{"id":53,"date":"2025-09-01T01:56:23","date_gmt":"2025-08-31T23:56:23","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/melzey\/?p=53"},"modified":"2025-09-01T01:56:23","modified_gmt":"2025-08-31T23:56:23","slug":"abschlussreflexion","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/melzey\/2025\/09\/01\/abschlussreflexion\/","title":{"rendered":"Abschlussreflexion"},"content":{"rendered":"<p>Die erste wichtige Erkenntnis aus der Ringvorlesung war die Bedeutung von Differenzierung und Personalisierung im Unterricht f\u00fcr mich. Ich fand den Punkt von Ainscow und Booth (2017) sehr wichtig, dass eine qualitativ gute inklusive Schule immer an Bildungsgerechtigkeit und Demokratie ausgerichtet ist (vgl. Ainscow, 2020; Booth &amp; Ainscow, 2017). Vielfalt wird nicht durch Separierung gestaltet, sondern durch gemeinsames Arbeiten und differenzierte F\u00f6rderung, was auch Booth und Ainscow (2017) in Index f\u00fcr Inklusion beschreiben. F\u00fcr F\u00e4cher Deutsch und Mathematik bedeutet es, Aufgaben zu erstellen, die jedes Kind auf seinem Niveau lernen kann, zum Beispiel Schreibaufgaben, die unterschiedlich in der L\u00e4nge sind oder auf unterschiedlichem Niveau ein L\u00fcckentext. In Mathe k\u00f6nnte man Aufgaben geben, in denen man unterschiedliche L\u00f6sungswege nutzen kann. Bei manchen Sch\u00fclerInnen k\u00f6nnen die Antworten gegeben sein, damit sie<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>nur die passende Aufgabe dazu finden, w\u00e4hrend bei einigen Sch\u00fclerInnen keine L\u00f6sungen stehen.<\/p>\n<p>Die zweite Erkenntnis betrifft die Beziehungsarbeit. Beziehungen zwischen Lehrkr\u00e4ften und Sch\u00fclerInnen sind sehr entscheidend f\u00fcr den Lernerfolg. Es ist kein Geheimnis, dass M\u00e4dchen in der Schule erfolgreicher sind, als Jungen. Christoph Fantini hatte in seinem Beitrag \u00fcber M\u00e4nnlichkeitsentw\u00fcrfe in der Grundschule thematisiert, dass Jungen schon fr\u00fch das Gef\u00fchl haben, M\u00e4dchen seien \u201eschlauer\u201c, was auch mit der Dominanz weiblicher Lehrkr\u00e4fte im Grundschulbereich zusammenh\u00e4ngt (vgl. Fantini, 2020: 8). Steele und Aronson (1995: 797) beschreiben dies auch als \u201eStereotype Threat: Wenn Kinder nach negativem zugeschrieben werden, beeinflusst das ihr Lernverhalten. Auch die Podiumsdiskussion im LIS von Herr Fantini hat mir diese Erkenntnis nochmal verst\u00e4rkt. W\u00e4hrend dort m\u00e4nnliche Teilnehmende ihre Erfahrungen und Gef\u00fchle mitgeteilt haben, konnte ich die theoretischen Inhalte der Vorlesung vertiefen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>2.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>In meinem Orientierungspraktikum habe ich gesehen, wie unterschiedlich Heterogenit\u00e4t in der Schule gelebt wird. Die Klassen waren jahrgangsgemischt, und die \u00e4lteren Kinder sollten die J\u00fcngeren bei der Eingew\u00f6hnung unterst\u00fctzen. Eine Zeitlang funktionierte dieses Patensystem auch gut, doch nach einer Weile lie\u00df die Motivation der \u00c4lteren nach. Leider habe ich auch miterlebt, wie \u00e4ltere Sch\u00fclerInnen die j\u00fcngeren ausgelacht oder geh\u00e4nselt haben. In einer anderen Klasse habe ich es dagegen ganz anders empfunden. Dort herrschte ein angenehmes Klima, die Kinder halfen sich gegenseitig und lachten wenn dann, miteinander. Hier wurde die Heterogenit\u00e4t tats\u00e4chlich zu einer Bereicherung. Heterogenit\u00e4t gelingt nur dann, wenn Unterschiede nicht hierarchisch interpretiert werden (Prengel, 2007). In einer Klasse wurde das Alter zur Hierarchie und in der anderen Klasse zur Ressource. Mir wurde bewusst, dass ein gutes Konzept auch schnell kippen kann. Es h\u00e4ngt sehr stark von der Lehrkraft ab, ob Heterogenit\u00e4t gelingt oder nicht. Strukturen wie Jahrgangsmischung reichen alleine nicht aus. Entscheidend ist, ob die Lehrkraft Konflikte aufgreift, bewusst kooperiert und eine gute Beziehung miteinander aufbaut. Diese Erfahrung hat mir auch noch einmal gezeigt, wie wichtig Beziehungsarbeit ist.<\/p>\n<p>3. Ich nehme folgende zwei Fragen mit:<\/p>\n<p>Ich habe verstanden, dass Differenzierung und sprachsensibler Unterricht im Mathematikunterricht in heterogenen Gruppen eine gro\u00dfe Rolle spielen. Was mir jedoch fehlt, ist die richtige Herangehensweise. Ich frage mich, wie Aufgaben so gestaltet werden k\u00f6nnen, dass wirklich alle Kinder profitieren. Die Sch\u00fclerInnen sollten nicht \u00fcberfordert und nicht unterfordert werden. Ich w\u00fcnsche mir, im Studium noch mehr praktische Beispiele und Methoden kennenzulernen, die sich direkt im Unterricht einsetzen lassen. Besonders hilfreich w\u00e4ren Unterrichtsbeispiele,Materialien oder auch Stundenentw\u00fcrfe, damit man eine Vorstellung kriegt.<\/p>\n<p>Die zweite Frage betrifft die Elternarbeit in vielf\u00e4ltigen Klassen. Ich habe in meinem Praktikum erlebt, dass viele Eltern nicht zum Elternabend gekommen sind, weil ihre Deutschkenntnisse nicht ausreichten. Das hat mir gezeigt, dass es dringend andere Wege geben muss, um nicht-deutschsprachige Eltern einzubinden. Ich frage mich, welche M\u00f6glichkeiten und Konzepte es braucht, um Eltern, unabh\u00e4ngig von ihrer Sprache oder ihrem Hintergrund, wirklich teilhaben zu lassen. Mich interessiert, wie man Elternabende, Gespr\u00e4che und Informationen f\u00fcr alle verst\u00e4ndlich und zug\u00e4nglich gestaltet. Dar\u00fcber hinaus h\u00e4tte ich mir in der Vorlesung gew\u00fcnscht, die Perspektive des Sch\u00fclerInnen<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>einzubeziehen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die erste wichtige Erkenntnis aus der Ringvorlesung war die Bedeutung von Differenzierung und Personalisierung im Unterricht f\u00fcr mich. Ich fand den Punkt von Ainscow und Booth (2017) sehr wichtig, dass eine qualitativ gute inklusive Schule immer an Bildungsgerechtigkeit und Demokratie ausgerichtet ist (vgl. Ainscow, 2020; Booth &amp; Ainscow, 2017). 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