Wie beurteilen Sie auf Grundlage des von Ihnen gewählten Textes die Rolle von Parteien (und Verbänden) im Staat? Was können Parteien leisten und wo sind die Grenzen?
Parteien und Verbände vertreten andere Bereiche. Beide vertreten Ziele und sind auf Einzelinteressen ausgerichtet. Die Parteien sind, im Gegensatz zu den Verbänden, in der Position Macht auszuüben und so eine Regierungsverantwortung zu übernehmen. Verbände bilden sich aus Menschen, die die gleichen Interessen vertreten und zusammen für diese eintreten. Die Parteien haben in der Vergangenheit einen großen Wandel durchlebt und die Aufgaben sind stetig gewachsen.
Laut Max Weber sind Parteien Organisationen, die zwischen Staat und Gesellschaft stehen. Er bezieht sich dabei darauf, dass eine Partei die Ziele einzelner vertreten kann, sie hat allerdings auch die Möglichkeit die Ziele gegen den Willen anderer mit einem gewissen Zwang durchzusetzen.
Sigmund Neumann stellte Kriterien auf, um Parteien zu beschreiben. Nach ihm muss eine Partei eine Organisation, ein Programm und ein Kampfcharakter haben. In unserer heutigen Zeit, treffen diese Kriterien allerdings auch auf große Verbände zu, wie z.B. der Deutsche Gewerkschaftsbund. Der einzige, durch das Gesetz vorgegebene, Unterschied ist, dass eine Partei alle sechs Jahre an eine Bundes- oder Landtagswahl teilnehmen muss.
Der Parteibegriff greift allerdings immer noch viel zu kurz, da ein Parteimitglied gleichzeitig noch in anderen Bereiche tätig sein kann und es mit zu einer Verbindung zwischen Gesellschaft und staatlichen Organisationen kommen kann. Aus diesem Grund müssten die Kriterien weiter gefasst werden, damit auch die Institutionen um die Parteien herum mit in den Blick genommen werden.
Eine Grenze der Parteien ist laut der Theorie der repräsentativen Demokratie, dass sie sich nicht in erster Linie um das Wohl der Bürger bemühen. Dies geschieht oft erst, wenn zwei Parteien konkurrieren. So sollen mehr Wähler von der Partei überzeugt werden.
Wie sehen Sie das Verhältnis der Parteien zu Verbänden?
Parteien haben eine wichtige Stellung in der Politik, wohingegen Verbände eher nur einen kleinen Umfang einnehmen. Dies sieht man daran, dass Parteien an den Wahlen teilnehmen können und Verbände nicht. Zudem arbeiten diese beiden Gruppen nicht direkt zusammen. Verbände bilden sich meist, wenn es keine Partei gibt, die genau das Interesse der Menschen aus einem Verband vertritt.
Text: Informationen zur politischen Bildung
Vielen Dank für diesen Text. Sie schreiben, dass sich Verbände vor allem um die Themen herum bilden, für die es keine ausreichende Vertretung in den Parteien gibt. Das kann ich zum Teil nachvollziehen, bei einigen Verbänden, wie Gewerkschaften aber nicht.
Mich würde interessieren, wie Sie den Parteibegriff ausdifferenzieren würden und welche Kriterien Sie zur Definition von Parteien miteinbeziehen wollen. Vielleicht findet sich die Gelegenheit, das in der Lehrveranstaltung aufzugreifen.