{"id":6,"date":"2023-01-16T22:18:50","date_gmt":"2023-01-16T21:18:50","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mariefriedrichs\/?p=6"},"modified":"2023-02-11T13:42:24","modified_gmt":"2023-02-11T12:42:24","slug":"hans-wocken-gemeinsame-lernsituation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.uni-bremen.de\/mariefriedrichs\/2023\/01\/16\/hans-wocken-gemeinsame-lernsituation\/","title":{"rendered":"Hans Wocken: Gemeinsame Lernsituation"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: 18pt;font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><strong>Hans Wocken \u2013 Gemeinsame Lernsituation<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Hans Joachim Wocken wurde 1943 in R\u00fctenrock geboren <\/span><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">und studierte P\u00e4dagogik an der P\u00e4dagogischen Hochschule Vechta. Wocken arbeitete als Sonderp\u00e4dagoge in Dortmund, promovierte anschlie\u00dfend und wurde Professor f\u00fcr Lernbehindertenp\u00e4dagogik an der Universit\u00e4t Hamburg. Er besch\u00e4ftigte sich haupts\u00e4chlich mit integrativer P\u00e4dagogik.\u00a0<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">In dem Text \u201eGemeinsame Lernsituation\u201c verfasst 1998 von Hans Joachim Wocken werden verschiedene Lernsituationen beschrieben und in Form von Schaubildern dargestellt. Diese bestehen aus zwei Ebenen. Zum einen wird der Inhaltsaspekt, beispielsweise Ziele, Aufgaben und Pl\u00e4ne, durch horizontale Pfeile visualisiert. Zum anderen wird auf vertikaler Ebene der Beziehungsaspekt wie soziale Prozesse und kommunikativer Austausch veranschaulicht.\u00a0<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><span style=\"font-size: 14pt\"><strong><span style=\"font-size: 18pt\">Koexistente Lernsituation<\/span><\/strong>:<\/span><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><u>Beschreibung<\/u>:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Das Verhalten der jeweiligen Person wird zum gr\u00f6\u00dften Teil \u00fcber ihr eigenes Handeln bestimmt. Die beteiligten konzentrieren sich in erster Linie auf sich selbst. Das eigene angestrebte Ziel steht hierbei im Vordergrund. Die Gemeinsamkeit wird auf das r\u00e4umliche beieinander sein reduziert wobei das interaktive weniger vorhanden ist. Vergleichbar ist dies mit dem Stra\u00dfenverkehr. Man hat ein eigenes Ziel, eine eigene Route und braucht zur Realisierung den anderen erst einmal nicht. Jedoch muss, um das Ziel erreichen zu k\u00f6nnen, auf andere Fahrer und beteiligte Personen am Stra\u00dfenverkehr geachtet werden. Kommuniziert wird hierbei meist lediglich mit Hup- und Lichtsignalen. Der Inhaltsaspekt dominiert in diesem Fall und der Beziehungsaspekt passiert eher passiv.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><u style=\"font-weight: normal\">Im s<\/u><span style=\"font-weight: normal\"><u>chulischen Kontext<\/u>:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Ein Beispiel f\u00fcr eine koexistente Lernsituation im Schulalltag ist die Bearbeitung des Wochenplans. Die Sch\u00fcler*innen bearbeitend ihre Aufgaben individuell ihrem Tempo entsprechend. Ein direkter Austausch ist hierbei nicht vorhanden.<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 18pt\">Kommunikative Lernsituation: \u00a0<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><u>Beschreibung:<\/u><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Bei der kommunikativen steht die Interaktion also die Kommunikation und das Miteinander im Vordergrund. Der Inhalt spielt hierbei weniger eine Rolle. Hierbei gibt es weder einen Plan noch ein gemeinsames Ziel. Die beteiligen reagieren und antworten spontan auf das gesagte des anderen. Jeder war schon einmal in solch einer Situation. Beispielsweise beim Kaffee mit Familie oder Freunden oder auf einer Party. Es kann mehrere Abschweifungen innerhalb eines Gespr\u00e4ches geben ohne das eine Entscheidung getroffen werden muss oder ein Problem bearbeitet wird. Es ist also das Gegenst\u00fcck zur koexistenten Lernsituation.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><u>Im schulischen Kontext:<\/u><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Auch wenn diese Form von Lernsituation nicht auf den ersten Blickscheint, als ob sich diese einer Lehrenden Einrichtung wiederfinden l\u00e4sst, so kommt sie doch auch in der Schule vor. Beispielsweisen in den Pausen oder beim Fr\u00fchst\u00fcck. Hierbei tritt die intentionale P\u00e4dagogik zur\u00fcck. Diese Zeit ist ebenso wichtig wie die Zeit der koexistenten Lernsituation.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 14pt\"><span style=\"font-size: 18pt\">Subsidi\u00e4re Lernsituation<\/span>:<\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><u>Beschreibung:<\/u><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Bei der Subsidi\u00e4ren Lernsituation ist sowohl der Inhaltsaspekt als auch der Beziehungsaspekt relevant. Diese l\u00e4sst sich in zwei verschiedene Situationstypen unterteilen. Zum einen wird die <strong>unterst\u00fctzende Lernsituation<\/strong> erl\u00e4utert. Hierbei bietet Sch\u00fcler*in A Sch\u00fcler*in B Unterst\u00fctzung bei der Bew\u00e4ltigung der Aufgaben an und arbeitet beil\u00e4ufig kontinuierlich an seinem eigenen Lernziel weiter. Somit wird durch einseitige Kommunikation dem hilfsbed\u00fcrftigen Sch\u00fcler B Unterst\u00fctzung geleistet. Zum anderen wird die <strong>prosoziale Lernsituation<\/strong> beschreiben. Hierbei ist es f\u00fcr Sch\u00fcler*in A nicht mehr m\u00f6glich sich neben der Hilfestellung, die eigenen Lernziele weiter zu verfolgen. Sch\u00fcler*in A stellt die eigenen Bed\u00fcrfnisse zur\u00fcck, um Sch\u00fcler*in B zu Helfen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><u>Im schulischen Kontext:<\/u><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Beide Lernsituation sind im Schulalltag wiederzufinden. Die <strong>unterst\u00fctzende Lernsituation<\/strong> tritt beispielsweise auf, wenn beispielsweise ein Sch\u00fcler bei der Aufgabenstellung nicht zugeh\u00f6rt hat und der Sitznachbar demjenigen die Aufgabe erkl\u00e4rt und beide anschlie\u00dfend an ihren Aufgaben weiterarbeiten. \u00a0Die <b>prosoziale Lernsituation<\/b> kann innerhalb eines Gemeinsamen Unterrichtes immer wieder vorkommen. Ist die Lehrkraft gerade nicht in Reichweite oder traut sich ein\/e Sch\u00fcler*in nicht um Hilfe zu bitten, so kommt es auch zu Hilfestellungen und Assistent unterhalb der Sch\u00fcler*innen.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 14pt\"><span style=\"font-size: 18pt\">Kooperative Lernsituation:<\/span><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><u>Beschreibung<\/u>:<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Bei der Kooperativen Lernsituation arbeiten alle Sch\u00fcler*innen an der Bew\u00e4ltigung einer Aufgabe. Arbeitet die Gruppe an einem gemeinsamen Ziel wird dies als <strong>solidarische Lernsituation<\/strong> bezeichnet. Gibt es unterschiedliche Zielsetzungen, wird dies <strong>komplement\u00e4re Lernsituation<\/strong> genannt. Verfolgen sie unterschiedliche Ziele so sind sie dennoch an auf Kooperation und Interaktion untereinander angewiesen. Wird an einem gemeinsamen Ziel gearbeitet st\u00e4rkt dies die Gemeinschaft.<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\"><u>Im schulischen Kontext:<\/u><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Auch hier treten beide Lernsituationen im schulischen Alltag auf. <strong>Solidarische Lernsituationen<\/strong> sind beispielsweise im Sportunterricht bei der Zusammenarbeit innerhalb einer Mannschaft oder bei Gruppenarbeiten auf. Eine <strong>komplement\u00e4re Lernsituation<\/strong> kommt beispielsweise beim Fu\u00dfball spielen oder Schachspielen vor. Man kann beides nicht allein spielen und ist, auch wenn man ein anderes ziel verfolgt, voneinander abh\u00e4ngig. \u00a0<\/span><\/p>\n<h2><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif;font-size: 18pt\">Anwendung von oben genannten Lernsituationen im inklusiven Unterricht:<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/h2>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Jede Lernsituation weist verschiedene positive Eigenschaften auf, die zu Lernerfolgen der Sch\u00fcler*innen beitragen. In einem inklusiven Unterricht steht die Individualit\u00e4t der Sch\u00fcler*innen im Vordergrund. Wichtig f\u00fcr die Lehrperson ist es also die unterschiedlichen Bed\u00fcrfnisse der Kinder wahrzunehmen und dementsprechend auch den Unterricht anzupassen. Demnach ist es nicht Sinnvoll nur eine Lernsituation in einem inklusiven Unterricht zu. Vor allem sind jedoch Lernsituation, die die Gemeinsame Lernen der Kinder mit verschiedenen Bed\u00fcrfnissen f\u00f6rdert. Das Austauschen, die gegenseitige Hilfe und das Lernen miteinander zeichnen einen inklusiven Unterricht aus. Denn dabei geht es eben nicht darum zu separieren, sondern um die Gemeinsamkeit der Vielfalt. \u00a0Demnach sollten vor allem Lernsituationen wie kooperative Lernsituation aber auch subsidi\u00e4re Lernsituationen im inklusiven Unterricht verwendet werden. So schrieb auch Wocken: \u201eDie Gemeinsamkeit der Verschiedenen ist die eigentliche Erkennungsmelodie der Inklusion, ihr Substanzieller Kern. Und deshalb ist die Gemeinsamkeit der Verschiedenen auch ein unverzichtbares Kernmerkmal der Inklusion.\u201c (Wocken, Hans (2019), S.14)<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Literatur:<\/span><\/h4>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Wocken, Hans (1998): GemeinsameLernsituationen (S.41-48)<span class=\"Apple-converted-space\">\u00a0<\/span><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Wocken, Hans (2019): Inklusive Bildung. Ann\u00e4herung an den Begriff der Inklusion und F\u00f6rderungen an die Inklusionsforschung. In: Auswege Magazin, Perspektiven f\u00fcr den Erziehungsalltag. Letzter Zugriff: 10.01.2023<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-family: arial, helvetica, sans-serif\">Wocken, Hans (2017): Vielfalt allein gen\u00fcgt nicht! Zur dialektischen Einheit von Vielfalt und Gemeinsamkeit. In: Wocken, Hans (Hrsg.): Beim Haus der inklusiven Schule. Praktiken \u2013 Kontroversen \u2013 Statistiken. Hamburg: Feldhaus Verlag, S. 170-250 Letzter Zugriff: 10.01.23<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hans Wocken \u2013 Gemeinsame Lernsituation\u00a0 Hans Joachim Wocken wurde 1943 in R\u00fctenrock geboren und studierte P\u00e4dagogik an der P\u00e4dagogischen Hochschule Vechta. Wocken arbeitete als Sonderp\u00e4dagoge in Dortmund, promovierte anschlie\u00dfend und wurde Professor f\u00fcr Lernbehindertenp\u00e4dagogik an der Universit\u00e4t Hamburg. 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