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Merves Blog

Umgang mit Heterogenität in der Schule

Ringvorlesung 11 – Mehrsprachigkeit als Ausgangspunkt und Ziel schulischer Bildung in der Gymnasialen Oberstufe

1. An Ihrem Gymnasium gibt es eine – wie üblich sehr heterogen besetzte – Vorklasse, in welcher sogenannte Seiteneinsteiger*innen Deutsch lernen und auf die Teilnahme am Regelunterricht vorbereitet werden. Für einige wird nun der Übergang diskutiert. Ein Großteil der Lehrkräfte plädiert – mit Verweis auf die noch nicht vollständig ausreichenden (bildungssprachlichen) Deutschkenntnisse – sie an eine Oberschule zu überweisen, obwohl die Schüler*innen hinsichtlich ihrer Lernfähigkeit und ihrer Vorbildung eigentlich die Voraussetzungen für das Gymnasium mitbringen und gerne an der Schule bleiben würden. Nehmen Sie auf Basis der Vorlesung Stellung dazu.

Prinzipiell ist es nicht hilfreich und zielführend für die Schüler*innen, dass sie aufgrund ihrer nicht vollständig ausreichenden Deutschkenntnisse degradiert werden. Die bildungssprachlichen Deutschkenntnisse können mit der Zeit erlernt werden, da sie auch auf dem Gymnasium engeren Kontakt und Austausch mit ihren Mitschüler*innen haben werden, was ihre Deutschkenntnisse, um einiges erweitern wird. Des Weiteren kann der Wortschatz durch den Unterricht verbessert werden, da jedes Fach ein fachspezifisches Vokabular hat. Durch die Kommunikation mit Mitschüler*innen kann die Alltagssprache auch erlernt werden. Ein Wechsel an die Oberschule, erscheint mir aus diesen Gründen nicht sonderlich sinnvoll, da dies auch negative Auswirkungen, wie eine Demotivierung, haben kann. Schüler*innen mit Defiziten in ihrer Sprachkenntnis, sollten dementsprechend gefördert und auf ein höheres Niveau gebracht werden.

Welche Erfahrungen mit Mehrsprachigkeit – in der hier verstandenen breiten Sicht – in Schule und Unterricht (selbst als Schüler*in und/oder Praxiserfahrungen) haben Sie bislang gemacht? Diskutieren Sie die Erfahrungen vor dem Hintergrund dieser Vorlesung.

Ich bin selber mehrsprachig aufgewachsen und habe zu Beginn der Grundschule einen Deutschförderkurs besucht, aufgrund meiner mangelnden Deutschkenntnisse. Da ich bis zu meinem dritten Lebensjahr nur Türkisch sprechen konnte, hatte ich meinen ersten Kontakt mit Deutsch im Kindergarten. Obwohl ich schnell dazu gelernt habe, waren meine Sprachkenntnisse nicht ausreichend, sodass ich in der ersten Klasse diesbezüglich gefördert wurde. Dies war sehr hilfreich für mich, da ich dadurch mein Deutsch erweitern konnte und mich nicht benachteiligt fühlte. Hätte ich diesen Deutschförderkurs nicht besucht, wäre mir vieles in der Grundschule schwer gefallen.

Darüber hinaus kam eine neue Schülerin in der achten Klasse zu uns, die vorher eine Vorbereitungsklasse besucht hatte. Nach sechs Monaten durfte sie von ihrer Vorklasse, in unsere Klasse wechseln, da sie Deutsch sehr schnell erlernte. Obwohl sie ihre Sprachkenntnisse erweiterte, hatte sie noch deutliche Defizite. Deshalb bekam ich oft mit, wie sie dadurch in Klausuren benachteiligt wurde. Meines Erachtens war eine Notenverschlechterung, aufgrund von mangelnden Deutschkenntnissen, nicht gerecht, da sie die Klausur nicht unter denselben Bedingungen, wie wir, schrieb. Die Lehrkäfte hätten anders mit dieser Situation umgehen sollen, da ihr Verhalten, bzw. die Notensenkung, einen negativen Aspekt auf die Schülerin hatte. Im Unterricht traute sie sich meistens nicht etwas zu sagen, da sie nichts Falsches sagen wollte, und sie wurde dadurch demotiviert, in Bezug auf die folgenden Klausuren.

3. Was möchten Sie nach dem Besuch dieser Vorlesung bei Ihrer zukünftigen Unterrichtsgestaltung beachten? Welches Wissen und welche Fähigkeiten fehlen Ihnen dafür noch?

Mir ist es sehr wichtig, dass der sprachliche Hintergrund der Schüler*innen nicht ausgeblendet und ignoriert wird. Mehrsprachigkeit ist heutzutage eine Normalität und sollte nicht, wie ein Sonderfall behandelt werden. Die Fächer, die ich studiere, sind beide sprachliche Fächer (Spanisch und Englisch) und ich bin der Meinung, dass ich Bezug auf andere Sprachen in meinem zukünftigen Unterricht nehmen kann. Ich bin eine Person, die ein großes Interesse an fremden Sprachen hat und gerne einzelne Sprachen miteinander vergleicht, hinsichtlich ihres Sprachbaus, bzw. Satz- und Wortbaus.

Ich lege außerdem viel Wert darauf, Schüler*innen mit mangelnden Deutschkenntnissen zu unterstützen, indem ich versuche ihnen zu helfen. Mit vereinfachten Aufgabenstellungen, bzw. leicht verständlichen, kann ich den Schüler*innen in meinem zukünftigen Unterricht helfen. Ich will ihnen zeigen, dass sie sich nicht benachteiligt fühlen müssen und sie damit motivieren. Sie sollen sich keinesfalls ausgeschlossen oder vernachlässigt fühlen. Mir fehlt jedoch die entsprechende Umsetzung meiner Unterrichtsgestaltung, da ich noch nicht die pädagogischen Kompetenzen dafür besitze. Ich weiß nicht, inwiefern ich die Aufgabenstellungen vereinfachen kann, ohne dass ich sie inhaltlich simplifiziere. Sonst würde das dazu führen, dass ich ihnen damit einen Vorteil verschaffe, und andere Schüler*innen benachteiligt werden. Ich darf beim Unterstützen der Schüler*innen mit einem Defizit in Deutsch, nicht andere dabei benachteiligen oder vernachlässigen. Es ist schwierig die richtige Balance zwischen Gleichbehandlung und individueller Förderung und Behandlung zu finden.

4. Wie muss Schule unserer mehrsprachigen Gesellschaft gestaltet sein? Welche Rahmenbedingungen müssen gegeben sein, damit Sie die Mehrsprachigkeit ihrer Schüler*innen einbeziehen und einen registersensiblen Fachunterricht gestalten können?

Die Mehrsprachigkeit und der sprachliche Hintergrund der Schüler*innen muss vertreten und repräsentiert werden. Obwohl es sich um multilinguale Schulen handelt, gibt es einen monolingualen Habitus („Monolingualer Habitus der multilingualen Schulen“, Gogolin:1994). Den unterschiedlichen Sprachgebrauchen sollte ein Eigenwert zugesprochen werden. Darüber hinaus sollten sich Lehrkräfte diesbezüglich nicht unsicher und unvorbereitet fühlen. Mehrsprachigkeit ist vom Sonderfall zur Normalität geworden, vor allem in Deutschland. Deshalb sollte diese Multilingualität im deutschen Schulsystem repräsentiert und behandelt werden.

Damit Lehrkräfte sich nicht unvorbereitet fühlen, sollten ihnen einen Grundausbildung in Sprachförderung und interkultureller Pädagogik gewährleistet werden. Lehrer*innen müssen Schüler*innen den Wert und die Bedeutung der Mehrsprachigkeit näherbringen. Der sprachliche Hintergrund der Schüler*innen muss anerkannt werden, sodass sie sich, wie ein Teil der Klasse fühlen. Ein bewusster Umgang mit Sprachen beim Lehren und Lernen ist eine Grundvoraussetzung. Sprachsensibler Unterricht muss die Kompetenzen im Sprechen, Schreiben und Lesen von Schüler*innen mit mangelnden Sprachkenntnissen fördern. Genug sprachliche Hilfen müssen also angeboten werden.

Ringvorlesung 08 – Heterogenität und Inklusion im Deutschunterricht

1. Greiner (2019) formuliert verschiedene Dilemmata, die mit der Forderung nach Inklusion an den Schulen verbunden sind. Nehmen Sie zu dreien Ihrer Wahl Stellung.

Greiner definiert verschiedene Dilemmata, bezogen auf die Forderung nach Inklusion an Schulen. Im Folgenden werde ich auf drei dieser Dilemmata Stellung und Bezug nehmen.

Autonomiedilemma

Das Ziel der erhöhten Lernautonomie ist es, Schüler*innen beim selbstständigen Lernen im schulischen Kontext zu fördern. Dadurch, dass eine hohe Selbstregulationsfähigkeit vorausgesetzt wird, fällt es leistungsschwächeren Schüler*innen somit schwerer und sie sind auf sich allein gestellt. Dies kann dazu führen, dass die Leistungsunterschiede im Unterricht vergrößert werden und leistungsschwächere Schüler*innen hierbei vernachlässigt und überfordert werden, wobei die Leistungsstärkeren dadurch einen Vorteil haben. Inklusiver Unterricht soll deshalb zwei Settings anbieten, „academic task structures“ und „sozial partizipation structures“, um für die verschiedenen Leistungsgruppen adäquate Lernziele zu ermöglichen. Das ist ein guter Ansatz, jedoch keine vollständige Lösung des Dilemmas.

Kategorisierungsdilemma

Der inklusive Unterricht soll Schüler*innen mit Förderbedarf individuell fördern, jedoch werden sie hierbei kategorisiert und etikittiert. Dies führt dazu, dass Schüler*innen mit Förderbedarf „in eine Schublade gesteckt werden“ und durch ihre Leistungen definiert werden. Es kommt dadurch zu einem Widerspruch, da inklusive Bildung Kategorisierung ablehnt. Ich sehe das als ein großes Problem, da Schüler*innen sich aufgrund ihrer Leistungen ausgegrenzt fühlen können.

>Als ob<-Dilemma

Schüler*innen mit Förderbedarf werden entsprechend ermutigt und gefordert, jedoch werden ihren erbrachten Leistungen im allgemeinen Unterricht weder ernstgenommen noch geschätzt. Dies kann negative Auswirkungen auf das Selbstbild der Schüler*innen haben und dazu führen, dass sie ihre eigenen Leistungen nicht mehr ernstnehmen und sich als leistungsschwach und schlecht wahrnehmen. Ihr Selbstbewusstsein wird dadurch geschädigt. Es ist sehr wichtig, dass Schüler*innen für ihre erbrachten Leistungen, hierbei spielt das Leistungsniveau keine Rolle, Anerkennung geschenkt wird.

2. Die Vermittlung und Reflexion der deutschen Sprache ist nicht nur Aufgabe des Deutschunterrichts, sondern fächerübergreifendes Unterrichtsprinzip. Wo sehen Sie in Ihrem (ggf. zweiten) Fach Möglichkeiten, um

I. Vielsprachigkeit als Ressource zu nutzen,

In meinen Fächern ist es schwierig Vielsprachigkeit aufzugreifen, da sie sehr sprachspezifisch sind. Jedoch können Parallelen zwischen verschieden Sprachen und Sprachgruppen erarbeitet werden, dies ist in meinen beiden Fächern, Spanisch und Englisch, möglich. Hierbei kann genauer auf die Systematiken der Wortbildung und des Satzbaus eingangen werden. Schüler*innen können im Unterricht Gemeinsamkeiten und Unterschiede ihrer (Mutter)sprache besprechen. Eventuell kann pro Halbjahr eine Unterrichtseinheit hierfür genutzt werden und zwischendurch in anderen Unterrichtsstunden auch.

II. gendersensibel Unterrichtsgegenstände auszuwählen und Aufgaben zu konstruieren. (ACHTUNG! Ein * genügt dafür nicht!)

Spielfilme sind ansprechend für beide Geschlechtsgruppen, wie in den gezeigten Diagrammen deutlich wird, und deshalb sollten sie im Unterricht öfter eingesetzt werden. Hierbei gibt es genug Filme, die den Unterrichsstoff aufgreifen. In den Fächern Spanisch und Englisch gibt es eine große Auswahl. Dadurch kann das Interesse beider Geschlechtsgruppen erweckt werden und dementsprechend können passende Aufgaben bearbeitet werden.

Außerdem können allgemein geschichtliche Aspekte der alten Geschlechterrollen besprochen werden, dadurch werden Schüler*innen darüber aufgeklärt. Hierbei sollten sie sich mit den Klischees und Stereotypen auseinandersetzen, um eine kritische Sichtweise zu entwickeln und ihr Hintergrundwissen diesbezüglich zu erweitern. Literarische Werke und Filme sind geeignete Medien hierfür.

Ringvorlesung 07 – Doing it wrong, doesn’t make it wrong

1. Reflektieren Sie die Konsequenzen der Aussonderung von Schüler_innen mit Förderbedarf?

Durch eine Aussonderung von Schüler*innen mit Förderbedarf wird die Lernentwicklung und die Bildungsmöglichkeiten erheblich eingeschränkt und kann nicht weiterentwickelt werden. Darüberhinaus hat das auch negative Auswirkungen auf die Sprachentwicklung, die motorische Entwicklung und die emotionale-soziale Entwicklung der Schüler*innen. Durch die Aussonderung haben die Schüler*innen mit Förderbedarf keine Mitschüler*innen von denen sie lernen können und sie als Vorbilder nehmen können. Jedoch sind sie auf diese Vorbilder angewiesen und die einzigen Vorbilder, die im Unterricht haben, sind die Lehrkräfte bzw. Erwachsenen. Kinder tendieren meistens dazu sich an anderen Kindern, also Mitschüler*innen, zu orientieren, aber in Restklassen werden Schüler*innen mit Förderbedarf dadurch sehr weit eingeschränkt, sodass sie sich nicht weiterentwickeln können, indem sie von anderen lernen.

2. Welche Informationen sind in der Diagnose „Förderschwerpunkt Wahrnehmung&Entwicklung“ bzw. „Förderschwerpunkt Lernen“ enthalten? Welche Informationen benötigen Sie von einer Schüler_in um Ihren Unterricht ggf. anzupassen?

Die Diagnose „Förderschwerpunkt Wahrnehmung&Entwicklung“ bzw. „Förderschwerpunkt Lernen“ zeigt, dass der Verarbeitungsprozess von Lerninhalten bei Schüler*innen mit Förderbedarf deutlich langsamer ist. Deshalb ist es grundlegend, genug Informationen über den jeweiligen Förderbedarf der Schüler*innen zu sammeln. Am besten ist es sich bei den Eltern ausreichend zu informieren oder bei anderen Lehrkräften, die für diese*n Schüler*in zuständig waren. Anhand dieser Informationen kann einer separater und individueller Lehrplan für die Schüler*innen erstellt werden.

3. Wie können Sie in Ihrem Unterricht die Zugänglichkeit und Anschaulichkeit von Medien/Materialien verbessern? Welche Verbündeten können sie dazu gewinnen?

Ein Austausch von Materialien und Erfahrung mit anderen Lehrkäften und ehemaligen Kommiliton*innen kann hierbei sehr hilfreich sein. Untereinander findet ein Austausch statt, sodass man gegenseitig von einander lernen kann. Man kann sich auch mit Lehrkräften von anderen Schulen austauschen mithilfe von Schulclustern.

Es ist wichtig an einem gemeinsamen Gegenstand mit allen zu arbeiten. Um die Zugänglichkeit und Anschaulichkeiten von Medien und Materalien zu verbessern, sind Lehrfilme auch sehr hilfreich, da Lehrfilme aktiv sind. Das Wissen kann hierbei handeln, bildhaft und sprachlich erworben werden. Der Verabeitungsprozess der Schüler*innen wird dadurch erleichtert und neue Informationen können besser aufgenommen werden. Darüberhinaus gibt es weitere technische Hilfen, wie zum Beispiel der elektronische Stift „AnyBook Reader“, der einen gemeinsamen Gegenstand für alle im Unterricht darstellt. Inhalte können gemeinsam besprochen werden und den Schüler*innen somit nähergebracht werden. Dadurch ensteht ein „voneinander und miteinander lernen“.

4. Wählen Sie eines der Lernvideos auf path2in.uni-bremen.de aus, schauen Sie es sich an und schreiben Sie kurz eine begründete Empfehlung für Ihre Kommiliton_innen, warum es sich ggf. lohnt sich das Video anzusehen.

Ich habe mich für das Video von Carina Kühne entschieden, indem sie von ihrer Schulzeit berichtet. Sie erzählt von ihren Problemen und, wie sie ausgegrenzt wurde, insbesondere von ihrer Lehrerin. Aufgrund ihrer Diagnose, dass sie das Down-Syndrom hat, wurde sie stigmatisiert und kategorisiert. Ihr wurde eingeredet, dass sie es nicht schaffe und nicht lernen könne. Durch ihren Wechsel auf eine Gesamtschule haben sich ihre Noten und ihre Leistungen verbessert. Dieses Video zeigt, wie wichtig ist Schüler*innen mit Förderbedarf individuell zu fördern und sie nicht auszugrenzen. Sie sollten eine entsprechende Unterstützung bekommen, damit sie nicht das Gefühl bekommen, dass sie nichts schaffen können.

 

Ringvorlesung 05 – Leistungsunterschiede im Mathematikunterricht

1. Sind Unterschiede in den mathematischen Leistungen von Schülerinnen und Schülern ein Grund zur Sorge? WelcheBedeutung kommt dem zweigliedrigen Schulsystem (Oberschule / Gymnasien) in Bremen diesbezüglich zu?

Mathematik ist ein wichtiges Basiswissen, da sie im weiteren Bildungsverlauf notwendig ist. Sie vermittelt logisches Denken und Strategien, die bei Problemlösungen hilfreich sind. Darüber hinaus ist sie ein wichtiger Grundbaustein für die Naturwissenschaften, v.a. Physik und Chemie. Auch außerhalb der Schule ist sie weiterhin essentiell für das Berufsleben. Aus diesem Grund sollten die mathematischen Kompetenzen ausreichend gefördert werden und Unterschiede in der Leistung der Schüler*innen erkannt werden.

Schüler*innen, die eine schwächere Leistung erbringen, müssen von Anfang an gefördert werden. Eine größere Streuung im Leistungsstand könnte entstehen, falls den „Schwächeren“ nicht dementsprechend geholfen wird. Schüler*innen, die nicht dieselbe Leistung erbringen können, sind dann meistens unmotiviert und eingeschüchtert, was dazu führt, dass ihre Leistungen noch weiter sinken.

Das zweigliedrige Schulsystem ist relativ sinnvoll, um große Leistungsunterschiede zu vermeiden, jedoch ist das alleine nicht ausreichend. Dadurch können zwar „schwächere“ Schüler*innen besser gefördert werden und „stärkere“ Schüler*innen besser gefordert werden, jedoch gibt es trotzdessen weiterhin in den Klassen Diskrepanzen. In Gymnasien oder Hauptschulen sind weiterhin Leistungsdifferenzen, und dies ist vorallem in dem Fach Mathe vorzufinden. Mathe zählt auch deshalb leider zu einem der unbeliebteren Fächer und ist für viele eine Herausforderung. Das zweigliedrige Schulsystem ist nicht suffizient, um einen genügenden Ausgleich zu bewirken.

2. Spielen im Mathematikunterricht, kann das angesichts von Leistungsunterschieden ein Ansatz sein? Beziehen und begründen Sie eine Position aus Lehrenden-Sicht, die auch Schülersichtweisen einbezieht.

Eine spielerische Herangehensweise kann für viele Schüler*innen motivierend und ermutigend sein, zugleich kann sie auch die Lernbereitschaft erhöhen. Dadurch erscheint die Mathematik in einem anderen Licht und Schüler*innen kriegen einen anderen Bezug zu ihr vermittelt. Darüber hinaus erlernen sie auf eine andere Art und Weise mit der Mathematik umzugehen und sehen sie nicht nur als ein Schulfach. Die Mathematik ist nämlich viel mehr als das. Das logische Denken und Anwenden von Strategien und Techniken wird den Schüler*innen auf diese Weise spielerisch beigebracht. Das genannte Spiel „Differenz trifft“ ist ein gutes Beispiel, da es den Zusammenhang zwischen den einzelnen Zahlen herbeiführt und gleichzeitig auch Spaß vermittelt.

Zu meiner Schulzeit war mein Lieblingsspiel im Mathematikunterricht „Eckenraten“. In jeder Ecke des Klassenraumes befand sich ein*e Schüler*in und es wurde eine Rechenaufgabe gestellt. Die Person, die als erstes die richtige Antwort sagte, durfte eine Ecke weiterrücken. Ziel des Spiels war es eine Runde zu schaffen. Dieses Spiel war sehr hilfreich für das Kopfrechnen und war auch eines der Spiele, auf das ich mich am meisten freute zur Schulzeit.

3. Spielen kann im Handeln „stecken bleiben“, das Denkenkommt zu kurz. Formulieren Sie zwei Fragen, welcheIhnen helfen können, mögliche Denkhandlungen von Lernenden zu beobachten.

I. Sind die Schüler*innen in der Lage Bezug zwischen dem Spiel und dem Mathematikunterricht herzustellen?

II. Übertragen die Schüler*innen die neu erlernten Strategien auf Aufgaben (bzw. einen neuen Kontext) im Mathematikunterricht?

Es ist wichtig, dass Schüler*innen erkennen, was der Zusammenhang zwischen dem Spiel und dem, im Unterricht gelernten, Thema ist. Zwischen beiden muss eine Verbindung hergestellt werden, um die mathematischen Kompetenzen erweitern zu können. Darüber hinaus sollten die Schüler*innen in der Lage sein, die neu gewonnenen Fähigkeiten aus dem Spiel, auf die mathematischen Aufgaben in einem neuen Kontext anzuwenden.

4. Benennen Sie zwei unterschiedliche Möglichkeiten, wie Sieals Lehrkraft ausgehend vom Spielen eine weiterekognitive Aktivierung von Lernenden anregen können.

Die erste Möglichkeit ist, wie ich schon vorher genannt habe, „Eckenraten“. Für mich persönlich war dieses Spiel auch sehr hilfreich, da es die Reaktionsfähigkeit und das Kopfrechnen fördert. Dadurch können kognitive Kompetenzen verbessert und trainiert werden.

Die zweite Möglichkeit wäre das Nachbauen geometrischer Formen als Modelle. Ich erinnere mich daran, dass ich das zu meiner Schulzeit, mit einer Freundin, gemacht habe. Die Aufgabe war ein Modell ausschließlich aus geometrischen Formen nachzubauen. Wir entschieden uns für ein Kino und es war auch etwas, wobei wir uns sehr amüsierten. Hierbei erlernt man auf eine andere Art und Weise zu denken und man versteht den Aufbau geometrischer Formen besser. Man erlernt nämlich, wie man sie selbst „herstellen“ kann und, was für Eigenschaften sie haben. Schüler*innen können lernen präzise zu arbeiten und ihre Kreativität mit der Mathematik in Verbindung bringen.

 

 

 

Ringvorlesung 02 – Migration als Herausforderung für die Schule

1. Was ist gemeint mit einer ’nationalen Orientierung des Bildungssystems‘? Woran kann das festgemacht werden im Hinblick auf seine Zielgruppen, Inhalte/Fächer, Strukturen? (denken Sie hier auch an ihre eigenen Erfahrungen aus der Schulzeit zurück)

In Deutschland wird der Lebenslauf, in Bezug auf die Bildung, durch eine zeitliche und räumliche Kontinuität charakterisiert. Mit der zeitlichen Kontinuität wird davon ausgegangen, dass Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihren Bildungsgang ohne Unterbrechungen durchschreiten. Die räumliche Kontinuität beschreibt, dass im Regelfall ein einziges Bildungssystem durchlaufen werden soll, hierbei geht man von dem des jeweiligen Geburtslandes aus.

Eine nationale Orientierung wird dadurch sichtbar, dass Migration in dem Bildungssystem nicht einkalkuliert wurde und, um dieses System bestehen zu lassen, wurden Sondermaßnahmen und Parallelstrukturen für Menschen mit Migrationshintergrund angefertigt. Die geschichtlichen Ereignisse Deutschlands haben diese Parallelstrukturen begünstigt. Dadurch wurden den Kindern der ausländischen Arbeitnehmer national homogene Parallelklassen bereitgestellt. Zusätzlich wurden Lehrer*innen auf den Unterricht mit den Kindern, die einen Migrationshintergrund besitzen, spezialisiert. Diese Parallelklassen sind jedoch schwierig für eine erfolgreiche Integration.

Heutzutage wird die nationale Orientierung auch noch in den Unterrichtsfächern deutlich, da sie begrenzt auf Deutschland und deutsche Geschehnisse sind. Im Geschichtsunterricht wird hauptsächlich die deutsche Geschichte thematisiert und der Deutschunterricht ist beschränkt auf deutsche Werke, wie zum Beispiel von Brecht, Schiller und Goethe. Es wird selten außerhalb dieser Grenzen gearbeitet.

Aus eigener Erfahrung kann ich von einer Freundin mit einem Migrationshintergrund berichten, die erst in der achten Klasse zu uns kam. Davor besuchte sie eine Vorbereitungsklasse und, als ihre Deutschkenntnisse als ausreichend gesehen wurden, kam sie in unsere Klasse dazu. Bei einer Politikklausur in der neunten Klasse, fiel mir jedoch auf, dass ihr Migrationshintergrund nicht berücksichtigt wurde und, dass sie dadurch eine schlechtere Note bekam. Natürlich sollte man keine bessere Note aufgrund eines Migrationshintergrundes bekommen, jedoch kann man nicht davon ausgehen, das eine Person, die seit etwa drei Jahren in Deutschland ist, die gleichen Deutschkenntnisse, wie alle anderen Schüler*innen hat. Die Klausurnote setzte sich somit hauptsächlich aus ihrer Grammatik und ihrer Rechtschreibung zusammen, und der Inhalt war weniger von Bedeutung.

2. Was nehmen Sie aus dem öffentlichen Diskurs über ‚Migration als Herausforderung für die Schule‘ und über sog. ‚Schüler mit Migrationshintergrund‘ als Informationen wahr und welche (neuen?) Perspektiven hat die Vorlesung dazu für Sie eröffnet?

Durch den öffentlichen Diskurs ist mir der Zusammenhang zwischen den geschichtlichen Ereignissen Deutschlands und dem heutigen Bildungssystem, welches vielmehr national orientiert ist, klar geworden. Eine Ausgrenzung der ausländischen Schüler*innen wird deutlich, da auf national homogene Klassen wertgelegt wurde und ein Zusammenleben nicht in Betracht gezogen wurde. Über die Jahre wurden Fortschritte gemacht, jedoch ist es trotzdessen immer noch ein ernst zunehmendes Problem, welches leider heutzutage immer noch existiert.

Außerdem sollte der Unterricht mehrere Interessen und Perspektiven umfassen und nicht nur auf eine Nationalität ausgelegt sein. Man sollte sich in der Schule mit multinationalen und multikulturen Aspekten auseinandersetzen, statt mit nationalen.

3. Inwiefern kann das folgende Beispiel (siehe unten) von Betül (Interviewausschnitt aus einer qualitativen Studie von Martina Weber) als Ausdruck von ‚DoingCulture‘ durch Lehrer*innenhandeln im Unterricht herangezogen werden? Erinnern Sie sich aus ihrer eigenen Schulzeit an ein Beispiel für ‚DoingCulture‘ im Lehrer*innenhandeln?

In dem genannten Beispiel findet eine deutchliche Stereotypisierung einer Kultur statt, in dem Falle der Türkischen. Die Lehrerin hat sehr vorurteilsvolle Züge, welche Lehrer*innen nicht besitzen sollten. Sie hat ein bestimmtes Bild von der ‚türkischen Kultur‘, welches sie auf ihre Schülerin Birgül überträgt. Aus diesem Grund spricht man in diesem Beispiel von ‚DoingCulture‘.

Ich habe mit diesem Thema bis jetzt keine Erfahrungen gehabt, da es in meiner Schule keine Probleme damit gab. Über das Thema Migrationshintergund wurde nicht viel diskutiert. Von Lehrer*innen habe ich ein Handeln, in der Art, nicht mitbekommen, auch nicht gegenüber mir, obwohl ich auch einen türkischen Migrationshintergrund besitze.

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