solche Situationen erzeugt, sollte sie die Sch\u00fcler*innen damit nicht allein lassen sondern ihnen Unterst\u00fctzung bei der Findung der eigenen Identit\u00e4t anbieten.<\/p>\n<p>Die diskursive Reproduktion heteronormativer Ansichten erfolgt auch \u00fcber die Schule. Wenn beispielsweise eine Lehrperson, wie ich es selbst erlebt habe, im Sachunterricht auch Identit\u00e4ten jenseits der geschlechtlichen Binarit\u00e4t vorstellt, der Deutschunterricht der gleichen Lehrperson aber mit veralteten Lehrmaterialien, die Sexismen reproduzieren, gestaltet wird, wird der Lehrinhalt des Sachunterrichts konterkariert von der Vorstellung von Heteronormativit\u00e4t, die der Deutschunterricht, dessen Inhalt auch mit einem Anspruch des Wirklichkeitsbezugs gestaltet ist, reproduziert. Die Dominanz des heterosexuell gepr\u00e4gten Verst\u00e4ndnisses von Geschlechtlichkeit und Sexualit\u00e4t schl\u00e4gt sich also auch in Bereiche des Unterrichts, in diesem Fall Rechtschreib\u00fcbungen, durch, die zun\u00e4chst wenig ber\u00fchrt davon erscheinen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>2. Fallbeispiel in der Schule:<br \/>\nJona wei\u00df schon seit einiger Zeit, dass er ein Junge ist, auch wenn ihm bei der Geburt das weibliche Geschlecht zugewiesen wurde. In der Schule haben die meisten Lehrenden Jona akzeptiert und nennen ihn bei seinem neuen Namen und Pronomen. Aber immer wenn es um die Toilettennutzung oder den Sportunterricht geht, kommt es zu Problemen. In der Umkleide beim Umziehen wird er von seinen Cis-m\u00e4nnlichen Klassenkameraden ausgelacht. Die Cis-M\u00e4dchen wollen Jona in ihrer Umkleide auch nicht haben. Sie behaupten, Jona w\u00fcrde sie beobachten und das sei Ihnen unangenehm. Jona war fr\u00fcher sehr sportbegeistert, inzwischen nimmt er am Sportunterricht nur noch selten teil und meldet sich immer h\u00e4ufiger krank.<br \/>\n\u00dcberlegen Sie, welche Schritte w\u00fcrden Sie als Lehrer*in gehen, um Jona das allt\u00e4gliche Leben leichter zu machen? Wie sollte sich das Kollegium aufstellen, welche Gespr\u00e4che m\u00fcssten mit der Klasse gef\u00fchrt werden und welche institutionellen Barrieren k\u00f6nnten abgebaut werden? Notieren Sie Ihre \u00dcberlegungen.<\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sollte die R\u00fccksprache mit dem von Diskriminierung betroffenen Sch\u00fcler gesucht werden, um seine Sicht der Dinge zu erfahren. Die R\u00e4umlichkeiten, die zu Konflikten f\u00fchren, k\u00f6nnten (teilweise) als geschlechtsneutral ausgewiesen werden. Toleranz in der Schule k\u00f6nnte durch repressive Ma\u00dfnahmen erzwungen werden, das d\u00fcrfte jedoch wenig zielf\u00fchrend sein, da diese Toleranz dann vermutlich dort endet, wo auch die Gewalt der Schule endet. Wichtig w\u00e4re daher ein Bem\u00fchen um Akzeptanz von trans Sch\u00fcler*innen, vermittelt \u00fcber die Schule oder externe Einrichtungen. Zu vermeiden ist es, von Diskriminierung betroffene Sch\u00fcler*innen zu sehr in den Vordergrund zu dr\u00e4ngen, um diese nicht gegen ihren Willen einseitig nur \u00fcber beispielsweise ihr trans sein zu definieren und in ihrer menschlichen Komplexit\u00e4t nicht anzuerkennen.<\/p>\n<p>3. Recherchieren Sie in den sozialen Medien mindestens drei positive Vorbilder, die offen und best\u00e4rkend damit umgehen, dass Ihre eigene Sexualit\u00e4t oder Geschlechtsidenit\u00e4t von der heteronormativen Struktur abweicht und stellen Sie diese kurz in wenigen S\u00e4tzen vor.<\/p>\n<p>Orville Peck ist ein Countrymusiker, dessen Sexualit\u00e4t nicht heteronormativen Vorstellungen entspricht. Abweichend von Heteronormativit\u00e4t ist auch seine Musik. (https:\/\/www.deutschlandfunk.de\/orville-peck-album-pony-man-muss-ein-rebellischer-geist-sein-100.html, https:\/\/www.instagram.com\/orvillepeck\/)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Megan Rapinoe war bis 2023 Kapit\u00e4nin der Fu\u00dfballnationalmannschaft der USA. 2012 outete sie sich als lesbisch. Sie unterst\u00fctz \u00f6ffentlich verschiedene Projekte, die beispielsweise die Sichtbarkeit von queeren Personen im Sport erh\u00f6hen sollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class=\"hHq9Z\">\n<div data-hveid=\"CBQQAA\" data-ved=\"2ahUKEwj317u4qcWGAxUqQ_EDHRYoG5QQlcAGegQIFBAA\">\n<div class=\"KsRP6\">\n<div class=\"MDY31c Sb9BPb\">\n<div class=\"QpPSMb\">\n<div class=\"DoxwDb\">\n<div class=\"PZPZlf ssJ7i B5dxMb\" role=\"heading\" data-attrid=\"title\">Kim de l\u2019Horizon ist nonbin\u00e4r schreibt B\u00fccher und andere Texte, die sich unter anderem mit dem Verh\u00e4ltnis von Sprache und Geschlecht auseinandersetzen und thematisiert die eigene Sexualit\u00e4t auch online.<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div role=\"heading\" data-attrid=\"title\"><\/div>\n<div class=\"QpPSMb\">\n<div role=\"heading\" data-attrid=\"title\">B\u00f6hlke, Nicola\/Zander, Benjamin, Sexualit\u00e4t von Sch\u00fcler*innen im Sportunterricht. In: German Journal of Exercise and Sport Research (2021), Bd. 52, S. 529-538<\/div>\n<div role=\"heading\" data-attrid=\"title\">Brisch, Karl Heinz, Pubert\u00e4t, Stuttgart 2o19<\/div>\n<div role=\"heading\" data-attrid=\"title\">Debus, Katharina\/Laumann, Vivien,LSB-was?. Geschlechtliche, amour\u00f6se und sexuelle Vielfalt \u2013 Einf\u00fchrung und Spannungsfelder, in: Debus, Katharina\/Laumann, Vivien (Hg.):P\u00e4dagogik geschlechtlicher, amour\u00f6ser und sexueller Vielfalt. Zwischen Sensibilisierung und Empowerment, Berlin 2018, S. 12-71.<\/div>\n<div role=\"heading\" data-attrid=\"title\">Hartmann, Jutta\/Klesse, Christian, Heteronormativit\u00e4t. Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualit\u00e4t und Macht \u2013 eine Einf\u00fchrung. In: Hartmann, Jutta\/Klesse, Christian\/Wagenknecht, Peter\/Fritzsche, Bettina\/Hackmann, Kristina (Hg.), Heteronormativit\u00e4t. Empirische Studien zu Geschlecht, Sexualit\u00e4t und Macht, Wiesbaden 2017, S. 9-15.<\/div>\n<div role=\"heading\" data-attrid=\"title\"><\/div>\n<div class=\"r2VLS\">\n<div data-ias=\"false\">\n<div class=\"y1yadf\">\n<div class=\"CcNe6e v4Zpbe\" role=\"button\" aria-expanded=\"false\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<div class=\"GRl5yb a8pxAe\">\n<div class=\"FAoEle\">\n<div id=\"JTPWx\" class=\"FJIcp\" role=\"tablist\" data-hveid=\"CBgQAA\"><\/div>\n<\/div>\n<\/div>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Benennen Sie auf Grundlage des Textes von Debus\/Laumann 2018 die verschiedenen Ebenen auf denen a) Geschlechtliche Vielfalt und b) sexuelle und romantische Orientierungen differenziert werden k\u00f6nnen. Recherchieren Sie als Gegensatz dazu, das Konzept der Heteronormativit\u00e4t und beschreiben Sie kurz, was damit gemeint ist. 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