{"id":607,"date":"2020-02-04T14:09:13","date_gmt":"2020-02-04T13:09:13","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/?p=607"},"modified":"2022-07-04T09:48:21","modified_gmt":"2022-07-04T07:48:21","slug":"erklaervideos-im-deutschunterricht","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/2020\/02\/04\/erklaervideos-im-deutschunterricht\/","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rvideos im Deutschunterricht"},"content":{"rendered":"<div class=\"et_d4_element et_pb_section et_pb_section_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_section_regular et_block_section\" >\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_row et_pb_row_0  et_pb_css_mix_blend_mode et_block_row\">\n\t\t\t\t<div class=\"et_d4_element et_pb_column_4_4 et_pb_column et_pb_column_0  et_pb_css_mix_blend_mode et-last-child et_block_column\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_0  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p>Photo by\u00a0<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/@vanillabearfilms?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Vanilla Bear Films<\/a>\u00a0on\u00a0<a href=\"https:\/\/unsplash.com\/s\/photos\/video-learning?utm_source=unsplash&amp;utm_medium=referral&amp;utm_content=creditCopyText\">Unsplash<\/a><\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_1  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><p><strong><u>Reflexionsbericht<\/u><\/strong><\/p>\n<p>Thema: Erkl\u00e4rvideos im Deutschunterricht<\/p>\n<p>Im Rahmen des Seminars \u201eMediendidaktik und Medienbildung: Reflexion und Bewertung von Eins\u00e4tzen digitaler Elemente in der Lehre\u201c haben wir uns mit verschiedenen M\u00f6glichkeiten und Programmen, aber auch Grundlagen des Einsatzes digitaler Medien in der Schule, auseinandergesetzt. Dabei sind sowohl strukturelle als auch organisatorische Umst\u00e4nde zu bedenken. Die Medienkompetenz seitens der Lehrkr\u00e4fte muss dabei ebenfalls geschult, mindestens aber besprochen werden, damit die M\u00e4ngel deutlich werden. In den kritischen Diskussionen stach vor allem immer ein Thema hervor: Wie kann mit den einzelnen Medien umgegangen werden, sodass das Urheberrecht bestehen bleibt und auch die Quellenlage, welche bei multimedialen Onlinequellen schwieriger sein kann als bei herausgegebener schriftlicher Literatur, in kompetenter Form im oder vor dem Unterricht behandelt wird?<\/p>\n<p>Eben jene Frage stand auch bei der Diskussion von Videos im Unterricht im Raum und hat sich bei mir unter verschiedenen Aspekten eingepr\u00e4gt. Dementsprechend widmet sich dieser Reflexionsbericht diesem Thema. Dazu wird zuerst kurz der Einsatz von Videos im Unterricht erl\u00e4utert. Dies geschieht am Beispiel des Erkl\u00e4rvideos, da diese momentan sehr popul\u00e4r sind. Nicht nur ich habe allein in diesem Semester schon zwei Seminare zu Erkl\u00e4rvideos erleben m\u00fcssen, wobei die kritische Formulierung von \u201am\u00fcssen\u2018 bewusst gew\u00e4hlt ist, wie ich sp\u00e4ter darstellen werde. Auch zeigt eine Statistik, wie die Vortragsgruppe des Themas Erkl\u00e4rvideos am 12.12.2019 aufzeigte, dass 60 % der Jugendlichen bereits 2012 Erkl\u00e4rvideos auf Plattformen wie YouTube nutzen, um sich auf die Schule vorzubereiten<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>. Dieser Trend muss als steigend angenommen werden. Nach der Einf\u00fchrung in das Thema der Erkl\u00e4rvideos wird dann am konkreten Beispiel des Deutschunterrichts herausgearbeitet, wie und ob Erkl\u00e4rvideos produktiv eingesetzt werden k\u00f6nnen. Der Deutschunterricht ist dabei aus pers\u00f6nlichem Bezug gew\u00e4hlt worden, aber auch, weil dieser sehr gut zur zweiten Frage des Reflexionsberichts passt. Dar\u00fcber hinaus habe ich mich n\u00e4mlich gefragt, inwiefern die (Umgangs-) Sprache in Erkl\u00e4rvideos f\u00f6rderlich oder nicht f\u00f6rderlich f\u00fcr den Gebrauch in der Schule ist und m\u00f6chte dies mit Hilfe einer Forschung aus dem Bereich der Sprachwissenschaft reflektieren.<\/p>\n<p>Welchen Vorteil bietet der Einsatz von Erkl\u00e4rvideos im Unterricht? Welche didaktischen Vor\u00fcberlegungen sollten getroffen werden?<a href=\"#_ftn2\" name=\"_ftnref2\">[2]<\/a> Zum einen bieten Erkl\u00e4rvideos die M\u00f6glichkeit, an das Vorwissen der Sch\u00fclerInnen anzukn\u00fcpfen. Die Lebenswelt der Sch\u00fclerInnen kann mit einbezogen werden und die vermuteten privaten Rezeptionsgewohnheiten der Sch\u00fclerInnen k\u00f6nnen genutzt werden. Dabei muss allerdings an dieser Stelle auch bedacht werden, dass private und institutionelle Rezeption von Medien, also, was die Kinder Zuhause schauen und welche Videos im Unterricht geeignet sind, unterschiedlicher Art und Weise sind. Der Bildungsanspruch darf \u00fcber den Einsatz medialer interessanter und Neugierde weckender Videos nicht vergessen werden. Zum anderen haben Erkl\u00e4rvideos inklusiven Charakter. Dies meint, dass die thematische und gestalterische Vielfalt es ebenfalls einer heterogenen Klasse m\u00f6glich machen sollte, Zugang zu einem Thema zu finden. Dies meint nat\u00fcrlich aber auch, dass man sowohl in Ort, Zeit als auch Sprache flexibel bleibt, denn Erkl\u00e4rvideos sind Jedem und Jederzeit zug\u00e4nglich. Hierbei sollte allerdings nicht vergessen werden, dass obwohl gerade Jugendliche medial sehr aktiv sind, nicht immer vorausgesetzt werden darf, dass alle SuS Zugang zu Computern, Pads oder dem Internet schlechthin haben. Ebenfalls kann die Qualit\u00e4t der Ger\u00e4te und Zugriffsm\u00f6glichkeiten, die die Kinder Zuhause haben, differieren, sodass eine sehr sensible soziale Dimension unterminiert wird. Zu guter Letzt sind zwei Dimensionen beim Einsatz von Erkl\u00e4rvideos dringend zu bearbeiten, wenn man diese im Unterricht einsetzen m\u00f6chte, n\u00e4mlich die Medienkritik und die Medienreflexion. Beides sind \u00fcberfachliche Kompetenzentwicklungen, die erst im Laufe der schulischen Arbeit erlernt werden m\u00fcssen. Es geht dabei darum, \u00fcber die Spezifika der einzelnen Medien in Form einer Medienanalyse nachzudenken, also unter anderem die Quellenfrage zu stellen. Welche Qualit\u00e4t hat das Video? Wer hat es warum und f\u00fcr wen erstellt? Wie ver\u00e4ndert die darstellerische Aufbereitung den Inhalt und die Auffassung der Rezipienten? Die Medienkritik handelt davon auch alters- oder genderspezifische Aspekte zu bedenken. Dabei m\u00fcssen die SuS mit einbezogen werden und es darf kein Be- oder Verurteilen durch die Lehrperson stattfinden.\u00a0 Gerade der inhaltliche Aspekt sowie der Aspekt der Quellenfrage sind schwierige Anliegen, die genauer reflektiert werden m\u00fcssen. Dabei m\u00f6chte ich nochmal R\u00fcckbezug nehmen zu den einleitenden Worten dieses Reflexionsberichtes und dem eher ern\u00fcchternd wirkenden Statement zu Seminaren in der Uni die uns beibringen, Erkl\u00e4rvideos umzusetzen. Der Inhalt von Erkl\u00e4rvideos ist entscheidend f\u00fcr die Frage, ob Videos eingesetzt werden sollten oder nicht. In beiden Seminaren aus zwei verschiedenen fachlichen Instituten habe ich hingegen allerdings nur mitgenommen, dass komplexe Inhalte in 3 Minuten gepresst werden m\u00fcssen und Informationen dabei oft vernachl\u00e4ssigt werden. Es wurde hingegen viel besprochen, wie zum Beispiel I-Motion funktioniert und, dass unsere Erkl\u00e4rvideos durch die Anwendung verschiedener Techniken besonders medial auff\u00e4llig werden. Nat\u00fcrlich muss eine interessante Aufbereitung der Themen stattfinden, damit das Interesse der SuS sp\u00e4ter geweckt wird. Dennoch finde ich es schade, dass selbst auf universit\u00e4rer Ebene nicht gelehrt wird, die entscheidenden Informationen bewusst zu filtern und didaktisch sinnvoll zu k\u00fcrzen oder aufzubereiten. Vielmehr geht es darum, technisch begabt zu wirken und SuS zu beeindrucken. Videos sollten ein Unterrichtsmittel bleiben, aber auf keinen Fall die inhaltliche Dimension ersetzen.<\/p>\n<p>Auch der Bildungsplan im Land Bremen greift sehr kurz, was den Einsatz von Medien im Unterricht angeht. Unter \u201aMedien verstehen und nutzen\u2018<a href=\"#_ftn3\" name=\"_ftnref3\">[3]<\/a> wird f\u00fcr die 6.Klasse festgehalten, dass folgende \u00fcberfachliche Kompetenzen erreicht werden sollen:<\/p>\n<p>- medienspezifische Formen unterscheiden und Vermutungen \u00fcber ihre Wirkung Anstellen<\/p>\n<p>- Medien zum Erarbeiten und \u00dcben spezifischer Fertigkeiten nutzen<\/p>\n<p>- Medien zur Pr\u00e4sentation ihrer Arbeitsergebnisse und zur \u00e4sthetischen Produktion Nutzen<\/p>\n<p>- die Informationsm\u00f6glichkeiten unterschiedlicher Medien mit Hilfestellungen Nutzen<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dies entspricht den verschiedenen Dimensionen und didaktischen Vor\u00fcberlegungen, die zu Erkl\u00e4rvideos und Medien im Unterricht erl\u00e4utert wurden. Die Medienkritik findet sich in dem ersten Punkt wieder, wenn die medienspezifischen Formen unterschiedenen und deren Wirkung abgemessen und verstanden werden k\u00f6nnen soll.\u00a0 Die Informationsm\u00f6glichkeiten von Medien \u00fcberhaupt erst zu nutzen entspricht wiederum mehr dem Lernen \u00fcber Medien aber auch dem Bereich der Anwendung von Medien.<\/p>\n<p>Im Bereich des Verwendens von Medien und in Fall dieses Reflexionsberichtes dem Verwenden von Erkl\u00e4rvideo soll an dieser Stelle vor allem f\u00fcr eine Art des Einsatzes von Video Partei ergriffen werden, n\u00e4mlich der Produktionsorientierung. Diese entspricht zum Beispiel auch den Punkten des Bildungsplanes Medien zum Erarbeiten und \u00dcben spezifischer F\u00e4higkeiten oder zur Pr\u00e4sentation von Arbeitsergebnissen und \u00e4sthetischer Produktion zu nutzen. Im Rahmen des Seminars wurde immer wieder angesprochen, dass Produktionsorientierung sehr zeitintensiv ist und dies ein gro\u00dfer Nachteil sei. Dem Argument ist nat\u00fcrlich zuzustimmen. Dennoch sollte abgewogen werden, ob die vermeintliche Angst vor Mehraufwand und das Investieren von \u201azu viel\u2018 Zeit ein guter Grund ist, den Sch\u00fclerInnen die M\u00f6glichkeit zu nehmen, Medienkompetenz an Unterrichtsinhalte gebunden zu erlernen. Auch denke ich, dass das Entwickeln eines eigenen Erkl\u00e4rvideos in Gruppen noch deutlich mehr Kompetenzen schult, als das blo\u00dfe Benutzen von Videos im Unterricht. Die Produktion und Pr\u00e4sentation von Erkl\u00e4rvideos<a href=\"#_ftn4\" name=\"_ftnref4\">[4]<\/a> vereint in sich n\u00e4mlich eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema des Erkl\u00e4rvideos, da die Sch\u00fclerInnen einen fachgebundenen und oft sehr komplexen Inhalt so reduzieren m\u00fcssen, dass er in einem Erkl\u00e4rvideo pr\u00e4sentiert werden kann, aber dennoch die inhaltliche Komplexit\u00e4t nicht vollst\u00e4ndig verloren geht. Jeder, der bereits selbst versucht hat ein Erkl\u00e4rvideo zu drehen oder in schulischen\/universit\u00e4ren Seminaren Erkl\u00e4rvideos begegnet ist, wei\u00df um die Schwierigkeit dessen. Dar\u00fcber hinaus wird die soziale Ebene geschult, denn es muss eine interaktive Gruppenarbeit stattfinden. Sch\u00fclerInnen k\u00f6nnen kein Video alleine drehen, sondern es macht Sinn, sie in Gruppen von 3-5 Sch\u00fclerInnen gemeinsam ein Video erstellen zu lassen. Nat\u00fcrlich kann man argumentieren, dass Gruppenarbeit auch ohne Erkl\u00e4rvideo m\u00f6glich ist. Dennoch bleibt die Produktion eines Erkl\u00e4rvideos ein besonders kreativ-exploratives Lernen, welches durch die Sozialform der Gruppenarbeit nur hervorgehoben wird. Zus\u00e4tzlich wird durch die Produktionsorientierung auch das Prinzip \u201eLernen durch Lehren\u201c angewendet. Dies hei\u00dft also, dass der Unterricht Lehrerdezentriert stattfindet. Damit sind viele M\u00f6glichkeiten geboten, dass die Sch\u00fclerInnen neben der Medienkompetenzen und der inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Thema auch lernen, Verantwortung zu \u00fcbernehmen und f\u00fcr ihre Ergebnisse einzustehen beziehungsweise sie pr\u00e4sentieren zu k\u00f6nnen. Neben all den \u00fcberfachlichen Kompetenzen, die die Produktionsorientierung unterst\u00fctzt, wird auch ganz grundlegend das Bedienen und Anwenden von Ger\u00e4ten und Programmen der Videoproduktion erlernt. Auch dies ist eine Medienkompetenz, die bereits vielen LeherInnen fehlt und welche wesentlich zu erlernen ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Konkret bezogen auf den Deutschunterricht sind zus\u00e4tzliche Kompetenzen, die geschult werden k\u00f6nnen: Informieren (Beispiel: Informationen adressatenbezogen weitergeben und dabei einfache Pr\u00e4sentations- und Visualisierungsformen nutzen) oder Erz\u00e4hlen\/Berichten\/Beschreiben (Beispiel: \u00fcber Sachverhalte in geordneter und verst\u00e4ndlicher Form berichten). Ich denke, dass deutlich ist, dass Erkl\u00e4rvideos in verschiedener Form im Deutschunterricht eingesetzt werden k\u00f6nnen. Tats\u00e4chlich k\u00f6nnen Erkl\u00e4rvideos durchaus auch als mediale Weiterentwicklung von Vorgangsbeschreibungen verstanden werden. Ein Tutorial zum Flicken eines Fahrradschlauches zum Beispiel ist im Prinzip die Visualisierung und mediale Aufarbeitung eines Textes einer Vorgangsbeschreibung. Ein besonders sch\u00f6nes Beispiel hat dazu die Anton-Weilmaier-Schule geliefert. Sie haben folgende Unterrichtssequenz durchgef\u00fchrt und damit anschaulich gemacht, wie produktionsorientierte Arbeit mit Erkl\u00e4rvideos im Unterricht funktionieren kann<a href=\"#_ftn5\" name=\"_ftnref5\">[5]<\/a>:<\/p>\n<ol>\n<li>Erarbeitung von Struktur und Stilmitteln einer Vorgangsbeschreibung am konkreten Beispiel Rezept (Bananenmilch).<\/li>\n<\/ol>\n<ol start=\"2\">\n<li>Erstellen eines E-Books zu einem vorgegebenen Rezept (M\u00fcsli)<\/li>\n<li>Drehen eines eigenen Erkl\u00e4rvideos zu einem pers\u00f6nlichen Lieblingsrezept.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Pr\u00e4sentieren der Videos vor der Klasse<\/p>\n<p>Feedback der Mitsch\u00fcler zu Aufbau, Umsetzung und Inhalt.<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li>Festhalten vereinzelter Videos in schriftlicher Form.<\/li>\n<\/ol>\n<p>R\u00fcckmeldung durch die Lehrkraft.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li>Dokumentation des Lernzuwachses durch das Verschriftlichen eines selbstgedrehten Erkl\u00e4rvideos.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Sie sind also \u00fcber die klassische Vorgangsbeschreibung zu einer medialen Dimension gewechselt und haben somit Medienkompetenz am Beispiel eines Erkl\u00e4rvideos in den klassischen Deutschunterricht integriert.<\/p>\n<p>Nun ist also deutlich, inwiefern Erkl\u00e4rvideos generell als mediale Komponente zum Unterricht beitragen k\u00f6nnen und, dass man sein Vorgehen kritisch reflektieren sollte bevor der Einsatz von Videos die \u00dcberhand nimmt und die inhaltliche Dimension abschw\u00e4cht. Auch ist deutlich, dass ich eher f\u00fcr die Produktionsorientierung als f\u00fcr die Rezeption von Erkl\u00e4rvideos votiere. Am Beispiel der Anton-Weilmaier-Schule wird deutlich, wie dies konkret im Deutschunterricht erfolgen kann. In einem letzten Schritt wird eine weitere Diskussionsfrage des Seminars aufgegriffen, n\u00e4mlich die sprachliche Komponente.<\/p>\n<p>In der Seminardiskussion wurde angesprochen, dass in Erkl\u00e4rvideos oft Umgangs- und Jugendsprache verwendet werden w\u00fcrde, welche im Unterricht keinen Platz haben d\u00fcrfte, da zum Beispiel Beleidigungen enthalten sein k\u00f6nnen. Diese Feststellung ist durchaus richtig. Dieses Ph\u00e4nomen ist allerdings keines, welches nur bei Erkl\u00e4rvideos auftritt. Generell hat sich die Sprache ver\u00e4ndert. Und das, was in der Forschung als \u201aJugendsprache\u2018 verstanden wird, wirkt oft auf \u00e4ltere RezipientInnen als unh\u00f6flich und beleidigend. Dennoch ist die Sprachforschung schon so weit, anzuerkennen, dass jugendsprachliche Umgangsformen nicht beleidigend oder unh\u00f6flich sind<a href=\"#_ftn6\" name=\"_ftnref6\">[6]<\/a>. Sie sind lediglich \u201aanders\u2018. Der Konflikt entsteht, da die Auffassungen zu Anstandsnormen differieren. Was den Zuh\u00f6rerInnen entgeht, ist, dass Jugendliche \u00fcber ihre eigene Jugendsprache reflektieren. Ihnen mag nicht zu jeder Zeit und bei jeder \u00c4u\u00dferung bewusst sein, dass sie Einfl\u00fcssen, wie Interkulturalit\u00e4t und sozialen Medien, unterliegen. Dennoch k\u00f6nnen sie verschiedene H\u00f6flichkeitsstile entwickeln und diese kontextsensitiv, sowie adressatenorientiert einsetzen. Ein Beispiel aus der Forschung von Eva Neuland zeigt dies. Auf die Frage, wie Sch\u00fclerInnen andere Personen begr\u00fc\u00dfen, geben die verschiedene Antworten. Sie begr\u00fc\u00dfen in institutionellen Kontexten unter anderem so<a href=\"#_ftn7\" name=\"_ftnref7\">[7]<\/a>:<\/p>\n<p><em>(8) freundliche Begr\u00fc\u00dfung (Hauptschule, Jgst. 7)<\/em><\/p>\n<p><em>(9) Ich sage Menschen die ich treffe sage ich Guten Tag (Hauptschule, <\/em><em>Jgst. 7)<\/em><\/p>\n<p><em>(10) Einen wundersch\u00f6nen Guten Tag (Hauptschule, Jgst. 7)<\/em><\/p>\n<p><em>(11) Guten Morgen Frau X, wie geht es ihnen heute? (Hauptschule, Jgst. 9)<\/em><\/p>\n<p><em>(12) Hallo und Tsch\u00fcss sagen (Gymnasium, Jgst. 7)<\/em><\/p>\n<p><em>(13) Neue Leute h\u00f6flich begr\u00fc\u00dfen (Gymnasium, Jgst. 9)<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Umgang mit ihrer Peer-Group hingegen w\u00fcrden Sie sich folgenderma\u00dfen \u00e4u\u00dfern:<\/p>\n<p><em>(26)Hey, was geht (Hauptschule, Jgst. 7)<\/em><\/p>\n<p><em>(27) Was geht ab Bruder (Hauptschule, Jgst. 7)<\/em><\/p>\n<p><em>(28)Ich spreche manchmal nicht h\u00f6flich mit den Freunden (Hauptschule, <\/em><em>Jgst. 7)<\/em><\/p>\n<p><em>(29) Wir benutzen das Wort Opfer oder D\u00f6del aber nur zum Spa\u00df (Realschule, <\/em><em>Jgst. 8)<\/em><\/p>\n<p><em>(30)Hallo (Hauptschule, Jgst. 9)<\/em><\/p>\n<p><em>(31) Du, Hallo (Gymnasium, Jgst. 7)<\/em><\/p>\n<p>Es ist also deutlich, dass die Jugendlichen zu unterscheiden wissen. In der Forschung von Neuland antworten sie auch eindrucksvoll und reflektiert darauf, wieso dem so sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p><em>\u201eManche nutzen ja auch die Pause, also im Unterricht muss man ja h\u00f6flich und respektvoll sein, das is ja wie so ne Regel halt. Manche nutzen aber auch die Pause aus, um halt da halt, ein bisschen Dampf abzulassen und da halt unh\u00f6flich oder respektvoll sein. Aber nicht gegen den Lehrer. Vielleicht mit Freunden halt, dass man so extra so aus Spa\u00df so sagt, um den anderen halt zu erleichtern. [\u2026] In der \u00d6ffentlichkeit ist das ja so, dass es so wie eine Pflicht ist, h\u00f6flich zu sein zu anderen, weil das jetzt \u00e4hm, man will sein Bild halt nicht ruinieren. Aber halt mit Freunden ist das ja so, so nen sicherer Bereich, wo man tun und lassen kann, was man will. Ich glaub die einzige Grenze ist vielleicht ein Geheimnis oder so \u00e4hm sozusagen halt, wo der andere naja, nicht will, dass es gesagt wird, aber so von der Redensart haben wir eigentlich kaum Grenzen (lacht). (Murat, RG 01, 12. Klasse)\u201c<a href=\"#_ftn8\" name=\"_ftnref8\"><strong>[8]<\/strong><\/a><\/em><\/p>\n<p>Es geht also bei der Jugendsprache nicht darum, unh\u00f6flich oder respektlos zu sein. Vielmehr ist diese Dichotomie aufgehoben. Es hat sich ein Spannungsfeld zwischen Ernst- und Scherzhaftigkeit entwickelt. Das Stichwort ist nicht mehr \u201aH\u00f6flichkeit\u2018 sondern eher \u201aRespekt\u2018. Dass dieser Respekt erhalten bleibt, auch bei einer f\u00fcr uns un\u00fcblichen \u00c4u\u00dferungsform, zeigt das Ausbleiben aggressiver Gegenreaktionen anderer Sch\u00fclerInnen. Dementsprechend finde ich auch, dass in Erkl\u00e4rvideos, sofern sie als Medium von Sch\u00fclerInnen f\u00fcr Sch\u00fclerInnen verstanden werden, der Freiraum gegeben werden sollte, eine sprachliche Vielf\u00e4ltigkeit und begr\u00fcndete Authentizit\u00e4t zuzulassen. Wenn die Erkl\u00e4rvideos in der Produktion und bei der Auseinandersetzung mit der eigenen Sprach- und Wortwahl dann noch erzeugen, dass diese Kontextsensitivit\u00e4t weiter geschult wird, ist sogar eine weitere Kompetenz neben der Medienkompetenz geschult worden.<\/p>\n<p>Neben aller Kritik erscheinen mir Erkl\u00e4rvideos, gerade in der Produktionsorientierung, als eine geeignete Herangehensweise, um den Deutschunterricht medial zu unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis:<\/strong><\/p>\n<p>Anders\/Staiger\/Albrecht\/R\u00fcsel\/Vorst (2019): Einf\u00fchrung in die Filmdidaktik. Kapitel 18: Erkl\u00e4rvideos. J.B. Metzler, Berlin.<\/p>\n<p>Eva Neuland (2018): \u201aH\u00f6flichkeit? Respekt!\u2018 Jugendtypische Umgangsformen mit sprachlicher H\u00f6flichkeit. In: Ziegler, Arne (2018): Jugendsprachen. Aktuelle Perspektiven internationaler Forschung. Berlin: De Gruyter.<\/p>\n<p>Medienp\u00e4dagogischer Forschungsverbund S\u00fcdwest (2018): JIM-Studie 2018: Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-J\u00e4hriger. Stuttgart.<\/p>\n<p><strong>Online Quellen:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/sfz-hausham.de\/aktuelles\/aktionen\/\">https:\/\/sfz-hausham.de\/aktuelles\/aktionen\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.filmundschule.nrw.de\">www.filmundschule.nrw.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.lis.bremen.de\/schulqualitaet\/curriculumentwicklung\/bildungsplaene\/sekundarbereich_i-15226\">https:\/\/www.lis.bremen.de\/schulqualitaet\/curriculumentwicklung\/bildungsplaene\/sekundarbereich_i-15226<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a>Vgl.: Medienp\u00e4dagogischer Forschungsverbund S\u00fcdwest (2018): JIM-Studie 2018: Jugend, Information, Medien. Basisuntersuchung zum Medienumgang 12- bis 19-J\u00e4hriger. Stuttgart.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref2\" name=\"_ftn2\">[2]<\/a> Vgl.: Anders\/Staiger\/Albrecht\/R\u00fcsel\/Vorst (2019): Einf\u00fchrung in die Filmdidaktik. Kapitel 18: Erkl\u00e4rvideos. J.B. Metzler, Berlin.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref3\" name=\"_ftn3\">[3]<\/a> Vgl.: <a href=\"https:\/\/www.lis.bremen.de\/schulqualitaet\/curriculumentwicklung\/bildungsplaene\/sekundarbereich_i-15226\">https:\/\/www.lis.bremen.de\/schulqualitaet\/curriculumentwicklung\/bildungsplaene\/sekundarbereich_i-15226<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref4\" name=\"_ftn4\">[4]<\/a> Vgl. auch: <a href=\"http:\/\/www.filmundschule.nrw.de\">www.filmundschule.nrw.de<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref5\" name=\"_ftn5\">[5]<\/a> Vgl.: <a href=\"https:\/\/sfz-hausham.de\/aktuelles\/aktionen\/\">https:\/\/sfz-hausham.de\/aktuelles\/aktionen\/<\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref6\" name=\"_ftn6\">[6]<\/a> Vgl.: Eva Neuland (2018): \u201aH\u00f6flichkeit? Respekt!\u2018 Jugendtypische Umgangsformen mit sprachlicher H\u00f6flichkeit. In: Ziegler, Arne (2018): Jugendsprachen. Aktuelle Perspektiven internationaler Forschung. Berlin: De Gruyter, 211-229.<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref7\" name=\"_ftn7\">[7]<\/a> Neuland: 219<\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref8\" name=\"_ftn8\">[8]<\/a> Neuland: 225<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div><div class=\"et_pb_module et_d4_element et_pb_text et_pb_text_2  et_pb_text_align_left et_pb_bg_layout_light\">\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t<div class=\"et_pb_text_inner\"><hr \/>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a role=\"link\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-sa\/4.0\/\" rel=\"license\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/i.creativecommons.org\/l\/by-nc-sa\/4.0\/88x31.png\" alt=\"Creative Commons Lizenzvertrag\" \/><\/a><\/p>\n<p>Dieses Werk ist lizenziert unter einer\u00a0<a role=\"link\" href=\"http:\/\/creativecommons.org\/licenses\/by-nc-sa\/4.0\/\" rel=\"license\">Creative Commons Namensnennung \u2013 Nicht-kommerziell \u2013 Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International Lizenz<\/a>.\u00a0<strong>CC-BY-NC-SA:<\/strong>\u00a0Susann Budde<\/p><\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\n\t\t\t\t\n\t\t\t<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":6383,"featured_media":613,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_bbp_topic_count":0,"_bbp_reply_count":0,"_bbp_total_topic_count":0,"_bbp_total_reply_count":0,"_bbp_voice_count":0,"_bbp_anonymous_reply_count":0,"_bbp_topic_count_hidden":0,"_bbp_reply_count_hidden":0,"_bbp_forum_subforum_count":0,"_et_pb_use_builder":"on","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[69746,645],"tags":[69746],"coauthors":[717803],"class_list":["post-607","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-reflexionsbericht","category-video","tag-reflexionsbericht"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/607","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/6383"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=607"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/607\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2024,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/607\/revisions\/2024"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/media\/613"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=607"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=607"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=607"},{"taxonomy":"author","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/medienbildung\/wp-json\/wp\/v2\/coauthors?post=607"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}