{"id":22,"date":"2023-06-06T15:32:45","date_gmt":"2023-06-06T13:32:45","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mehrane\/?p=22"},"modified":"2023-06-06T15:34:03","modified_gmt":"2023-06-06T13:34:03","slug":"inszenierung-und-zuschreibung-in-bezug-auf-genderdynamiken-und-paedagogik-in-der-schule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mehrane\/2023\/06\/06\/inszenierung-und-zuschreibung-in-bezug-auf-genderdynamiken-und-paedagogik-in-der-schule\/","title":{"rendered":"Inszenierung und Zuschreibung in Bezug auf Genderdynamiken und -p\u00e4dagogik in der Schule"},"content":{"rendered":"<ol class=\"ol1\">\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">Die Bedeutung des Genderns hat in den letzten Jahren stark zugenommen, besonders im Kontext der Schule. Dieses Thema spielt eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle, da das Geschlecht nicht nur biologisch, sondern auch sozial bedeutsam ist (J\u00e4ckle 2009, S. 294 f.). Es beeinflusst, wie Menschen in der Gesellschaft miteinander interagieren und wie bestimmte Rollen verteilt werden (vgl. Ebd.).In der Vorlesung haben wir uns mit dem Spannungsfeld zwischen Inszenierung und Zuschreibung in Bezug auf Genderdynamiken und -p\u00e4dagogik in der Schule besch\u00e4ftigt. Bei der Inszenierung handelt es sich um einen Prozess, bei dem Geschlechterrollen bewusst konstruiert, vermittelt und bewahrt werden, zum Beispiel in Unterrichtsmaterialien. Gleichzeitig gibt es individuelle Zuschreibungen, bei denen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler unbewusst gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen (z. B. die Vorstellung, dass Mathematik eher etwas f\u00fcr Jungen ist, was M\u00e4dchen davon abhalten k\u00f6nnte, ihr volles Potenzial in diesem Fach zu entfalten). In der Genderp\u00e4dagogik setzt man sich bewusst mit diesem Spannungsfeld auseinander, um Geschlechterstereotype abzubauen und eine gerechtere und inklusivere Lernumgebung zu schaffen. Ein theoretischer Ansatz daf\u00fcr ist das &#8222;Gender Mainstreaming&#8220;. Die United Nations Entity for Gender Equality and the Empowerment of Women definiert den Begriff wie folgt: &#8222;Gender Mainstreaming ist eine weltweit akzeptierte Strategie zur F\u00f6rderung der Gleichstellung der Geschlechter. Mainstreaming ist kein Selbstzweck, sondern eine Strategie, ein Ansatz, ein Mittel, um das Ziel der Gleichstellung der Geschlechter zu erreichen&#8220; (vgl. UN-WOMAN 2023). Diese Definition zeigt, dass Geschlechtergerechtigkeit nicht nur als Selbstzweck betrachtet wird, sondern als essentielle Voraussetzung f\u00fcr eine nachhaltige menschliche Entwicklung (vgl. Tomic 2011, S. 32 f). Dieser Ansatz verdeutlicht auch, dass Gender Mainstreaming im schulischen Kontext bedeutet, geschlechterbezogene Themen und die F\u00f6rderung von Geschlechtergerechtigkeit auf verschiedenen Ebenen zu integrieren. Dazu geh\u00f6ren Unterrichtsmaterialien, Lehrpl\u00e4ne und p\u00e4dagogische Methoden, die im Schulalltag angewendet werden.<\/span><\/li>\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">Bei einer Stationsarbeit hat meine Lehrerin besonders darauf geachtet, dass Jungen und M\u00e4dchen m\u00f6glichst gleichm\u00e4\u00dfig in die Gruppen aufgeteilt wurden. Es war wichtig, dass die Aufteilung ausgewogen war, aber nicht, welche Interessen und F\u00e4higkeiten die einzelnen SuS besa\u00dfen. Schon damals interessierte ich mich f\u00fcr naturwissenschaftliche Themen, insbesondere f\u00fcr das Durchf\u00fchren von Experimenten. Deshalb wollte ich gerne einer Gruppe zugeteilt werden, die sich intensiv mit dem Thema besch\u00e4ftigte und die Experimente durchf\u00fchren durfte. In meiner Klasse gab es \u00fcberwiegend Jungen, die naturwissenschaftlich begabt waren. Dennoch \u00e4nderte das nichts daran, dass meine F\u00e4higkeiten und Potenziale nicht ausreichend waren, um ein Experiment durchzuf\u00fchren. Mir wurde die Rolle der Protokollantin zugewiesen und ich musste den Versuchsablauf dokumentieren. Ich konnte beobachten, dass den meisten M\u00e4dchen die Rolle der Protokollantin zugeschrieben wurde, w\u00e4hrend die Jungen sich mit der Durchf\u00fchrung der Experimente befassen durften. Die Art der Gruppenbildung basierte also auf der Annahme, dass M\u00e4dchen eher schriftlich und Jungen eher an naturwissenschaftlichen Themen interessiert sind. Eine gendersensible Herangehensweise h\u00e4tte dazu beigetragen, die individuellen Interessen der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu ber\u00fccksichtigen und ihnen erm\u00f6glicht, sich optimal in den Projekten einzubringen, unabh\u00e4ngig von geschlechtlichen Stereotypen.<\/span><\/li>\n<li class=\"li1\"><span class=\"s1\">Inwiefern ber\u00fccksichtigt die Lehrkraft die geschlechtssprezifischen Stereotype<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>bei der Unterrichtsgestaltung? Haben Jungs und M\u00e4dchen gleiche Chancen\/Ressourcen zur Verf\u00fcgung, um ihre Individuellen Potenziale zu entfalten?<\/span><\/li>\n<\/ol>\n<ul class=\"ul1\">\n<li class=\"li4\"><span class=\"s1\">Tomic, M. (2011).\u00a0Gender Mainstreaming in der EU: Wirtschaftlicher Mehrwert oder soziale Gerechtigkeit?\u00a0(2012. Aufl.). Wiesbaden: Verlag f\u00fcr Sozialwissenschaften.<\/span><\/li>\n<li class=\"li4\"><span class=\"s1\">J\u00e4ckle, M. (2009).\u00a0Schule M(m)acht Geschlechter: Eine Auseinandersetzung Mit Schule und Geschlecht Unter Diskurstheoretischer Perspektive. Verlag F\u00fcr Sozialwissenschaften. <a href=\"https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-531-91344-5\"><span class=\"s3\">https:\/\/doi.org\/10.1007\/978-3-531-91344-5<\/span><\/a><\/span><\/li>\n<li class=\"li4\"><span class=\"s1\">UN-WOMAN (2023): Gender Mainstreaming. [Online]<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0 <\/span>URL: <\/span><a href=\"https:\/\/www.un.org\/womenwatch\/osagi\/gendermainstreaming.htm\">https:\/\/www.un.org\/womenwatch\/osagi\/gendermainstreaming.htm<\/a> [Stand: 26.05.2023].<\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Bedeutung des Genderns hat in den letzten Jahren stark zugenommen, besonders im Kontext der Schule. Dieses Thema spielt eine immer gr\u00f6\u00dfere Rolle, da das Geschlecht nicht nur biologisch, sondern auch sozial bedeutsam ist (J\u00e4ckle 2009, S. 294 f.). 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